Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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4 %יי.H «ff•» l,"־** .c' Seite 486. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 45. Die Christen in Förste hielten sich einen Dachdecker, der ihnen was decken musste, die Juden hielten sich auch einen Dachdecker, der Jude sein musste. Der Christendachdecker deckte eines Tages bei seinem Nachbar auf dem Dache Ziegel, aber unglücklicherweise hatte es ein bischen gemisselt (fein geregnet) und der Dachdecker rutschte beim Decken aus und i:c! einem J(udcn. der;.unten gerade ■vorbeiging, auf den Kopf. sodass derselbe.tot niederstürzte. lieber diesen Vorfall empört׳, sich die ganze Judenschait und verklagte die Christen in Rom hei dem Papste. Der Papst, weicher den Juden auch nicht gut war. fällte folgendes Urteil: Es sollte der Judendachdecker aui ein Dach steigen, und einen Christen, dor unten vorbcigiV.gv tctiallcn. Als nun dieses Urteil kam, hielten cs die Juden für günstig, um sich für den totgefallcncn Juden zu rächen, und der Dachdecker musste sogleich auf den Tempel steigen, denn sie n einten wenn er sich vorn Tempel herunter aui den Christ“! stürzte, würde Gott ihm heistchcn. Hs kam dmn auch balJ ein Christ an. und der Judend-rchdcckcr stürzte sich sogleich von der Zinne des Tempels herunter, fiel aber nicht den Christen tot, sondern sich selbst, weil er vorher nicht gezielt hatte. Hiermit waren die Judei noch nicht zufrieden, und weil sic keinen Dachdecker mehr hatten, so stellte sich ein jeder selbst auf sein Dach, lauerte einem Christen aui und stürzte sich herumer: aber kein Einziger fiel einen Christen tot. Nach dieser Periode wurden die Juden seltener in Fürste, nur ein paar Familien, die vernünftiger waren, blieben, und ihre Nachkommen leben noch in Förste. Proehle. Heinrich: H a r 7. s a g c 11. Leipzig. 1854. Seit־-• 179■'ly'.. Kleine Chronik. '0. Ov WL mm* Der Berliner Tierschutzverein, dessen Bestrebungen zimr grossen Teile darauf gerichtet sind, die gesetzestreuen Juden in der Ausübung des biblischen Gesetzes zu stören, verbreitet in No. 6 seiner ,.Tierschutz-Korrespondenz" folgende Mitteilung: .,Das Schächten sollte, wie im August d. J. in vielen Blättern zu lesen stand, nun auch als Schiachtverfahren für die Ochsentötung in der grossen Armee-Konservenfabrik zu Spandau •ein- .geführt worden sein. Die Schächtfrcundc trohlockten, die Scliächtieinde ärgerten sich darüber. Um hier klar zu sehen, hat der Berliner Tierschutzverein!Berlin S.W., Königgrätzerstr. 10S> beim Preussiscfien Krlegsministerinm ungefragt unJ die folgende Auskunft vom 21. September 1903 erhalten: ״Fs hat die Absicht nicht bestanden und besteht auch zur Zeit nicht,!beim Schlachten der Ochsen in der Armee-Konservenfabrik Spandau den Halssclmitt cinzuführen.“ - - Also eine Schwindelnotiz ist cs gewesen, die aber nichtsdestoweniger wie eine Wahrheit verwertet worden ist.‘* Wir stellen fest, dass die Juden gegen ihr. eigenes Interesse handelten, wenn sie sielt an '' diesen gegen sie gerichteten Bestrebungen beteiligen wollten. Ausserdem ist der vom Judentum gebotene Tierschutz viel weitgehender als diese Tierschützereicn. die sich, wenn s:1 ׳Mut und Ueberzeugung hatten, gegen Parforcejagden 1111J Distanzrenncn wenden würden. Die 47. Versammlung deutscher Philologen und Schuhnänner in Halle beschäftigte sich am Sonnabend vormittag in der orientalischen Sektion mit der hebrüisdun Dichtung. Dort sprach Prof. Dr. W. Rot liste in (Halle) über Strophik i ii ü c r h e b r ä i s c h e n Poesie. Rotlistein stellte zunächst fest, wie von angesehenen Seiten her die Frage heutzutage beurteilt wird, sucht dann aber mit Hilfe von zahlreichen poetisehen Texten des alten Testaments aus den versclueder.en Zeit altern die These zu erweisen, dass die hebräische Poesie wirklieh Strophenbildun.g käme und zwar eine von bestimmten mch erkennbaren Gesetzen getragene StropUeuhiUlung. Als dies Gesetz bezeichnet er den in der Vcrsbildung wirksamen, längst bekannten sog. parallelistnus mentbrorum. Hieraus ergibt sich wie er dartut. die gewöhnlichste Stroplienform. der Zweizeiler, d. h. die aus zlvei Vcrszcilen (zu je zwei Halbversen, gelegen{- lieh auch aus mehr Gliedern bestehend) gebildete Strophe. Diese Stroplienform ist die. welche eigentlich die hebräische Dichtung beherrscht. . Zuw׳eilen lässt sich an einzelnen grosse- 'ren Dichtungen erkennen, dass zwei oder mehrere solcher Zwoizeiler sich zu grösseren strophischen Hinheiten zusammenschliessen. Iiutr.pr aber bleibt, wie er darzutun sucht, dasselbe stroohenbildcnde Prinzäp 10 Wirksamkeit. Fitt paar Beispiele zeigen, dass es auch dreizeilige Strophen gab. Im ■ganzen ist - er auf ״rund des behandelten Materials der Ueberzeugung. seine Thesen als erwiesen betrachten zu dürfen. Asslmllationsblüte. An der M ii nch ne r Universität existieren ausser dem Verein Jüdischer Studenten zwei andere Verbindungen, von denen die eine ״L i c a r i a“ quasi jüdisch, die andere ״T h u r i n g i a“ quasi nichtjüdisch ist. Bei Beginn des Semesters wurden wie alljährlich von zwei verschiedene•! Buchhandlungen in der Universität Kalender verteilt. In dem einen finden sich unter der Rubrik ״J ii d i s c h e K o r p <>־ r a t i o n e n“ obige drei Verbindungen verzeichnet in dem andern ist die Stelle, die von der Tliurineia“ handelte. n!it einem Streifen weissen Papiers verklebt. - Vielleicht soll dieser weissc Streifen die Rolle des Feigenblatts spielen. Ob's aber was hilft? ־ ~ Monaccttsis. Die Gesetze In betreff der Juden. Der ״Times“ zufolge hat •der russische Minister des Inneren an die Gouverneure der Provinzen und an andere Behörde!» ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie aulgefordert werden, üb״r die Schwierigkeiten zu berichten, auf die man bei Durchführung der auf die Juden bezüglichen Gesetze gestossen wäre. Fs wird zugegehen dass viele der Gesetze veraltet, einander wider- •preclicnd und. im Wortlaut ungenau seien. Die Folge davon wäre, dass ’die Auslegung nicht mir bei verschiedenen Gerichten, sondern manchmal in ein und demselben Gerichtshöfe eine verschiedene sei. Selbst der oberste Appell itionsgci iclitshoi. der Senat, habe zu verschiedenen Zeiten diese Gesetze widersprechend acsgelovt. D׳'e■ Regierung finde es unter diesen Umständen notwendig, eine Revision der Gesetze vorzunelimen und sie zu verbessern. Der ganze Inhalt des Schriftstückes laute' darauf hinaus, dass dk* .Behandlung der Juden durch die Gouverneure der Provinzen in vielen Fällen eine streu• gere gewesen sei. als das Gesetz gestattet, ln einigen Fällen habe sich der Senat sogar genötigt gesehen, zu erklären, dass die Gouverneure ungesetzlich vorgegangen seien. Fine solche Hrklürting schädige aber die Autorität der Gouverneure. Die Bemühungen c'tes liilisvereins der Deutschen Juden, in Kischinew dadurch eine jüdische Majorität zu erzielen, diss sie :*l!e hilfesuchenden russisch-jüdischen Flüchtlinge dorthin senden, sind von keinem Friolgc gekrönt. Die Auswanderung nimmt immer mehr zu. unJ am meisten trägt der Umstand dazu bei, dass das für die Kischinewer Juden gesammelte Geld zum grössten Teile im Auslande iestgebalte!: wird. In der Zeit vom 15. Juni bis zum 1. September a. St. erhielten 182 jüdische Familien in Kischinew Auslandspässe. Dabei flüchtet der grösste Teil, der die hohen Kosten solcher Papiere nicht erschwingen kann, aui Grund von lnlaudspässen. Der Notstand hat sich jetzt mit beginnender kalter Jahreszeit noch ganz erheblich gesteigert, dagegen das Kischincwer Hilfskomitee seine Tätigkeit als nunmehr unnötig eingestellt. Im 92. Lebensjahre starb der Wunderabbi Fried mann . zu Czortkow in Galizien. Wenn aber auch die Rebbcs stcrben, hören darum die Wunder nicht auf. Der jüdische Gelehrte, Rabb. Dr. Markus M. Jastrow ist im Alter von 73 Jahren in Philadelphia gestorben. - Utbcr die Gesamtzahl der Juden der Erd* gibt der Artikel von Prof. F. Heman-Bascl über die Mission unter den Juden int eben erschienenen Bd. 13 der Ncubcarb. der Reaieuzyklopädie i. prot. Theologie und Kirche Auskunft. Danach gäbe es auf der ganzen Hrde etwa 10 Millionen (nach anderer Annahme über 11 Millionen) Anhänger der jüdischen Religion, von denen reichlich zwei Drittel aui Huropa kamen. Vornan steht Russland mit 5'i Millionen (wozu 40 000 im Asiatischen Russland); sodann Oesterreich-Ungarn mit 1860 000. das Deutsche Reich mit 568 000, sodann gleich Rumänien mit 300 U00. Grosshritaunien mit gegen 200 000, die curop. Türkei mit 120 000: die übrigen europäischen Länder zählen weniger als 100 OCX) Juden: Holland 97 000, Frankreich 77 000, Italien 50 000, Bulgarien 31000, die Schweiz 12 500, Griechenland 5800, Serbien 47UO, Dünemark 4000. Schweden 3400, Belgien 30ft0, Spanien 2500, endlich Portugal mit nur 300; die Gesamtsumme für Ruropa ist danach nicht viel unter 8 Millionen, wovon der weitaus überwiegende 'Feil den ostliehen Ländern angchört. Ausserhalb Furopas finden wir die Juden am zahlreichsten in den Vereinigten Staaten: rund eine Million, w׳ozu — für Amerika — noch 51X10 in Kanada, 3000 auf den Antillen und 12 000 in Südamerika kommen, ln Asien stellt das Türkische Gebiet mit 150000 Juden an der Spitze: von den 40 Ö00 des asiatischen Russlands war schon die Rede; daun Persien mit 30 000; Indien und China mit 1y 000; Turkcstan und Afghanistan mit 14 000 Juden. Dagegen sei mit ihnen der Nordrand von Afrika sehr stark besetzt; hier zählen wir 100 000 in Marokko, 58 00G in Tripolis, 50 000 in Tunis, fast ebenso viel in Algier und der Sahara: wozu im Süden des Frdteils noch!2 000 in Transvaal und 150(» in Kapland kommen. Endlich zählt Australien 17 000 Juden. — Diese Zahlen sind im allgemeinen zu niedrig angesetzt. So wohnen von den 77 000 Juden in Frankreich inindc- ■•׳<־.- ־- נ־ ׳- * y■ 1 ,