Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 462, JÜDISCHE RUND SC HA U. _ No. J3. Kinder gibt, deren Eltern so arm und elend sind, dass sie denselben häufig nicht einmal trockenes Brot und die notdürftigsten Kleider verschaffen können. Diese armen Leute sind oft gezwungen Ihr Vaterland und ihren Geburtsort zu verlassen, um weit, weit Obers grosse Weltmeer zu gehen, dort in fremdem Lniuie Arbeit und Brot für die Ihrigen zu suchen. Immer gelingt cs ihnen nicht, und wenn auch, so sind sie dort i.11 fremden Lande. Nun gibt es unter unseren Staimncsgenosscn viele gute* Menschen. Zionisten -- was Zionisten sind, wird euch Vater oder der Rcligionslehrcr in der Schule erklären יdiese Zionistcu wollen für d»e vielen unglücklichen Stammesgenossen ein schönes Land kaufen, ״das Land ihrer Väter*' und dort soll es ihnen an Arbeit unu Brot nicht fehlen. Da sollen sie Orangengörten. Olivenhaine und Feigenbäume pflanzen; da werde; sic ihre Kinder in die Schule schicken, zu nützlichen, braven Menschen erziehen können und ein glückliches Volk werden. Dazu sollt ihr glücklichen Kinder nmheltcn können! Ist das nicht schön? Wer von euch wollte da nicht mittun? Es wird nicht zu viel von euch verlangt: Ihr bittet Miittcichcn um eine einfache tönerne Sparbüchse, 'an welcher euer Name aufgcsehricbeu steht: da werfet ihr an jedem Sabbat- Abend von euren kleinen Ersparnissen zwei!,leimige — jn nicht mehr - hinein. Wenn ihr recht gute Kinder seid ־ - und das sc i ihr ja doch wohl da!111 könnt ihr noch manch* andere Pfennige, welche euch Eltern, Freunde und Verwandte für euren Zweck gehen, cbenmiis hinzutun; dazu ein Zettcleheu worauf euer Name und das Datum verzeichnet ist. Wenn das schöne Cha1!!»k?1es! kommt, dann nehme! ihr die Hachse und gehet mit Mutter in einen festlich •־eScnr.utckten Saal, wo ihr viele kleine und grosse Genossen fincci; werdet: dort übergebet ihr euren Schatz und nehmet an der Feier teil. Dann könnt ihr fröhlich heimkehre;•, und mit euch zufrieden sein, denn ihr habt für eure kleinen unglücklichen Brüder und Schwestern ein gutes Werk getan. Also ihr liehen Kinder, auf zu edlem Tun! Allerlei. I Das ״Nachtasyl' •*1 Nordamerika. Der New-Ynrker Cominercial-Advcrtiser liefert einen Auszug aus der (gestern kurz angezeigten) Proklamation des Majors Noah (ehemals Advokaten und (Iross-Sherifs von New- York, auch amerikanischen Konsuls zu Tunis) an die Juden. Noah nennt sich darin von ..Gottes Gnaden Gouverneur und Richter in Israel'*; befiehlt eine allgemeine Zahlung der Juden in allen Teilen der Welt nebst Bemerkung ihres Geschlechtes, Alters und ihrer Beschäftigung; sichert den karabischen und samaritanischen Juden, den schwarzen Juden in Ostindien und Afrika, denen von Cochiuchina und Malabar Gleichheit der Rechte zu; verordnet, dass die Indianer im Innern von Nordamerika. deren Einteilung in Stämme, Sprache. Glaube an einen Einigen Gott, Religionsgebräuche. Fasten, Reinigen, Strafen, Asyle, Hohepriester etc. deutlich ihre Abstammung von den, durch Assyriens König entführten, in der Folge verloren gegauneuen Stämmen Israels anzeigten, von ihrem Ursprünge in Kenntnis gesetzt und cingeladen werden sollten, sich mit ihren Brüd.crn vom auserwnhUen Volke zu vereinigen; verbietet die Vielweiberei und schreibt auf jeden Juden in allen Weltteilen eine Abgabe von drei Silber-Säckel (einen Piaster) aus. Das gewöhnliche Geschenk an die Juden in Jerusalem wird beibehalten. Das israelitische Konsistorium zu Paris soll, mit Zu- Ziehung von Abgeordneten aller jüdischen Kongregationen in der Welt, alle vier Jahre einen Richter von Israel wählen. Zugleich ernennt Major Noah zu seinen Kommissarleii für alle Weltteile die H. H. Abraham de Coiogua, von Paris; Amlade von Porto; Horschell und MemJoza, vo« London; Aaron Nun« Cardoza, von Gibraltar; Abraham Bussac, von Livorno; Benjarntit Gradifl. von Bordeaux; Dr, Gaus und Professor Zuuz, von Berlin; Leo Wolf, von Hamburg. Die Proklamation ermäehtigt zugleich das Kousistoriiin zu Paris, drei Personen zu ernennen, welche nach Nordamerika gehen uad Augenschein von’ der neuen Niederlassung einnehir.en sollen. Schliesslich ermahnt Mafor Noah alle Juden, In allen ihren Geschäften gegen jedermann ehrlich, *nüchtern, sparsam und arbeitsam zu sein, und setzt auf das Fest R6sch-Chödesch-Adar (7. Fcbr. 1826) eine grosse Dank- und Bct-Fcicr an, auf dass Gott alle Verlteissungcu erfüllen möge, die er dem Samen Abrahams gemacht. — Dieser Proklamation zufolge hatte am H. Scpt. zu Buffalo' eine Feierlichkcit statt, zu welcher amerikanische Offiziere, Häupter von Korporationen cte. geladen waren. Artillcriesalvcn verkündigten den Anfang der Ccrcmonicn, die nach dem Ritus der Freimaurer begangen wurden. Auf einem Tische lag der Grundstein uer neuen Stadt mit folgender hebräischer Inschrift: ״Höre, Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist einig. Ararat, die Zuilueht der licbräiselicn Nation, gegründet von Mordecai-Mänucl-Noah im Monat Tiscliri 5585 (Scpt. 1825) •in 50. Jahre der amerikanischen Unabhängigkeit." Auf demselben 'Esche standen (iefässe von Silber, worin sich Wein, Getreide und Oe! befand. Nach diesen und andern Feierlichkeiten erklärte der Präsident Noah die jiidisclie Nation für konstituiert. (Allgemeine Zeitung i;München I. X6■יי• .״, vom Mittwoch, 22. Nnv. mber ISIS.) Schon als Jude ein guter Deutscher. Vor jetzt etwa zehn Jahren wurde dem Referenten vom Postwagen aus unweit einer grössere!: Stadt im Ros.lisch.!! eine moderne deutsche Kolonie gezeigt, die ganz wüst »tg. nachdem die Kolonisten sich verlauf׳.;: hatten. Der Gastwirt in der Stadt, hei dem Ref. ciiikehrte. trotz seinen poln i s e 11 e 1■ N a m e 1! s schon als J u d e g u t d c 1t t > c 11 gesinnt, wusste n;1!1׳.;e Auskunft über jene Kolon:,• zu geben." Grün'! ■ ■ (In einer HcspreG״.■•!: von M. Beheim-lwhw'a.rzbach: D׳׳ ..׳;״ ••- lausche Kolonisation.:־.. Historische 7 c i t s e u r! i t. haausg. v. fi 8 y beb Bd. 32 München I-7•!. Seite 16t.) 1 1 ״Ci ״Jüdische Sokolvereme bestehen, wie der ״Goniee“ wissen will, in Galizien. Ein solcher Verein soll sich sogar ver dem Baseler Kongress (?) produziert und den leliltaftcn Beifall der Herren Herz! mal Nordau geerntet haben.*' Unter Sokolvereinen sind ausschliesslich die polnisch-nationalen Turnvereine zu verstehen, die eine Wiederherstellung des polnischen Nationalstaates bezwecken. Was da wohl wirklich im ״Goniec‘* gestanden haben mag. Die polnischen Spraehkenntnisse der Posener Zeitung werden nämlich nur noch durch ihre hebräischen über troffen. O# w 1 Kleine Chronik. _tfet^_ JDCf Leipzig. Wir entnehmen den ״Leipziger Neuesten Nachrichten" folgenden Bericht: ״Uber die Bedeutung des Basler Zionistcnkmigrcsscs für das jüdische Volk hielt Herr Pastor v. Darling in einer im Eldorado veranstalteten Versammlung einen Vortrag. Der Redner bemerkte, dass diesem vom 23. bis zum 26. August in Basel abgchultencn. von 600 bis 760 Peputierten aller Länder besucht gewesenen Kongresse die Dokumente zweier Grossmächte, Russlands und Englands in Bezug aut das Hauptziel des Zionismus, die Schaffung einer öiientlieh fechtlieli gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina Vorgelegen hätten. Nach der Erklärung Russlands sei auf dessen Hilfe zur Verwirklichung des Ziels, solange das türkische Reich bestelle, kaum 7.u rechnen. Die eugliche Regierung dagegen erbiete sich, ein Territorium in Ostai'rika unter jüdischer Selbstverwaltung und britischer Oberhoheit zu gedachte!״ Zweck herzugeben. Eine Kommission sei zur Ei wügung dieses Plans zusammengetreten, ohne dabei das wirkliche Ziel au> dem Auge zu lassen. Doch würde es ohne die religiöse Widetgeburt des Judentums schwerlich erreicht werden. Herr Rabbiner Dr. Nobel würdigte in der Debatte die Vertiefung des