Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
- Haifa 1× ep/1047930
- Tiberias 1× ep/1048138
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Seite 445. No• 41/42.______JÜDISCHE RUNDSCHAU. * Der erste jüdische Kongress in Palästina. Gleichzeitig mit dem VI. Zionistenkongress in Basel tagte in der Kolonie Sichron-Jacob in Palästina ein jüdischer Kongress, der den Zweck hatte, eine einheitliche Organisation aller in Palästina wohnenden Juden ins Leben zu rufen. Per grosse Saal des Administrationshauses war mit Fahnen und Guirlandcn prächtig geschmückt: zwischen ihnen ,praDgten die Porträts Rabbi Mohilewcrs, Montcfiores. Hcrzls. Nordaus, des ersten Ziomstenkongresscs. und anderer zionistischer Ver- Sammlungen. 1111 ganzen waren 70 Delegierte und 60 Lehrer und Lehrerinnen erschienen, die von den Kolonisten in Sichron- Jakob herzlich empfangen und bewirtet wurden. Sonntag früh um 9 Uhr wurden die Verhandlungen vom Herrn Ing. Ussischkin eröffnet, nachdem er die zahlreichen Begrüssinigstclcgrammc und Briefe verlesen hatte. Fine grosse Begeisterung rief das Telegramm des Baseler Kongresses hervor. Ins Präsidium wurden nebst Herrn Ussischkin als Vorsitzenden die Herren Gluskin. Fttiuger, Dr. Wentz und Jcliu. als Sekretär die Herren Fiscnstadt, Drujanow und Wilkometz gewählt. In seiner Fröit'nungsredc entwickelte Herr L’ssischk ii die Grundsätze der neuzuschaffenden Organisation. Fs iuuu'd: sieh darum, die Juden in Palästina zu vereinigen, ein Zentrum zu bilden, das allq Kräfte, die fiir Palästina sowohl daheim •1!s im Auslande arbeiten, sammeln und nach einem einheitlichen Plaue zu einem Ganzen verbinden soll. Die in Palästina lebenden Ackerbauer. Lehrer Knuilcute. H:< Jwci'.er und I Rabbiner .sollten nicht mehr wie zerstreute < tlied•;•■ ]euer uaen eine' anderen Richtung hmstrehea. sondern. aP einheitliche *•'׳•׳■p•.; schuft ein X<׳;l vcriolgen. Die Organxsatl׳!״ so! auf folgende, Grundlage stehen: Jeder Jude (auch!•'rauen), der das!s. Jahr erreicht i!־׳t 'und mindestens ein Jahr in Palästina wohnt und nickt vor Unterstützungen lebt, gehört der Organisation an und /:׳{ג•» ein•.׳!!!beitrag von I Frank jährlich. יי .Afiiäl1rlic!! findet ein Delcgicrtentag Mail, zu weichem "׳'• Mitglieder einen Vertreter im Alter von mindestens 2ח Jahren entsende)). Aut dem Delcgicrtentag(• wird Rechensehaft gelegt, die Arb •it für das Kommende Jahr fixiert und ein Akn״nskomitce gewählt. Palästina wird in folgende 6 Distrikte cingcteilt: 1. Jerusalem und Chebron. .Moza imd Ar tut. 2. Die jüdischen Kolonien um Ramie. .3. Jaffa und Petach-Tikwah. •J. Nazareth, Tiberias und die nächsten Kolonien. 5. Chedera. Siokron-Jakob. Haifa. 6. Safed mit den galiläisclien Kolonien. Ans diesen Distrikten wird je ein A'ertretcr gewählt, die zusammen mit den 12 Beiräten und de•• 5 anderen Mitgliedern des Zentrums als Aktionskomitee in der Stärke von 23 der Zahl des kleinen Synliedrions. die Gescbäite der Organisation leiten, den Verkehr mit den ausw ärtigen fiir Palästina arbeitenden Gesellschaften ,pflegen, alle gemeinsamen Interessen der Juden Palästinas ühcrwachen. alle dortigen Institutionen materiell und geistig unterstützen und bestrebt sind, das Hebräische zur lebendigen Verkehrssprache irn Lande zu machen.' Das ׳ Aktionskomitee muss mindestens zweimal itn Jahre eine gemeinsatne Konferenz abhaltcn. Dieser Organisationsplan in der Eröffnungsrede Ussischkius rief eine bewegte Debatte hervor, besonders wegen der vorgeschlagenen Zugehörigkeit der Frauen zur Organisation. Gegen die Wahlbeteiligung und Wahlfähigkcit der Frauen stimmten 29, dafür 18 Delegierte. Die übrigen Punkte, über die weniger leidenschaftlich diskutiert wurde, wurden mit ge- י ringen Abänderungen angenommen. Mit der Organisationsfrage zusammenhängend erschien die Frage des Verhältnisses der Institutionen in Palästina zu den auswärtigen Vereinen und Personen, die für Palästina arbeiten, so zttttt Odessacr Komitee, zur. ..Ica“, zum ״Fsra“. zur ,.Alliance Israel^te“• und zum Baron Rothschild. Fs wurde beschlossen: Jede dieser Institutionen des Auslandes stellt einen Vertreter für das einzusetzendc ausländische Komitee. Dieses muss über seine Unternehmungen in Palästina mit dem dortigen A.-K. beraten und von dem letzteren ebenfalls zu Rate , gezögert w erden. Was in Palästina geschehen soll, muss nach eingehender Beratung des inneren, sowie des auswärtigen Komitees unternommen werden. Die Fxckutivc obliegt dem erstercn. den: letzteren stellt das Recht zu, dass alles nach Beschluss ansgeführt werde. Fs wurde eine Reihe von wichtigen Referaten gehalten, du umsomehr Beachtung verdienen, da die Referenten Männer sind. d;e seit langer Zeit in Palästina leben und mit den Verj hnltwssen sehr gut verttaut sind. Herr Pincs reis•■'.erte über I die irükerc A!•^vdhii'g in 1 * •Kistin;!. Herr Redakteur Ben-.lelutdu ׳ über das Ycri ältnis dieser zur neueren Koioj’isat!׳־:!, Ile׳• Midi- bn gab in seim-m Referate vicht'ge Mitteilungen über die Sephardiiu. he; r Dr. Mevic referierte über die hygienischen ׳ XuMänuc m den Stellte! 1 •, .!!!1׳ den fiokiüiC'i«, und Herr Tb. Jone referierte d i gege :.wärtige Kohmisatioi;. Alle diese Referate enthielten eüic grosse Anzahl von weitgehenden Fordc-rungen 12־י!ו Anregungen zur Hebung des geistigen utui Ökonontisclien kebens. die dem Aktionskomitee zur Ausführung überhssei* wurden. Sehr lang uni leidenschaftlich wurde über die Frage der Hrziehung debattier:, ohne dass man sich auf ein einheitliches Programm einigen konnte, da die verschiedenen Richtungen sehr weit :1useinar.de!Fingen. Man ist nur über dh: ciren allgemeinen Punkt einig geworden, da^s in allen Schulen Pulästinas die Frzicluing im indischen Gc׳ste sein und das Hebräischc als lebendige Sprache gelehrt und behandelt werden so!!. Gcwähl.t wurden: Pincs. Zitcriuski. Miehlin (Jerusalem).־ Stampfer. Rokeaeh. Pap;en11eistcr (Jaiial, Dr. \\eitz, Aronsohn, Neumaan (Haifa(. Direktor Arnias. Kalwariski, . Chankin (Tiberiask Sclioub. I.cwiti. Abo (Safed). Die 5 Mjtgia der des Zcntralkoniitces sind: Dr. Joffe. Präsident. J. Jcliu. Sekretär, Suchovolski. Kassierer. Fisenbcrg und Leibowitz als Vize- Präsidenten. Herr Ussischkin schloss die Versammlung mit ungefähr folgenden Worten: Liebe Brüder! Mir scheiden nun von einander, gewiss nicht ohne schmerzliehe Gefühle. Mich aber schmerzt es tiefer. Ihr bieibt ja hier in unserem heiligen sich aus dieser Mischung in der prähistorischen Zeit und in Palästina her, itn Fxil haben sielt die Juden anthropologisch kaum verändert. Alles in allem genommen, sind die Juden :::cht als Semiten, sondern weit eher als Glieder der algäisch-ftimalayischeii Rasse zu betrachten, so stark sind sic vom Semitentypus abgewichen. Fs ist natürlich in unserem Rahmen nicht möglich, der Theorie Jndts in allen Einzelheiten naehziigehen. Nur einige Anmerkungen und Zweifel. Was ist der ״urscmitische“ Typus? Wer sagt uns. dass die Beduinen ihm entsprechen, die doch einen grossen Teil der Wanderung — also wohl auch der Kreuzung — ittitgemacht haben? Gesetzt, aber nicht zugegeben, die Juden hätten sieb mit Atnoritern stark vermischt, woher wissen wir, dass diese blonde Arier waren? Der Beweis stellt auf sehr schwachen Füssen, denn icli glaube nicht daran, dass mau aus einem ägyptischen Bild Scliädelmdices lierauslescn und zu so weirreichenden Schlüssen benutzen darf. Für diu Mischung mit den Katinnüern werden etliche Bibelstellen zitiert — ich kann zahlreiche entgegengesetzte zitieren, ich greife nur heraus Ücnt. VII. .3: ״Du sollst dich mit ihnen nicht verschwägern. Deine Tochter sollst du ihrem Sohn tiicltt geben, und ihre Tochter für deinen Sohn nicht nehmen.“ Dagegen stehe ich einer griechisch-römischen Kreuzung der Juden um die Zeit Jesu durchaus nicht so skeptisch gegenüber, wie der Verfasser. Seine Theorie kann ich nicht für falsch erklären, denn das spärliche sichere Material macht das unmöglich, aber sic erscheint mir doch als recht kühne und schwach gestützte Hypothcsc. Mich will bedünkei), dass den Hctitcru die kurzen Schädel, den Amoritern die blonden Scheitel mit ziemlicher Vehemenz ad hoc aut den Rumpf gesetzt seien, um die Ab- Weichlingen der Juden vom .,ursemitisehen“ Typus erklären au können. Warum aber gibt es doch unter den Juden neben langen Köpfen kurze, neben brünetten blonde und blauäugige? Unsere heutige Anthropologie ist iu ihren Grundlagen noch so unsicher fundiert, dass es nicht hyperkritisch und ketzerisch ist, an die Konstanz dieser Klassifikationsinerkniale nicht unbedingt zu glaul.cn. Zumal für alles, was mit dem Pigment zusammenhängt (Haare. Augen, Haut) halten wir aus allgemein physiologischen Gesichtspunkten einen starken Einfluss des Klimas für durchaus möglich. Ein anderer Faktor, der sehr wohl die Blonden und Blauäugigen unter den Juden noch heute vermehren kann, ist die geschlechtliche Zuchtwahl. Vicacicnt gerade weil die Juden dunkel sind, übt das Blonde auf sie eine stärkere Anziehung aus. Durch die Bevorzugung der Blonden