Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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*MvmmmM* **'? Seite 456. JÜDISCHE RUNDSCHAU. * — . ־ ..־"’., «— "■־' . " No. 43. den. An dem Tage aber, der uns Palästina bringt, sind wir cino Riescnarmee, nicht nur an Soldaten, sondern auch an Of;1zieren. Wir werden sogar in der Erziehungsstiittc am Kenia ein vorzügliches ßaucrnniatcrial ausgebildct haben. Und auch am wichtigsten, am Oelde wird es nicht fehlen. Nach unserer Beurteilung der Sachlage glauben wir auch nicht^dass von Seiten der Führung Gewicht darauf gelegt wird, dass, selbst im günstigsten Palle der Zionismus offiziell das Ostafrikauntcr-. nehmen betreibt. Vielleicht lässt sich eine Form finden, der zufolge der Zionismus als solcher ganz aus dem Spiele bleibt. Umsomehr Gründe, mit Ruh'e und Gelassenheit abzuwarten, was die Expedition sagen wird. Vorläufig haben wir nichts geopfert, kein Programm durchbrochen, uns zu garuichts verpflichtet, aber einen diplomatischen Erfolg erfochten, den wir noch vor 3 Monaten kaum er* träumt haben. Denn cs bängt heute ausschliesslich vom Wi!• len des indischen Volkes ab, ob es bereits fetzt eine nationale Existenz beginnen, oder warten wäll, bis man uns das letzte gibt, was wir fordern. Darüber sollte man jubeln, statt zu weinen. Werden wir uns darüber einmal klar. Wir haben einen Erfolg erzielt, der uns vielleicht in Konstantinopcl weiter bringt, als alle Verband- Jungen der letzten Jahre. Der geradeste Weg ist nicht immer der beste z.mn Ziel, besonders nicht bei dem Zustand orienta'־ lischcr Strassen. Bein! Teppichhandel im Bazar ist es sehr zweckmässig, zwischendurch mit dem Konkurrenten ein paar Worte zu wechseln. Lassen wir 1ms also die Freude am Eriolg nicht verderben, der hoffentlich nicht unser letzter bl eiheu wird. Und denken wir daran, dass Herz! selbst in seiner Schlussrede uns an die Worte erinnert hat, ״möge meine Rechte verdorren, wenn ich je dein vergesse, Jerusalem.“ Dr. Adolf Friedemahn. SharsWüb. Auch der letzte Kongress hat es wieder gezeigt, dass das Verständnis für die Bedeutung der Jüdischen Kolouial-Bank noch immer nicht Eingang gefunden hat bei unseren Genossen. So lange der Zionismus als geschlossene Einheit nicht lega* lisiert ist — und wegen der Schwierigkeit einer in a-llen Ländern .rcchtsgiltigen Form, du rite die Legalisierung vielleicht niemals gelingen oder aus mannigfachen Gründen auch nicht einmal ratsam sein — so lange also der Zionismus von keiner r c c 11 t s k r ä f t׳i g e 11 Körperschaft getragen wind, vertritt die Bank unsere politischen Interessen de jure. Die Bank verhandelt, und mit der Bank wird auch verhandelt. Sehen wir doch, dass die Mitteilungen und Wünsche d;r englischcit Regierung, die ia den Zionisten gelten, an die Adresse der Bank gerichtet wurden. Des weiteren kann nur die Bank eine gesunde und sinnige Vorarbeit auch in Palästina leisten. All die braven Forderungen, dass man die Juden Palästinas zu einem starken Faktor im heiligen Lande, zu einer Operationsbasis für unsere Zukuuftsarbeit erziehen soll, bleiben ja leeres Gerede, so lange nicht durch Förderung und Schaffung von Industrie, durch Handel und Gewerbe die Bevölkerung aus ihrem dumpfen Hindäinmern herausgerissen wird und nicht mehr durch die verelendende Untcrstützu11gs.,mct!10de“. sondern durch Schaffung von Krcditen in rein kaufmännischer Art ein Stamm moderner und zielbewusster Menschen heraugebildet wird. Und das muss bald geschehen! Haben wir doch aus dem Munde eines eiuwanJfreien Mannes, des Direktors der Lümmelsehule gehurt, dass eine a u s s e r o r d e n 11 i cli starke Auswandcr u 11 g v 0 11 Juden aus i* a I ä s t i u a s t a t t i i 11 J e t. Dabei kann es doch keinem Zweifel unterliegen, dass es n i e 11 i die sclilechteste״ Elemente sind, die sich entschlossen, ans/.uw andern. Der Chalukkapöbe! der vor einer unves besserliehen und bin: 1 Wohltaterpartei aus den Sammlung»!1 armer jüdischer Haustrauen gemästet wird, wird sich hüten, auszuwandern. Den!׳ es gibt auf Erden sonst kein Land. w<» man in solcher Trüghei; leben kann. Für die guten Elemente aller. d׳e sich (Er Bettel- Pfennige seliäircn, und die mit ihren gesunden Keuchen sielt iiir Leben selbst bauen w»׳!le1>, tih־ diese kh!t j\Je Möglichkeit, sich weiter zu bringen; und so gehen uns gerade die besten Eiemente die besten in ethischer und hygienischer Beziehung verloren. Hier ist ein mächtiges Arbeitsfeld gegeben. Wie schon die Anfänge der Ang!o-Palestipe־C»>mpany - des Tochterinstituts des Jcwish-Coionial-Trust, unserer jüdischen Koloniulbauk lassen trotz aller Schwierigkeiten und trotz aller Gehässigkeiten anderer konkurriercudt-u fremden Banken eine V günstige und segensreiche Entwickelung crh!.iu־n. Da heisst es aber: Ihssere finanziellen Vorposten gehörig Tna;7 v 'X © 10 n ן V T V7J ד: X I e.~'ÄI2£' crt~.r?.< - ״;;_—-ך• _• ■!«:ידז ■י■ . .:’!::;׳.׳.־«״.ר,•. •־LT~\:..ra-srדדדדעדל:. Kulturelle Streifzuge im jüdischen Orient. VBI. Ein hebräisches Lyceum. (Schluss). in Palästina die Kenntnis des Englischen oder auch des Deutschen nutzbringender ist, als die des Französischen. Des klassischen Sprachunterrichts kann eine Schule, die den Ansprüchen, welche an eine humanistische Bil- Für den Orient kommt ferner so sehr die Kenntnis des Französischen in Betracht, dass ich oft genug die Gelegenheit hatte, zu bemerken, wie gut selbst Kinder der Elementarschulen diese Sprache beherrschen. Wenn nun auch vielfach laute Bedenken gegen den demoralisierenden französischen Einfluss mit Recht erhoben wurden, so ist doch immerhin das nicht zu übersehen, dass das Französische heute noch vielfach neben den orientalischen Idiomen eine offizielle Sprache der Behörden ist. Ferner aber ist der Stand der neulichrüisehcn l.itieratur bedauerlicherweise noch nicht ein solcher, um auf die Kenntnis einer modernen europäischen Sprache für eine humanistische Schule Verzieht leisten zu können. Der Knabe soll Ja auch von der allgemeine!» Litteratur und allen modernen Kulturerrungenschalten einen geniigenden Begriff erhalten. Doch muss eingestnnden werden, dass dem Handwerker und Kaufmann schon heute dungsanstait von den europäischen Universitäten gestellt werden, schlechterdings nicht entbehren. Aber es ist auch nicht zu verwundern, wenn wir die Forderung stellen, dass sich das Verhältnis der beiden sogenannten klassischen Sprachen, wie es sieh an den europäischen Gymnasien allmählich herausgebildet hat, iiir den jiid'1sehen Orient verschieben muss. Es ist ganz natürlich, dass das Griechische bei uns diejenige Stelle ciunimmt. die sonst dem Latein gehört. Die erste Uebcrsetzung unserer ältesten Litteratur fand in der griechischen Sprache statt. Keine Sprache, keine Litteratur, kein Volk hat mächtigere Eindrücke im ilebraistnus!unterlassen, — abgesehen vom Arabischen — als die hellenische. Eine ganze Periode der jüdischen Geschichte, und gewiss nicht die unwichtigste, führt den stolzen Namen des Hel- Iciiisnius. Aus der Vermählung des Judaismus mit dem ürieeheuUmie ist die ganze moderne europäische Zivili-