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Jüdische Rundschau · 1903-10-30 · Heft 44 (30.10.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 44. Seite 471. JÜDISCHE RUNDSCHAU. י‘׳‘־.‘"י׳־׳™ ״׳־‘*r -י"-־ ״׳«*■׳״ ■״ ״■■■ gönstige Konstellation, dfe uns Palästina in die Hände spielt. Sic lavieren zwischen den Mächten und ihren widerstreitenden Interessen hin und her, um in einem geeigneten Moment den Charter, d. h. eine Autonomie für die Juden zu erhalten. Anscheinend aber liegt es, wenigstens nach den bisherigen Misserfolgen der Unterhandlungen zu urteilen, nicht im Interesse der beteiligten Mächte, die Juden als politischen Faktor in Palästina zu sehen. Und es ist ja klar, weder die arabische Bauernschaft, gedeckt durch den Sultan, ihren Landesherrn, noch die katholische Kirche, gedeckt durch Frankreich, ihrc Protektoratsmacht, noch die griechisch-orthodoxe Propaganda, gedeckt durch das alimüchtige Russland, wird zugeben, dass das Land zu ihrer aller Ungunstcn und nur zu Gunsten eines Achtels der Bevölkerung, nämlich der Juden. Fremden in die Hände geben werden soll. Lenken wir darum ab aus dieser Bahn, die nur in eine Sackgasse führen kann. Wir könne!; vielmehr unser Land nur gewinnen, wenn wir durch langsame Arbeit die faktischen Herren in ihm geworden sind, ja seihst an einen Charter im Sinne Herzl’s ist erst dann zu denken, wenn unsre Juden im Lande selbst ein Machtinkm!־ sind. Nicht wahr, ich spreche vielen aus den! Herzen, wenn ich die Argumente so zusammenstclic? Und nun die Antwort. Das nennt Nossig Politik! Und cs ist ia nichts einfacher, als dieser Methode unsere Landnahme einen Riegel vorzuschieben; Ein Einwanderungsverbot, ein paar Beschränkungen im Verwaltnngswege -־■ und die Sache ist erledigt. Damit aber haben wir d׳'e politische Erwerbung Palästinas auf unabsehbare Zeit geschädigt, und eines dürfet! wir nicht vergessen: Jedes Jahrzchat. das wir Juden später nach Palästina kommen, macht unsere Arbeit im Lande schwieriger, denn cs ist kein Zweifel, dass mit jedem Jahrzehnt der schweifende Araber laudsässigcr wird. Russlands Einfluss zunimmt, die christlich-religiösen Intcrcsstn wachsen, die deutschen Kolonien sich heben. Aber ich möchte es vermeiden, einseitig zu werden. Es ist tatsächlich von gewaltigem Wert, dass wir unser» Einfluss in Palästina schon jetzt stärken. Doch dafür sehe ich im wesentlichen r.ur einen Weg. den ich gern denen zugeben will, die mich kürzlich auf ihn aufmerksam?nachten: Wir müssen innere K o I o n i s t i o n in Palästina versuchen, darnach streben, die hungernden Altnoseucmpfängcr zu arbeitenden Bauern zu machen. Vermehren w!r so die 500C jüdischen Bauern zu 5;< ׳**'!. dann haben wir im Sinne des Baseler Programms iti eminenter Weise zweckdienliche Besiedlung Palästinas geleist׳.:. Auch die jüdische Einwanderung zu fördern ist zweck- All das ist richtig, nur eins fehlt :*Wie machen wi: cs, um dieser Machtfaktor im Lande zu werden? Wen! cs wirklich gegen das Interesse des Sultans und de• Mächa geh!, dass wir •vir! politischer Faktor in Palästina wc'Jc; so sollten sie es aui diesem Wege uns werden lassen? Das wäre merkwürdig dumm, und es erscheint mir unendlich nai.־ aa/unehmen, dass wir sie auf diese höchst einfache Weis so vor eine vollzogene Tatsache stellen können, ohne dass sie es vorher merken. Es handelt sic’!! ja auch hierbei um «•ine Mas>e1;einwenJerung von Juden. Und cs ist selbstverständlich, dass, wie eh: zusammengepresstes Gas dem höheren Drucke immer gcwalrger cutgegeudriiekt. derWiderstand der LanJsässigen selbst mit der Judcneinwandenmg wächst. Oder werden auch die der, neuen Konkurrenten erst bemerken, wenn es zu spät ist? ,. Wie naiv diese besonders von N ossig neuerdings verlietcuc ..Politik“ ist, dafür einen Beleg. Ich brauche ja nur einen der schönen Artikel Nossig's über ..Jüdische Kolonisations- Politik" dem Sultan Abdul Hamid einzusenden. Wenn er nur etwas ahnt von den hochpolitischen letzten Zwecken diese! scheinbar so unschuldigen Klcinkolomsati^n, dam» wird er wohl kaum stillhalten, um sich über den Löffel barbieren zu lassen. n»äs>:g. pur begehe nun mein das Taschenspicierstückchcn. das ::י.: einer Lösung der Judenfragc oder der Errichtung eines staab'when Gemeinwesens in Zusammenhang zu bringen. 1': sh!1 w ir altes zusammen, so lautet unser Schluss: K 0 11n e n wir überhaupt Pal ä s t i n a erhalten, so ist das nur möglich auf dem Wege politischer Verhandlungen, den zuerst beschnitten zu habe n. das £ ro s s e und unsterbliche Verd i e n s : II c r z 1 's in der jüdischen Geschichte ist. fst dieser Weg ungangbar, so ist es d c r W c g der I n f i 11 r a t i 0 :1' erst recht. Auf dem Wege der Inlikration ist die Aussicht aui die dereinstlge Entsteinig eines indischen Gemeinwesens in Palästina grumlsatzlieh dieselbe, genau dieselbe wie in Argentinien den Vereinigten Staaten oder sonstwo auf der weiten Erde. Darar. sollte man den Wert der Methode messen. Grade die Methode Hcrzl's hat sich bewährt. El Arish,• Sinai und Ostafrika zeigen uns. wie ein Volk ein Land erwirbt. Erst wer diese scharic Alternative in allen Einzelheiten durchgedacht 'hat, der hat das Recht, sich politischer /.;;'׳,ist zu nci'ner. Und woher kommt cs, dass doch sc! viele Zionisten grade jetzt einer PrivatkoloiHsation in Palästina das Wort reden? Auch Martin Friedländer und Israel Auerbach vorzügliche Bekr;l,-:c geliefert. Zlocistis Sachen brauchen nicht charakterisiert zt! werden. Sic sind in seinem Genre. Es ist selbstverstäuJlieft, dass Morris Rosenfield nicht fehlt, und dass seine Eigenart in mehreren ausgezeichneten Proben zur Geltung kommt. Aber die Wiedergabe in jüdisch-deutscher Sprache und in lateinischer Schrift, die an und für sich das Gegebene ist, muss doch ins״- fern als teilweise misslungen bezeichnet werden, als sie den Lautklang der jüdisch-deutschen Sprache ungenau wiedefgi’it. Das ist leider auch der Fall bej den Warsehawskisclien Liedern, denen eine sehr dankenswerte Notenbeilage beigegeben ist. Jedenfalls aber soll das nicht heissen, dass nicht die Lieder an sich etwas so ungemein Weiches an sieh haben, wie man es nur in dieser jüdischen Dialektdichtung findet. Eine besondere Stellung nimmt wie immer Max Jungmann cm: Sein L׳ed vom braven Manu stellt billig neben den feinsten Satiren des Simplicissitnus, indem es den Situplicissimus Judacorum so darstellt, wie er noch heute in seinem Museum - pardon seiner Redaktion, zu sehen ist. Wer an Jungmann achtlos Vorbeigehen würde, bewiese damit einen Mangel an Empfinden für urkräftigen und gesunden Humor, dessen Drolligkeit hauptsächlich um so effektvoller wirkt, als er eigentlich nur sehr fein beobachtet. Derselbe prächtige Humor bricht auch in seiner tiefernst'cn Erzählung ״Der Vogpldicb" durch, die sich in der kurzen Zeit seit dem Erscheinen des Kalenders schon den Volkstümlichen Namen ..Das Vogelnest" errungen hat. Es ist eine populäre Verdrehung des Titels, wie ja auch Dichtung und Wahrheit fast ausschliesslich unter einem falschen Titel zitiert wird. Überhaupt stehen int Kalender die Leistungen der Poesie in ungebundener Rede nicht hinter den Gedichten und Liedern zurück. Doch würden wir unserer Pflicht nicht genügen, wenn wir nicht ausdrücklich auch dem politischen Teile des Buches gerecht werden wollten. Emil Cohns ״Unser nationales Bewusstseü in Gegenwart und Zukunft“, Salomon Schiller in seinem Zionismus und Religion haben liier Treffliches geleistet. A. Coraitük bricht in einem Artikel ״Der Kampf um die* Sprache“ ein Lanze für das Hebräische und d.as Jf!.lischdeutsche. Bedauerlich ist. dass auch er wie teilweise ja auch Zlocisti. sich der schimpfenden Bezeichnung ״Jargon“ bedient. Wir sollten doch, wenn nicht Stolz und Selbstbewusstsein, so doch Gerechtigkeitsgefühl und Warhcitsliebe genug besitzen, um nicht eine organische Sprache ein ״Kauderwälsch“ — denn nichts anderes bedeutet Jargon — zu schimpfen,• die von mindestens 6 Millionen Menschen gesprochen wird. Zu Weils schätzenswerter Arbeit über das Fremdwort .im Hebräischen hätten wir gern noch eine Ergänzung über ticuzuschaffende grammatische Formen gesehen. Wir meinen damit Bildungen etwa eines ״hct’il" im Sinne des arabischen ״af'ai und äiut-!־ ־■**־ *>*f''*' 1 ־Hk״*׳.

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