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Jüdische Rundschau · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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No. 39. Seite 424. Jlldisolie Hundschau. ״tm Vorfahre meldeten sich 54 Juden rum Taufunterrkkt; davon *wurden 20 abgewiesen, weil mir äussere Beweggründe sic leiteten. Eine Anzahl ist hn Laufe des Jahres ausgcschieden; im Unterricht verblieben 13. Die Taufe haben 19 erhalten, 10 Männer und 9 Frauen. Sic gehören den verschiedensten Ständen an, darunter 1 Arzt, 1 Altphilologe, 1 Redakteur, 1 Student, 2 Buchhändler, 3 Kaufleule, 1 Krankenwärter, 1 B;ldhaucr.“ Im Anschluss daratr bemerkt die ״Deutsche Zeitung": ״Ob wohl andere als nur äussere Beweggründe Herrn J. H. Wallfisch bei seinem Uebcrtritt bestimmt haben, der Jetzt die Judenmission auf recht eigenartige Weise fördert, indem er zu ihrch Gunsten ein Seiienpulvcr vertreibt. Herr J. H. Wallfisch versendet nämlich folgende Geschäftsbriefe: ״Lieber Bruder im HErrn! Zu gunsten meiner Juden- Missionsbestrebungen, iiir deren Unterhalt nebst Versorgung meiner Familie ich fast vollständig von freiwilligen Gaben abhänge, wollen Sic mir giiiigst Ihren gesamten Bedarf an Seifenpulvcr abkaufen. Ich bitte Sie recht herzlich darum! Seifenpulvcr macht Seife entbehrlich und ist das billigste und hequemste Waschmittel, schont auch die Wäsche sehr. Preise pro Zentner, franko Bahnhof hier: 1. Für Danipiwüschcrei 13 Mk1;.־'iir llandwäscherci 15 Mk. Sic werden sehr zufrieden sein! Mit christlicher Hochachtung Ihr in Jesu verbundener J. H. Wallfisch.‘‘ Uehrigens ist dieser Wallfisch nicht der erste ״bekehrte‘' Wa!!fisch, der von sich reden macht. Itn Jahre IS94 gab es in Dresden einen Prediger Wallfisch, der gelegentlich eines Vortrages ״Unparteiisches über die Judenfrage“ u. a. änsserte: ״Ich bin ein Jude und bleibe cs auch, ja jetzt, nachdem ich den christlichen Glauben kennen gelernt, hin ich erst ein rechter Israelit geworden.“ —" , Diese wasserfester Walliischc sind nicht so übel. Wir glauben eben so an die Aufrichtigkeit ihrer christlichen Udfcrzeugung, wie der Pastor, der sie auf Grund derselben getan': hat. Denn wir wollen der ״Staatshürgcr/.eitung“ zu Liebe auf deren besonderen Wunsch in der Nummer vom II. 9. 1903 unterlassen, uns ein eignes Urteil darüber zu erlauben, was christlich sei. Dagegen kann sie gewiss nichts einwcnacn. wenn wir konstatieren: Christlich sind die Juden, wenn sie die Taufe cmpuligen haben, und christlich, gewiss echt Christlieh ist das Verhalten der ״Staatsbürgerzeitung“! Statistisches Jahrbuch drs Deutsch-Israelhisclien Gemeindebundes 1903. Jg. 16. Hrsg, vom Bureau des D. .1. G. B.. Berlin W״ Stcglitzerstr. 85. Berlin 1903. R. Boll. (252 S.) Gr. 8״. 2 Mk. Das Buch ist ein vortreffliches Hilfslittc! und ist das Beste auf diesem Gebiete, ohne fehlerfrei zu sein. So ist das Verzeichais der jüdischen Zeitungen beinahe drollig. Darin kennmen noch der ..Zion“ vor. der ungefähr im Jahre 1898 der langsamen Schwindsucht erlag, und die ..Jüdische Moderne", der Nathan Birnbaum als Redakteur gegeben wird, und überhaupt nur 5 Nummern (1897) erlebte. Dagegen hat das Jahrbuch zum ersten Male KciDtnis von der Existenz der zionistischeu Organisation genommen. Eine willkommene Verbesserimg ist cs, dass das Ortschaftsregistcr jetzt voran stellt. Dr. Max Nordaus berühmte Broschüre ״Der Zionismus" ist. trotzdem sie •erst vor eineinhalb Jahren in einer Auflage von H* 000 Exemplaren erschienen ist. fast vergriffen. D׳e Expedition der ״Jüdischen Rindschau" gibt den vorhandenen •ganz geringen Rest zum Preise von 25 Pf. exkl. Porto pro Exemplar ab. Dr. Leo Phtskcrs ״Autoenianzlpatlon". Die erste Auflage dieser für den Zionismus grundlegenden Broschüre ist seit Jahren im Buchhandel vergriffen. Einzelne Exemplare sind mit 4 Mk. bezahlt worden. Die Expedition der ״Jüdischen Rundschau" hat jetzt durch einen Zufall den Rest der Auflage erworben. Sie gibt das wohlerhaltene Exemplar zum Preise , von 2 Mk. ab. ״Post“, ״Schlesische Zeitung** und die ״Freisinnige Zei• tung“ Eugen Richters bringen in ganz gleicher Weise ihr Missvergnügen und ihre Unzufriedenheit über die Vereinigung der Nationalsozialen und der ״Freisinnigen Vereinigung" zum Ausdruck, indem sie einen fast wörtlich gleichlautender« Artikel bringen, der folgenderart beginnt: ״Ein antisemitisches Element ist durch die Verbrüderung mit den Nautttännern in die Freisinnige Verein!־ gufng gekommen. Die Nationalsoziatcn stammen bekanntlich von den Christlichsozialen ab, und der Begründer der Christ־ lichsozialcn Partei war Herr Stöcker. Der Antisemitismus war in dieser Partei der Mittelpunkt der Agitation. Herr v. Ger lach, der fetzige Mitarbeiter au der ״N a t i o n", war bekanntlich früher als Redakteur des Stöc’kcrschen ״Volk" auch ein eifriger Vorkämpfer des Antisemitismus. Gegen Erdmannsdörffcr ist hui der Wahl behauptet worden, dass er eine scharfe antisemitische Broschüre verfasst hat. Was aber Naumann selbst betrifft, so gehen dessen Ansichten über die Judenfrage klar hervor aus sef.tcm ״ N a t i o u a I s o z i a 1 c 1 Katechismus", der auch jetzt noch von ihm verbreitet wird. Darin heisst es in Frage Nr. 119: Bestellt eine Judenfrage? Antwort: Ja. Nr. 120: Worin besteht sie? Antwort: Darin, dass die Israeliten ein anderer Stamm sind als die Deutsehen. Nr. 121: Befinden sich 51 Deutschland noch andere 11 i c h t d e u t s c 11 e Stämme? Antwort: Die Wenden. L נ t i a ti e r, P o i e n, D ä n e n. Frau z o s e!t. Nachdem i.1 dein weiteren Frage- und Antwortspiel ausge• führt ist, dass es aber nich:> Unkb.igercs geben würde, als eine einflussreiche Minorität wie die JudcJi duren Entziehung der staatsbürgerlichen Rechte in die Staatsfeiml.sennn 7.11 drängen, ohne sie entkräften zu können, heisst es in krage Nr. 125, usw. tisw. Nun freilich •st der Antisemitismus der Nationalsoz'alen. wenn er noch vorhanden sei:! sollte, gewiss nicht so ״erdrückend“ wie die Freundschaft der ״Freisinnigen". Jedenfalls haben die nationalsozialcn Nnumfmn.r sich allezeit politisch er Ehrlichkeit bcficissigt, und selbst ein ehrlicher Feind wäre noch erwünschter als ein unzuverlässiger Freund. Und ob wir die ״Freisinnige’' zu den Freunden zählen dürfen, Ist doch mindestens fraglich. Jüdische Wahlhüte gegen die PoKn ist den judcntcindlichct Konservativen gerade recht. Jetzt vor den l.andtagswahlcn schreibt die ״Post“, um durch Drohung die Juden 7,u treiben, ״deutsch", d. h. in diesem Falle kdiservativ-antisemitisch zu wählen. ״Jüdische Polcnsympathle“. Die jüdische Bevölkerung im Osten der Monarchie wird von manchen Seiten als eine zweifelsfreie Stütze des Deutschtums betrachtet. Nun ist aber d e nationale Gesinnung der jüdischen Elemente im Osten keineswegs über jeden Zweifel erhaben. Aus dem Kreise Lissa- Fraustadt wird uns mitgeteili, dass dort über die nationale Stellung der jüdischen Bevölkerung die grössten Zweifel herrsehen und mehrfach Anzeichen beobachtet sind, welche vermuten lassen, dass die Juden mehr polnischen als deutschen Interessen dienen. So ist z. B. zur Zeit der Rcichstagsstichwähl in Lissa-Fraustadt, die zwischen einem Reichsparteiler und einem Polen stattfand, ein ״deutscher“ Jude in den Hausern erschienen und hat versucht, den Bewohnern Stimmzettel für den radikal-polnischen Kandidaten anizAtdrängen in jener hartnäckigen und zudringlichen Weise, wie man sic nicht selten hei Haus'erern beobachten kann. Erfreulicherweise ist cs ja allerdings gelungen, den Waldkreis in hartem Ringen dem Folcntumc zu entreissen und der deutschen Sache, die seit 1893 unterlegen war. wieder zum Siege zu verhelfen. Es ist aber bezeichnend, dass jüdische Elemente tu einem so hart umstrittenen Wahlkreise offen die Sache der Polen verfechten halfen. Man kann sich nicht

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