Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1903)
- Date
- 1903-10-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 40 . Seite 433. / ■ JÜDISCHE RUNDSCHAU. der vorliegenden Veröffentlichung schon verderblich geworden Ist, fiirfdic Zukunft dringend gewarnt werden: wenn der Aushau der jüdischen Statistik auch eine dringende Aufgabe ist, so ist *er doch keine drängende Aufgabe. Es wird immerhin nr»cl1 eine geraume Zeit vergehen, bis die Ergebnisse der $ta- , tistik für das jüdische Volk praktisch verwertet werden können. Die weiter folgenden Einzclarbeiten sind von sehr ungleichen! Werte. Zunächst haben wir die Gruppe der von Jüdischen Organ!־ sationen veranstalteten Untersuchungen. Hiervon ist vor allein die russische Enquete der J e w j s h Colonjsation A s s ״- e i a t i o 11 hervorzuheben, welche sehr wertv olles Material über die jüdischen Arbeiter. Handwerker und Ackerbauer zu Tage gefördert bat. — Auch die Enquete der M a n 1111 c i m e r B 11 c ־ B r i 111 ־ L o g c, über die wirtschaftliche Lage der jüdischen Landbevölkerung in Baden, ist sehr detailliert und mit guter Eaohkenntms ausgenibrt worden. Besondere Untersuchungcii wurden noch vorgenommen über die Berufswahl der ländlichen Jugend in Baden, deren Ergebnisse Dr. Julius Moses (Mannheim) mitteilt, und welche namentlich Anhalts• punkte für die künftige Berufskonstellatüm gehen soll. - - Die Arbeit der ״O e s t c r r e i c 11 i s c 11 1 ־ s r a e i i t i ־ sehen Union‘‘ über die galizischcn Verhältnisse ist dagegen sehr allgemein gehalten und oberflächlich ausgoiTihrt. Sie enthält alles mögliche, mir keinen Beitrag zur jüdischen Statistik. - Einige lehrreiche statistischen Angaben über die englischen und amerikanischen Juden teilt Gotthoid Weil aus dem ״Jcwfsli Y ca r- Book‘* mit. - Eeiwel macht aus der Enquete der ״J ii d i s c 11 e!1 H o c 11 s c 11111 e‘‘ emige ganz allgemein gehaltene Mitteilungen über die aii westeuropäischen Hochschulen studierenden ausländischen Juden, ziäcrmuässigo nur über 12S Studenten in München. - Warum die bisher erwähnte« Arbeiten der Organisationen so streng von den folgenden ״Beiträgen zur Statistik der Juden i!1 einzelnen Länder;; * geschieden werden, ist uns nicht ganz klar geworden. Ist es doch für den Wert der Arbeiten ohne Bedeutung, ob sic von Lin/.e!nen ausgefülirt sind oder von Organisationen, die Hauptsaebc ist, dass sie gut sind. Allerdings ist cs lehrreich, zu beobachten, dass d'e Enqueten derjenigen Organisationen, welche grössere Mittel zur Verfügung haben, weit über den anderen stehen. Wichtig und erfreulich Dt auch die Konstatierung der Tatsache, dass cs dem Herausgeber gelungen ist. in dem zweiten Teile der ״Jüdischen Statistik“ Arbeiten der verschiedensten jüdischen Organisationen zu vereinigen, und so zu zeigen, dass sich alle diese Oiganisationcn mit dem Probleme der jüdischen Statistik beschäftigen, wenigstens. So weit dies In den Rahmen Ihrer Tätigkeit fällt. Die Arbeiten zur Statistik der Juden in den einzelnen Lfmdem einzeln zu besprechen, ist hier nicht möglich; sie enthalten teilweise viel neues und wertvolles Material; hervorzuheben Ist namentlich der Aufsatz von Dr. Moses Erledländer über die jüdische Bevölkerung Palästinas und die von Goldberg bearbeitete Statistik der russischen Juden. Nur wäre cs unseres Erachtens gerade die Aufgabe des ״Vereins für jüdische Statistik“, alle diese verschiedenen Arbeiten in ein System zu bringen. Und zwar hätte dies schon in der erste״: Publikation geschehen müssen, welche jetzt doch nur ein buntes Quodlibet ist. Zum wenigsten hätten die• Untersuchungen cm bestimmtes Schema •zur Grundlage haben müssen, uni eine Vergleichung und Zusammenfassung der einzelnen Ergebnisse zu ermöglichen. Im letzten Teile der ״Jüdischen Statistik“, welcher ״Beiträge zur Gcsamtstaiisiik der luden“ enthalten soll, finden wir zunächst das Schlusskapitel eines grösseren Werkes von D\ J. M. du dt: ״Die Juden als physische Rasse“, daun einen kleinen Aufsatz von Dr. Arthur Ruppin über die Judo; als Stadtbcwoluver und seldiesvich einige, verschieden::!] Werken und Am'sät/ci! entnommenen, fragmentarischen statistischen \ngaben. welche unter der stolzen Elaggc• ״Zahlvt•• tei’umg und Zunahme der Juden auf der Erde" segelt. -. Wenn wir hier öfters Gelegenheit nähme.!, die zahlreiche׳: Mängel des vom •״Verein für jüdische Statistik“ publizierte.! Werkes liervorzuheben, so haben wir damit unseres Erachtens der Sache der jüdischen Statistik eine! grosseren Dienst er• wiesen, als wenn wir alle die Schwächen des Huches 11.it dv:11 Mantel de1־ Liebe zugedeckt hätten. Wenn der Verein die hier gegebenen Wink..• beherzigt, so hoffen wir eilten zweite! Baad der ..Jüdischen Statisuk“ he* sprechen zu können, welcher einen noch weit grösseren Fortschritt auf den! Gebiete der jüdischen Statistik bedeutet als der vorliegende Ersüiugshaud. in diesem Skale — aber mir in diesem ־— rufen wir: vivant sequentes! fS> f- V '' ־•* da sie, auf deren Treue der Staat beruhen sollte, sich durch religiöse und Stainmesrücksicliteti zur Untreue verleiten Hessen. Es ist daher die Pflicht der Juden nur umso mehr zum Schutze und Besten des Staatsganzen in die Lücke zt! treten, und sich die Bildung aiizticigneu, ohne die sie dem Staate wohl treue Bürger, nicht aber eine unerschütterliche Stütze des ostnanischeii Thrones sein können. Soll das Bmh-Sefer in Jaffa Hierzu beitragen, so muss es nicht nur die volle Kenntnis der türkischen Sprache und Geschichte vermitteln, sondern auch die ganzen geistigen Anlagen und Fähigkeiten seitier Schüler in dem Sinne entwickeln, dass sie in allgemeiner Bildung nicht hinter jenen zurückstehcn, die eine humanistische Schule in Europa besucht haben. Beim nur so sind sie imstande, sich den freien und offenen Blick zu wahren, den der Staatsdienst eriordert, und nur so können sie auch dem eigenen Stamme den kulturellen Vorteil bringen, den man von der Jaffacr I Schule billigcrwcise erwarten sollte. Ein Recht an die moralische und intellektuelle Fähigkeit seiner Söhne stellt ja auch dem jüdischen Volke zu. wenngleich die Anforderungen, welche der Staat an sie als Bürger stellt, allen anderen Idealen vorangehen j müssen. Wem! wir diesem Gedanken folgen, so kom- | men wir zu dem Ergebnisse, dass unsere Jaffacr Schule I kaum minder als zum nbciibczcicJme'cn Lebensziele seine Schüler vorbereiten muss. Lehrer, Aerztc. Ingenieiire. Agronomen usw. zu w erden, die imstande sind, jüdische Bildung ihren Brüdern zu vermitteln. So muss denn das Ohergytimasium seinen Zöglingen nicht blos die volle Kenntnis türkischer Geschichte und Sprache übergeben, es soll sic vielmehr beiühigen, nach ihrem Verlassen des I.yceums in europäische, sowie orieutnlische Universitäten und Hochschulen einzutreten und mit Erfolg ihrem Studium an denselben obzuliegen. Ebenso aber, w ie sie allen Anforderungen Genüge, leisten müssen, die an sie beim Eintritt in die hohe Schule gestellt werden können, so ist es gleichfalls unumgänglich notwendig, dass ihre Bildung dem Orient und dem Judeiitimie angemessen ist. Es kann füglich verlangt werden, dass'nicht nur die Sprache, in der der l'-nterrieht erteilt w ird. die hebräische ist. vielmehr muss der j ganze Unterrichtsplun so zugesclmittcn sein, dass der Abiturient eine in sieh abgeschlossene Weltbildung vom orientalisch-jüdischen Standpunkte aus erhält. Ist doch, die Sprache trotz der grossen Wichtigkeit, die ihr zukommt, gleichwohl in ihrer Bedeutung geringer im Vcr-; gleiche mit dem Gegenstände der Bildung selbst. Es lässt sich ja nicht ableugnen, dass ein Schüler, der seine Begriffe von Sprache und Grammatik an dein hebrü-