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Jüdische Rundschau · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 39. Seite 425. Jüdische Hiwdscl 1 aa. wundem, woin unter solchen Umständen die Dcutschdn das Judentum mehr und mehr mit misstrauischen Blicken zu bctrachten anfangen. Die Juden hättdi alle Ursache, den Schein geheimer Sympathie mit dem Pofentume von sich fern zu halten." — Wir hoffen, dass kein Jude die Schlochau-Flatower Dummholten mitmacht und wiederholt. Der Jude soll wie Jeder andere nach bestem Wissen und Oe wissen wählen, und ein ״Pole“, der den deutschen Reichsgedankd! nicht antastet und unter Wahrung seiner nationalen Eigenart ein guter Preusse ist, wie es unser Kaiser im Ständchaus zu Posen wünschte, ist unter allen Umständen dem preussischen Staat nützlicher als Abgeordneter als jene konservativen Deutschen, die aus der Haut des Juden und Polen Riemen schneiden wollen. Ueber den Zionistenkongress darf man wohl lügen. — So schreibt das deutschvölkischc ״G r a z c r Tageblatt■* in seiner Nummer vorn 31. Aug.: ״Nach Palästina! Dieser Ru! entfesselte auf dem Zionistenkongress, der seit dem 23. d. M. in Basel tagt und von 600 Vertretern und K>00 Gästen besucht ist, jedesmal einen endlosen Beifallssturm. Neben den Herren Dr. .Moses Gaster,!00• iessor Mandelstamm. Dr. Friedman!!, Sir M״nteh0re und Samucl!,indes führen besonders Dr. Theodor Her zl-Wien und Max N o r d a u , richtig Südidd-Paris das grosse Wort. Beide Redner klagten über die schlechte Lage der Juden, wobei neben Kisehbew gleich die englische Einwanderungsreform aufgezählt wurde, und erörterten die verschiedenen ״Asyle", die man den Juden angeboten habe, so u. a. die Halbinsel Sinai und Britiscli-Ostairika; aber das Ziel der Juden sei und bleib: Palästina. Dr. Herzl erzählte, dass beiin Sultan nichts zu erreichen gewesen sei, dass sich Kaiser Wilhelm wohlwe hend gcatissert und dass der Z ä r versprochen habe, ״bei der Auswanderung mitzuwirken (!) und dem Sultan die Einräumt1;׳g Palästinas nahezulegen.•‘ Der Nennung des deutschen Kaisers folgten auf der Tribüne Pfuirufe . . . Am Montag gab es einen argen Skandal, in dessen Mittelpunst die Bcrlinc r Juden standen." Dieser Bericht, dessen Wahrhaftigkeit dadurch treffend illustriert wird, dass unser Freund Gaster überhaupt nicht auf dem Kongresse war, stellt eine Verleumdung sonder gleichen dar. Wenn sogar einer von den zahlreichen antisemitischen Lockspitzeln, die sich Karten zur Galerie des Kongresses erschwindelt hatten, versucht hätte, bei dem Namen Sr. Majestät des Deutschen Kaisers zu demonstrieren und die im ״Grazer Tageblatt" behaupteten Rufe zu provozieren, so wäre ihnen von jüdischer Seite so energisch der Mund gestopft worden, dass sie nicht versuchen würden, ihn wieder zu Majestätsbeleidigungen aufzusperren. Dabei nehmen wir zu Ehren des Grazer Tageblatts an, dass sic ״Galerie*׳ sagen wollte, als sie ״Tribüne" schrieb. Die ״Deutsche Zei• tun g" itt Wien verfälscht wider besseres Wissen die übrigens sehr taktvolle Bemerkung des Dr. N. S y r k i n über den russischen Minister Plehwe in an Bedauetl.1 über eine 10bende Bemerkung Herzls über den Deutschen Kaiser. Woran sollen wir nun diese dcutschvöikisctan Blätter und ihre Art messen: an deutscher Treue oder an christlicher Liebe? Wir denken, an beiden {nicht! Denn wir ehren die Ideale der anderen, die voll dieser Seite in den Kot gezogen werden. Aber messen wollen wir sie an der Meldung eines anderen diese» Blätter, das folgendennassen seinen Bericht beginnt: ״Der Zhnistenkongress in Zürich. Aus Zürich, 27. d. wird uns telegraphiert u. s. w."-In Oesterreich gibt es Zensur, wie es scheint aber mir für die — Wahrheit! — Eine unfeine Rolle im Zionismus spielt die ״Ungarische Wochenschrift." Dazu kommt, dass die Zeitung für ihre Leser vom Zionismus eine Extrawurst gebraten haben will. WährcnJ der Zionismus überall jüdischnational und in religiösen Frage.! unparteiisch sein soll und ist, haben sic sich einen magyarischnationalen, jüdischorthodoxen Zionismus zurechtgcicgt. Das ist ihr gutes Recht; aber damit stehen sic ausserhalb der Partei Sic berufen sielt dabei zu Unrecht auf Nordau. Dass unser Max Nordau sich im Eifer für den Zionismus einmal vergreifen kann, wird ihm niemand verargen. Er hat es getan, als er diesen ungariändischen Juden den Zionismus daduren mundgerecht machen wollte, dass er auf ihren bramarbasierenden magyarischen Chauvinismus, hinter dem sich ihre Ghettofurcht versteckt, einige zu weit gehende Rücksicht genommen wissen wünschte. Nordau wird unangenehm überrascht sein, wef.m er sicht, wie seine Schützlinge die ihnen zuteil gewordene unangebrachte Rücksicht missbrauchen, um unsern Führer Herzl zu beschimpfen. 111 einem Artikel aus der Feder eines obskuren Max Weisskopf ״Zionismus oder Airikanisnius?** wird Herzl insinuiert, dass er ״ein ambitiöser, vom politischen Ehrgeiz beseelter Mann“ bisher geheuchelt habe, Zionist zu sein, ln der folgenden Nummer leistet sieh die Redaktion die beiden folgenden iiir ihr geistiges und sittliches Niveau sehr bezeichnenden Anmerkungen ״Dr. Herzl begnügt sich mit der \Vürdc, Vizekönig von Ostafrika zu sein“ und ״Nicht uns, sottdem dem ostafrikunischcn-jüdischen Vizekönig nähert er sic!!, von dem er einen königlichen Sold erwartet". In der darauf folgenden Nummer ist das Blatt noch — — —. Dass es beinahe für Nossigs berüchtigten (und berichtigten?) Baseler Vortrag Reklame macht, ist einleuchtend. Ist et doch der Misrachist in der Nähe der Fraktion. Aber sogar Nossig dürfte die Freund- und Bundesgertossenschait der ,.Ungarischen Wochenschrift" zurückweisen. Bezeichnend für die Zeitung sind nicht minder die orthographischen und grammalischen Fehler, wie die drolligen Bemerkungen im Briefkästen der Redaktion. Kleiii-Geruegross, der sich schon an Herzls Stelle als Kongresspräsidenten sieht, schreiet dort ״Rabbiner P. in M. Wir teilen vollkommen ihre Ansicht. Die ״Misrachi" ist einzig und allein hierzu berufen, die'Leitung zu übernehmen. Wir sind überzeugt und der grösste Beweis liiefiir s'Jid die Massen Kundgebungszuschriftcn, die wir von Tag zu Tag erhalten, dass der ganze Airikanisnius im Sand verlauten wird.“ Nur schade, dass 5/io der ״Misrachi“ mit Reines an der Spitze nach bestem Wissen und Gewissen für die Ostairikakommission gestimmt haben. Und wir, die wir auf dem Kongresse gerade in dieser Frage die schärfste Opposition gemacht haben, halten uns noch für besonders veraniasst, jedem Missverständnis gegenüber festzustellen, dass Majoritätsbeschlüsse auch die Minderheit binden. Wer sieh den Parteibeschlüssen nicht fügt, stellt sich selbst aussei hall• der Organisation. Ueber die Ostafrikafrage selbst hat der Kongress noch nicht beschlossen. Es wäre Sache unserer misrachistisehen Gesinnungsgenossen, ihre Identifizierung mit den ungarländischen Pseudozionisten zurückzuweisen. Die ״Ungarsehe Wochenschrift“ würde aber unserm sprachlichen und sittlichen Gefühl einen grossen Gefallen erweisen, wenn sie nicht nur einen Teil ihrer Zeitung in der dem gebildeten Europa unverständlichen Sprache schreiben würde, in der sic zuweilen Artikel schreibt. Russland ist nicht nur ein christlicher Staat. Wenn es trotzdem vorkommt, dass man die Juden überfallt und plündert, so haben selbstverständlich nur die Jaden daran schuld, d'e sich besser nicht in so unmittelbarer Nähe der Stätten christlicher Liebe aufhalten sollten. Das ist auch die Meinung des russischen Reichsanzeigers, des ״Prawittclstnij Wjcstnik", wenn er aus Hornel ( Go u v. M o hile w ) schreibt: ״Bei den Unruhen am R September haben dort; mit Messern, Dolche«, VV'urfkugelu und Revolvern bewaffnete Juden dem Militär Widerstand entgegengesetzt, als cs der Prügelei init den Christen Einhalt tun wollte. Die Juden schossen aus den Häusern und hinter den Zäunen auf die Soldaten. Ein

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