Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 45. Seite 485, JÜDISCHE RUNDSCHAU. in einer grösseren Rede dem Volke das auscinandersctzen. Nicht wahr, Herr ..... die Komödie ist erreicht! Die armen, halbtoten Juden, die glücklich sind, wenn man sic einen Tag in Ruhe lässt, diese Juden wollen die 50 Millionen russischer Bauern ßberiallcn und ermorden! Aber eine Frucht haben die Krawalle doch gezeitigt Die jüdischen Sozialisten und Bundisten, die Todfeinde der Zionisten, sind so recht in der Klemme. Denn bis jetzt hiess cs immer: ״Stürzt die fetzige Regierung und ihr seid frei. Das russische Volk ist ja von Natur gut, es ist nicht antisemitisch, in Russland werden die Konstitution und die Rechte für die Juden mehr als nur theoretischen Wert haben. Fürchtet nicht das Beispiel der westeuropäischen Staaten, denn dort ist das Volk, die Masse judenfeindlich; der russische Bauer aber ist die Verkörperung der Güte u. s. v.“ Nun aber haben die jüdischen Sozialisten den russischen Bauer so recht tüchtig gerochen, nun fühlen sie, wenn sie's auch nicht zugeben, dass die russische Regierung im russischen Bauern einen vorzüglichen /Zündstoff besitzt. Die Theorien der jüdischen Kosmopoliten und Marxisten sind von Grund aus erschüttert, und man ist auf der Suche nach neuen Mitteln und Hypothesen, um die jüdische Masse noch immer an der Nase lierumzuftihren und sie weiter für die fremden Tretmühlen der Gleichheitsmacher und Umstürzler icstzuh.'iiten; man erfindet die möglichsten und unmöglichsten Geschichten, um das russische Volk zu entlasten und gegen die Zionisten zu hetzen. Allerdings gelingt es ihnen jetzt viel schwerer als bisher, denn die jüdische Masse kommt immer mehr zur!:insicht, dass sie vorn russischen Volke nichts zu erwarten hat und dass der Sozialismus (resp. Bundismus) ihr ärgster, bösester Feind ist. Die Parole der russischen Zionisten muss daher lauten: ״Kampf dem Btmdisnnis, Kompf gegen die jüdischen Sozialisten, denn sie sind die ärgsten Ansbeut er! Sie wollen das jüdische Volk, die ärmsten aller Armen, die elendsten aller Elenden zu gunsten anderer minder bedüritiger Völker ausuützen. Sie wollen mit Mitteln eines nach Rettung ringenden Volkes den Starken und Uebermütigen helfen.“ Berlin. Die ״ J ü d i s c 11 - n a t i 011 a l e Fraucnvereinigung" begann ihre Wintertätigkeit am Montag, dem 2. November in Cassels Hotel. Burgstr., mit einem Vortrage des Herrn Dr. Bermeld, der vor einen! zahlreich erschienenen Publikum über die Bedeutung der hebräischen Sorache iürdas jüdische Volk sprach. Redner sprach sein Bedauern darüber aus, dass die hebr. Sprache leider bis vor kurzem nur als religiöse Sprache betrachtet wurde, während sie in Wirklichkeit das einzige nationale Band war, das die Juden in der Zerstreutheit zusammenband. Dieser religiösen Auiiassung der Sprache sei ec auch zuzuschreiben, dass sich die Frauen so wenig um die Erlernung der Sprache bemühten. Der zionistisehe und nationaljiidis^clie Gedanke war es, der wieder neues Leben in die hebr. Sprache brachte und eine wunderbare Litteratur gezeitigt hat. Der Vortrag wurde mit grossem Beifall ausgenommen. Nach •der Diskussion fand ein gemütliches Beisamrnenscit! statt. Erwähnt seien hier noch die Darbietungen des Frl. Conrad, die 2 Lieder zum besten gab und mit ihrer sympathischen Stimme die Zuhörer entzückte. Der Arbeitsplan der Jüdisch -nationalen Frauen Vereinigung für den kommenden Winter ist folgender. Es werden regelmässig alle H Tage bis 3 Wochen Vorträge gehalten. Der nächste Vortrag findet am Montag, den 16. November in Cassels Hotei, Burgstrasse 16, statt. Herr Dr. Julius Katz wird einen Vortrag halten über das Thema ..Hygienische Betrachtungen über das Ostafrika-Projekt“. Weiterc Vorträge haben bis jetzt die Herren Dr. Max Esc hei- ־b a c h e r. Elias A u e r b a c h. Egon R o s e n b e r g, Dr. Emil Cohn, cand. jur. Falke nberg. Dr. Max Oppen heimer, Dr. Julius Moses, Dr. Heinrich Loewe, Dr. Th. Z 1 o c i s t i und Frl. Channali Sachs zugesagt. Die Geschichtskurse und hebräischen Kurse beginnen Mitte November Die Leitung des letzteren hat der hebr. Sprachverein ״Safa Berura“ übernommen. Der Unterricht ist unentgeltlich, und dürfen auch Nichtmitglieder daran teilnehmen. Zu den Disk4s$ion§abenden, die von der Vorsitzenden der •Vereinigung Frau Lina Wagner-Tauber geleitet verden, werden nur Mitglieder, und zwar in beschränkter Anzahl zugelassen. Diejenigen Damen, welche daran teilnehmen wollen, müssen sich bis Sonnabend den 7. d. M. schriftlich beim Vorstande melden. Die Diskussionsabende sollen nicht nur Rcdnerinncn heraubilden, sondern auch dazu beitragen, die Golusblütcn Disziplinlosigkeit und Unpünktlichkeit zu beseitigen. Der israelitische Fortbildungsverein Montcfiore hat In liebenswürdiger Weise sein Vcreinslokal zu den Unterrichts- und Diskussionsabenden zur Verfügung gestellt. Am 29. Oktober eröffnete der Verein Jüdischer Studenten an der Universität Berlin sein Wintersemester mit einer glänsenden Antrittskneipe. Als Gäste waren u. a. erschienen die Vertreter der Berliner Zionistischen Vereinigung, der Freien Verbindung Hasmonaea. des Jüdischen. Turnvereins Bar- Kochba, des Scminaristeiivereius Dibbuk Chawerim und anderer Jüdischen Korporationen, um unserem Verein ihre Giückwünsche für das kommende Semester darzubringen. Der Präsidc cand. med. Fritz Salinger eröffnete den Abend mit dein Kaisersaiamander. Darauf setzte Bundesbruder Juda die Tendenz des Vereins in längerer Rede auseinander. Im Anschluss an diese meldete sich eine grössere Anzahl von Füchsen während des Abends aktiv. — Das kommende Winter- Semester ist ein Semester der Arbeit. Abgesehen von der Inneren Organisationstätigkeit des Vereins, der in diesem Seniester über *10 Aktive zählen wird, werden wir uns dieses Mal wie in den Vorjahren an den zu Anfang Dezember stattfindenden Lcsehallenwahlen beteiligen, im Vorjahr gelang es uns bekanntlich, zum ersten .Male zwei Kandidaten carchzubringen. Da unsere Stimmenzahl bisher eine stetige S erfahren hat, so können wir mit den besten Erwa diesen Kampf gehen, der uns hoffentlich auch in die wieder eine.! moralischen Sieg bringen wird über gerung ■::.־•!gen in a־::r. Jahre de:! Anti- Elemente. die geflissentlich an der Auflösung cts Judentums arbeiten und sich redlich bemühen, den! Worte ״Juda“ den alten ehrenden Klang zu rauben, den es für uns stets bewahrt hat semitisnms und mehr noch über je Chur ukicriosen Mitte tioi.ei!“ ve: Dezember findet hierselbst der vierte Kar teil tag der im ,.Bit ndc Jüdischer Körper ״Vereine Jüdischer Studenten*‘ ChartoUenburg, Strassburg statt, ersten Mal gockieh:, dar; beschickt wird, m:d da diese einen gemeinsamen breiten Tendenz sich ihrer hvJivi di ׳"י»!: « Ot » ״ der diesmalige Ansichten und zu Berlin, 1 0 ׳ t v * a , , ■''::eher!. . Da cs i ן■ י". ו.er * '׳ r •׳ um/׳ *::׳. .־r Ta: vo: ,.,-,,/ז , j f‘־, j:ic׳!rpcr.a! i;!' * ... :'. .V c ruiKhage m rrscre: i::::. sehen’’. ״;יי, .«n.'v : rs:M4d;:1 c: ••:wickelt ^״ן j 11!%־ n rr ■ viel zur Kl:* rw;׳: der haben, so wird divergierenden Ansichten und zur verrohen•::: Programms beitragen. — Mit solchen Erv.vnwger, wir unser Wintersemester, das 18. Vereins:.rncsM: unsere Bestrebungen in der Jüdischen Bevölkerung mehr Anklang linden, dafür bürgt 1ms der stets w: Zustrom junger Semester, die mit uns an der Ent״ 53 res ״: r rvr.cn Dass immer :h sende •rehmg eines, bewussten und lebendigen Judentums mitarbeftea wollen. — Chargierte des Vereins sind med. Fritz Salinger phil. Bruno Kirsch 11 er NX, jur. Hans M e s e r i t z XX X Zuschriften sind an cand. jur. Hans M e s e r i t z, Berlin N. 24, Auguststr. 27 zu richten. >*»w Allerlei. Ein Neger, Namens Luboys, hat kürzlich in Aylesbury mehrere Male auf öffentlicher Strasse gepredigt und eine ungeheure Menge Zuhörer gehabt. Er versicherte bei einer Gelegenheit, er habe vor seiner Ankunft in England nie geglaubt, dass das Volk dieses Landes, welches Missionarien nach fremden Ländern zur Bekehrung der Eingeborenen zum Christentum sende, allen Arten von Lastern so sehr ergeben sei, wie er gc• funden habe. Allgemeine Zeitung, Freitag, 21. Okt. 1825. No. 294. Die Sagen und Märchen, in denen die Juden eine Rolle spielen, sind sehr bezeichnend für die Volkspsychologie, zwar nicht der Juden, aber des dichtenden Volkes. Besonders ist es interessant daraus zu sehen, wie sich das Volk die Juden denkt und was man den Juden zutraut. Charaktciistisch ist es für die meisten Märchen — und auch in der Wirklichkeit — dass am Ende doch der Jude der Betrogene ist. Hier möge heute eine Harzsage ein Plätzchen finden: Die Juden von Förste. In Förste lebte früher eine grosse Anzahl Juden, die aber nachher durch eine Revolution der Bauern gegen sie vermindert wurden. Diese Revolution brach auf folgende Weise aus: