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Jüdische Rundschau · 1903-10-02 · Heft 40 (2.10.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 40 . JÜDISCHE RUNDSCHAU, Seite 435. י Was aber diesen Propheten am wesentlichsten von allen | richten über die Krawalle von Kischinew׳, den Bericht der übrigen unterscheidet — er Ist als Prophet zugleich S c h r i ft ־ russischen Regierung mit dem unparteiischer Blätter zu versteiler. Das waren die übrigen uns bekannten Propheten nicht; wir dürfen sogar bezweifeln, ob sie überhaupt schreiben konnten. Das Schreiben war nicht. jedermanns Sache, gehörte auch garnicht zu ihrem Berufe. Die Schreibekunst war eine Kunst für sich, und cs mögen sich wohl auch solche Schreibkünstlcr gefunden haben, welche das Prophetenwort sofort, oder auch nachdem •es sich lange Zeit mündlich fortgepflanzt hatten aufgeschrieben haben. Wir dürfen unsere Zustände nicht auch auf Jenes frühe Altertum übertragen. (Fortsetzung folgt.) Die Judenschlacht in Hornel. So schnell folgt c?!c Katastrophe der andern im Leben der russischen Juden, dass sie eine stehende Rubrik in der Chronik der Judcnhcit bilden, ln Kischinew war es ein Schlachten der Juden. ma!n sprach nur von einem ״Gemetzel“. Jetzt ist wenigstens ein deutlicher Unterschied zu sehen, und wir sehen ihn inmitten all des Leids mit Freuden. D!c Juden haben gelernt. Sic wissen, dass niemand ihnen hilft und sie wenre:! sich ihrer flaut mit der Kraft der Verzweiflung, und nur diesem Umstand ist es zuzuschrciben, wenn der Verlust an Menschenleben und Eigentum nicht so gewaltig ist wie in Kisch!!ew. Es ist ja unendlich traurig, dass wie in der Urzeit des Höhlenmcuschcn selbst Weib und Kind bei der Abwehr der Ungeheuer halfen, so auch hier Eraucu und Kinder, wie uns berichtet wurde, mit der Wafio in der Hand miikämpftea. Aber erbebend ist cs doch, und der Beginn einer neuen Zeit. Die Selbsthilfe der Juden hat begonnen. Besonders interessant ist cs auch hier wie bei den Beaufs Innigste umschlungen und durchdrungen, dass sic beinahe identisch wurden. Wenn sie sich gleichwohl noch nicht völlig decken, so liegt das an der Eigenart des semitischen Stammes, der wie keine andere Rasse der Welt die Individualität zuin Ausdruck bringt. In keiner Sprache aber ausser der hebräischen, bat das jüdische Volk so vollendet gedacht und so herrlich und vollkommen gedichtet und gesungen wie einzig in der arabischen. Zudem nimmt . das klassische Altarabisch innerhalb der semitischen Sprachgruppe eine ähnliche Stellung ein wie das Sanskrit oder das Litthauischc innerhalb der indogermanischen Sprachen, oder das Gothische im Kreise der germanischen Sprachen und Dialekte. Kommt somit dem Studium des Arabischen für unser Lyceum eine geradezu eminente Bedeutung ln sprachlicher, praktischer und kultureller Hinsicht zu, so darf freilich die grosse Schwierigkeit nicht verkannt und nicht verhohlen werden, einen wahrhaft geeigneten Lehrer fiir dieses Fach ausfindig zu machen. Es gibt leider unter unseren scphardischeu Brüdern nur herzlich wenige, die den wissenschaftlichen Anforderungen genügen, um diesen Unterricht erteilen zu können, und andererseits geht ihnen auch meistens eine bessere Kenntnis der arabischen Litteratursprache und ihres Schrifttums völlig ab. Den arabischen Lehrern gegenüber aber hegt, wegen eines weit verbreiteten Lasters, die öffentliche Melnung hei den Juden denn doch Bedenken, ob man ihnen Knaben zur Erziehung anvertrauen darf. So ist es denn nur natürlich, wenn wir verlangen müssen, dass dieser Unterricht in die Hände eines wissenschaftlich arabisch gebildeten Europäers gelegt wird, und wenn es einen solchen nicht geben sollte, junge Leute zu diesem Behufc ausbilden lassen. Fehlen doch auch fast in allen Schulen der Alliance in dieser Hinsicht wirklich geeignete Kräfte. (Fortsetzung folgt). gleichen. Die ״Times“ schreibt über die Exccssc von Hamei: Der Tumult begann damit, dass ein jüdischer Fischhändler und ein Mudjik auf detn Fischmarkt in Streit gerieten. Daraus entspann sich eine Prügelei zwischen Juden und Mudjiks. Die Polizei erschien und nahm ein Dutzend Arretierungen vor. Bei . dem Handgemenge waren verschiedene Verwundungen vorgekommen Und eincY der Mudjiks starb am folgenden Tage. Am Sonnabend und Sonntag zogen darauf antisemitische Agitatoren durch die Stadt und ermahnten ihre ״Christenbrüder״, den Tod nicht ungesühnt zu lassen, während die jüdischer» Gemeindevorsteher ihr Möglichstes taten, um die Juden ruhig zu halten. Sämtliche Kneipen wurden geschlossen. Die meisten Judeh hielten sich in den Häusern, und die Strassen wurden abpatroulliert. Am Montag gaben jedoch die Eisenbahnarbeiter die Parole aus, dass sic sich um die Mittagsstunde in einer der Hauptstrassen sammeln wollten. Etwa 100 dieser!,eine kamen auch tatsächlich zusammen und fingen an, an jüdischen Wohnungen die Fenster zu zerschlagen und zum Plündern in die Häuser cinzudringen. Darauf versammelte sich eine Alizahl von Juden, um sich zu verteidigen. Das Militär schoss aber auf die Juden, und zwang sic durch Schläge, sich wieder in ihre Häuser zu flüchten. Nachdem das geschehen war, sahen die Soldaten ruhig zu, wie der Pöbel die Häuser pliindertc und die Insassen misshandelte•. Die Eingänge zu den Stra'sscn, in denen sich diese Sccnen abspielten, wurden durch Militär gegen die Juden, die ihren um Hilfe schreienden Glaubensgenossen zu Hilfe kommen wollten, verteidigt und bei dieser Gelegenheit sechs Juden erschossen. Die Polizei zeigte sich überhaupt nicht aui der Strasse, und die Truppen schützten die Plündernden. Als der Brief des ״Ti1nes“-Korrespondcnten abgfig, tobte der Pöbel immer noch weiter. Bis zu dem Moment waren bereits vier S׳Irassen zerstört worden, ohne dass man über den Verlust an Menschenleben etwas erfahren konnte. Der Korrespondent befürchtet, dass die Auftritte in Home! diejenigen von Kischinew noch in den Schatten stellen dürften.“ Nach diesem Bericht ist es klar, dass die Situation im ganzen dieselbe war wie in Kischinew. Wie dort, gingen liier die Krawalle aus von einem systematisch verheizten und aufgereizten Volkshaufcn unter Beteiligung der 10kalen Behörden und mit U111 e r st fitzuhg des Militärs. Ganz anders lauten die Vorgänge im Bericht der russischen Regierung, den wir schon in der vorigen Nununcr brachten und noch einmal dem obenstehenden gegeniibcrstellcn'. ״Wie im nichtamtlichen Teil des ״Regierungsboten“ gerne!- det wird, entwickelte sich in Momel, im Gouvcrncmdnt Mohilcw, am 11. d. aui dem dortigen Bazar aus einem Streit zwischen einem Bauern und einem jüdischen Händler eine erbitterte Schlägerei zwischen Juden und Russen. Als die Polizei die Ordnung wieder!!erstellen wollte, warten die Juden mit Steinen auf sie, auch einige Rcvolvcrschiissc wurden aus ihrer Mitte abgefeuert. Die Polizei antwortete mit Schüssen in die Luft. Bei der Prügelei wurdo cito Russe von einem Juden durch einen Mcsscrstici! iit den Leib tödlicli verletzt, 7 andere Personen trugen leichtere Verletzungen davon. — Atn 14. d. Mts. wiederholten sich die Unruhen. Russische Arbeiter fingen an, aus Rache für die am 11. d. zugeiügte Kränkung im Judenviertel Buden zu zerstören. Bei einem Zusammenstoss mit Juden wurden auf beiden Seiten über 20 Personell verletzt. Als Truppen erschienen, wurden sic von den Juden mit Schüssen empfangen, worauf das Militär ebenfalls von den Schusswaffen Gebrauch machte. Gegen Abend war die Ruhe wieder hergestellt. — Nach Berichten des inzwischen üt Home! cingctroffcnen Gouverneurs sind während der Unruhen 5 verwundete Christen und 9 Juden in die Spitäler ein ge liefert worden. Getötet wurden 4 Christen uhd 2 Juden.“

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