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Jüdische Rundschau · 1903-10-30 · Heft 44 (30.10.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 473. No. 44. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Licbpr aber wollen wir ohne Charter in Palästina arbeiten. — י Piir das Proj'ckt sprach sich Herr Lin aus. Kr warnte davor, I jetzt mit künstlichem Hochdruck für eine Kleinkolonisation in 1 Palästina zu agitieren. - Wir bekamen auch in Herrn Marcus einen Zionisten zu hören, der nur ökonomische Gründe fiir den Zionismus Kelten lassen wollte, und darum unbedingt iiir eine Kolonisation Ostafrikas eintraf, ohne auf Palästina Wert zu legen. — Darauf bemühte sich Dr. Zlocisti in tref- [enden Worten, die Diskussion wieder in die Bahn sachlicher Erörterung zu lenken und warnte v״r allen Dingen davor, künstlich einen Gegensatz zwischen einem östlichen und westliehen Zionismus in dieser Krage zu schaffen. Nach ihm sprach sich Frl. Sachs in ruhig״־» und warmempfundenen Worten aus philanthropischen Gründen iiir Ostafriku aus. ~ Carpin stellte einen trüben Ausgang der Krage für den Ziomsmus als unvermeidlich hin: Nehmen wir das |.m׳d an. dann tritt eine Spaltung im Zionismus ein, leimen wir es ab, so zerstören wir unsere Beziehungen zu den Regierungen und zu den übrigen Juden. Also leimen wir ab. war die merkwürdige Logik. Zum Schluss sprach noch Herr Schiffer seine Unzufriedenheit darüber aus. dass man ein so entlegenes Land zur Kolonisation wählen wolle; man könnte d״c!1 lieber Mcsnpo* tamien oder Syrien nehmen. Kann man wirklich? In seinem Schlusswort betonte d־׳r R eiere nt zunächst energisch das:* kein Grund zum Verzweifeln vorliegt. Wollen wir nach 7 .Iahreu verzage!', trotzdem wir aniangs immer d e Diner der Vorarbeiten nach Jahrzehnten berechnet ha’ben? Die Westeuropaisclictt Neinsager haben dieVerpflichtung; jetzt an der Versölmtmg der Gegensätze im Zionismus zu arbeiten! In unserer Politik haben wir allctuGrund, tut Siishcrigei! Gleise zu bleiben. Um ׳! Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Königsberg I. Pr. Die Königsberger Zionistische Vereinigung veranstaltete am Sonnabend, dem 2־t. er., im grossen Saale der Palästra Albertina eine öffentliche Versammlung, die von etwa 700 Personen besucht war. Dr. Klee sprach über das Thema: ..Die zionistische Bewegung, Rückblick. Ausblick”. In äusserst nackender Weise gab er eine klare Darstellung \! ־: den grossen polnischen Ermiß;־;!. die unsere Bewegung schon jetzt aufzttw'tiSwii habe. Mit einem Appell au die Versammlung, dem Ziotr.smus nicht mehr fern oder unsympathisch gegenüber zu Sielten, sondern nach Kräften mitzuarbeiten, senioss Dr. Klee seinen etwa 1 .ג Stunden währenden Vortrag, der vom ganzen Auditorium mit stürmische!» Beifall a׳.tfgcn״n1n;e!1 wurde. Da keiner der Anwesenden trotz wiederholter Aufforderung des Vorsitzenden sich zur Diskussion meldete, wurde die glänzend verlaufene Versammlung nach einem kurzen Schlusswort des Herrn Dr. Klee geschlossen. Wir haben allen Grund, mit dem Krfolg des Abends zufrieden zu sein. 20 neue Mitglieder traten sofort unserer Ortsgruppe bei: au! ein altes Mitglied unserer Vereinigung haben die Ausführungen des Dr. Klee so überzeugend gewirkt, dass er sofort 100 Mk. für den Nationalfond spendete. z. Emden. Am 20. d. M. fand hier eine zionistische Versamm־ lutig statt. Auf der Tagesordnung stand der Kongressbericht unseres Delegierten. Herrn Gustav Schwabe. Varel. Um 9'V• Uhr wurde die Versammlung eröffnet. Herr Schwabe gab uns in seinem Referate ein anschauliches Bild vorn Kongress und besprach alsdann in objektiver We:sc seine Hauptbeschliiw. K.r erntete iiir seine interessanten, mehr als halbstündigen Ausführungen zum Schluss den lebhaften Beifall der Versammlung. In der Diskussion ergriff zunächst Herr Hauptlchrcr Seelig das Wort um gegen den Zionismus zu sprechen. Kr führte ha .rotsächlich aus. dass die philantropischen Bestrebungen des Zionisimis gut seien, dass man hierzu aber den Zimtismus nicht notig habe, weil ja ehe Alliance, der Verein Ksra u. s. w. für diese Zwecke vorhanden seien. Die Tendenzen der Zionisten in nationaler Hinsicht seien dagegen völlig zu verwerfen, wcr'l sie an sich unberechtigt seien und nur dazu führen würden den Antisemiten eine neue Waffe gegen 1ms ü die Hand zu geben. Auch kenne sich der Staat auf die Dauer derartige Sonderbestrcbungen nicht gefallen lassen. Herrn S’s Ausführungen fanden wenig Beifall in der Versammlung. Ihm antwarteten nacheinander Gustav Schwabe. Wilhelm van Clcef und Lattdrabbiner Dr. Löb. Herrn SeclißS Ausführungen wurden Punkt für Punkt von den genannten Herren unter lebhaftem Beifall der Versammlung wiederlegt. Als Herr Seelig daun nochmal das Wort ergriff und zu persönlichen Angriffen aul mehrere seiner Vorredner überging, indem er ihnen Worte In den Mund legen wollte, die sie garnicht gesagt hatten, erregte er damit den lauten Unwillen der Versammlung. Hierauf er*, klärte H. Isaac A. Stein, der sich uns erst seit der vorige« Versammlung a »geschlossen hatte, dass er sich nach dem Verlaufe des heutigen Abends und speziell nach den Ausführungen des Herrn Seelig freue. Anhänger des Zionismus geworden zu seht, Gustav Schwabe forderte in seinem Schlussworte die Mitglieder zu weiterer energischer Agitation auf, alsdann wurde der öffentliche Teil der Versammlung geschlossen. Auf Antrag vatt Clecfs wurde sodann der hiesige zionistische Verein mit dem Namen ,.Lerrtaan Zion“ gegründet, dem sich sofort 2b Schckclzahlcr anschlosscn. Hierauf ging man zur Vorstandswähl über, in der folgende Herren durch Zuruf gewählt wurden: Isaac A. Stein, I. Vorsitzender, Wilhelm van Clecf, 2. Vorsitzender uijd als weitere Vorstandsmitglieder: Sn non M. de Beer K. Bundheini. Lazarus Pcls. J. Schönberg und J. Watermann. Sämtliche Herren nahmen die Wahl an. ׳; Kopenhascn, 26. Oktober. Am letzten Dienstag cröffnete ״Dansk Zionistforening“ ihre diesjährige Wiutcrsaison mit einem Referat der Inriden Kongressdclegicrten Dr. Kraenkel und Kaufmann Nachcmsolm. Dr. Kraenkel. der Vorsitzende des Vereins, gab in cinstiincligcr Rede ein übersichtliches Bild der letzten Baseler Verhandlungen, streifte kurz den augenblicklichen Standpunkt der Bewegung und schloss mit einem ausserordentlieh beifällig aufgenommenen Appell zur Unterstützung der Sache der Zionisten. Kaufmann Nachcmsohn beschäftigte sielt mit den ökonomischen Institutionen des Zionismus. Redakteur Stark füll! te den Zuhörern in Korm eines Originalmärchens die dringende Notwendigkeit auch für den unter den günstigen politischcn und gesellschaftlichen Verhältnissen Dänemarks leb den Juden /.um Anschluss au den Zionismus vor. Die sieh anschliessende Diskussion, an der zum ersten Male eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten, Zolldirektor und Schriitstiller I v a r Berendscn, tciinalim, wurde wäl!!er>J 2'-• Stunden ausschliesslich von Genanntem und Oessnmmgsgenassen Stark unter lebhaftesten I!ueres<;ekt1ndgeb!?r.״e:! der l'G Köpfe zählenden Zuhörerschaft geführt. Auf VorscV.-tg des Vorsitzenden wurde die Eintragung des verstorben׳;! .Mitgliedes Rabbiner Dr. (luilcin ins ״Goidene Bach“ beijl.h.iscn und zu d:esem gezeichnet. — Die Jur. Die Ver- Z-0 Kc־pe;l- Zwecke ein grösserer Betrag Sammlung schloss gegen 1 Uhr nachts, hagener Vereinigung, die erst auf eine dreimonatliche Wirksamkeit im letzten Winter zurücksieht, hat bereits heute ausserordentlich gute Erfolge zu verzeichnen. So sind aus den 5 Mitgliedern, die der Verein 'bei der Gründung zählte, fast 70 geworden, die allwöchigen Versammlungen sind stark besucht und zählen oft bis 150 Zuhörer; verschiedene zionistische {Jroschüren, durch Dr. Kraenkel ins Dänische übertragen, sind im Selbstverläge des Vereins erschienen: für das beginnende Semester sind Vorträge angekündigt vom bisherigen Oberrab« l>i!!er Prof. Dr. Sintonson, Oberrabbiner D.'r. Leeuwfrnsteni. Schriftsteller Louis Lcvy u. a. Mit grösstem Interesse verfolgt die gesamte Tagespresse Dänemarks die dem Lande bis zur Konstituierung des Vereins unbekannte Bewegung, die sie durchweg sympathisch liegrüsst. Sämtliche Kopcnhagener Zeitungen gaben nicht mir während der Baseler Tage laufende Kongressberichte, sondern machten, wie die offiziöse ״Berlingskc Tidetide“ und das konservative Hauptorgau ״Nationaltideitde“, die Krage des Zionismus zu wiederholten Malen zum Gegenstand vielspaltiger Leitartikel. Auch die schwedische und norwegische Presse begriisst die Tätigkeit der Zionisten. Lebhaftes Interesse hüben die Bestrebungen des Vereins in hiesigen christlichen Kreisen gefunden. So überwies erst vor einigen Tagen die Gemahlin des Kgl. Kammerherrn Graf Moltke nach einem Vortrage Herrn Starks auf Snckkcrsten. dem Landaufenthalt dur Kamilic Moltke. dem zahlreiche Mitglieder der Hofgesellschaft beiwohnten, 50 Kronen dem jüdischen Natmnaltond. — Zu den Mitglieder des Vereins zählt u. a. auch der alte Postmeistei Michelsen, dessen Idee zur Errichtung des Weltpostvereins Hu! weit über die Grenzen Europas bekannt gemacht hat und dCf -unablässig tätig ist, die gfo^se Idee des Zionismus zu fördern,. L. Stark, Der Zionismus In Schweden. Aus Kopenhagen schreibt inan uns: Sonntag, «?.:,* ii. d. Mts. referierten die Kongressddc« gierten des skandinavischen Landesverbandes, Dr. Fraenkcl nud Kaufmann Nachemsohn. in den schwedischen Städten Lund und Malmoe über den VI. Baseler Kongress. Ungefähr 150

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