Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1903)
- Date
- 1903-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M» י*•׳»» f . Seite 470. JÜDISCHE RUNDSCHAU. I i* I No. 44. werden, die Scfhekel, die Gelder der Kolo• nia Iba nk ■oder des N a t i 0 n a 1 f.0 a d s hierfür he ranzuziehen, so w erden wir uns aufs Susserste׳ dagegen wehren, und im Notfall nicht zögern dürfen, selbst unserc Führcr im Stich zu lassen. ... Aber dahin wird es nicht.kommen. Wer lesen kann und ■ will, für den ist klar, dass HcrzI nie daran gedacht hat. Zion durch Uganda zu ersetzen. In seiner Eröffnungsrede, diesem Meisterwerk knapper Kürze, steht der Satz; ״Es ist und bleibt lediglich eine Notstandsmassregel, die der jetzigen Ratlosigkeit aller philanthropischen Uritcrnchmungcn abhclfen und dem Verluste solcher versprengter Volkstcile Vorbeugen soll.״ Damit ist alles gesagt, was wir im einzelnen ausgeführt haben. Nur Unverständnis oder Böswilligkeit kann den klaren Worten eine andere Dcutung geben als die unsere. Unsere Auffassung der Frage zeigt auch den Weg zur Verständigung zwischen Jasagern und Neinsagern, den einzigen Weg. Auch drüben in Russland wird er schon halb unbewusst betreten, das zeigen zur Evidenz 7.wci Ansichten, die in der ,.Welt“ publiziert sind. Dort spricht sieh Dr. Awiuowitzki, der Jasager, und Dr. Sapir, der Neinsager, über die Frage aus. Der Jasager gibt zu. dass die Kräfte des Zionismus nicht in Ostairika gebunden werden dürfen, der Neinsager meint, das Projekt wäre eine schöne Tätigkeit für die nichtz:<>:!istischc Masse. Sagen sie nicht im Grunde beide dasselbe? Nur betont der eine das Positive, der andere das Negative. Und kann denn auch ein Jasager verlangen, dass der Zionismus die Arbeit leistet? Kami ein Neinsager verlangen, dass das ganze Projekt vom Erdboden verschwindet? Die natürliche Vermittlerrolle zwischen den Gegensätzen, die viel weniger scharf sind, als man auf den ersten Blick glaubt, fällt vor allem den westeuropäischen Neinsager״ zu da nur sie das Vertrauen der osteuropäischen Zionisten haben. Was haben sie zu tun? Sie haben darauf hinzuarbeiten, dass der Zionismus seine reservierte Stellung in der Ostafrikafrage fest innehält, denn nur auf dieser Basis ist eine Einigung möglieh. Diejenigen, welche den Zionismus für Ostafrika ins Zeug schirren, sfcid wieder einmal hcrzlianischer als Herz!. Und es ist nicht nur unzulässig, sondern töricht, mit Ostafrika als Köder in zionistischer Agitation an die philanthropischen Instinkte der Juden zu appellieren: dem! wer so zu uns kommt, der ist kehl .Zionis: und geht bald wieder. Gegen .eine solche in ^1-11*•'■■■*-■■•■■■1■*■■יל"-■"■1■■'•■י,■!Sf•' Litieraturbericht. Jüdischer Volkskalender für das Jahr 5664 (1903/04). Jahrg. 2. Redigiert von Theodor Zloeisti. Brünn: Jüdischer Buch- und Kunstverlag 1903. 183. XXI S. 8 '׳. Auf Veranlassung des Rezensenten gab der Wiener Kolonisationsvcrcin ״Admath Jeschurun“ im Jahre 1891 unter dem i Titel הירדן״ Jordan. Jüdischer Voikskalender" unter der Redaktion Dr. Nathan Birnbaums den ersten Kalender heraus, der als bescheidener Luach die zionistische Agitation in weitere Kreise tragen sollte. Als er nach dreimaligem Erscheinen seiner Krankheit• der schlechten Geschüftsvcrwaltung der Wiener ״Parteileitung" erlegen war, wurde der Jordan durch eine Berliner Publikation ersetzt, die bezeichnenderweise ״I s r a c - 1 i t i s c h c r Volkskalender•‘ hiess und im antizionistischen Lager endete als auch der ״Zion“ nicht mehr das Örgan der deutschen Zionisten, sondern die Lagerstätte alles schmollwinkligen Grolles geworden war. Daher wurde er noch vor seinem frühzeitigen, immerhin nicht zu frühen Hinscheiden im ersten Kongressjahr von einer Publikation der Zionistischen Vereinigung für Deutschland abgelöst, die unter dem Titel ״Jüdischer Volkskalender“ vier Jahrgänge erlebte, und sich allmählich zu einem jüdischen Jahrbuch zionistischer Färbung auswuchs, aber wiederum an dem geschäftlichen Ungeschick der diesem hoctarnsten Augenblick gefährliche Art ״zionistischer Arbeit“, die eine Verständigung mit den Neinsagern unmöglich macht, haben wir energisch Front zu machen.' י ״ V : •>־.‘?* * > .; V ■ , ■ , '< ' ' Das zum Ostafrikaprojekt. Und nun gestatten Sic mir noch im Anschluss hieran eine Frage zu besprechen, die!in der ganzen bisherigen Diskussion im engsten Zusammenhang mit dem Ostafrikaproblem behandelt worden ist: Die Stellung des Zionismus in der Palästinapolitik. Mehr als einmal habe ich in den letzten Wochen aus Blätterstimmen und persönlichen Aeusserungen einzelner den Satz gehört: Besser noch ohne Charter für Palästina arbeiten als mit Charter für Ostafrika. Das ist ein gefährliches Wort. Es soll die unerschütterliche Liebe um jeden Preis für Palästina zum Ausdruck bringen. Darum gereicht cs dein Herzen derer, die cs aiissprechen. zur Ehre; cs drückt diese Liebe wirklich aus, sogar auf Kosten der einfachsten Verstandesgcmässen Erwägungen. Nach ihn! erscheint der Charter als eine Beigabe zur zionistischen Idee, auf die man zur Not verzichten kann. Damit aber, das scheue ich mich nicht mit Nachdruck zu betonen, legt mau Hand an das Fundament unsc rer Bewegung. Um der sogen. Gegenwartsarbeit in Puiüstina willen, wie sie auch Nossig und Trietsch auf dem Kongress vertreten haben, stellt man d:c einzige, wirkliche Gegenwartserbeit des Zionismus, nämlich die Möglichkeit, dass er in unseren und unserer Führer Tagen zur Realität wird, für unabsehbare Zc t zurück. Es ist merkwürdig, niemals seit 7 Jahren hat die Theorie der Kleinkolonisation und Infiltration im Gegensatz zur polnischen Behandlung unserer Volksiragc so viel Boden selbst bei bisher ..politischen’' Zionisten gefunden wie jetzt. Die Kleinkol״,״;stcn von 1896 werden sich freuen: aber zu früh ־ denn 7 Jahre einer politischen Schub gehen nicht spurlos vorüber, s:e haben, hoffe ich, manche Gelehrige gcschaffea, und diese werden mit aller Kraft dafür arbeiten, dass nicht eines unlogischen G׳cJa!1ken5v;mmgcs w׳e':en mit dem Schicksal unseres Volkes gespielt werde. Was ists denn mit dieser Gegenüberstellung von praktischer Arbeit in Palästina ohne Charter und dem Charter-Zionismus? Die Frage hat zu lauten: Was kann mit der .,praktischen" Arbeit mehr geleitet werden? Man sagt: Allem Anscheine nach sind wir politisch von Palästina noch sehr weit entfernt; wer weiss, ob wir cs überhaupt erreichen. Unsere politischen Führer warten auf eine damaligen Parteileitung in Deutschland und der von ihm he־_ auftragten buchhändlcrischen Vertretung ein langsames aber sicheres Ende fand. Nach einjähriger Unterbrechung hat dann der Brunner Verlag, dein man geschäftliche Rührigkeit trotz allem nicht absprechen kann, den Faden wieder aufgenonimeu und jetzt liegt zum zweiten Male unter Theodor Zlocistis Rcdaktion dieser Brunner Kalender vor uns. Diese Kaiendergeschichte ist in ihrer Art eine kleine litterarische Parallele, die der Zionismus in den letzten 12 Jahren in Westeuropa genomine!! ^at. Und wir können uns dieser Entwickelung freuen, wenn sic auch mit zunehmender Ausdehnung und Ausbreitung der zionistischen Bewegung vielfach eine Verflachung neben der Ausweitung geschahen hat. Dass die Flachheit auch im vorliegenden Kalender an bestimmten Stellen und bei gewissen Autoren nicht fehlt, ist natürlich. Sonst würde er kein genaues Bild des heutigen Zionismus geben. Das hindert aber nicht anzuerkeunen, dass der Kalender eine Leistung ist, die von dem Können der deutschsprechenden Zionisten kein unriihmliches Zeugnis abiegt. Dabei soll inan wohl beachten, dass er als ein Volksbuch gemeint ist, und nicht mit der Musterlcistuiig des Jüdischen Verlages, dem Almanach, verglichen werden da:'*.' So sind die poebschcn Beiträge sehr verschieücnwcrtig und während Werner diesmal keineswegs auf der Höhe steht, haben