Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 45. I JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 483. Uhr anberaumt war. begann siel» der Saal des Hotel Klein schon 6 Uhr,zufüllcn. Einlass erhielten, nur die vom akademischen Verebb ״Haschachar“, der als Einbcrulcr •füngierte; mit Ein: trittskarten versehenen PersünCn. Um be* Uhr war kein Platzchen im Saate mehr frei und vor dem Eingänge drängte Sich tine vjelhundcrtkenfige Mengt?, Vorwiegend sozialistisch-jüdische Kädahbriid^r, derart dass Polizei cinschrciten musste. In sa?־ tigen Zurufen gaben die Sozialisten ihrem Unmut über das misslungenc Stückchen Ausdruck: sic drohten mit Einrennen der Türen nud Einwerfen, der Fenster etc. Unterdessen bestieg Herr Dr. Klee, von lebhaftem Beifall begrüsst. das Podium und hielt seine Zuhörer — weit über 600 Personen — durch ein elnstiindigcs, erschöpfendes, das Gcsatn (gebiet des Zionismus Umlassendes Und speziell die gegenwärtige Lage beleuchtendes Referat, in Atem. Nach einer Pause begann die Diskussion. Als erster meldete sich ein Sozialist, Genösse Grossmaun. zum Worte. im Laufe eines langatmigen Vortrages, über Klassenkanipf und Konkurrenz, der in keinem Zusammenbange mit dem Referate Klee stehend, die Versammelten herzlieh langweilte, machte tr den Zionisten Reaktion überhaupt, und Int Besonderen Ihre Verhandlungen mit Pleliwc zum Vor- J Wurf. Jede solche Aeusserung rief stürmische Protestrufe d.-r 1 Zionisten und Gegenrufe der sozialistischen Minorität hervor, h'inen Augenblick schien.es. als ob die Versammlung aufgelöst Werden müsste, doch plötzlich trat Ruhe ein: die Sozialisten haben sich .von allen. Seiten scharf in's Auge gefasst und v:>1 j sttHkmuske!ig1־n Stude״tei1 üi’d Hantlelsangistelltcu (vom Sehr i riihrige.n Vereine ״Aclidus") umgeben. N,:•: nahm die Verj Sammlung einen normalen Verlauf. Die < :eg. Dr. Wahrhaiiig j und Hijfstein rückten das Verhalten der Sozialisten gegenüber . der Judcm.ot in’s rechte Licht, ihre Stelh:;:g zur Frage der Si nntagSrul'e der Juden in ('rilizie!׳, ihr Benehmen bei den j von Zionisten Uiibennenen Kisc'hinewversau:: :,.,:,een ttsw. D:»n-; liernder Beifall begleitete das Schlussv :{ des Referenten, be-; sonders ab er auf die moderne. genossenschaftliche Grundlag׳־! des 7/ouistischc» KolcMisathw&projektes hinwies, als er den Sozialster! ilirui Mülcrand verwarf u:1J ins er bemerkte, dass die Sozialisten kojisvqueuter weise auch etwas gegen den.Gang Moses zu Pharao einwemlen .tiuissL־;;. Nach Schluss der Ver- Sammlung wurde das Zionslied angestimtm. Ein animierter Kommers vereinigte hierauf einen Teil der Teilnehmer der Ver- Sammlung unter Ehrenvorsitz des Beim Dr. Klee bis spät in die Nacht hinein. - - Die Haltung der lokalen Presse war vor- *uiszusehen. Mit Ausnahme der demokratischen , Nowa Rcforma", die einen unparteiischen Bericht brachte, strotzten die Blätter, die von der Versammlung Notiz nahmen, von Lügen. Der antisemitNche ״Glos Narodu" weiss von einer Chalatträgerverstitllmhihg zu berichten, der man Palästina anpries wobei sieh alle Redner ,.natürlich“ der deutschen Sprache be- | dienten. (Mit Ausnahme des Dr. Klee sprach keiner deutsch!) j Der sozialistische ..Naprzöd“ versieht seine Notiz mit der Auf-; schritt: Die Zionisten unter de nt Scln1r׳e der PoLzei. erzählt; von zionistischen . Lügen" und von Kämpfen der einlassbegeh- ן renJen Arbeiter mit der Pol'zci. wobei er die Absichten dieser .״Arbeiter“ verschweigt. Die Versammlung bedeutet einen un-' gehatren Erfolg für unsere Sache. Viele noch fern stehende und Indifferente wurden von Herrn Dr. Klee überzeugt- . E. P. W. Krakau. Sein 2|ährigcs Bestehen feierte . der Leseverein iiidisch-natonabr Mädehet Rutil“. Die Ansprache des Frl. W e t z I e r machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Auch das Referat des Frl. Rosa Griifcl über die Frauenfrage mit besondere.«: Berücksichtigung der jüdischen Frau, cmtete grossen Beifall.. Den Abend beschlossen Deklamation.a*1 und Gesang, wobei auch für den . Agitationsfond gesammelt wurde.'* ־ Die Expedition der /Jüdischen׳ Rundschau“ Berlin N. 54,' A u g u s t s t r a s s e 49 a, gibt folgende Broschüren ab: ־ . I. \V a sw i 11 d er i 0 n i s rn ti s? •Herausgegeben von der Zionistischen Verenigung für Deutschland. Berlin 10:1A. 20'Pf., bei Abnahme von 100 Exempl. ä 15 Pf., bei Abnehme von 300 Expl. ä 12 Pi. E lim Henry d ’ A v i g d o r: Die Entwickelung der nationalen Idee bei den Juden. Preis 10 Pf., bei •Abnahme von 50 Stück ä 5 Pf. 3. D r. Th c o d o r H e r z!: Eröffnungsrede zum V. Zionistc;!- K׳1״gresve in Basel. Mit künstlerischem Buchschmuck von Lilien. Preis 10 PL bei Abnahme von 50 Stück n 5 Pi. 4. .V e 11 1. ״ u d ti a. 2. 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Jahrgang. 90 Pf., bei Abnahme von 20 Stück ä 75 Pi. offiziellem oder Herzl’schem Zionismus alle die Richtungen, die er bekämpfen will. Mit emer solchen Kritik, die in lmden!״ser Negation besteht, ist nichts an/.ufangen: und wenn Nossig geglaubt hat. dass er tiiit dieser Kritik den 6. Kongress in andere B ihnen * lenken könne, so zeiirt das nur. dass er nicht der Mann der j ״vernünftigen Führung praktischer Lebendhtge" ist. Einer verj Künftigen, nicht voreingenommenen Kritik hat er nur ge- 1 schadet. Man kann ruhig xugeben. dass im Einzelnen manches Richtige in seinem Tadel zionistischer Einrichtungen ent-! halten ist, aber er hat den Versuch gemacht, ein Brecheisen als Zahnstocher zu benutzen, und darum dürfte er sich ntaiiclieu Zahn am Zionismus ausbrcchen. Wir wollen nicht Nossigs Argumente im Einzelnen durchgehen, denn wir wollen niemanden durch die Polemik verat lassen oder zwingen, Nossigs Rede itachzulesen. Es gcnilgt uns, fcstzustellen, dass wir in den Kernpunkten anderer Ansicht sind und das, wo es not tut. auch begründen. Nun noch die speziellen Anmerkungen. Zu Nossigs Zuhörern in Basel gehörte auch ich. Und darum interessierten mich einige Stellen der Rede mehr als andere. Dis ..denkwürdigen Sturmszenen'‘, wie der• der Rede beiliegende Prospekt die gewaltsame Unterbrechung des Vortrages in Basel nennt, setzten ein wegen der empörenden persönlichen Angriffe auf die zionistischen Führer, die gedruckte Rede aber liest sich doch leidlich zahm. Wo steht das Wort ״Chuzpe“, das den letzten nicht mehr zu beruhigenden Lärm hervorrief? Es fehlt. Wo steht die Stelle, an der Nossig den Führern dqs Verständnis der Thora absprach und von sich emphatisch sagte: ״Ich aber fühle sie"? Sic fehlt. Au der Rede ist manches heute anders als in Basel, trotzdem doch Nossig auch dort von einem sorgsamen Manuskript ablas. Aus dem Gedäclitnis kamt man natürlich nicht alle Abweichungen Konstatieren. aber vielleicht ist Nossig so freundlich, uns sein ursprüngliches Manuskript ei»zuscuden. Wir halten nämlich das Verfall reu nicht ttir ganz einwandsfrei, weil die gedruckte Rede den Anschein erwecken konnte, als sei Nossig zu Unrecht unterbrochen worden. Sollten sich durch diese zweite Redaktion überraschend einfach auch mehrere seiner inzwischen eingetroffenen Prophezeiungen, auf die er in Anmerkungen verweist, erklären? : Es ist schon gesagt, dass Nossigs Methode uns als die denkbar schlechteste erscheint. Hätte er seine Reformvor* schlüge, denen wir zum Teil beistimmen, in loyaler Form als positiven Vorschlag gebracht, in der schönen Redeweise, die seine Arbeiten auszcichnet, sie hätten sicher weit mehr Beachtung gefunden. So aher sind sie unter den Tisch gefallen, und cs bleibt nur die Polemik. Mit ihr aber hat'sich Nossig sofort ausserhalb des bestehenden Zionismus gestellt. Darum wird auch seine Rede mit grossem Behagen von allen Gegnern des Zionismus ausgeschlachtet und als Augriiiswaöc benutzt. Hat er das gewollt? iZum Schluss noch einen köstlichen Satz, der auf vieles ein Licht wirft. Nossig sagt von den ständigen Kommissionen, die nach seinem Vorschlag in Zukunft die Zentrale des Zionismus darstellen sollen: ״Eine conditio sine qua non xväre | es. 'dass diese neuen Körperschaften ihren Wohnsitz nicht in I Wien, sondern in Berlin hätten, das wegen seiner zentralen; Lage und des st**ts wachsenden Zuzugs leistungsfähiger zinnistischcr Kräfte der geignetste Ort fiir sie ist.“ W ir schlagen ) aus bc'׳den Gründen einen anderen Ort in der Nähe Berlins als ן noch geeigneter vor: Halensee. ’ Klijahu.