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Jüdische Rundschau · 1903-10-23 · Heft 43 (23.10.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 43, Seite 459. ׳! $, r JÜDISCHE RUNDSCHAU. (lass der Zionistenkongress, der Vertreter von allen Völkern der Kulturwelt umfasste, dem Besucher toot. Sodann bcrichtetc Redner über eine Anzahl markanter Reden, die wir seinerzeit unsern Lesern in ausführlichen Berichten mltgetcilt haben. Insbesondere erörterte er nochmals im Zusammenhänge den Kotonisierungsplan und warf noch einige Schlaglichter auf die teilweise hochgradig erregten Debatten, die der Plan, eine jüdische Kolonie in Englisch-Oslafrika zu begründen, gezeitigt hatte. Zum Schluss gab Redner sodann eine Gesamtwürdigung des sechsten ZUmistenkougresscs, dessen weltgeschichtliche Bedeutung vor allem in der Bedeutung des Anerbietens der englischen Regierung beruhe, da zum ersten Male dem Jüdiju,b*'n Vn|k*> uvrrl(*. nach (le.setzen und nach eigeren Wünschen zu leben und nach Belieben sich auszudehneu. Inwieweit diese Tatsache auch eine praktische Bedeutung Italic, werde freilich von den Beschlüssen des nächsten Kongrosses abhüngen. Die , Frankfurter Zionistische Vereinigung“ hielt atu 3. d. Mts. ihre diesjährige Generalversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, dass die Tätigkeit I des Vorstandes eine rege und verhältnismässig auch erfolgreiche war; die Mitgliedern}!! hat sich im letzten Jahre vor- ן vierfacht und die Einnahme und Ausgabe stieg von 470*י Mk. atu 133A Mk. So gingen u. a. 27«) Mk. iür Kisch'nev und 157 Mk. ן für die OMatrikaexpeJition ein. Ferner ii-.ierte der Verein als i Beit!ag zuni Ankauf der ״Jüd. Rundschau*• 50 Mk. ab, u. s. \v. j In« Laufe de• Jahres wurden 7 grosse ö!f .,:::!!che Versamrn!«!־.׳ | gen abge!!a'ti,.. in denen die Herren Assessor l)r. Frie.iennnnj Wünsche dahingehend laut geworden, dass künftighin bei der Wahl der Lokale und der Zeit zu den Versammlungen mit mehr Ucberlegung vorgegangen werden soll,* als es bei 2 der crw. Versammlungen der Fall war. Die Decharge wurde dem Vorstände einstimmig erteilt. Aus der Wahl gingen Herr Fritz Somlheimcr als erster, Herr J. L. Goiteiu als zweiter Vorsitzender hervor. Ferner wurden wiedergewählt: die Herren Fricdläwicr, Dr. Hanauer. Lehrer Julius Gans; neugewählt; Herr Dr. Mayer und Herr Jul. Hasch. . 1 (Sam. Bcrlowitz). Alapdebure. Am Sonnabend, dem!0. ds. Mts., hielt der Vors, der hiesigen Ortsgrppe, Eduard Locwc, welcher die Gruppe auf dem VI. Kongress als Delegierter vertreten hatte einen Vortrag über den eigenartigen Charakter und die historische Bedcutung dieses Kongresses. Zum Hauptpunkte: der Ostafriki- Frage, führte der Reierent aus dass ׳Jureli das Angebot der Hingabe einer grossen Kolonie an die jüdische Nation zur antn- 110me;1 Verwaltung die Regierung des pari •!nentariseh. geschultesten Volkes der Welt bis zur Kulmin:ui״nshd1e den Beweis für die Unerschüttcrliehkeit ihres Vertrauens in die l־Vn gkeit des iüd’sehen Volkes zur Selhstregicrui'g unter der AegiJe des Zionisirus erbracht habe. Darin läge zugleich die volle historische Rechtfc>־t:.׳un״ der polnischen Bestrebungen des. Zionismits. Ar« dun P.dastinä-Prograimn soll tmtzden: unheOr: festgehalten v erd־•!! und es st •־he zu hoffen, dass Ostafri!:•.! r»!s wirksamstes polnisches Pfand«»! iekt zu dessen cn־.M׳cb.er Durchführun״ in die Waesenale!:.!Ln wer Je. in seinem Schlusswort wies der Redner auf die sich In der jetzigen Phase dci Welt״eSel1icb;e vollziehende. n«.־c'.1 in unaufhaltsamer Entwiche- Wiesbaden (2 mal), Dr. Moses־’•'.:;”.! i •L!1!. Rabbiner Dr. Kurrein aus Teplitz '1:1 Böhmen. Ra :;Muer Dr. GLJ>cl11uidt-Oi1Ci1hach (über Bibel und Babel), Davis Tr'.ctsch-Berlin und Julius Sit'io:«-‘!aanheiiu s;«ra:!!en. Ausserdem lädt man regelmässig Vercinr- und Schekel• zahleraheiale ab, zu denen auch aussen :;her.de Freunde der zionistischen Bewegung Zutritt hatte!«. Vortrag hielten dis Herren: Dr. W. Hanauer, Dr. :!!׳:• J. Jos. Maser, J. C. Gölte:.!. Lehrer Julius Gaus, Fritz Sondhcimcr und Sa!:!. Berlowitz. Der Besuch war stets ein zufriedenstellender, die Diskussionen oft sehr lebhaft und interessant. Bei aer Besprechung des Rechenschaftsberichtes sind C Syrern, Arabern, Türken oder Juden? Die Orientalen sind bei den Europäern stets weichlich, unkriegerisch, feige und wolllüstig, besonders die Semiten. Dass Hatniikar, Hasdrubal, Hannibal, Semiten und sogar Hebräer waren, wird dem Schüler nirgends erzählt. Dass die Araber in kaum fünfzig Jahren mehr als die halbe zivilisierte Welt unterworien haben, tönt an unser Ohr nur wie ein halbvergessenes Märchen, und vollends wird verschwiegen, dass seitdem bis zum Beginne der Neuzeit, die Semiten die Träger humaner Kultur blieben. Da stehen diese Semiten in den Lehrbüchern der Weltgeschichte stets als die Religionsfanatiker kat’ exochcn da, weil sic in der Tat epochemachende Grosse auf religiosern Gebiete aufweisen, und doch, wo gab es bei ihnen Inquisition und Glatibensgcrich*, blutige Ketzerverfolgütigen und Religionskriege? Die ganze Geschichte des Abendlandes aber seit nunmehr bald zwei Jahrtausenden ist eine blutige Verkettung von Ketzerverbrennungen, Judenverfolgungen und Religionskriegen. Die Semiten werden in exklusivem Rassedünkel befangen dargestellt, und doch sind der Antisemitismus und die Franzosenfresserei der Deutschen, der Deutschenhass der Franzosen spezifisch europäische Gewächse. Kann uns denn ein Volk massgebend sein für unsere Welt- oder Ge- Schichtsauffassung, dessen gebildete Stände sich nicht entblöden, noch heute' einem Brauche Götzenopier zu bringen, der dem Gottesurteil einer abgestorbenen Zeit entstammend, demjenigen Ehre einbringt, welcher mit dem Schwerte das Recht seiner Moralität beweist. Nach 1>H!«’P.»!e1! Gruppen hin und betonte d:e;xv.-a'ä.rc i;!.storls׳:h;• d;s jüdische!: Y׳.;.;cs. Das -clbe habe eine Gesüiic'ue hinter sic!!, deren PktinmenzeLnea 1;ueh heute das Genult der .Me:׳sc!:!:e'i erwärmen, er•!!;!!••:* du־ MenscLa-it iije’ir «ctrebeii?'י:ו cöesr־ ihn! bis jetzt irgendwo zufüek.verv״׳:;׳■־•;! im Stande gewesen sei. Ohne diese sich balinbreel• Erkenntnis würden wir schwerlich d׳*s erhebende Schauspiel erlebt hüben. welches königliche (lro$sn»!1t de r Welt gebeten hat. I. ”» so verüchtbvl.er sei cs. wenn Juden selbst s{ch dem Yerzweü־ lrn״s!:?r!1;)fe ihrer Nation Jetzt entzögen. Der Anschluss mehrerer neuer Mit׳:Ha!er ״*n die Ortsgruppe j und einige Spenden für de!« Naticnnlmml bildeten den Erfolg < des Abends — seine Signatur di; Rauheit und Flauheit des j Auditoriums, welches den Ausführung1.־!! das Vortragenden sehr ' geduldig und mit dem Interesse an der Lektüre eines spannen* der Theorie der Europäer sind sie eine superiore Rasse. Sie nelinien cs sich nun einmal heraus, für andere Rassen zu denken, sie unter ihren Schutz zu nehmen und — wie sie sich liebenswürdiger Weise atiszudrücken belieben ~ - anderer Nationen Länder zu kolonisieren, und die j Meuterei. - so nennt man den Nationalismus und Pa* triotismus anderer Nationen — mit Kanonen niederzu- I donnern. Dieses alles wird in ihren Geschichtsbüchern als der natürliche und gerechte Verlauf der Dinge, als der gerade Weg zum Fortschritt dargetan, eine Lehrmethode, die schon in den zarten Kinderherzen Hass und Härte zu erzeugen geeignet ist. Daher bedürfen wir nicht nur für die Behandlung der Jüdischen, sondern auch namentlich für die Weltgeschichte ganz neuer Grundlagen und neuer Lehrbücher. Ganz eingehend müssen die alte und neue orientalische Geschichte, die Geschicke der einzelnen semitischen Völker, die Entwickelung der 1110• dernen Staaten und der modernen Kultur, am ausführlichsten freilich die Geschichte unseres Volkes selbst und zwar von dein Entstehen unseres Volkes bis auf den heutigen Tag des ״Jischubh* ‘zur Darstellung kommen. Uni der allgemeinen Bildung Rechnung zu tragen, muss der Schüler einen vollkommenen Ucberblick übe* die Littcratur und Geistesgeschichte der Kulturwelt er- . halten, soweit es innerhalb der Grenzen möglich ist, welehe durch das Wesen der Schule bedingt sind. Die oberen j Klassen sollen dem älteren Schüler einen Blick in die Psy- 1 chologie gestatten, um ihm die Bedingungen und Grenzen ‘ menschlichen Erkeitnens vorzutühren. Wichtig wäre

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