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Jüdische Rundschau · 1903-10-02 · Heft 40 (2.10.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 430. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 40. I Nachtasyl, sondern eine Dauerwohnung zu errichten, weil Palästina ihnen zu fern scheint — dann, ja dann hat das jüdische Volk seine historischen Rechte auf Palästina aufgegeben, eine neue Epoche der jüdischen Geschichte beginnt, und auch wir werden Palästina aus unserem Herzen reissen, werden mit festem Ruck auch unser!! Kurs herumwerfen und werden m i t unserem Volke jedes beliebige Land, das es zu dem seinen bestimmt, auch zu unseren! Lande machen. Aber seien wir nicht theoretisch. Wir können den Zulauf von aussen, der die eine oder andere Schale der Wage erheblich herabdrücken wird, nicht fernhaltcn. Wir können cs nicht, und wir dürfen es nicht, denn das wäre Selbstmord. Der VI. Kongress ist der hellste Weckruf, den wir bisher erschallen Hessen, und cs wäre Wahnsinn, dieses erhebende Ereignis nicht in die Agitation zu werfen. Jedoch Vorsicht, heilige, dreifache Vorsicht ist die Pflicht unserer Redner. Schärfer als je bisher haben sic den Palästinagedanken zu betonen, rücksichtsloscr als je bisher den Gegensatz von Philanthropie und nationaler Selbsthilfe hervorzuheben. Wer das verschweigt, wer auch nur missverständlich einen Mitlcidszionisnuis hcranzichcn hilft, der werde hinw c g g c f e g t von unseren Tribüne n. Auch so, des bin ich sicher, werden die neuen Anhänger in Massen zu uns stossen. Und dann gibt cs nur c i n Mittel, um die Gefahr abzuwehren, die aus diesem Zuzug für die Entschliessting des nächsten Kongresses erwächst: Wi r 111 i!sse n sic 11 n s inzwischen assimilieren. Wir müssen die Neuen durch den alten Stamm erziehen. Erst ein eindringendes Verständnis für die Grundlagen unserer Bewegung, erst eine tiefe Palästinalicbc. erst ein Zionismus der Geschichte und der nationalen Zukunft macht auch sic fähig, gleichberechtigt mitzusprcchcn in der schweren Frage, die an uns gestellt ist. Wehe uns aber, wenn auch der alte Stamm der Erziehung im Zionismus noch allzusehr bedarf, wenn auch seine Anschauungen noch unklar lind oberflächlich sind! Dann deckt sich uns eine alte Unterlassungssünde auf, die sich jetzt furchtbar rächen kann! So gibt uns der sechste Kongress den Zwang zur Einkehr in unsere eigenen Reihen. ,Grade in Deutschland bedürfen wir dieser Einkehr doppelt, und die Sache ist zu ernst, als dass wir etwa dieses Faktum durch fromme Selbsttäuschung aus der Welt schaffen dürften. Es wäre verhängnisvoll, die Anerkennung des Baseler Programms und die Entrichtung des Schekels für Zionismus zu halten. Hier hat erst die eigentliche zionistische Erziehung zu beginnen, und ich schäme mich nicht zu bekennen, dass ich selbst noch täglich in! Zionismus lerne und weiter zu lernen hoffe. Sind unsere Mitglicder gründlich im Zionismus durchgebildet, dann haben wir nicht nur wie jetzt ein Dutzend Agitationsredner, dann ist jeder ein Agitator, und auch der äussere Erfolg kann dieser inneren Arbeit nicht fehlen. Nach alledem wiederhole ich: DieZcitbiszum nächstcnKongresssoll 11 nterdem Zeichen der inneren Arbeit stehen. Ueber das System der inneren Arbeit ein andermal. Unsere Freunde. Von Dr. Emil C 0 h n. Ueber unsere Feinde ist schon viel geschrieben worden, über unsere Freunde wenig. Ich will ihnen einige Zeile! widmen, damit sie wissen, mit wem sie cs zu tun haben, una wir, wer unsere Fretmde sind. Christliche Freunde besitzen wir wenig, obwohl nach meiner Erfahrung fast jeder wohlwollende Christ, dem man die Idee des Zionismus mit ihren Voraussetzungen und Konscquen/.cn auwinandersetzt, sic einleuchtend und beherzigenswert findet. Das ist aber auch alles. Die s. Zt. von Matthias A eher erhoffte ״ideale Hilfe" seitens der Christen ist uns nicht zuteil geworden. Wir sind eben Judc<1, und Juden gegenüber sind auch die besten Christen Ms jetzt eben nur Christen. . Möglich, dass, wenn unsere Bewegung ihrem Eniziel «aller gerückt sein wird, wenn sie, wie wir so iiuiigst hoffen, ganz Israel mächtig umfassen wird, möglich, dass dann uns auch in den Herzen edler und braver Christen die ideale Hüte erblühet! wird. Damit aber können wir heute nicht reellncn. Immerhin sollten wir uns stets bemühen, den Zionismus auch dort dratissen zu propagieren, aufklärende und sachliche Artikel in die öffentlichen Zeitungen zu lanzieren suchen, durch Rundfragen und Enquiteu hervorragende Christen auf unsere Bewegung aufmerksam machen und alles tun, um jener wahrhaft idealen Hilfe schon heute den Boden zu ebben. Unsere jüdischen Freunde können wir bequem in zwei?־יגל®«׳ .״s.'K.tcte: ״ÄÄJ;־.״Te-ss1ü'ja*:2ss. :•3ns*r.* * | Kulturelle Streitzüge im jüdischen Orient. VIII. Ein hebräisches Lyccum. (Fortsetzung.) Man bedenke aber ferner, dass jüdische Kinder aus Palästina, sei es aus den Städten oder den Kolonien, wenn sie irgend weiche höhere Bildung erlangen wollen, genötigt sind, eine europäische Stadt oder eine Beyröther Missionsschule aufzusuchen, da letztere, .wiejjrfi mich zu überzeugen' Gelegenheit hatte, 'pädagogisch "mmerhin Besseres leisten. Nur herzlich wenige sind imstande ihre Kinder nach Europa zu senden, und noch geringer ist die Zahl derer, welche ihren Kindern Bildung zu geben bemüht sind, selbst auf die Gefahr hin, sie für immer zu verlieren. Und wenn man nun bedenkt, dass stetig eine langsame aber dauernde Einwanderung von Juden nicht nur aus Russland, Rumänien und Amerika, sondern auch aus Persien, Turkestan und Yemcn erfolgt, so ergibt sich die Notwendigkeit einer höheren Schule in Palästina von selbst. Dies waren denn auch Hauptbeweggründe, welche die Stifter des ״BOth Sefer“ veranlasst haben, diese Schule ins Leben zu rufen. Von vornherein hat man die Anstalt, die heute als Elementarschule Vorzügliches leistet, in dem Sinne gedacht, dass sie in erster Linie Lehrer ausbilden solle, die irn Hcbrä-!sehen, als ihrer Muttersprache, zu den Juden Russlands und Rumäniens nicht minder, als zu denen des Ostens Kultur und zwar eben jüdische Kultur tragen sollten, um spater allmählich zu einem Lyceun! ausgebaut zu werden. Will man tatsächlich wirksam der Seelenfängerei entgegentreten, die auf Palästinas Boden von Missionaren vielfach betrieben wird, so kann man dies freilich auf keine bessere Art erreichen, als dass man den urspriingliehen Plan der Schulgründung wieder aufnimmt, und eine höhere Lehranstalt in Jaffa aus der schon existieren-

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