Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1903)
- Date
- 1903-10-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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■*iE—י Seite 436. JÜDISCHE RUNDSCHAU.___No. 40. ״Wie der ״Regierungsbote“ In seinem nichtamtlichen Teil aus Hornel. Gouvernement Mohilcw, meldet, setzten bei den Unruhen am 14. September dort mit Messern, Dolchen, Wurfkugeln und Revolvern bewaffnete Juden dem Militär Widerstand entgegen, als dieses der Prügelei mit den Christen Einhalt tun wollte. Die Juden schossen aus Häusern und hinter Zäunen auf die Soldaten. Ein Feldwebel, der die schiessenden Juden fcstnchmen wollte, wurde von anderen Juden durch Messer- Stiche am Halse verwundet. Inf ganzen wurden während der Unruhen 4 Christen und 4 Juden getötet, verwundet 7 Christen und 8 Juden, von denen einer starb. Die bisher fcstcgcstclltc Zahl der zerstörten Häuser und Buden beträgt 200. 68 Persoucn wurden wegen Teilnahme an den Ausschreitungen verhaftet. Fälle von Raub sind nicht festgestcllt. Militär hält die Ruhe auirccitt. Offiziere und Justizbeamte bezeichnen die Haltung der Polizei bei der Unterdrückung als tadellos. Nur den Anordnungen des Polizeimeisters sei cs zu danken, dass die Unruhen auf einen verhältnismässig kleinen Kreis beschränkt blieben. Die Ursache der Unruhen ist nach Ueberzcugung der gutgesinnten Bevölkerung r.1 der äusserst feindseligen und herausfordernden Haltung der Juden gegen die christliche Bcvölkerung. zu suchen.“ Keine Lüge, selbst die fadenscheinige, dass gedrückte russische Juden russisches Militär angreifen, ist zu grob, um sie gegen die Juden zu benutzen. Wenn noch irgend ein Zweifel iiber die Stellung der Juden unter dem Schutze ihrer staatsbürgerlichen Rechte in Russland bestehen kann, so wird er beseitigt durch das Verhalten des Mohilewer Gouverneurs, der weit deutlicher als sein würdiger Amtsbruder von Kischincw die Absichten der Regierung kundgetan hat. Aus einem charakteristisehen Briefe über die Vorgänge in Hornel entnehmen wir folgende Stellen: ״Der Gouverneur, der telegraphisch berufen wurde, kam gestern, um dcii Juden zu erklären, es sei ihnen nur recht geschehen. Da kannst Dir denken, welchen Eindruck diese Rede auf die Bevölkerung machte.“ ״Als der Gouverneur durch die zerstörten Strassen fuhr und ihn die Juden jammernd lind weinend umringtet?, antwortete er ihnen höhnisch: ״Gut erlebt.“ Im Rathaus, wo er die jüdische Deputation empfing, liess er diese garnicht zu Worte kommen; er hielt ihnen eine donnernde Rede, sie seien nichts Besseres wert, denn die Juden sind immer frech, mischen sich stets in Dinge, die sic nichts angelten, etc. ctc." ״Die zu unserer Verteidigung ausgeschickteu Offiziere sollen das wütende Volk noch mehr gehetzt haben• Die ganze gute Gesellschaft hat frohlockt, die Wüteriche wurden mit Schnaps bewirtet und angefeuert, nicht nur die Häuser 7m zerstören, sondern die Menschen zu töten.“ Nach einem genaueren Berichte hat der Gouverneur etwa folgendes zu den Juden gesagt: ״In Russland existiert vollkommene (?) Religiousdiildung. Die Ursachen der letzten Ereignisse müssen tiefer gesucht werden. Früher waren die Juden ganz treue Untertanen und nahmen an keinen politischen Bewegungen teil. Da war auch kciic Rede von Krawallen; denn die Unruhen, die in den achtziger Jahren stattgefunden haben, trugen einen ganz anderen Charakter. Sie waren eine Folge des jüdischen Joches, unter dem die christliche Bevölkerung sich befand. Jetzt aber ist alles gänzlich anders geworden. Die Juden treten jetzt als Leiter und Rädelsführer be! sämtlichen regierungsfeindlichen Bewegungen hervor. Die gesamte Sozialdemokratie in Russland besteht nur aus Juden. Immer und überall bezeigen die Juden ihre vollkommene Missachtung und Unduldsamkeit gegenüber den Christen.“ Dafür führte der Gouverneur verschiedene Beispiele an. Dann fuhr er fort; ״Ihr selbst seid an all dem Geschehenen schuldig. Die Regierung ist ganz וווו• parteiisch und ihr erntet jetzt die Früchte eurer Aufführung. Ist es denn nicht unerhört, dass Juden sich bewaffnen und das Militär beschlossen, welches sic selbst beschützt. Auf diese Weise werdet ihr nicht euch, sondern wir uns vor euch schützen müssen.“ Wie in Kischincw ist aber auch hier nicht die Regierung allein die Feindin der Juden. Die ganze russische Gesellschaft ist bis ins Innerste antisemitisch. Das Gefühl, dass die Juden nur in halbem Sinne als Menschen zu betrachten sind, ist, wie wir kürzlich aus dem Munde eines besonnenen und gebildeten russischen Juden vernahmen, so tief eingewurzelt, dass die Juden selbst von einer Verfassung und von politischen Rechten keine Lösung ihrer Not zu erwarten haben. Aus deti Worten des Gouverneurs, der ja nur ein Sprachrohr der russischen Judcupolitik ist, geht mir zu klar hervor, dass wir leider nicht am Ende, sondern eher am Anfang der grossen Tragödie stehen, deren Schluss nur heissen kann: Vernichtung der russischen Juden. Der ״Hilfsvcrcin der deutschen Juden“ hat. gütig wie er ist, auch dieses Mat geruht, eine Summe für die Geschädigten in Hornel zu bewilligen. Damit ist daun seihe und der anderen .,Menschenfreunde“ Tätigkeit zur Lösung der Judenfrage erschöpft. Man fügt höchstens noch iiir die dem Blutbade 1:11tronneuen die strenge Weisung bei, nicht auszuwandcni. Blitzt noch nicht, selbst nicht angesichts dieser hirnlosen jüdischen Hilfsaktionen, den Juden, die in Europa sicher wobnetf, die Erkenntnis auf, welcher Weg allein zun! Ziele führt? Wieviel Kischiuews, Hornels. Zablotows müssen!;•׳׳.h kommen? Ihr seiit Euch ratlos nach einem Ausweg um? Da wollen wir fragen, was wir schon so oft fragten: ..Habt Ihr schon etwas vom Zionismus gehört? Komm:, wir wollen Euch erklären, was der Zionismus will. “ ea. G-i»•5 Aus der Bewegung. י O א \\ Berlin. In einer Versammlung der B c r l i n e r S c h e k c lzahler hei ..Dräsel“ erstattete Rechtsanwalt Dr. Arthur H a n t k c zugleich namens seiner Mitdelegiertcn unter grossem Beifall Bericht über den VI. Kongress. Der überaus fleissige und sachliche Bericht gab Anlass zu einer angeregten Debatte, die die Versammlung bis spät nachts zusammenhieH. Obwohl für diesen Abend die Ostafrikafrage aus der Diskussion ausgeschieden wurde, klang sie doch durch alle Diskussionsrcdch mehr oder minder hindurch. In der nächsten Mitgliederversammlung der ..Berliner Zionistischen Vereinigung‘‘ am Montag. 1A Oktober, wird Elias A 11er 1ן a c 11 über diese Frage im besonderen referieren. Berlin. Am Montag, dem 2S. September, hielt im grossen Saale der ״Arminhalien“ die ״Berliner Zionistische Vereinigung“ eine Volksversammlung ab, in der Dr. Heinrich L o e w׳ c über die ״Bilanz des Zionismus“ sprach. Lauge vor Beginn war der Saal überfüllt, und cs erwies sich als ein guter Griff, dass man eine neue Stadtgegemi gewählt hatte. Ein neues Publikum hatte sich eingefunden. Der Redner führte in mehr als eihstiindiger Rede aus, dass der VI. Kongress selbst die Bilanz des Zionismus darstelle, mul gab im Anschluss daran seinen Bericht als Kongressdelegierter. Sodann ging er die einzelnen Posten in der Rechnung des Zionismus durch, und fand im ״Soll“ die Schaffung einer öffcntlicli-reciitlicii-gesicherten Heimstätte fiir das Jüdische Volk in Palästina. Der Zionismus wisse, dass er diese seine Forderung in ein positives ״Haben“ umsetzen müsse. Redner erörterte dann, dass man das Baseler Programm in keiner Beziehung aufgäbe, weder den Passus ,.für das Jüdische Volk", der den Assimilationsjudcn besonders unangenehm In die Augen steche, noch Palästina. Zion sei nicht nur unser letztes Ziel, unser Endziel, sondern auch unser erstes und einziges Ziel. Die glühende Liebe unseres ז