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Jüdische Rundschau · 1903-11-06 · Heft 45 (6.11.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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״nr*•» m4 ׳». *. »«ו),־».i. ',,!:!:U,,«*״,« ׳:! 1 Seile 482. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 45■ Acmter und Würden. Da setzte der Antisemitismus ein, als I politische Partei. Er hätte es nicht nötig gehabt, denn alle Parteien sind antisemitisch. Er errang auch als Partei keine Erfolge, denn ״Tod den Juden“ kann nicht das Programm einer politischen Partei, ausmachen. Warum wünschen nun die Zionisten Paläsnia als Heim- Stätte? Es ist das einzige Land, auf das .wir. einen historischen Ans p׳f u c h "haben. Und zu Hilfe kommt uns dabei, dass das Land noch öde und leer ist. sonst kämen wir nie hin. Aber cs ist in ein blühendes Land umzuwandeln. das haben die Ktolonien gezeigt, die bereits dort angelegt sind. Ausserdem wird Palästina dank der bereits vorhandenen und geplanten .Eisenbahnlinkn im Mittelpunkt der bewohnten Erde liegen, und wem» die Juden nur als handeltreibendes Volk dort wohnen könnten, würde dieses arme Land eines der reichsten der Erde werden. Freilich würde der Zionismus grossen Schwierigkeiten l>c־ gegnen, wenn die Erlangung des Landes nur sei!» Wunsch wäre. Aber die Mächte haben ein ebenso grosses Interesse daran, die Juden los zu werden, besonders Rus>!md. während Englani und Amerika die russischen Juden nicht mehr auinehmen wollen. Auch Rumänien will und wird seine Juden los werden! Die einzige Lösung bietet daher der Zionismus. Der Sultan, der einzige, der gegen diesen Plan etwas cinzuwenden haben könnte, soll durchaus nicht in seiner Herrschaft geschmälert werden, wir wollen unter seiner Oberhoheit bleiben, und das Gedeihen Palästinas kommt ihm tun meisten zu Oute. Was hat mm der Zionismus bisher erreicht. Vor allen Dingen hat er in der gesamten .hr.Unhcit das Gefühl der Zusamnitngchörigkcit wieder wachgertifcn. er hat ferner eine gewaltige Organisation geschaffen, welche die Juden alL-r La 11־ der umfasst und dennoch nirgends in die Veriniituisse dieser Länder cingrciit. Dem Zionismus verdanken wir die Wiederbelebtmg der hthrüischcn Sprache. Endlich hat er dem ji'idisehen Volke die Achtung wieder gegeben, die cs verloren hatta. als cs sich schämte, sein Judentum offen und frei zu bckennen. Auf dun letzten Baseler Korgress wurde uns von Englaml eine Strecke Landes in Ostafrika aiigeboten zur Gründung einer jüdischen Kolonie mit vollständiger Autonomie. Das war ein grosser Erfolg des Zionistnus, und die Drage w ird einer ernsten Prüfung unterzogen .־ Zu den vornehmsten Institutionen des Zionismus gehören die jüdische Kolonial bank und der Nutionaliond. Die hierdurch •aufgebrachten Gelder reichen aber nicht, denn wir brauchen zu grossen Zwecken, grosse Mittel. Was haben nun die deutschen Juden für den Zionismus getan? Nicht viel! Sie bringen uns Sympathie entgegen, aber das ist nicht genug, sic müssen uns mehr geben, vor allen Dingen sich selbst. Darum, so schloss Redner seine Ausführungen, fordere ich Sie auf. uns oft zu besuchen. Ihre Sympathie w ird sich dann in Anhängerschaft umw'anddn, und auch sie werden dann berufen sein, mit uns zu arbeiten am Wiederaufbau der Existenz unseres Volkes, au der einzig wahren Lösung der Judenfrage. - - Lebhafter Beifall lohnte die interessanten Darlegungen des Redners. An den Vortrag schloss sich eine kurze aber lebhafte Diskussion an. von der besonders die Rede von Dr. A. Goldberg-Neuenahr bervorzuheben ist. Elf neue M tglicder sind der Berliner Zionistischen Vereinigung beigetreten. L. E. Stettin. Am 26. Oktober hat hier zum ersten Maie eine grosse zionistische Versammlung stattgefunden. Erfolg: 22 neue Mitglieder für die Zionistische Vereinigung, deren Mitglicderzahl auf 55 gestiegen ist Stclp. Am Sonntag, dem 25. Oktober hielt Dr. Klee im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur einen Vortrag über ..Geschichte und Wesen des Zionismus“. Der Rabbiner der Gemeinde, Dr. M. Joseph, eröffnete die Sitzung mit einigen c nleitendeu Worten, in denen er sich selbst als einen alten Anhänger der Zionsidec bekannte und den Redner des Abends aufs herzlichste begriisste. Darauf setzte Dr. Klee in I ,•-•ständiger Rede die Grundsätze des Zionismus anseinander und erntete bei den zahlreich Erschienenen den lei)- haftest?!! Beifall. Diese Reue hatte das erfreuliche Ergebnis, dass unmittelbar darauf 25 Damen und Herren ihren Beitritt zu der zu gründenden zionistischen Ortsgruppe erklärten, wl. Breslau. Am 27. September hielt die Breslauer Z i o- 11 is tische Vereinigung ihre diesjährige Generalv c r s a!11!111 u n g ab. Der Vorsitzende gab einen Rückblick über die Tätigkeit des bisherigen Vorstandes, alsdann schritt man zur Neuwahl, aus der hervorgingen als 1. Vorsitzender prakt. Zahnarzt Hugo Schachtel, als 2. Vorsitzender Dr. ined. Aron Sandler, als Beisitzer Otto C o I! 11. als Kassierer Paul Theodor, als Schriftführer Ott״ Colin. Der Mangel an Agitationsrednern bat sieb leider auch h':er im vergangenen Jahre s'elir fühlbar gemacht, sc* dass immerhin mir Verhältnismassig wenige grosse Agitut:׳ *:!sversammluugui veranstaltet werden koiiaun. Diesem liehe! abzuheifen. soll nun eine ganz besondere Aufgabe ־Jes jetzige!! Vorstandes sein, da Breslau noch ein Feld, w elches zu bearbeiten sehr lohnend ist. Um den Vorstand in seiner Tätigkeit in. jeder Weise zu unterstützen, hat sieh unter Leitung des Schriftführers eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern gegründet, die sich recht energisch um den Share-Club Nationalfond, organisierte Agitation in grossen Versammlungen etc. zu kümmern hat. Vo:> i':1 werden auch allwöchentliche DiskussionsaK-nJe veranstaltet, um gleichzeitig den jüngeren Mitglieder;! Gelegenheit zu geben, über zionistische Vorkommnisse au fait zu sein und gewissem*!s<c־<! eine Rednerschulc htranztibilJen. Die diesjährige Makkabäerfeier wurde auf den 17. Dezember festgesetzt. Die Fest red.• hat unser.Dr. Sandler gntigst übernommen. Hoffen wir. ׳Jas> unsere Erfolge recht lohnend sein werden. S. T. Ein Krakauer Brief. Am 16. d .M. kündigten grosse Plakate an allen Strassenecken des Krakauer Judenvierteis ein Referat unseres Freundes Dr. Alfred Klee über das Thema: Der Zionimus nach dem VI. Kongress. Riickblicke-Ausbück. an. Diese Tatsache versetzte die Sozialisten, selbstverständlich die jüdischen, in begreifliche Aufregung. Sie beriefen für den 17. eine vertrauliche Versimmlung in das Lokal des sozialistischen Vereines ״Fortschritt“ ein und beschlossen den geplanten Vorstoss der reaktionären Zionisten zu vereiteln und die Versammlung, gelte es was es wolle, zu sprengen. Durch Indiskretion eines Sozialisten gelangten wir rechtzeitig zur Kenntnis dieses Vorhabens und rüstet:׳־! emsig zur sonntägigen Versammlung. Trotzdem diese für 7 Je höher sich di•; Juden als Volksindividmim entw ickeln, dest’o g r ö s;ן c t1 wird die Zukunft des Jargons, werden. Wem! man es als selbstverständlich voraussetzt, dass die Sprache der Zukunft in einem etwaigen jüd*scl!ten Staatswesen nur das Hebräische sein kann, so Ist das eine trockene, rationalistisclic Auffassung ohne psychologische Vertiefung. welchen ungeheure:־., sozialen und kulturellen. Schwierigkeiten diese Entwickelung vor sieh sing, so kann man sich ein Bild entwerfen, zu w e 1־ eher Höhe die h c b r üische Sprache gclang c 11 w ii r d c.. wenn die Juden ün ihren Kulturwevken frei und ungehemmt sein würden. Wer von den beiden Gegnern hat nun Recht? — Sie wollen nun wahrscheinlich wissen, was sie überhaupt sind? Also der Artikel über den Jargon ist von Fabius Schach (Ost und West 1901). Und wer ist der andere, der Jenen so eifrig bekämpft? -- , Auch Fabius Schach! (In seiner Brochüre: ״Eine auferstandene Sprache.“) Und wie i c h über diese Frage denke? Genau so, wie E a b i a s S c h a c h. -— Preisfrage: Wie denkt Herr Fabius Schach darüber? L. b. יושב נסת Litteraturbericht. Dr. Alfred Nosslg. Die Belanz des Zionismus. Kritik und Reform. Vortrag gelialt.m zu Basel während des VI. Zionisten-Kongiesscs im August 1903. Basel Verlag von B. Wcpf & Co. (vorin. Louis Jcnke) 1903. -15 S. 8". Soll man Nossigs Rede mm lang oder kurz kritisiere•!? Kurz ־ geht schwer, weil zu viel zu kritisieren ist, lang - lohnt sich nicht. Darum nur einige allgemeine und einige spezielte Anmerkungen. Es ist für den. der die klare Wahrheit sucht, immer verdächtie. wenn jemand au einer Sache die er tadelt, gar kein gutes Haar lässt. Das tut Nossig dem Zionismus und seinen Füll rem an. Der Grund ist sehr einfach. Nossig hat seinen Schreibtisch verlassen, um als erste Tat seine Kritik, nicht seine Mitarbeit dem politischen Zionismus zu geben. Der Zionismus. den er zertrümmern will, existiert nur in seinem Kopfe, und da er gegen eine Windmühle kämpft, muss er cs siel» gefallen lassen, dass man ihn mit Don Quixote vergleicht. Nur so begreift man d׳'c Gegensätze, die er konstruiert. Herzl und Nordau sind politische Elektrotechniker — Nossig der Erneuerer des alten prophetischen Zionismus: die ״Offiziellen" eilen mit törichter Geschwindigkeit dem ZuWnp.ftsiaate entgegen — Nossig sagt, dass wir uns endlich entschliescn müssen. Zeit zu haben. Ein paar Seiten später allerdings drängt d;e Judennot Nossig zu sofortigem Handeln, und die ,.Offiziellen" haben unverantwortlich viel Zeit. Kurz. Nossig versteht unter

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