Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 444.* No. 41/42. JÜDISCHE RUNDSCHAU. diesen leidbelasteten Schmerzensmann in seiner Ueberscliöne, in seiner Formlosigkeit, ( )den Verachteten, den Unmännlichen — ist er in der Tat so von Gott geschlagen und geplagt? O nein, der Welt Leiden und Schmerzen hat er über sich ergehen lassen müssen, der Welt Sünden und Schanden, der Welt Roheiten und Unmenschlichkeiten haben ihm alle diese Leiden und Erniedrigungen ein gebracht. Von Schutz und Recht ausgeschlossen — und wie rufen seine Feinde und Gegner? Er ist aus dem Lande des Lebens, — er ist ob seiner eigenen Sünde wegen aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen; allein dem ist nicht so, die Sünden aller sind es, die Gott an ihm heiinsucht. (Fortsetzung folgt.) . - - 1 » Referat über ״Organisation“ auf dem Delegiertentage in St. Ludwig. V o n D r. i. Mose s. Wir in Mannheim sind stolz darauf, dass auf dem in unserer Stadt abgclialtcncn Dckgierteutag nach iid.1 vortrciilichen Ideen Dr. (]roneniaitn’s ein Organisat!״nsstatt1t geschaffen wurde, das einen erhebliche!! Anteil an der erfreulichen Entwickelung, die unsere Bewegung in Deutschland seit einem Jahre genornmca hat, für sich iu Anspruch nehmen darf. Als Mitglied des Zentralkomitees, als Vorsitzender eines Distrikt-Bureaus, als VortanJsmitglied einer Ortsgruppe gebe ich, gestützt auf die Erfahrungen mehr denn eines Jahres, gerne das Urteil ab, dass sich unser neues Grga1!;sa:Ionssuuut im grossen, ganzen trefflieh bewahrt bat. Line gute Organisation ist wie ein gutes Haus, in dem inan sich behaglich und sicher geborgen fühlt. Wenn trau nicht gerade ein lockerer Zugvogel ist, fällt cs einen! nicht ein, ein solches Hgim zu verlassen, aber man ist stet:g bemüht, cs in gutem Stande zu erhalten, es zu vorbessern, zu verschönern, auszuschniücken und cs immer wohnlieber zu gestalte!!, ln unserem Hause gibt es nach 1’• Jahren keine grossen Reparaturen, aber als gewissenhafter Haushesitzer wollen wir doch alle Räume gründlich inspizieren, in die Lücken und Ecken hincinschaueu, ob es nicht liier und dort ein bischen Nacharbeit erfordert. So lege ich keitnn durchgreifenden Aendcrungs- oder Umstu'rzvorschlag vor. sondern nur einige kleine Verbesse־ rungsanträge. Zuvörderst freilich liegt mir eins zu sagen am Herzen: es gibt für den Zionisten keine dringendere Pflicht, als sich der I selbstgeschaifcncn Organisation, den freiwillig erwählten Or- ן ganen unterzuordnen. Ich betrachte cs als die grösste Vcr- ן siindigung unserer Idee, wenn Einzelne oder Vereitle sich in den j Rahmen unserer Organisation nicht einzufiigen vermögen oder belieben. Es ist das wichtigste Stück Gegcnwartsarheit, das wir zu leisten im Stande sind, uns zu disziplinieren, unterzuordnen und dadurch .uns fähig zu machen, später das jüdische Gemeinwesen, das wir erstreben, zu organisieren und zu vcr-, . walten. Zugunsten einer straffen Organisation, einer reinlichen; Ordnung in unserer. Landcszentralc muss das geringe Opfer des Aufgebens kleiner persönlicher SoiidcrintcresscM von Jedem verlangt werden. In der Tat: die Hoffnung auf das Gc lingen unserer grossen Idee steigt und fällt mit dem Festhalten oder der Preisgabe unserer organisatorischen Institutionen und mitten in die deutsche Landcsorganisation hineingcstclit habe ich während des letzten Jahres wohl begriffen, warum Ilcrzl auf dem 5. Kongresse das Organisationsstatut unsere Gesamtliewcgimg selbst und mit grossem hingehenden Eifer als Reierait vertreten hat. Wir sind heute hier, um unsere zionistisehen Interessen in Deutschland zu beraten. Wer glaubt, dass j dieselben im Rahmen unseres Statuts nicht genügend befördert j werden können, der erhebe seine Stimme, um Verminderungen 1 oder Zusätze zu beantragen, aber Jeder gehe von hier weg : mit dem strengen Vorsätze, das einmal hier Beschlossene unter j Aufgabe eigener Neigung» und Empfindlichkeiten in vollem ׳ Umfange zu respektieren. Das gilt incht minder fiir die ein- ’ zehien Mitglieder und Gruppen, wie für deren Leiter der I L'istriktc und des Zentralkomitees. | Unsere Landcsorganisation befasst sich nach § 1 des Sta- 1 tuts nur mit solchen Schekelzahlern, welche zugleich einen Beitrag zur Landcsorganisation leisten. Dies gilt indes gewissermassen mir fiir Friedenszeiten: bei Mobilmachung, d.!!. bei den Wahlen zum Kongresse unterstellt der Landcsorganisation auch d׳e Sorge um die Betätigung derjenigen Schekel- Zahler, welche keinen Lancfesbeiü.tg leisten. Ich möchte den einzelnen Gruppen, Vereinen und Distrikten empfehlen, diesen | Sehekelzahlern in der nächste» Zeit ihre Aufmerksamkeit zu-; zuwenden; jetzt vor dem Kongresse ist ja diese Kategorie! von Schekelzahlen! besonders stark ve!treten; sorgen Sic dafür, dass sie alle Mitglieder der Landesorganisation werden. Das ist nötig aus den vorhin erwähnten ideellen Gründen der Organisation und Disziplin, wir haben aber and! cm materielles Interesse: wir müssen unsere Landcsorganisation finanziell zu stärken suchen. (Fortsetzung folgt.) Litteraturbsricht. Dr. J. M. Judi, Die Juden als Rasse, eine Analyse ausdem Gcbicte der Anthropologie. Deutsche Ausgabe. Jüdischer Verlag. Berlin. 243 S. 8°. Wir hatten kürzlich Gelegenheit, die Stellung der Juden als Rasse vom allgemein-anthropologischen Standpunkte aus bei Gelegenheit der Arbeit A. Sanders au dieser Stelle zu bcsprechen. Die vorliegende Schrift nun beschäftigt sich mit der speziellen Rassenfrage der Juden, mit ihrer Einreihung unter die übrigen Rassen auf Grund der historischen und anthropologischen Daten. Judts Arbeit, das sei vorab erwähnt, Ist mit glänzendem Scharfsinn und erstaunlicher Beherrschung des gewaltigen Materials geschrieben. Man merkt beim Lesen mit Freude, dass der Verfasser über dein Stoff stellt, dass er die leitenden Gedanken nicht einen Augenblick vergisst, dass er sich keine Ab- Schweifung und keine Weitschweifigkeit gestattet. So drückt er dem Ganzen den angenehmen Stempel einer ernsten wissenschaftlichen Arbeit auf.; Um sich den Boden zu ebnen, schickt Verfasser seinen positiven Thesen eine kritische Sichtung der gegebenen Grundlagen voraus. Er zeigt, dass viele der erhobenen Befunde unzuverlässig sind, und dass die brauchbaren Angaben gering an Zahl sind. Die Tatsachen entsprechen durchaus nicht den vielen Theorien, die man voreilig auf ihnen aufgebaut Bat. Vor allem ist cs verfehlt, die Juden in zwei Rasse!!, Sephardim tmd Aschkenasim, zu teilen, ferner ist cs unmöglich, von einer anthropologisclien Anglcicliimg der Juden an die einzelnen Völker Europas zu sprechen. Die Analyse zeigt vielmehr, dass der Typus der jüdischen Rasse gegenüber anderen Rassen ein ziemlieh einheitlicher ist. Woher kommen nun aber die zahlreichen Abweichungen der Juden vom ״semitischen“ Typus, etwa des Beduinen? Woher die vielen Kurzscliüdcl. die Blonden, die Blauäugigen? Judts Theorie ist kurz folgende: Die ״Urscmitcn“ durften vom Pamir ans nach Westen gezogen sein. Sclmn an! ihm gemeinsamen Wanderung nahmen s!e starke Mengen arischer Elemente aus den Völkern in Pamir. Turan und Armenien auf. Der Zweig, dem die Juden angeboren, vermischte siel! dann noch bei seiner Einwanderung in Palästina und während der ganzen ersten Epoche der staatlichen Selbständigkeit in hohem Masse mit den Amoritcrn. die ihm blonde, und den Hctiteru. die ihm kurzscbäilelige Elemente zufiihrten. Ebenso unterlag er starker Kreuzung mit den kananüischcn Stämmen. Die blonden und kurzschädeligcn Elemente unter den Juden schreiben . #