Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1903)
- Date
- 1903-10-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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> I l No. 44._JÜDISCHE RUNDSCHAU._Seile 469. » י ־ ' . ■ . « nicht dadurch Ober rumpeln: Ist Ostafrika diese augenblickliche Hilfe wirklich? Man bedenke, das zu besiedelnde Gebiet ist so gut wie unbekannt♦ Jedenfalls aber völlig uncrschlosscn. Hs müssen überhaupt erst Urwälder ausgerodet und die primitivsten Wege gebahnt werden. Täuschen wir uns nicht, eine Generation und darüber wird vergehen, bis Juden in merkbarer Anzahl landsässig sein können. Sehen wir uns doch die Er- Schliessung der hier vergleichbaren Teile Australiens an, die in moderner Zeit stattfand, und die auch jetzt erst auf ein weit grösseres Terrain 5 Millionen Menschen gesammelt hat. Wer diesen Gedanken nicht berücksichtigt, projektiert ins Blaue hinein. Den Hungrigen, der nach Brot schreit, kann man nicht auf den Dattelkern verweisen, aus dem er erst die Palme ziehen soll. Ja, eine augenblickliche Hilfe kann vielleicht Kanada oder Argentinien sein, aber nicht Ostairika. polgt nun aus alledem, dass aus dem ganzen Projekt garnichts wird, dass Herzl der englischen Regierung schlankweg et klären soll: Das jüdische Volk hat für 1:11er Anerbieten keine Verwendung? Ich glaube, dahin kann mich niemand von Ihnen verstanden haben. Bedenken Sie. was das heissen will. Eine hervorragende Gelegenheit. Himderttausendcn von Elenden wirksam zu helien, ist durch die Schuld der Zionisten ungenutzt voiiibergegange!׳. Ein Sturm der Enlriistung. der berechtigten Entrüstung ohnegleichen würde auf uns mederbrausen und uns himvegfegen aus den Reihen derer, die für unser Volk kämpfen. Es wäre ein Sturz, von dem wir uns nie erholen würden, und auch unsere Arbeit für Palästina wäre so gut wie unmöglich, denn wir hätten das Vertrauen grosser Massen verloren. Und was hätten wir der Sache genützt? Wahrlich, nicht 1!:n Herzl’s wunderschöner Augen willen hat sich England zu seinem Angebot entschlossen, und es liegt nicht die Spur eines Grundes vor, warum cs nicht den Vertrag, den die Jüdische Kolonialbank verweigert, mit der lea, wenn diese, sich erbietet — und das tut sie gewiss — abschücssen sollte. Und dann? Wie stellt dann der Zionismus da?' Machen Sie sielt das reckt klar! Es gibt kein Zurück mehrt Vorwärts, sehen wir, was zu tun ist. Die zionistische Partei muss die Vermittlerrolle übernehmen, und sie hat es bereits getan. Sie ist aut dem rechten Wege. Auf dem Kongress ist eine Kommission gewählt worden, und sie wird in kurzem eine Expedition ausschicketf, um das Land zu erforschen. Auf dem Kongress ist gesagt worden Wenn• wir zugebcii, dass Cstafrika im zionistischen Sinne unannehmbar ist, wozu soll uns dann Kommission oder Expedition? Wozu brauchen wir zu wissen, ob das Land, das der Zionismus nicht brauchen kann, gut oder schlecht ist? — Sic werden letzt nach meinen Ausführungen den Zweck dieser Expedition verstehen. Herzl ist der Mann der apodiktischen. Gewissheit. Er wusste, dass die Bekanntgebung des Projekts seine glatte Ablehnung unmöglich machte. Deshalb hat er die Einsetzung dieser Konuttission mit aller Energie durchgesetzt. Jm übrigen sah er ruhig und — glauben Sie mir — mit innerer Freude mit an, wie der Kongress sich’zu flammender Palästinabegeisterung erhob und den Zionismus von Ostafrika abdrängte. Es galt, dem Zionistnus die führende Stellung in dieser hochwichtigen Frage zu sichern. Und er hat wieder mit weitem Blicke vorgesorgt. Der Bericht der Expedition wird, obwohl er vor dem Zionistenkongress erstattet wird, eigentlich nicht für ihn, sottdem. für das gesamte Volk bestimmt sein, vor allem aber für die, welche die Ausführung in die Hand nehmen werden. Es wäre Zcitvcrsehwcndn!!,: gewesen, mit der Expedition zu warten, und indem der Zionismus sie ausschickt, behält er das Material zu seiner freien Verfügung. Was hat mm zu geschehen? Wenn nichts Atisscrgewölmliebes - xvie z. B. ein Chatter fiir Palästina - dazwischen kommt, hisst sich der Hergang cinigcnnasscn vorausselicn. Fällt der Bericht der Expedition günstig aus, so wird der eigens berufene VII. Z i oni - stenkongress ’!> e s c 11! i e s s c n. dass die Kolon i s i e r u!1 g O s t a f r i k a s nicht Arbeit des Z i ׳> - nismus ist. Er wird beschHessen, dass ein allgemeiner Judcnkongress oder eine ge - mein sa tu e Vers a n: rn! u r g der O r g a n i s a t i o!1 e n , die hier in I> e ־.rächt k v m m e n . zu h emien i s t. Und erst dieser Kongress wird sich schlüssig wert! e 1! ü b er die A r b t i: s e! b s t. Denken Sic an das Wort Zangwills: .,Gott sei Dato:, gibt cs nicht nur den Zionismus, sondern auch die Wohltätigkeitsiustitmio;;.';!.“ ־ In Betracht kommen vor allem die lea. AlHar.ee, B»e-I ,*1;׳h- Logen und che LandcEiüfsvcrcine. Der Zionismus als der geistige Vater des Unternehmens wird auch als geistiger Leiter ein führendes" Wort beanspruchen und erhalten. Seine So!ge muss es sein, das Unternehmen In nationalem Sinn und Geist zu gestalten. Seine organisatorischen und m a ־ t e r i c 11 e n Mittel aber darf er auch nicht zum kleinen Teile fest legen. So 111 c versucht Auch die Acgypter segneten sich und schworen bei ihrem Gotte Amon, der Gott, welcher auch bei Jeremüa 46, 25 erwähnt wird. Der Prophet sagt kurz vorher: ״Seinen Dienorn wird ein anderer Gottesname genannt werden," nämlich statt des Gottes ״Amon“, der Gott ״Amen", im Sinne des Ausdruckes: ״Gott der Wahrheit". Wenn nun der Prophet mit phönizlscher und ägyptischer Götterverchrung gleich gut Bescheid weiss, so ist das doch bei einem so gebildeten und welterfahrenen Mann gar nicht z» verwundern, zurnal die beiden Länder am Mittelländischen Meere einander gegenüber lagen und durch den lebhaften Schiffsverkehr der Phönizier eng verbunden waren. Die Aegyptcr freilich lütten vor dem Meere, als dem bösen Ootte Typhon geweiht, eine unüberwindliche Scheu und trieben keine Schiffahrt. Wenn nun solchergestalt die Heimat des Propheten zweifelhaft' sein könnte, venm-ine ich die Ent- Scheidung dieses Zweifels In der Tatsache zu finden, dass der Prophet eine so reine und fliessende hebräische Schreibweise besitzt. Dessen können sich die gleichzeitigen Propheten Haggal, SedliarJa und Malachi nicht rühmen; selbst der grosse SchriftgelehrÜe Esra, auch ein Zeitgenosse, schrieb lieber chaldäisch als hebräisch. Die Juden pflegten ia ungemein rasch sich ihrer Umgebung anzugleichen und ihre Sprache zu Gunsten der Landessprache aufzugeben. Unser Prophet besass aber eine solch’ glänzende Schreibweise, weil seine Muttersprache gleichzeitig auch sein.' Landessprache war. Er lebte unter den Phöniziern, jenem hochgebildeten Volke des Altertums, dem unter anderem auch die Erfindung der Buchstabenschrift zugeschrieben wird und dessen Sprache mit der Sprache der Hebräer vollkommen überemstimmte, und wie die auf uns gekommenen Reste der phönizischen Sprache, beweisen, sich nicht einmal dialektisch von der hebräischen Sprache unterschied. Unser Prophet hat als Schriftsteller, und bloss als solcher betrachtet, ein schriftstellerisches Kunstwerk geschaffen, welches den besten Literaturerzeugnissen aller Zeiten zugezählt werden muss. Wie sollen wir nun aber dieses Kunstwerk bezeichnen? Ist es ein Epos, ein Drama, ein lyrisches Oedicht? Keines von allen genannten Arten der Dichtkunst, wiewohl nachweislich das Werk des Propheten Stücke cmhält, welche vom besten und erhabendsten epischen, dramatischen und lyrischen Geiste beseelt sind. Wir haben cs hier mit einem prophetischen Kunstganzen zu tun, das sowohl in der Prophetenwie in der gesamten Weltliteratur nicht seinesgleichen hat. . (Fortsetzung folgt.) 1