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Jüdische Rundschau · 1903-10-02 · Heft 40 (2.10.1903) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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* גי■׳• 1 ד. \\ / J IS Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich! I. durch die Expedition: a) in Berlin M. —,90. b) nach auswärts M 1,— c) für das Ausland M. 1,5a t. Itu Poatibonnement M. 1,25 3. bol Sammelbozug durch dlo Ortsgruppe M. —,60. Poatzoltungsllato No. 8944. Insornto die viergcspaltcnc Pctitxcilc 25 PL Inaeratenbollagon 15 M p 1 Organ der Souistisctei Vereinigt•! für l@s3tseM8s.$. IHJr.sei leint jeden ®Veit« 4M •mm nr. UpBB \ h 9 l f Adresse für Qeldsenduafea and Bestellungen: Perlag SQdlsdic Runciscftiu E. O. m. b. H. Betiln fl 51, Huguslsfiasse flr. 4f «. Sprechstunden: r. 4—5 Uhr nachmittag«. Redaktion: Dr. Hclnrldi üoewe, Berlin HW. 40, üetirUrsfrasse 14/15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Uhr. mtx*‘r•■— r.OT^vgy:»- ־־.» * .•ו י .*־-.‘■»-J No. 40. Berlin, 2. Oktober 1203. 11. Tischri ESG4. VIII. Jahrgan״, Der Zv;a;־g zur Einkehr. Von Elia s A 11 c r b a c 11. Noch nie hat der Zionismus vor einer so ernsten Km- Scheidung gestanden, wie jetzt. Die Verantwortung ist weit schwerer als selbst bei der Schaffung des ersten Kongresses. Denn damals konnte man mit einem Misserfolge rechnen, ohne sich schuldig zu fühlen; mau haue es gewagt, eine grosse Bewegung zu entfachen, grosse Hoffnungen zu wecken, und wenn die Bewegung sich im Sande verlor, die Hoffnungen zu Grabe stiegen, so konnte das manchem das Herz brechen, aber man halte gegen gewaltige Widerstände gekämpft und war ehrlich unterlegen. Zur Stunde jedoch liegt die E111 s c 11 e 1d 11 n g über die Ergebnisse unserer Arbeit, vielleicht über das Geschick unseres Volkes in unserer Ha 11 d. Das schwere Bewusstsein dieser furchtbaren Verantworiung hat auf dem VI. Kongress grade die tiefsten und unerschütterlichsten Zionisten ratlos gemacht. Doch ihre unabweisliehe Pflicht ist es nunmehr, sich klar zn werden über das, was zu geschehen hat, und das arme zweifelnde und verzweifelnde Volk in Treue zu letten zu dein schweren Scheidewege, au dessen Gabelung cs sich entscheiden soll. Es soll eine freudige und sichere Entscheidung werden, mag sie ausfailen, wie sic wolle. Und das Volk selbst, das wirkliche Massenvolk, soll die Entschliessimg fassen. In vorbildlicher detuokratisehcr Weise werden neue Wahlen ausgeschrieben werden, bevor über das Wohl und Wehe von Hunderttausenden bestimmt wird. Der VI. Kongress war überrascht, bestürzt durch das Ostafrikaprojekt, der nächste wird wohlvorbereitet sein. Schon seine Zusammen- Setzung wird das Amen oder Ve*o des jüdischen Volkes Ausdrücken. Keine Gelchrtenlanfbahn, keine jüdische Kulturarbeit, kein Agitationsgeschick, kein Rednergenic wird die Eignung zum Delegierten des siebenten Kongresscs ausmachcii, sondern allein die Tatsache, dass der Abgesandte Jasager oder Neinsager im Aufträge seiner Wähler Ist. Diesen cndgiltigen Volkswillen aber in Reinheit hcrauszmueisseln, hat bis dahin die Aufgabe derjenigen zu sein, die tätige Arbeiter sein wollen. Das Volk m 11 s s mit B c w 11 s s t s e i n wählen, dar u m muss e s z t! in klaren Bewusstsein erzogen werden, Das wird eine ernste und mühevolle Arbeit sein, aber nie hat sieh eine Arbeit mehr gelohnt, denn mit ihr schaffen wir, wie die Sache liegt, ein Stück jüdischer Geschichte. Das Jahr bis zum nächsten Kongress soll und wird unter dem Zeichen der i 11 n c ־ r e n A r b e i t s t e 11 c n. Das klingt vielleicht grade in diesem Augenblick wie ein Widerspruch zu den äusseren Geschehnissen. Eben hat der Zionismus seine grösste Tat seit seinem Bestehen vollbracht, die grösste Tat vielleicht, seit der Tempel sank, hat er das jüdische Volk wieder ״ins Geleise der Weltgeschichte“ gehoben; wir brauchen nur hinauszutreten und das mit Nachdruck zu verkünden, und scharenweise werden sich Tausende von Zweiflern, denen die Hoffnung geweckt ist, uns jubelnd ansehliesseii.- Aber grade hier liegt die Gefahr. Es wird nur zu leicht sein, viele hcrbeizuzielien; man rechnet auf eine Verdoppelung unserer Zahl und hat darnach ein neues Wahlgesetz geschaffen. Alles, was philanthropisch unter den Juden arbeitet, was indisch-national empfindet, ohne bisher den eigentlich zionistischen Gedanken du rclierlebt zu haben, wird die Hand zum Bunde mit uns bieten könneu, denn dass wir uns gemausert haben, ist ein festes Dogma im Munde unserer Gegner und halben Freunde. Handelte es sich um die endgiltige Ausführung unseres Palästiuaplanes, dann könnte uns jede, auch diese Hilfe willkommen sein; hier aber gilt es eine Frage für uns selbst erst spniclneif zu machen. Und dafür kann uns die Hilfe dieser neuen — sagen wir es rund heraus — nichtzionistischen Zionisten, die das Baseler Programm halbverstanden annchmen und im Zionismus Philanthropic suchen, gefährlich werden. Wir wollten ja das ) Volk befragen, nicht die, welche unseren Erfolgen als Mitläufer sich ansehliessen, sondern die, welche in den schweren Tagen treu zu uns gehalten haben, welche trotz Spott und Not unerschütterlich auf Palästina gewartet haben. Die sollen entscheiden. Wie sie ihn werfen, so soll der Würfel fallen. Werden sie, die elenden Massen von Kisehincw und Lodz, Ostafrika verwerfen, weil es nicht Palästina ist — wer von uns darf dann den traurigen Mut haben, aus ״Mitleid“ diesen Helden der Entsagung entgegenzutreten? Werden sie aber, die bisher auf Zion warteten, gewillt sein; anderswo vielleicht nicht nur ein 1 r 1

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