Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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So muss ich also trachten, was anderes, passendes zu bekommen.“ Und so weiter. ^IcH weiss nicht, wie der Handel schliesslich ausgehen wird, aber mir scheint solches Verfahren praktisch richtiger zu sein als die Art. wie Herr U’ssischkin seine ,,Tätigkeit in den Bergen Israels•* ausgeübt hat. Ich schlösse. Von zw ei Hingen eines: Entweder Herr Ussischkiit weiss einen kürzeren und besseren Weg. u:n das jüdische Volk in den öffentlich-rechtlichen Besitz Palästinas zu bringen - dann ist es 'זו!! einem so guten Zionisten nicht schön, dass er uns diesen nicht schleunigst angibt. Oder er weiss keinen — d-׳!!ü n״-gc er nicht mit leeren Redensarten die Einigkeit in! Zionismus std׳en. die mehr wert ist. als ein paar Grundstücke in Palästina." 27. Oktob,•; 19AU Th. H e r z 1. Her Standpunkt den die ״Jüdische Rundschau" cinniinmt. ist bekannt. Sie scheidet sehr scharf zwischen der Gegenwa* tsarbeit in Palästina und der Ostairikafrage. Aber wir Meilen fest, dass Herz! auch iij dieser Erwiderung denen, die verstehen rönnen, deutlich sagt, wie er seiner Politik der Welirhtit und Ehrlichkeit nach geht. Wir Westeuropäer, die wir au parlamentarisches Leben gewöhnt sind, können l’ssischkin nicht verstehen, wenn er einer Körperschaft äugehören, sich aber ihrer Solidarität nicht fügen will. Aber um unseren Freunden die diesen Ussisclikin nicht kennen, kein schiefes Bild von der Sachlage zu gehen, wollen wir feststellen, dass e r der allerletzte ist. der den Gegnern die Hand bieten wird, eine Spaltung im Kongrcsszionismus hervorzurufen. Es handelt sich nicht uni einen Streit zwischen Zionismus und Ussischkinismus. sondern um das Auffiudeu eines Auswegs aus einem frrgangc, auf dem sich ein Teil der russischer! Zionisten befindet. Wir dürfen ruhig sein. Diesen Ausweg wird Herzl finden. Und Ussischkin wird ihm auf halbem Wege entgegenkommen. K 1 i a q I m. Die Meyeriade. (Quo vadis?) Besprechung von Sammy öronemann. Herr Siegmund Meyer, Doktor der Rechte und Rechtsanwalt beim Landgericht Hannover, Mitglied des Vorstandes des Vereins zur Forderung des Handwerks unter den Juden, - und des Zweigkomitecs des Vereins zur Abwehr des Antiscmitismus — hat von dem jedem Preusscn nach Art. 27 der Vcrfassung /»stehendem Rechte, durch Wort, Schrift , und Druck seine Meinung frei zu iiussern. in ausgiebigem Masse Gebrauch gemacht. Am Freitag, dem 16. Oktober er. überraschte Herr Gustav Karpclcs seine Abonnenten mit einem Produkte der Meycrsclien Feder. - dessen Verantwortung mitzutragen er bescheiden;!Helmte. Indessen wie er in der einleitenden Anmerkiing seinen Freunden ins Ohr finstert. - es ist das Bc- Kenntnis eines angesehenen Mannes, dessen begeisterte Anliängrcltkeii an das Judentum und dessen eifriges Wirken inr die deutsche .!uJcnheit aligeniciii bekannt sind־*. Den! Spürsinn d׳.-s berühmter! Litteratur Jetektivs wird vertraut und das Bekenntnis des allgemein bekannten Herrn Meyer erregt denn auclt die prognostizierte ..allgemeine W1in1erks־tmkeit*'. Zur Ehre unserer Juden sei es gesagt: es fand sich im jüdischen Blätterwahie kein Einziger, der in die vorgesuugctic Melodei einstimmte. Und folglich konnte man sich mit bciiaglichem Schmunzeln daran genügen lassen, zu konstatieren, dass selbst der ai!eri׳ehan;ncstc Meyer!rieh! mehr umhin kam!, mit dem Zionismus zu rechnen. -- Nun ist aber dieser AriU.e! gar in die polltbche Tageskasse rbcrm׳m::;c:1;:ו־.' dort als das Glaubensbekenntnis des bester: Teiles der deutscher- Juden ausgegeben. Dagegen gilt es Protest ein zu legen! Nehmen wir den Artikel unter die Lupe, so zeigt cs sich, dass nichts als ein paar immer wirkende Phrasen, durchaus a!ar nicht innerer Wert den Artikel ״zugkräftig" machte•!. Die ehrlichen und mit Vcriiunitgriinden operierenden Gegner unserer Anschauungen deren ich eine Anzahl kenne und mit denen zu debattieren, eine Freude ist. verdienen es um uns, dass wir sic davor bewahren, mit dun unter der missverstandenen Flagge segelnden Herrn Meyer in einen Topf geworfen werden. Noch sind die deut* scheu Juden nicht die ״Gemeierten". Litteraturbericht. S. Lublinski. Die Entsteh 11 n g .d e s .1 u d e 11111 m s. Eine Skizze. Berlin: Jüdischer Verlag 1903. 71 S. 12״. Wer bei Eubliuski ernsthafte Belehrung über die Ent- Stellung des Judentums sucht, wird natürlich durch die Lektüre dieser seiner Schrift gründlich enttäuscht. Denn woher sollte j der deutsche Publizist vom Judentum und seinem Werden etwas j wissen, er, der wohl kaum jemals die Bibel in ihrem ganzen j Umfange gelesen hat. und der nicht einmal die Sprache vcr- I steht, in der uns die Urkunden vorliegcn. die über des Juden• j tiims Entstellung zu uns sprechen. Aber das will auch j Lublinski garnicht. \\\*r nämlich nicht den Schlüssel kennt, ' n״t dem tn-ii sich Eingang in das ,ברד .Lublinskis verschafft. ן der wir tatsächlich glauben könne«, dass er all das Zeug, das I er'da vorträgt, wirklich ernst meint. Für so naiv darf man | aber Lublit >ki nicht!!alten• Er weiss viel besser als seine Leser und Kritiker die ditettantenhafte Seichtheit seiner Ausfiihrungui zu l>curtc!le11; denn sein Zweck ist, —und das ist der Schlüssel zu seinem ,יב*ד — die Hohlheit jener Di- ן lettantcn zu verspotten, die irgend einen blassen Schimmer von t der ״ö k ן ן!! 0 ח ס $ c 11 e n Geschichtsbetrachtung" eines M.־»»־x; zu haben glauben, und damit vermeinen, für die aus unendlich vielen wägbaren und impomlcrabilen Komponenten zusammengesetzten Gescliiclitsgänge. eine gradlinige Lösung gefunden zu haben. Gerade die scheinbare Cberhdumg, dass er glaubt Probleme formuliert und Fingerzeige für eine systematischere Forschung, als es bisher gab. zur Nachprüfung der wissenschaftlichen Resultate geschaffen zu haben, ist beabsiehtigt, und Lublinski lacht noch mehr über die Kritiker, die seinen blutigen Holm ernst nehmen, als über die Dilettanterei, der dieser gilt. Darum eben zitiert er dort Dilettanten, wo er Gelehrte hätte antuhren können. Und welcher giftige Spott liegt darin, in einem Buche über die Entstehung des Judentums Karl Marx als den grössten Juden anzurufen, und Moses überhuupt nicht zu neunen. Diese souveräne Verachtung aller methodischcu Wissenschaft und diese kühne Konstruktion, die ebenso mystisch dogmatisch ist. wie sie sich ant niysiiseli nennt, ist Absicht. Er verspottet damit die ..Kritiker", die erst irgend eine populäre Skizze der Grafischen Theorie in der Hand gehabt haben, und nun im Handumdrehen die tiefsten Probleme der hebräischen Geschichte lösen, und sich gelegentlich allenfalls dazu eine Bibelübersetzung auschatten, in der. sie dabei vielleicht ein wenig blättern. Natürlich hat Lublinski kirnstlerischen Sinn genug, um uns nicht blos mit Jahweh, dem ״Na- '*־־