Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ו No. 43. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 455. weil, wenn es zwischen den Zionisten Differenzen gibt, sie in seinen Ausführungen am schärfsten in die Erscheinung treten müssten. . . , Das Wort hat Dr. Friedemann! . , Ostafrika. Es rauscht in den Schachtelhalmen und die Aufregung ist gross. Die Amphibien schwimmen mit Tränen in den Augen umher und beklagen der Zeiten Verderbnis. Da sie in beiden Elementen gleich gut atmen können, wissen sie, die früher unsere Absichten auf Palästina nicht verdächtigen konnten, weil cs ein unfruchtbares, unwirtliches Land sei. nicht genug zu klagen, dass wir den Zionismus verraten und unser Ziel aufgeben wollen. ״Palästina wollt ihr opfern“ — so schallts im Chore ״das Land, wo allein die Juden ein.• Zukunit haben können?" Wahrlich, wäre das Schauspiel nicht so lächerlich, man konnte sich ärgern. Aber wir sind ja an diese Kampfe:•־ mcthoöe schon gewöhnt. Als w׳r noch die Kicinkolon.isatio 1 wollten, waren s;c alle heftige Gegner des P!3t!s. Als v;r zmn Zionismus fortschritten, entdeckten sie ihr kobmis.ittonsfreunt!• hohes Merz, weil sie meinten, uns so den Wind ans den Regeln nehmen zu können. Jetzt glauben sie -- irriger Weise wir würdet; um Ortairikas Villen Kiez Israel r pfern und sugiTch cischallt der Trauergesang um Palästina?* WriuM. das man. ach. so innig liebt. Aber diesmal ist d׳s kostbare Nass der Thränensäckchtn zu früh entilossen und ma.1 wird sich noch gedulden müsst». Mit einen! Verzieh, au: Palästina, unter welchei Form immer, ist t־s nichts, das wollen wir ein!Tr al'ana! feststeilen. Solange es cinי 1:״ •:eben wird, hat er חtt r ein 7ie!. Und das'iiegt jenseits d5.׳ .MittelnrcereS. Wir ver/ielitei! nicht auf die Berge, auf denen Abraham sei:-.. Herden weidete und in deren Schoss mau unsere Väter gabeltet hat. W:r werden das Land in dem unser Volk jung war, keiner »<>ch so verlockenden Aufsicht opfern. Das" man im anderen Lager solche Torheiten glauben konnte, ist erklärlich. Woher aber die Erregung im eigene.! Ztlte? Da waten Leute in Basel, die weinten und sc5,!!׳ch;׳.- ten wie di:־ Kinder, als der Kongress die Qst־Afrika-K\p־.׳ditl;j1־ bewilligte. Und darunter waren viele biuVe und tüchtige Männer. Die Erregung ist seitdem verflogen, aber die Trauer hält au. Weshalb nur? Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, was eigentlich geschehen ist. Vielleicht werden wir uns dann besser verständigen. Wir wollten die Sinalhaibinsel haben und mau gab sie uns nicht, gleichviel, aus weichen Gründen. Statt dessen bot u; s England ein Land in Ostafrika an. Wir beschlossen, was bei auch nur einigem’politischen Takt beschlossen werden musste: nämlich, ein grossherziges Anerbieten höflich zu prüfen. Wir banden uns nicht für die Zukunft, wir verpflichteten uns us:ht. das Unternehmen auszuführen. Wir bestimmten sogar dass keine Parteigeldcr jemals in das Projekt gesteckt werden sollten. Wir behielten unseren Wählern die Entscheidung vor. die ein künftiger Kongress fällen soll: und man behauptet, wir hätten das Programm verletzt, Palästina geopfert, seien keine wahren Zionisten. Und warum das Alles? Weil wir durch die Jahrhundertelangen Verfolgungen misstrauisch geworden sind, dass cs an Vertrauen selbst zu denen mangelt, die die ganze Bewegung geschaffen haben. Man hielt die Expedub»! für eine Earce und dachte , hat Herzl nur erst die Expedition, dam! macht er später, was er will.“ Ja, wer ist denn dieser Dr. Herzl? Irgend ein unerprobter Kämpfer, ein el!en entstandener Jünger der Bewegung? Der Mann, der unsere Kongressc geschaffen hat, der Mann, der sein Leben und seine Existenz, an Zion setzte, das. Programm verteidigte und verfocht, der soll plötzlich ein weniger guter Zionist sein, als die Herren Neinsager? Und der ganze Misrachi. der geschlossen für ihn eintrat, soll das Land, das für ihn besonderen Wert, haben muss, geopfert haben? Und schliesslich wir alle, die wir uns manche Narbe im ehrlichen Kampfe holten, wir alle sind Verräter?- * Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder, die Expedition kehrt resultatlos heim. Dann ist die ganze Frage erledigt. Oder sic berichtet, das Land sei zur Kolonisation geeignet. Dann wird sich der Kongress zu äussern haben. Wir wollen mit unserer Meinung nicht z.uriickhalten: ist das Land wirklich so gut, wie man es schildert, dann wird er sich für Kolonisation cntschciden, ohne PaK stina aufzugeben. Er wird cs tun müssen, weil die Lt'i i-nslstd rfnisse der Massen aller Ideologie trotzen. Wer unter steter T'<•dvsgvfaJir lebt, wer für Leben imJ Glück seine? Liebsten :׳itte-t — der nimmt, was er bekommt und geht mindestens so gern in ein Land mit jud sehen Gesetzen, fiidisehe! Ye. ,val: mg. i»kJ:scI1e!n Leben, wie nach Kanada oder Australien. 1• c ז; ח t! m d i c A u s w anderer in diese L ä n d e r!1 a 1 >: 11 e s s i c b. nicht u m die- P a 1 ä s t i n a- Wanderer, wie Massen werden wir nie für Ostafrika aufrufe.». Ben Perr-n ..Neinsagern" ist eine kleine Verwechslung passiert. Sie LI,•ment.: bc/eb׳•־.־; bei de» Worten Schemarjah Levius: ״vir brauchen Ostafrika 1 ichf. wir haben ja Paläsftin.“ Leider sömmt ׳»>s!,Akt ganz. Wir ba’w:1!rämüch Palästina. :h nie';*, v ■r hab es c rst hi Gedanke», können es also noch nicht fcc\׳"•!kern. Sobald es unser ist. wird kein Mensch mehr für Ostafrika eirtrcl׳:!!. Nach der Meinung mancher unserer Brüder c!:s dc:r. Osten halten wir Paliis.l״ a allerdings schon. Aber das. beruht auf. ihrer ungeschuUen Denkweise. Da sie nämlich keine Gegenwart habe»,!■:ben sie ausschiiesslieh in einer Gedankenwelt. tVJ da habe!׳ sie sich so in den Paläst!־ ageda! 1 e.< binelugedacln. dass ihnen die .reale Wirkliehkeit tingeln. Sre haben uns «»ft gesagt: ..IVmstina »st u iiscr Land " das« iiiueti;rgc»dw״ t»n nebelhafte־•* Zentrum stets vor At'Cen stell:: ״unser Land.“ Sie leben schon L» diesem Lande ihrer Sehnsucht, sie unterst•-־!:«.» gar nicht mehr dein Za rem. Und darum nennen sie sich die ״besser׳-;! Zionisten.״ Aber das ist ein Irrtum, der geklärt werden muss. Mögen sie die Marsen befragen, das Volk, das seufzt t!:׳d. blutet unter der Knute! Das ist noch n ich i in Erez Israel! Und wir fürchten, manche liebe und ehrlichen Gesinnungsgenossen werden zum nächsten Kongress keine Mandate erhalten, wenn sie die Realitäten so wenig hegreifen. Anders, die westeuropäischen Zweifler. Da hörten wir einen Ddegicit-n sage»: ״Der Zionismus hat mit Ostafrika nichts zu tun; denn er ist eine Idee des jüdischen Gedankens, der nur in Palästina gedeihen kann. Die Menschen sind gleichgMtig, Nachtasyle interessieren nicht.“ Sehr schön. Sollten aber nicht Menschen die Träger der Ideen sein? Ein abstraktes Judentum hat bedenkliche Aehulichkeit mit dem Messer ohne Klinge, das keine». Griff hatte. Hat man die Juden totgeschlagen so gibt es ane'li keinen jüdischen Gedanken mehr. Ernster sind die Ein wände derer, die fürchten: ״Sind wir erst in Ost- Afrika, so wird sich alles, was wir an Intelligenzen besitzen, an der Schaffung eine« dortigen Staatswesens beteiligen und für Palästina wird nichts bleiben. Mau wird sich wohl fühlen und die Volkshcimat vergessen, was dann?“. Wir könnten mit der üblichen Gegenfrage antworten: ״Und wenn cs nun noch 50 oder I(׳o Jahre dauert, bis wir Erez Israel bekommen und unser Volk physisch und moraiiscli zu Grunde geht, was dann?“ Aber wir wollen es nicht, denn wir honen auf einen baldigen Erfolg. Darum also: die Befürchtung entspringt einem Rechenfehler. Man zahlt nur die Gegenwärtige.!, nicht die Kommen-