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Jüdische Rundschau · 1903-10-23 · Heft 43 (23.10.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 461. No. 43. JÜDISCHE RUNDSCHAU. wie: vorher“, ein ganzes Gcmcngscl von fadenscheinigen Einj wänden und veranlasste dadurch Dr. Dftnnenberg, auch die i weniger zarten Saiten seiner Zionsharfe* arauschlagen. . Alle I Übrigen Zuhörer jedoch schienen dem Redner des Abends mit Verständnis gefolgt zu sein, und elf Mitglieder der Verhältnismässig kleinen Gemeinde erklärten sofort ihren Beitritt zum Zionismus. Sicherem Vernehmen nach wird Dr. Edelstein aus Bonn eine« weiteren Vortrag in Bälde dort halten und wird es ihm jedenfalls gelingen, in Siegburg bald eine stattliche Ortsgruppe zu bilden! I!5'-4 Kl Rundschau. r/AfAvr׳»'Yv/f'rvvY-r׳n 3 5->l 5-0 3 •’]'''r.'Jj'A y, v y, y ■ י/ y y: Die Deutsche liochwacht nennt sich deutschnational, deutschvölkisch in einem Leitartikel über die Ermordung des jüdischen Schriftsetzers Levi bei Schlochau. worin sic ausdriieklieh aufs schärfste R oh eiten verurteilt, so weit sie gegen einzelne Juden ,oegangen werden. .,Wenn wir uns,‘* so schreibt sie, auf den Siandtpnnkt solcher Gew altsn.cnsclien stellen wollten, so müssten wir 1ms doch mindestens sagen, dass mit solchen, alle .1 u b e 1 j a h r e wiederkelireiidcn I'. i 11 z e l eliminationui nichts erreicht werde; dass vielmehr eine (kwaitaktion mir dann einer. Zweck habe. wenn!!!־an durch sie die ganze Judenscliaft in deutschen Landen auf einmal in Abrahams bauschigen Schooss versenken konnte.* Man sicht, dass ״Welt am Montag־* und andere ähnliche Blätter sich zu Unrecht über einen .Mangel an deutscher Pressfre.lveit he1:! .,eil. Welcher öffentliche Ankläger wird an dieser Stelle Anstuss nclitnen? Jedenfalls liaT-eu wir ebensowenig etwas dagegen tiiizuwcn'ilen, dass sich die .,Deutsche Hochwaeht** dcuisclmational und deutschvolkiscli nennt, ־v\ ic dagegen, dass die Kreuzzcituug tmd Staatshürgerzeitung als Vertreter des cliristliclieu Geistes gelten wollen. matoren in Deutschland ein Muster nehmen und bctracliten, welch imgelieiireii Wert sie der Gründung von Gymnasien beimassen. Der Blick verirrt sielt, wenn er sich die Zukunft vergegenwärtigt, welche der jüdischen Kultur •Mid Bildung aus einem einzigen solchen Lyceutn erwächst. Litteraturhericht. Grünau, Heinrich: Gedichte und Lieder. Antwerpen; Verlag Agudath Zion 1903. 111$. 8°. Der Zionismus hat eine grosse Littcratur schon jetzt hervorgebracht. Aber diese'Litteratur, ob Prosa oder Poesie, ist sehr verschiedenartig. Der Vorzug der Orünauschen Gedichte beruht darin, dass sie von einer glühenden Liebe zum jüdischen Volke getragen werden, wenn sie auch den entsprechenden Ausdruck für diese Liebe nicht finden. Vielleicht hätte der Autor besser getan, seine Gedanken in ungebundener Rede vorzubringen und dann eine grössere Wirkung erzielt. Aber die Ansichten darüber bleiben natürlich geteilt. Der Reinertrag, der sich aus dem Verkauf des Buches ergibt, kommt dem jüdischen Nationalfond zu Gute. Damit dürfte freilich mehr dem Buche als dem MaUonaUcmd gedient sein. Aber das sollte niemanden von dem Buche abwenden, dem Begeisterung und Gefühl mehr wert sind als kunstgerechte Poesie. Eljäqim. Jüdischer Volkskalender für 'das Jahr 5664 (19036)4) Jg.IL, red. von Dr. Theodor Zloclsti. Brünn: Jüdischer Buch- und Kunstverlag 1903). 183. XXXI S. 8°. 1 Mk. Der 2. Jahrgang bedeutet einen ungeheuren Fortschritt gegenüber dem ersten Jahrgang. Der reichhaltige Inhalt des Bandes. legt auch in seiner Weise von dem Fortschritt Zeugnis ab. den der Zionismus gemacht hat. In nächster Nummer bringen wir eine ausführliche Besprechung dieser ausgezeichneteu Agitationsschrift. Glaubensfreiheit herrscht 101 Deutschen Reich, wenn sic nicht ausdrücklich verboten wird. Den Juden• gegenüber ist dies aber der Fall.. Die Erlaubnis, das biblische Gebot der ritueilen Ticrschlachtung zu heachten. stellt der preussischc Staat in das Belieben der einzelnen Städte. Zu den Orten, die an der freien Religionsühung der Juden Anstoss nehmen, kommt jetzt auch der Geburtsort der Glanzwichse. Gegen das Schächten hat die Stadtverordneten-Versammlung in Perleberg Stellung genommen; sie beschloss neuerdings, dass im Schlachtliause jedesmal die Betäubung der Tötung voraufgehen soll. Die ״Deutsche Tageszeitung*‘ weiss zu berichten, dass das lediglich als Schächtvetbot aufzufassen ist. , Gesetze und Verordnungen aller Art sanktionieren die Judenverfolgung in Russland. Eines der kleineren Mittdchcn, die Juden zu unterdrücken, das aber zeigt, in welcher Richtung die russische Regierung die Lösung der brennend gewordenen Judcm'rage sucht, ist ein Erlass, der vom Ministerium des Innern iiir dermassen dringend angesehen wurde, dass er den zuständigen Behörden telegraphisch übermittelt worden ist. Er betrifft die jüdischen Künstler, Schauspieler und Musikanten. Seit vielen Jahrzehnten gemessen diese, die Anerkennung der kulturellen Bedeutung ihrer Berufe, das Anfemhahsrecht für alle Gebiete des russischen Reiches, ein ״Privilegium‘*, dass jeder nichtjäd sehe russische Untertan, gleichviel welchen Berufes nicht gemesst, und das selbst für bestrafte Personen nach VerhHsscng der Strafe Geltung hat. Den jüdischen Künstlern ist nun diese> Recht durch den erwähnten Ministerialerlass entzogen worden. Sie müsse:! fetzt alle zurück in das Ghetto, das sogenannte Ansä Jiuegsgcbiet. Durch diese überraschende Yafugung sind zugleich mit den jüdischen Künstlern auch die christlichen Musik- und Theater direktoren in die grösste Verlegenheit versetzt .worden. d:1 ein Ersatz, für die jüdischen Künstle :5־scbvi Kräfte. die zum Teil sehr hervorragend sind, nicht so leicht ist wie d:e Aufsetzung eines Telegramms. Die christlichen Direktoren haben sich daher genötigt gesehen, gegen die Ministerialvermgtnig Vorstellungen zu machen .und das Ministerium schien schliesslich insofern nackzugeben, als cs den Direktoren erlauben wollte, für die laufende Saison die bereits engagierten jiidischeii Künstler zu behalten. In Zukunft aber dürfen ausserhalb des jüdischen Ansiede!ungsgehietes nur nichtjüdiscko Künstler die Kunst pflegen, die jüdischen Künstler dürfen mir in Hornel, Kisehiuew und ähnlichen Kulturstätten ihre Talente verwerten. Diese neueste Aktion der russischen Regierung ist besonders als Symptom beachtenswert; sie zeigt, dass die Regierung Ernst damit macht, den Juden alle Erwerbsquellen abzusperren, wie vor wenigen Monaten unter den üblichen Worten der Heuchelei von Humanität zugleich mit den rohesten Barbarismen von berufener Seite in Aussicht gestellt worden war. Die vom Ministerium ursprünglich erwartete Fristge- Währung ist noch nachträglich annuliert worden. Die Verordming hatte zahlreiche Gesuche seitens der Theaterdirektoren hervorgerufen, in welchen um Gewährung einer Frist für die engagierten jüdischen Künstler gebeten wird. Minister von Plclnve hat jedoch alle diese Gesuche ausuahtnslos a h g e w i e s c 11 und in einem neuen telegraphischen Zirkular die Gouverneure angewiesen, die Verordnung betreffs der fiidischen Künstler sofort in Ausführung zu bringen. ÖS Sprechsaal. FCr die Mlttellungenan dieser Stelle übernimmt die Redak- 11 tlon des Blattes nur die pressgesetzliclie Verantwortlickelt O ™־*״* י T1B.n1.»»———— 2uM Unsere verehrte Gesimiuiigsgenossin Frau Marcus In Fieren/, übermittelt uns beifolgende Anregung, die. wie wir holten, auf guten Boden, fallen wird: An unsere Kleinen? Mädchen und Knaben! Ihr werdet wohl von euren lieben F.ltern schon gehört haben, dass es unter unseren Stammesgenossen viele, sehr viele

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