Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Odesa 1× ep/1000834
- Tiberias 1× ep/1048138
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Ä- ».<*.•״ י — */ ■ A ״*v• f4 Seite 490. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 46. sation und Einwanderung sind keineswegs identisch. Wie wir es seit vielen Jaliren gefordert haben, so erheben wir immer wieder den Ruf, in Palästina mit einheimischen palästinischen und anderen türkischen Juden zu kolonisieren. Wenn auch kein einziger fremder Jude in Jaffa landet, so wird man Jahrzehnte lang eine intensive Kolonlsation treiben können, indem tnan die Hungcrer und Lungerer von Jerusalem, Tiberias, Safcd, Haifa, Hebron usw. in fieissige Arbeiter verwandelt, die im Schweisse , ihres Augcsichts ihr Brot verdienen. So wandelt man eine zahlreiche jüdische Bevölkerung Palästinas, die heute ein erhebliches Minus darstellt, in ein ebenso ge- - wichtiges soziales Pius. Dahin gehört in erster Linie die Einführung von Gerechtigkeit und Vernunft in die Verteilung der Chalukah. Dahin gehört vor allem die Ucbertiihrung der jüdischen Städter zu Gewerbe und Landwirtschaft, dahin aber auch der Ausbau der Schulen, die Erhöhung der Bildung und am allermeisten die Aushreitung und Ausweitung unserer hebräischen Sprache. Kulturaufgaben sind es, die wir in Palästina zu erfüllen haben. Aber diese Arbeiten, die unbedingt notwendig sind, stören nicht die Kreise unseres Aktionskomitees, sondern sind ihre notwendigen Ergänzungen. Ilaruin haben wir ja die Palüstinakommission nii! festem Etat auf dem Kongress gewählt, darum eben geht die Tätigkeit der Ge’ulal! Hand in Hand mit dem politischen Zionismus, dessen integrierender Teil sie ist. Nicht zum!*allstrick für den Zionismus soll die Kolonisation werden. wie unsere Berliner und Pariser Scltmollwinklcr scIk.h nohkrekeu. die in Ostafrika den Schandr gefunden zu haben glauben, mit dem sie ohne Schwertesstreicl! den Zionismus spalten können. Die Kolonisation wird im Gegenteil weiter der feste Grundstein bleiben, auf dem die Gegenwartsarbeit des Zionismus aufbaut, die in keinem Widerspruch steht zu unsern Bemühungen um die öffentlich-rechtlichen Garantien, die wir erstreben. Denn ohne diese Sicherheiten hängt die ganze Gegenwartsarbeit in der Luft. Vor allem aber wissen wir Zionisten alle, und gerade auch unsere Gesinntmgsfreunde in Russland sehr wohl, dass die Kolonisation und die plötzlich erwachte Zionsliebe nur der Köder sind, mit dem man sie vom Kongress hinwcglocken möchte. Unsere russischen Freunde wissen viel zu gut. dass die Spaltung des Zionismus seinen Untergang hedeuten würde. Sic verstehen eben so gut w׳ie wir, dass die ״guten Leute“, die auf diese Spaltung hinarbeiten, nicht die Freunde von Zion, sondern die Feinde des Zionismus sind. Wir kennen sie und hüten 1ms vor ihnen, wenn sie, wie es im Psalm heisst, ״ihre Zungen glätten“. Wir, die alten Zionisten, die alten Kämpfer für den Kolonisationsgedanken, wir halten treu zu unserer Füllrung, die den Zionismus gross gemacht hat. Wir werden den Feinden unseres Volkes und des Zionismus nicht den Gefallen tun, Uneinigkeit in unsere eigenen Reihen zu tragen. Aber wir werden weiter für Gcgenwartsarbeit in Palästina tätig sein. Wir arbeiten gern und unentwegt für Kolonisation in Palästina, —* für innere Kolonisation. H e i n r i c h L 0 c w e. Das Ostafrikanische Projekt des sechsten Kongresses. III. Zionismus oder Ussischkinismus? Zugleich mit dem sechsten Kongress in Basel fand in der Kolonie Sikhron-Ja’akob eine liebräisch-palSstinischc Konferenz unter dem Vorsitz des bekannten Ingenieurs M. Ussischkin statt. Dieser alte Kämpfer des Zionismus, der bis, vor ganz kurzem für die Geselichaft Ge’uiah in Palästina weilte, erlässt nunmehr nach seiner Rückkehr ans den» Lande Israel folgende Kundmachung und ersucht die zionistischen Zeitungen in allen Ländern und in allen Sprachen diesen Brief wieder und weiter zu geben: An die Delegierten des VI. Zionistenkongresses! Meine Tätigkeit in Palästina verhinderte mich, am VI. Kongross tcüzunchmcn. über meine Arbeit auf den Bergen Isr i b werde ich dem Komitee von Wien und Odessa berichten. Hier' will ich nur erklären, dass ich nach meiner Rückkunft nach Hause erfahren habe, dass ich mit der Wiederwahl zum Mitgliedc des zionistischen Aktionskomitees Ircehrt worden sei. Es ist selbstverständlich, dass ich mich verpflichtet erachte, rastlos für die Wiedergeburt unseres Volkes zu arbeiten, wie ts der Kongress beschlossen hat. und wie cs das gewählte Aktionskomitec hcschlicsscn wird. Was aber den Hauptbeschluss des Kongresses betrifft - die Entsendung einer Expedition mich Ostatrika ־ so halte ich diesen Beschluss als iiir mich nicht bindend. Ich widersetze mich ilnn mit meinem 'ganzen W esen und werde mit aller Kraft mich bestreben, seine Durchführung zu verhindern. - - Die!Majorität des Kongrosso kann in irg.nd euer Arbeits- oder Tatfragc entscheiden, aber nicht in der des Prinzip.' und des Ideal'•. Und ebenso wie alle Majoritäten der Weit mich weder vom <ihmben Israels noch von der l'bora Israels .׳,!■bringen werden, wird mich auch J:e Majorität des Kongresses ",צרר der Zahl nach von Etc/. (s;.»el nicht wegbringen: du!:׳ nn! diejenigen, die vor! der Diplomatie und dein übertriebener• Politisieren verblendet waren, haben es in!!.׳«, r Naivetüt nicht bemerkt, dass de; Beschluss de■* zinnistisehen Kongresses eine Expedition nach irgc»d einem Eandt zu entsenden, eine Lossagung, eine Scheidung von l'akistwt ist. ( her meine Agitation und Tätigkeit in dieser Kardinal* frage werden Sie nächstens erfahren. Ussischkin, Jekater׳inoslaw. 25. Tischri. Von dem grossen Werte, den Dr. Theodor Hcrzl seinem neuen Gegner Ussischkin beimisst, zeugt am besten, (lass er selbst gegen ihn die Erwiderung in der ..Welt’* schreibt. Sie ist nicht zart, diese Erwiderung. Wenn auch Ussischkin wohl am allerwenigsten eine freundschaftliche Antwort erwartet haben durfte, so übertrint sie doch gew iss bei ״aber Höflichkeit alle seine Erwartungen. Wir wollen hier nicht die Angriffe wiedergeben, die Hcrzl in Verteidigung seiner und unserer Sache gegen das Werk der Gesellschaft Ge'ubh und ihres Vcrtreters Ussischkin in Palästina richtet. Dagegen wollen wir den Schluss der HerzEschcn Ausführungen wiedergeben, in denen er siel! über die Art auslässt, wie Ge'ulali in Palästina l.and gekauit hat. und wie man es nach seiner Meinung besser kaufen sollte. Denn aus dieser Auslassung über Hatiskattf erseilen Einsichtige mehr, wie Hcrz.ls Gstatrikapolitik heseliaiien ist. als man in langen Artikeln aiiseinaiulersetzen könnte. ״Und nun komme ich zur heiteren Seite der Sache. Wie gross die diplomatischen Fälligkeiten des Hern■ Ussischkin sind, weiss ich nicht. Aber dass er nicht cinzukaufcn ver- Steht, das sehe ich. Er ist gewiss ein redlicher Mann; auch jetz.t, wo ich über ihn Klage zn führen habe, stelle ich seine ehrlichen Absichten ausser allen Zweifel. Nur eignet er sich nicht für solche Aufgaben, und die Ge'ulali wird g״t tun, wenn sie überhaupt noch Grundstücke in Ercz Israel kaufen will, dies durch einen weniger lauten und auffallenden Manu *hesorgen zu lassen. Durch den Zionismus lernt man wirklich die Juden von einer neuen Seite kennen. Bisher hielt man uns für pfiffiger. Ich habe leider gar keine geschäftliche. Erfahrung, da ich mich bisher noch nie mit Geschärten abgegeben hal>e. ln meiner Unerfahreiilicit stelle ich mir aber das zweckmässige Vorgehen dennoch anders vor. Nehmen wir an. ich will ein Haus kaufen, und wäre cs selbst mein in andere Hände ge* kommenes Vaterhaus, so werde ich mich doch dem Jetzigen