Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.־Mo. 43. ־ j ü Drs׳c Hir'R ע n d s chäu. Seite 457. ausrüsten! Ais die Bank von 5 Jahren gegründet wurde, war unsere Bewegung klein und unansehnlich. Und es stand mehr Begeisterung als Geld zu Qcbote. Wohl haben die Ärmsten getan, was in ihren Kräften Stand. Es wird allen ־Neidern und Berufsflunkern zum Trotz ein Ruhmbstitel in -unserer Bewegung bleiben, dass das grosse Heer derer, die sich nach Befreiung und Freiheit sehnen, nicht mehr nur Geleitete sein wol|ten,: nicht mehr nur Objekte, mit deiien geschaltet wird nach Lust und Laune, Opfer des Wohltätigkcitsdrangcs, sondern dass sie ihr Schicksal —: wenn ich so sagen darf — in eigene Regie nehmen wollten und ihr Letztes hingaben, um auch mitarbeiten zu können. Es ist leider so leicht verständlich, dass, trotz der An- Spannung aller Kräfte mit Mühe und Not nur die Mindcstsunimc aufgebracht werden konnte, die wenigstens geschäftliche Aktionen ermöglichte. Die Hochfinanz stand ferne. ‘ Es war, cs ist vielleicht ein Glück. Aber die Entwickelung der Bank wäre auch ohne die Förderung der Geldkräftigen eine rasche, fortschreitende gewesen, wenn sic mit der A u s d c h ־ n u n g unserer Bewegung gleichen Schritt ge* halten 11 ä 11 e. Hier liegt aber die Wunde. All die Tausende und Abertausende, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, sind nicht in der rechten Weise über ihre Verpflichtungen aufgeklärt worden. Der Schekel allein!nachts wahrlich nicht. Erst die Ausbildung und das Verständnis für die innere Not- Wendigkeit und die äussere Sicherung unserer Institutionen geben ein Recht, sich in Ehren als Zionist zu bekennen. Mau sollte cs nicht für möglich halten — aber es trifft doch zu ־ es waren auf dem Kongress Delegierte; Vertreter des Jüd'schcn Volkes, die über sein Lchensschicksal beraten sollen, die nicht im Besitz von Aktien unserer Bank waren. Wir gerade in Deutschland sind in gesteigertem Masse verpflichtet־, auch für die Bank zu arbeiten. Vielerlei nationale Arbeit ist uns erschwert, weil wir zerstreut und als kleine zusammenhangslosc Partikel e;;!gesprengt sind, in eine grosse uni hochkultivierte Bevölkerung. Wir müssen dieses Manko durch | grössere Leistungen auf anderen Gebieten wieder auszuifillcn 1 trachten. Nicht aus Rachmonis oder aus Humanität, sondern aus echtem nationalem Drange heraus müssen wir darum auch besonders unsere finanziellen Einrichtungen fördern. Allmählich dringt bei uns der Zionismus auch in die mittleren Schichten j ein. Es bleibt da die vornchmlichstc Pflicht, jedem Hinzu- | 0 knnimrmfpn oiif Nafinnalfnml!!«!d Ba.ük besonders aufmerksam;zu machen Und die vielen Hunderte, ־;die wir in den letzten Jahren gewönnen, nun auch zu diesen Ehrenpflichten hcranzuziehen״ -Denn cs muss jedeh! •Zionisten eine s c h me r z 1 i c 11c B c 1 e id i gu n g sefn, wenn er bei d c r .V e r s t ä r k u 11 g ti n s c r c r Machtmittel überg a!1 g c 11 w-1 rd. So haben wir die Eüirichtunß getroffen, dass auch diejenigen, die nicht direkt aus London (Brook-House, Walibi'ock) Aktien beziehen können, durch Erlangung der Mitgliedschaft im Sharcklub auf einfachem Wege zu einer Aktie kommen. Die Organisation basiert darauf, dass io ein ,Sharchuch“ vier*, und acht zig ״Sharemarken“ eingeklebt werden sollen. Jede Sharemarke kostet 25 Pf. Die Einschrcibegcbiihr 50 Pi., wo* für das Sharchuch geliefert wird. Es ist vorgeschncbcn, dass in jeder Woche mindestens eine Marke eingeklcbt werde. Dabei ist zu bemerken, dass von den Marken nur der Abschnitt mit dem Magen-David in der Mitte, den Wert repräsentiert. Es empfiehlt sich, dass zur Vermeidung unnötiger Spesen die auswärtigen Vertrauensmänner gleich einen ganzen Bogen (neunzig) Sharemarke!! beziehen, der aber nur in Ausnahmefällen kreditiert werden kann. Die mit vierimdacbtzig Marken beklebten Bücher müssen der Zentrale übersandt werden, die dann den Umtausch in eine Aktie• besorgt. In eine auf den Namen des Besitzers laufende Aktie. Wer eine ..111liabcra.ktie“ — eine unpersönliche, jedem UebeBringer gehörende Aktie erhalten will, muss neunzig Marken kleben. Der Apparat ist etwas schwerfällig. Wir müsse:; aber vorläufig daran festhalten, bis eine biegsamere ];!!:richumg geschaffen wird. Ebenso ist cs rätlich. sich nicht nach Lu.-idou direkt zu wenden, sondern mit unserer Zentrale in Verbindung zu treten. Lang! ä 11 r i g e H r f a h r 1! 11 g e n 11 a b e n gelehrt, dass i n d iescin Fa Ile der Umweg der k ii r z c r e ti 1! d s c )111 c 11 e r c W c g i s t. Unsere Zentrale berirdef :ich Berlin, N. 37 Metzer- Strasse 31 (Dr. Theodor Zloclsft). Die Vernachlässigung der Bank muss wieder gu!gemacht werden iinu wir sind überzeugt, dass es nur dieses Hinweises bedarf, damit jeder Genosse sich die Wollust einer Pfiichteriiillung versc'haffe. —•tz— sation hervorgegangen. Es ist .ebenso unerlässlich, dass ein moderner Mensch, der sich zu den gebildeten Kreisen rechnen will, seinen Homer. Aischylos, Sophokles, seinen Plato und Aristoteles in der Ursprache gelesen hat und zu lesen versteht, wie mau von einem Deutschen die Kenntnis seiner Nationallitteratur vorausgesetzt. Gerade den Mangel, der bei einem grossen Teile unseres Volkes sich leider noch geltend macht, am meisten vielfach auch bei den ״Assimilierten*‘, den Mangel eines feinen ästhetischen Sinnes, vermag allein ein liebevolles Studium des Griechentums beseitigen. Ebenso aber kann erst der den wirklich hohen Wert der ethischen Kultur des Judentums ermessen, der im stände ist sie abzuwägen an der ästhetischen Kultur des Hellenismus. Es hiesse die Bedcutung des Griechentums verkennen, wollte man das Studium hellenischer Kultur und Sprache vom Unterricht ausschliesscn, oder es auch nur ciusehräuken, weil ein entartetes Epigonentum den hellenischen Geist und die griechische Bildung unseren Vorfahren gegenüber blossgestellt hat. Und so wird denn der klassisch-jüdische Geist gerade aus der Kenntnis des Griechentums seine kräftigsten Wurzeln ziehen. Auch das Abendland würde ja mehr dem, griechischen Geiste huldigen, wenn nicht das römische öcwaltrcich und dann der katholische Priesterstaat der europäischen Welt den Stempel des Röuicrtums aufgedrückt und aufgeprägt hätte. Das Judentum jedoch, das sicli dem Griechentum vermählte tmd den Arahismus umarmte, ist frei vom römischen und lateinischen Einflüsse geblieben. Aber griechisch ist auch aus einem anderen Grunde für uns eine unumgüngüche Notwendigkeit. Ebenso und noch viel mehr wie ein deutscher Primaner die Germania de* Taeitus, ein französischcr Student den gallischen Krieg Cäsars genau studiert haben sollen, liegt die Wichtigkeit für einen hebräischen Studenten vor, dass er den Josephus wir sprechen gar nicht von der anderen gewaltigen heilenistisch-jiidisclien Littcratur — in der •Ursprache gelesen hat. Latein dagegen bei uns zu ־lehren, wäre eine, vielleicht freilich unumgängliche Konzession an die Europäer. Jedoch wäre es aut den denkbar kleinsten Raum einzuschränken, wenn auch die Vorkenntnisse der Schüler im Französischen und Spagnolischen die Erlernung der lateinischen Sprache bedeutend erleichtern würden. Ganz abgesehen von der praktischen Wichtigkeit, die ein guter Unterricht in Mathematik und Rechnen hat, trägt die mathematische Schulung bekanntlich am meisten zur Ausbildung exakten logischen Denkvermögens bei. Jedoch sollte der mathematische Unterricht nur so weit geführt werden, wie er als Vorbedingung zum Studium technischer Wissenschaften wie Agronomie, Chemie usw. unentbehrlich ist. Der Unterricht hat also ausser arithluetischem Rechnen und Algebra, die Gebiete der ebenen Planimetrie und elementaren Stereometrie zu umfassen. Ganz besonderen Wert muss man uni des erstrebten