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Jüdische Rundschau · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 39. Seite 423: «Ttidisolio Rundschau. abzudrucken. Andere nationalliberalc Blätter wie der ״Hannovcrschen Courier" und die ״Münchener Neuesten Nachrichten" schlossen sich nunmehr der ״Kölnischen Zeitung“ an, aber auch freisinnige und demokratische wie selbst die ״Frankfarter Zeitung" folgten ihren Spuren. Im Aufträge des Ausschusses der indischen Turnerschait sandte darauf Dr. Tuch der ״Kölnischen Zeitung" ein Schreiben, Hi deni er unter anderem folgendes sagte: ״Die iüdischc Turnbewegung führt geschichtlich ihren Ursprung auf den Zionismus zurück, mit dem sie die national-jüdische Grundlage gemein hat, während sie sich wesentlich dadurch von ihm unterscheidet, dass sic iegiiehen politischen Charakters entbchrt, da sic sich ieder Einwirkung auf öffentichc Angelegenheiten enthält . . . Eine Vergleichung und Identifizierung unsercr Bestrebungen mit den dänisch- und polnisch-nationalen zeugt von einem völligen Missverstehen unserer Tendenzen. Gegen iene Bewegungen wendet man sich vom deutschen Standpimkt aus doch überhaupt mir deshalb, weil man aunimmt, dass ein Kampi gegen das Deutschtum zu gunsten einer dänischen bezw. polnischen Kultur geführt werde, und weil man befürchtet, hierdurch könnten die auf eventuelle Losreissung der seinerzeit dem deutschen Reiche ein verleibten Gebietsteile gerichteten Absichten Förderung erfahren. Wcl- < eiten Gebietsteil des deutschen Reiches sollten wohl die Na- : tionaljudeu annektieren wollen? Oder hat man schon je etwas j von einem Atigriii des Nationaljudcntums au! deutsche ^(ultur vernommen? Weit zutreiiender wäre ein Vergleich nnt den amerikanischen Deutschen, deren unerschütterliche Liebfe^ zum; deutschen Stamme und zu deutscher Kultur sic zu Orgäpisationci zHsanimcugescIiIossen hat, die auch von offizieller deut«; scher Seite volle Würdigung und eifrige Unterstützung gefumkn haben. Und doch hat sie nie diese Betätigung daran gehindert, mit voller Kraft an der Kulturarbeit des grossen amerikanischen Volkes mitzuarbeitcu, der sic in eine»! Konflikt mit ihren staatsbürgerlichen Pflichten gestürzt. So und nicht anders wollen auch wir verstanden werden.“ Diese Ausführungen gaben daun der ״Kölnischen Zeitung" Anlass, noch einmal in einem Artikel ״Ein letztes Wort über indische Abschliessimgsbcstrebungcn" aut die Frage zurückzukommen. Ihre Angriffe gegen das Nationaljudentum sind hier etwas weniger schroff als zuvor gehalten. Zu ihrer Kenn- Zeichnung aber können wir nicht umhin, folgenden Satz, ihres Artikels herauszuheben: ״Zunächst sei noch einmal der Leitgedanke betont, dass unsere Behandlung der gesamten Frage von dem Motive beherrscht würde: Qleichbcrechtigtfttg aller. Glieder des politischen Körpers, den man Volk nennt, der nur gleichberechtigte Staatsbürger, nicht über- und untergeordnete Rassenglicdcrung kennt." Das ״Weltblatt vom Rhein" kennt also nur Uebcr- und Unterordnung, keine Gleichordnung zusammenwohnender Rassel!, und will die Gleichberechtigung der minder zahlreichen Rasse nur dann zugestchcn, wenn sie bereit ist, mit der mächtigeren zu verschmelzen und aufzuhören. Unserem jüdischen Enipiinden ist dieser christlichindogermanische Standpunkt nicht ganz verständlich. Unseren Wahlspruch werden auch in unserem alten Heimatlande wieder die Worte des Leviticus bildet! ״Der Fremde in deinem Lande soll gleiches Recht mit dir haben. Denn auch dtj bist ein Fremdling in Aegypten gewesen“, und die noch kürzeren und schöneren des Deuteronomium ,.Der Fremde in deinem Lande soll gleiches Recht mit dir haben. Ich bin der Ewige, dein Gott.“ Jüdische Turnerschaft von 1902 In Hamburg. Die Eröifnung der ncubegriindeten Damen-Abüiiung fand unter giinstigu.1 Auspizien stau. Präzise 8 Uhr abends betraten die zahlreich erschienenen Damen in ihrer kleidsamen Turncrtraeht den grossen Turnsaal der Volksschule Holstcnwall 14. Hier, ergriff alsdann der Vorsitzende der Turnerschaft das Wort zu einer Ansprache. Im Namen des Turnrats rief derselbe zunächst der! Damen einen Willkormncngruss entgegen. Ferner gab dersciiic der Genugtuung Ausdruck, die die Turnerschaf• .erfülle, ihren langgehegten Wunsch, die Errichtung einer Damen-Abtcilung endlich erreicht zu sehen. Weiter wies er kurz auf die, wohltätigen Folgt:! des Turnens hin, das den Körper stärke und kräftige und das Gen:.:! erfrisch:. De! Redner schloss mit dem Wunsche, dass auch hier stets ein echte: und rechter Turnergeist herrschen möge. Nunmehr begänne!־ die Frei- und Geräteübungen der aus mehr als 60 Damen 1י.י• stehenden Abteilung unter der Leitung der Turnlehrer!!! Fr! Cäcilic Aaron. Der Eifer und die gute Ausführung der Uebungwi bewiesen, mit welcher Lust und Liebe die Damen sich dem. Turnen Hingabe;! und berechtigen zu der Hoifmnig, dass die Damcn-Abteihmg einer guten Entwickelung entgegengeht. An die Aufrichtigkeit der Getauften Juden Im Glauben glaubt Jer christliche Staat, der trotz Dr. P a a 1 z 0 w Getaufte Juden befördert und ungeiaufte zurücksetzt. Das ״Korrespondenzbiatt des ev.-soz. Press-Verb. für di: Provinz Sachsen" schreibt: gruppiert sich doch alles wahre indische Leben um das ב י ת ספר. War doch hier der Ausgangspunkt, von wo die neue hebräische Umgangssprache sich Eingang in die Kreise von Juden aus den verschiedensten Länden! verschaffte, die hier zuerst sich des Idioms ihrer Väter zur Verständigung unter einander bedienten. Seitdem diese Schule dank der opferwilligen Bereit- Schaft der Choveve-Zmn und besonders des Herrn Wisotzky ins Leben getreten ist, hat sie Grosses gewirkt. Freilich gestatteten die geringen Mittel trotz einer jährliehen Subvention seitens der Alliance nicht, dass inan | bisher mehr als 6 Klassen eingerichtet hat, die im allj gemeinen etwa, natürlich gemäss den örtlichen Verhältuissen, einer Vorschule nebst der Sexta und Quinta׳ eines Gymnasiums entsprechen. Die Schule ist daher ein unendlicher Segen für die Stadt und ihre indische Umgegend, und das ist umso höher zu veranschlagen, als es kaum einen Ort gibt, wo sich grössere Schwierigkeiten jeder Art häufen.*) (Fortsetzung folgt) *) Dieser Artikel wurde 1895 geschrieben . Seitdem baben sie’״ die Sehulvtrhültnisse, besonders das ..Bcth-Sefer" bet*־, völlig verändert. Hier ist ein alter Zustand dargestellt. Litteraturbericht. Curt Müller: Moloch Ehre — ein freies W ort gegen das D11 c 11 ti n wc s c!1. 3. A1111. (64 S.) 8\ Mk. I. - D:e Pucllgcgner werden an dem Werkclien ihre helle Freude haben. Ernst und sachlich und doch mit der lebendigen Sprache des Fcuilletonisten weist Verfasser den Verteidigen! dieses mittelalterlichen Popanz namentlich au den noch in aller Erinnerung stellenden'Ducllaffären v. Blaskowitz. Held und v. Bennigsen, sowie an ähnlichen traurigen Vorkommnissen vom Standpunkte des Menschen und Juristen die ganze Unsinnigkcit und Uicherlichkeit des Duellwesens auf Schritt und Tritt nach. F.s gibt für das Duell absolut keinen vernünftigen Grund — das ist das Ergebnis der Untersuchungen d״* ve־־f?.s:ers. Von unserem Jüdischen Standpunkte verwerfen wir das Duell als einen Ausfluss der krassesten Assimilation um so mehr.־ Das Duell und die Mensur sind absolut uiijüdisch. Das Heftciwn. mit einer ansprechenden Umschlagzeicliming verseilen, ist zun! Preise von 1 Mk. durch jede Buchhandlung zu beziehen. Es ist zur Lektüre angelegentlichst zu empfehlen. Brand 21s* Illustr. jiid. Volkskalender für das Jahr der Welt 5664 (1903—1904. Mit zwei Porträts, einer Abb. und einem Paks. Hrsg. u. red. von Jakob B. Braudeis. Jg. II. Breslau: Jakob B. Brandeis 1903. (173 S.) 12°. 0.50 Mk. Per Kalender, der alle notwendigen Tabellen in klarer und übersichtlicher Form gibt, kam! •:*yunohlen werden. Auel! der literarische Teil, der keine״ Anspruch darauf erhebt, künstlerisch beurteilt zu werden, ist in dem selbstgesteckten Rahme!• nicht schlecht. Auf einen Brief von Otthojeiigi wird besonders aufmerksam gemacht.

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