Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1903)
- Date
- 1903-10-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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SeiteJ74. ___ JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 44. jüdische Frauen und Männer hatten sich im Lunder ״Folkets Hus“ eingcfuudcn, die mit lebhaften» Interesse den gediegenen Ausführungen der beiden Referenten folgten. Auch in Malmoe. das eine bedeutend kleinere Gemeinde zahlt, war eine starke Beteiligung zu verzeichnen. Nicht ohne Interesse sind die Jüdischen Verhältnisse in der alten Universitätsstadt Lund. Der grösste Teil de•־ etwa 300-350 Köpfe zählenden Gemeinde, eingewandertc Juden, ist nur an den Feiertagen anzutreffen. geht schon Isruchag aui die Medina und ist erst kurz vor dein nächsten Feiertag wieder bei seinen Angehörigen. Meist mit dem Pack auf dein Rücken dehnen sie ihre Wanderschaften bis nach den! hohen Norden aus, wo sich in den Fiseiierzstftdten Oelliwara und Kiiruna kleinere Gemeinden finden, die einmal in der Woche von dem 2 Tagereisen entfernten Stockholm mit koscherem Fleische versorgt werden. In dm übrigen schwedischen Städten sind die Juden mehr sesshaft, man trifft sie iii Malmoe, Treliehorg, Ystad. Christiansstad. Karlskrona, Kalmar, Hahnstad, Goeteborg. Norsköbing und Stockholm. Im Laufe des Winters wird Dr. Fracnkcl eine Agitatioiisrcisc durch Schweden unternehmen, um die Gründung neuer Vereine in die Wege zu leiten. Der skandinavische Verband zählt ca. 22*׳ Mitglieder. L. Stark. Rundschau. , Die Repräsentanten Versammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beschäftigte sich in ihrer Sitzung am 25. Oktober n erster Linie mit dem Antrag aui Bewilligung einer Ausgibe von 25 000 Mark zur Hrrichtung einer Orgel in der Synagoge Rykcstrasse. Da die Synagoge im August 19 -1 cingtweiht wer den soll, $״ wünscht der Vorstand eine schleunige Beschluss habe, sich die durch den Wintersehen und durch andere iiuauf-! geklärte Knahenmorde dor letzten Zeit erregte Bevölkerung gefragt: Was will der Schlächtcrgcsclie Levy aus Warschau hier? Tatsache sei!2; dass bei all diesen rätselhaften Kinder- Schlächtereien kurz vorher fremde Juden in der betreffenden Stadt bemerkt worden seien. Wer könne es den Leuten also verdenken, wenn sie um ihrer Kinder willen ängstlich würden. Habe cs sich doch oft genug gezeigt, dass die Behörden nicht alles täten, was zur Aufklärung nötig sei. Ein Schläclitergcsellc und Levy, das Jiahe viele stutzig gemacht. Nun wolle er 1 beileibe nichts gegen die Katholiken und das Zentrum sagen. ן aber cs sei eine Tatsache, dass gerade in Stegers bei den Stichwählen seitens der katholischen Bevölkerung für den Polen gestimmt worden sei, und dass vier von den fünf Leuten, die hei der Tötung in Betracht kämen, Katholiken seien. Daraus dürfe er •also das• Recht hcrieiten, zu sagen, dass kein Ant i s u in i t hei der ganzen Sache beteiligt sei. ~~ “ Die Totschläger können sich hei Herrn Böckier bedanken. Fr gibt sicli wirklich Mühe, ihre Mordtat als menschlich entschuldbar hinzustelien. Warum hatte der Ermordete auch die Frechheit Levy zu heissen? Und warum hat er sich mit echtjüdischer Perfiuie totschlagen lassen? Doch nur, um die Antisemiten zu verdächtigen. Nein, diese Juden! Zur Reise Dr. Theodor Herzls nach Konstantiiiopel schrei- ן hen die Petersburger ״Nowosti“: B.i einer Audienz im Yildiz-Kn.sk hat dir russisch:• Botschafter dein Sultan die Erklärung abgegeben, dass seine Regierung nichts dagegen habe, wenn die Türkei den Juden den ganzen Teil Palästinas jenseits des Jordans im Osten und alle westlichen Teile, die \״n christlichen Pilgern nicht besucht werden, gewähren würde. Daraufhin wurde der Zionister.präsidin* Dr. Hcrzl nach Koafassung. Gegenüber liberalen Tatarennachrichtesi konstatiert Rechtsanwalt Ignatz Cohn, dass die jüdische Bevölkerung vor dem Schönhausertor einen Gottesdienst lediglich ohne Orgel und Harmonium wünscht. Nach längeren Debatten wird auf Antrag B 1 u m e!1 t h a t eine gemischte Deputation eingesetzt, die die Orgeürage und die Regelung des Kiultus iiir die Synagoge Rykcstrasse vorberaten soll. In diese Kommission wurden gewählt: Aron Hirsch. Ignatz Cohn. Frankel mit je 12 und Louis Sachs mit 11 Stimmeii. Ferner sollen vom Vorstand und Rabbinat je 2 Mitglieder deputiert werden. Geiger und Siesskiud blieben mit je 1t» Stimmen in der Minderheit. Den Rechmingsabscliluss über die Altcrsversorgungsanstalt gab Mayer (liberal), das heisst, er blieb unverständlich. Bei dem Krankenhausbericht wurde die dringende Notwendigkeit eines Neubau* hervorgehoben. Baginski wünscht für spätere Jahre die Beifiigung eines Jahresberichtes der Arzte. Die Kommission zurUnter- Stützung durchreisender hilfsbedürftiger Juden iiat im Berichtsjahr 13 •JS9.-H Mark verausgabt und liefert eine Minderausgabe von 510,56 Mark an die Gcmeindekasse zurück. Sie hat 165-1 Parteien zur Reise unterstützt und 567 abgewiesen. Diese waren entweder längere Zeit in Berlin gewesen, um nicht mehr als Durchreisende betrachtet werden zu können, oder sie waren dorthin zurückgekehrt. Fs folgte eine geheime Sitzung, in der besonders über die Festsetzung des Dienstalters' der Religions- Schullehrer beraten wurde. Eiaiiimopei nenn« W ir gehen diese Mitteilung der . Nnwosti" mit a i i e in Vorbehalt wieder. Off? kjkim i C. י1’ד . - •Ui Jüdische Namensänderung. Der prcussischc• Minister des Innern 1 eze׳chnu in einem soeben ergangene!' Erlasse die weitverbreitete Auffassung, dass die zum Christentum übertretenden Juden berechtigt seien, sich bei der Taufe einen anderen Familiennamen beizulc ge:1. als irrig. Durch das königliche Fdikt vom II. März 1S12 wurde den Juden, die bis dahin in der Rege! keine Familiennamen führten, nur die Auswahl des er sU* 11 Familiennamens freigestellt. Anträge auf AenJerungcu des einmal gewählten Familiennamens sollen dagegen nicht anders wie die Namensänderungen von Christen behandelt, also nur dann berücksichtigt werden, wenn sehr triftige Griind-* obwalten. Insbesondere darf aus dein Ucbertritt vom Judentum zum Christentum kein Anlass entnommen werden, dies:*.! inhezug auf die Acnderung des Familiennamens ein Sonderrecht vor anderen Staatsangehörigen cinzuräimien. Die armen getautten Juden. Wirklich nebbich! Die Berliner jüdische Gemeindesteuer wurde vom Geneindevorstande iiir das kommende Geschäftsjahr auf ״./'־ des Finkommeus festgesetzt. Aut Grund der letzten Volks- Zahlung gibt es in Berlin und den Vororten 1(15 0-1-1 jüdisch׳* Seelen, von denen 25 000 Steuerzahlern^ GemeindemltglieJ'־:» sind. Der rohe Mord an dem jüdischen Schrlltsetzer Levy in Siegers veranlasste auf dem Deutsch-sozialen!1arteitag der awhsevnihscheit Abgeordneten Böckier seine moralische NVAschuld in Abrede zu stellen. Fr tat das in einer Weise, die die Anwendung von ״qui s'excuse, s'accuse־־ geradezu her msfordert. ״Das Judentum habe gerade im deutschen Oste.: furchtbar gesündigt. Besonders in Schlochau-Flatow seien die Verhältnisse äusserst schlimm. Er könne sich rühmen, den verjudetsten Wahlkreis im deutschen Reichstage zu vertreten. Wer wolle sich da noch wundern, •wenn die Bevölkerung schliesslich in liochgradig gereizter Stimmung sei! Und nun sei da piötz.lich in Stegers ein Schiächtcrgescllc Levy aufgetauciit. der angeblich direkt von Warschau kam. Natürlich Berlin. Arn Sonntag, dem 25. Oktober, fand der erste vom Hilfsvtrein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland arrangierte Vortrag Uir die Jüdischen Taubstummen, in Driiscis Festsäien statt und war von mehr als b״ Tauhstumittcn besucht Herr Lehrer Kolodzinsky sprach über das Lauhliiitteu-Fcst und seine* Bedeutung und erntete grossen Beifall. Zur Judenfrage hat der konservative Landtagskaudidat für Sold in, der auch jetzt schon diesen Kreis vertritt, auf eine von der antisemitischen Wählerschaft an ihn ergangene Anfrage folgende Erklärung abgegeben: ״Ich halte die ludenfrage für c״׳•* der wichtigsten in unseren! *•(entliehen Lei en; ich glaube* aber naht, dass es möglich ist. den Juden die unter uns leben und alle staatsbürgerlichen Rechte gemessen, diese Rechte wieder zu entziehen. Abhilfe wird zu schaffen sein dadurch, dass fremden .•_w.