Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1903)
- Date
- 1903-10-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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tAMsSSSMftw'.r’W/t ״־*$? V Seite 468. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 44. ganzen Werkes, ein Kmd scharfen Kampfes und schwerer Qcdankenarbeit. Wir haben die Überzeugung, dass das jüdische Volk von den Sätzen des Baseler Programms sagen kann: 1ב'השה"נוואר*י'נדנ sic sind unser Leben und die Lange unserer Tage. Und nachdem wir einmal unseren Weg als den richtigen erkannt haben, müssen wir ihm treu bleiben. Wohl sehen wir. dass seitwärts hier und da ein kleiner Pfad führt, aber nicht wir dürfen ihn gehen. Unsere Lebensarbeit ist es, auf der Heerstrasse, dem kürzesten Wege, nach unserm Ziele zu gehen, und kein ungestümes Drängen nach sogen, praktischer Arbeit darf uns davon abbringen. Unsere Kraft liegt ja gerade darin, dass wir sie nicht verzetteln, wir wollen nicht, dass tausend Rinnsale aus. den! Strome werden, darum dämmen wir ihn ‘ auf beiden Seiten mit hohen Mauern ein. Wehe uns, wenn wir selbst diese Mauern niederrcisscn! Warum kam kein Mensch, wenigstens aus unserem Lager, auf den Gedanken, der Zionismus müsse sich an der Kolonisation in Argentinien oder in Kanada beteiligen? Die, ich möchte fast sagen, unglückselige und die Gemüter verwirrende Komplikation der Ostafrikafrage ist d’e im übrigen so uiiendlieli vorteilhafte weitgehende Autonomie, die dent Projekt eine fmsserlichc und oberflächliche Aehnlicltkeit mit unserem zionistischen Endziele gibt. Ohne sie wäre unsere Stellungnahme sehr viel leichter, wir wüssten sofort, dass wir nichts damit zu tun haben. Aber die Autonomie ändert nichts an dem Wesen der Sache. Auch Ostafrika ist eine Wohltätigkeits- und Hilfsaktion, freilich in weit imposanterem Stile, als alles Bisherige dieser Art. Wir benutzen eben Dampfmaschinen slalt der schwachen Hand, und wir kolonisieren mit politischen statt mit Privatverträgen. Es war ein schwerer Fehler von Nordau, dass er hier den Zionismus festlcgc» wollte, dass er auch eleu Bau von Nachtnsylen zu unseren Aufgaben rechnete. Nachtasyle zu hauen. Ist, bis wir in unserem Judenstaate sind und mit den Kräften der Gesamtheit1 arbeiten. Aufgabe der Verein« zur Unter- Stützung Obdachloser. Wenn, um im Bilde zu!)!eiben, der Zionismus den Bauplatz unter überaus günstigen Bedingungen anweist, so hat er mehr als seine Schuldigkeit getan. Liesse sich der Zionismus verleiten, die Kolonisierung Ostafrikas selbst in die Hand zu nehmen, so wäre das Wort, dass wir Zions inzwischen nicht vergessen, in der Tat eine Piirase. Demi es wäre ein Werk, das fiir viele Jahrzehnte alle Arbeitskrähe und Mittel des Zionismus in Anspruch nehmen würde. Und soviel Kräfte haben wir, wenn wir noch so optimistisch über unsere Leistungsfähigkeit denken, nicht, um nach zwei Seiten zu arbeiten, an zwei Riesenwerken, deren jedes allein uns verzagt machen könnte. Es mag hartherzig klingen, wenn wir sagen: Die Wohltätigkeitskolonisation ist nicht unsere Arbeit. Aber jeder wJss, dass der Zionist auch in der Wohltätigkeit seine Pflicht tut, nur ln unsere Partei als solche gehört das nicht hinein, denn wir wären mit unseren Kräften sehr bald fertig, und unserem Volke wäre nicht geholfen. Das steht uns unerschütterlich fest. Und darum war cs überflüssig, uns die Pille zu versiissen und den Zionimtis von der Notwendigkeit seines Eingreifens durch die Vorzüge dieser autonomen Kolonisation überzeugen zu wollen. Schon der Gcncralrcdncr der Ostafrikafrage auf dem Kongress, Max Nordau, hat den nationalen Wert einer solchen Kolonie stark 1>etont. Wir werden in dieser Kolonie die wertvollsten Erfah־ rungen sammeln•, wir werden lernen, uns selbst zu regieren und ein Land zu verwalten. Ein erheblicher Teil des jüdischen Proletariats wird zu kräftigen Ackerbauern verwandelt werden, eine stammestiimlichc Kultur wird sich entwickeln, kurz, wir werden eine nationale Vorschule haben, die dereinst, wenn wir in Palästina mit der Errichtung unseres Gemeinwesens beginnen werden, die Elite unseres Menscbcnmatcrials liefern wird. Zunächst haben wir diese Hoffnungen etwas zu beschränken. Mir• wenigstens ist der direkte Nutzen, de!! Palästina aus Ostafrika ziehen soll, nicht recht klar geworden. Denn es ist Utopie, an eine Überpflanzung von Menschenmaterial in grosserer Menge von der Kolonie ins Mutterland zu glauben, und damit entfällt ein grosser Teil der Erwartungen. Wahr aber ist cs, dass wir unbezahlbare Lehren über Selbstverwaltung und Gestaltung unserer inneren Staatsangelegenheiten empfangen werden. Aber um alles in der Weh, wie will man daraus folgern, dass der Zionismus an die Kolonisation selbst ltcrangchen, dieses Asyl selbst bauen muss? Werden wir weniger lernen, wenn andere diese Erfahrungen sammeln? Auch die bisherigen Erfahrttngen in Palästina haben wir nicht gemach ז, und doch werden wir in Zukunft jede, auch die kleinste, benutzen. Weiter ist auf dem Kongress und seitdem überall in der jüdischen Presse in allen Tonarten gesagt wo!den: Der Zion'smus muss ausser seinem ferneren Ziel diese Arbeit sofort aufnehmen, weil die Not des Augenblicks zu furchtbar drängt. Es muss sofort geholfen werden, wenn nicht zahlreiche Juden einfacli verkommen oder durch die planlose Emigration dem jüdischen Volke verloren gehen sollen. Aber lassen wir uns גו־י• VI Von Dr. J. J. Rfilf. (Fortsetzung.) Der Prophet war rin Mann des öffentlichen Lebens und Wirkens. Alle seine Worte sind Ansprachen an das versammclte Volk. Begeisterte Schüler und Anhänger verstanden cs, seinen prophetischen Erguss Wort für Wort zu wiederholen, und diese Worte drangen ln immer wettere Kreise und wurden tn den Prophetenschulen durch Ueberlieferung auf flte nachfolgenden Generationen übertragen; so verhielt es sich mit der Lehre Moses und mit allen Prophetenworten. Die Propheten waren nicht Schreiber Newiim euam Soirim. Esra wird ausnahmsweise bezeichnet als der gewandte Schreiber in der Qotteslehre und wird heute noch genannt: EsraHasopher. Das Buch unseres Propheten gibt sich als rein Schriftstellerisches Erzeugnis zu erkennen und zeigt nirgends den Hintergrund eines öffentlichen Redens und Wirkens. Vergessen wir nicht, der Mann lebte im Exil. Wo? Ja das ist eine andere Frage, Wir haben nicht die geringste Andeutung, dass er. wie etwa der Prophet Jecheskcl, inmitten der vertriebenen Volksgenossen in Babylon gelebt hätte. Gerade die babylonischen Gebiete bezeichnet er als die fernsten; Aegypten und Aethiopien sind ihm schon viel vertrauter; des Meeres, der Schiffahrt, der ferngelegenen Inselweit gedenkt er häufig — alles Zeichen, dass er ln einem Küstenlandc gelebt haben müsse. Wir haben uns nur zu entscheiden zwischen Aegypten und Phöniziern Mir will cs scheinen, entgegen den meisten Erklärern, dass er in Phönizien seinen Wohnsitz gehabt haben müsse. Der von ihm beschriebene Götzendienst des Volkes, unter w'elchem er lebt, w׳eist bald nach Phönizien, bald nach Acgypten hin. Wenn ganz besonders חי den beiden letzten Kapiteln 65 und 66 gesagt wird: ״Ihr aber, die Ihr Gott verlassen, meinen heiligen Berg vergessen, die ihr dem ״Gad״ den Tisch bereitet und der ״Meni“ das Getränk ein füllet,** so deutet dieses Wort auf Phönizien, denn Gad und Meni waren ein phöntzlsches Götterpaar. Ferner weiterhin das Wort: ״Die sich heiligen und reinigen zu den Gartenfesten nach dem Einen in der Mitte,“ ist gleichfalls auf einen götzendienerischen Brauch der Phönizier gemünzt. Andere derartige Anspielungen deuten wiederum auf Aegypten hin. So der merkwürdige, niemals recht verstandene Ausspruch: ״Wer da sich segne( Im Lande, wird sich segnen bei dem Gotte Amen, und wer da schwört 4m Lande, wird schwören bei dem Gotte Amen." Der Prophet hat dabei ein Wortspiel im Sinne, gerade wie er die Güttin Meni zu einem gleichen Wortspiele verwendet. ן"*" < .