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Jüdische Rundschau · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 39. JlldLlBclie Rundschau Scjte 421. «r hat viele unserer Brüder und Schwestern getötet; und wird viele andere noch töten aus unserer Mitte in dto künftigen Tagen. Und seine Rede ist voll Hohn und Hass. Darum sollst du dich nicht demütigen vor seinem Angesicht. Also sprachen die Jünglinge. Aber Moses schüttelte schweigend sein Haupt und ging zum Pharao. Den« also hatte Oott ihm befohlen. * ■ * * Es geschah aber am vierzehnten Tage des Monats Nissan dcssclbigcn Jahres» da führte Moses das Volk aus Mijrajim und dem Hause der Knechtschaft hinaus in die Freiheit. E. Simonson. 3G- Aus der Bewegung. 3 Cwmnmw סס Berlin. Die ״Berliner Zionistische Vereinigung“ veranstaltet am Montag, dem 28. September, abends SK Uhr, im grossen Saale des Deutschen Hauses, Luckauerstrasse 15, eine grosse Volksversammlung, in der Dr. Heinrich Loewe seinen Kongressbericht über die ״Bilanz des Zionismus“ geben wird. Berlin. Der Vorstand der Berliner Zionistischen Verein;- guiig hat, entsprechend dem Kongressbesehluss, nach welchem jeder Zionistische Verein jährlich 3 Rubel Beitrag ff!.־ die Nationalbibtiothck in Jerusalem zu leisten hat, die festgesetzte Summe an Dr. Chasanowitsch in Bialystock abgefiihrt. Am 28. September wird in den Arnnnsälcn, Ko!!; in nnda!;־ tenstrasse 20, eine grosse Volksversammlung statünukn. (Näheres Einladungen und Anschlags;; iuien) Am 19. Oktober wird in einer S c h c k e 1 / a h 1 c r v c r s a tu m ♦ lung Cig. Eiias Auerbach über ״Das Ostafrikaprojeki“ spreche«; für die Zeit von Ende Oktober bis Amarg Dezember sind 6 Distriktsversamnihmgcn Im א" N.O., S., W.. N.W. und O. geplant. Als Referenten sind vorläufig die Herrci Auerhach. Dr. Hantkc, Dr. Jungmann, Dr. Klee und I^osenbcrg ge- Wonnen. Posen. Endlich ist auch hier der Bann gebrochen, in die Mauer des Indiiierciitismus eine breite Bresche gelegt. Nachdem durch die Initiative von Dr. Jeremias anlüsslich des VI.! I Kongresses zum ersten Mal eine zusammenfassende Dar- Stellung der zionistischen Bewegung and fortlaufende Kongress* berichte in der Lokalpresse erschienen waren, nachdem durch die anschliessende, erregte Presspolcmik Leben in die trägen Massen unserer Gemeinde* gedrungen war. schien die Zc'.t gekommen, auch hier jn öffentlicher Versammlung die Indifiereuten aufzurütteln und den Gegnern Rede zu stehen. Unser unermüdlicher Dr. Klee uiftcrzog sich gern der Mühe, in der ersten öffentlichen Versammlung Poscns zu referieren. Die auf den 18. d. Mts. einberufene Versammlung erfreute sich eines zahlreichen Besuches. Nachdem ca. 600 Personen den grossen Stern’schen Saal bis in alle Ecken und Winkel gefüllt hatten, musste schon um *T»9 L'hr der weitere Zutritt polizeilich untersagt werden, und Hunderte, die so gerti sich über den Zionismus belehrt hätte‘1, mussten umkehren. Aus allen Ständen und gesellschaftlichen Kreisen hatten sie sich zahlreich eingefunden, besonders die Intelligenz war gut vertreten. Auch viele Niciitjuden waren erschienen. Um 9 Uhr cröffnete Dr. Jeremias die Versammlung, ln wenige!1 Worten wies er darauf hin, dass durch die Ereignisse des VI. Kongresses der Zionismus und mit ihm das jüdische Volk in die Reihe der politischen Faktoren getreten sei. Nunmehr sei es Pflicht jedes Juden, wenn er bisher acksclzuckcnd abseits gestanden habe, sich über die zionistische Bewegung gründlich informiere/1 zu lassen und dazu Stellung zu ndnnea. D.m Referenten werde es nicht schwer fallen, auch hier der Bewegung neue Anhänger zu gv\\ innen. Alsdann ergriff Dr. Klee das Wort za einer entstund igc־:t Rede, in der er etwa folgendes atisführtc: Der Zionismus erstrebe ideell die Verkr.ün:ung der jungen Generation, die bislang der Anpassung, der Ve״ieug!nmg alles spe/'f'sch Jüdisches! gehuldigt haben, mit den Alten, in denen der Stolz eines alten Adelsvolkes lebendig gewesen sei; er wolle den nationalen Gedanken, besonders auch b.i den westeuropäischen Jude! wieder beleb•;׳:!. Auf dieser Basis soll das grosse. materielle Hilfswerk erwachsen, das der überwiegenden Mehrheit des •üdNeben Volkes eine neue Heimat schaffen whi. Diese grossangelegte Hilfsaktion solle keine philantropisclie sein, sondern eine dauernde und eiulgiitlgc Lösung des jüdischen Problems bringen. Dazu bedarf es der Arbeit eines ganzen Volkes, und das Ziel könne v.vi dem Wege des modernen Völkersirebens, auf poiirschem. erreicht werden. Dem uralten Sehnen des jüdischen Volkes nach Paläsima habe die zionistische Bewegung e?!e politisch mo:I.;r!,c 1'onu gegeben. Redner gibt alsdnnn einen kurzen gcsci.ichtlicheii Abriss der Bewegung und geht zur Darlegung des Basler Programms über. Das wesentliche daran fei: für rille Juden, die sich in ihren jetzigen Wohnsitzen nicht v.ohl mlven. matericü oder moralisch Not litten, eine neue Heimat zu sclianen. Diese könne.nur dort sein, wo die uralte Heimat liege, in Palästina, das sei für iiienumden fraglich, der mit clei! tür jede grosse Bewegung unentbehrlichen Imponderabilien rechne. Auf den Hauptpunkt seines Referates: ״Warum sind noch nicht alle deutschen Juden Zionisten?‘* eingehend wandte sich Herr Dr. Kiee darauf gegen die verschiedenen Kategorien der Gegner des Zionismus. Erstens die religiösen, die unverwandt den! die ein Frosch nach Ausschaltung seiner Hirntätigkeit auszuführen vermag, wird sein Staunen über diese komplizierte Rcflextätigkeit eines menschlichen Muskel- Systems meistern können. Wir kennen diese Halb- und Viertel-Juden, mit dem ״Berliner Tageblatt“ in der Tasche und dem Liberalismus im Herzen, die den Geist der Assimilation mit Wonne aus ihrer freisinnigen Presse saugen und aus dem Rascheln ihres liberalen Blattes alltäglich die geliebte Stimme ihres getauften Chcfredakteurs flüstern hören: ״Und gehts auch schwer —* und spricht’s auch aller anthropologischen Möglichkeit Hohn — wir werden uns assimilieren ־— so wahr ich ein protestantischer Christ bin.“ War es die Berliner Art, wie die ,.Jargonredner“ des Kongresses gestikulierten? Wer die kleine, gedrungene Gestalt des Misrachifiihrers, des Rabbiners Reines aus Lida, auf der Rednertribüne gesehen hat. vergisst diesen Anblick nicht mehr. Nicht wie der Berlincr Kommerzienrat, sondern wie unsere lebhaften Parlamentarier, aber in den höchsten Graden potenziert. Nicht jene unschönen, finger-verrenkenden, wiegenden und schaukelnden und spiraligen Bewegungen, sondern kurze, blitzartige, schnellende, fast epileptoide Zuckungen sämtlicher Muskeln — selbst der Gcsiehtsmuskcln. Leben von höchster Spannkraft im gesamten Nerven- System. Die Zuhörer, die kein Wort seines Jüdisch- Deutsch und. seines Hebräisch verstanden, hingen an seinen Lippen. Dass die mahnenden Worte des Vorsitzenden, des eleganten Max Nordau, die Redefrist von 5 Minuten sei abgelaufen, dass eine zweite und dritte Mahnung ganz wirkungslos an diesem temperamentvollen Redner abglitt, ist selbstverständlich. Er spricht über das Ostafrika-Proiekt, er spricht mit allen Gliedern, alle Glieder sprechen mit ihm, alles an ihm spricht. Ein stossweiscs Zucken, das durch die Erregung fast in. ein Vibrieren übergeht, das nun zusammen mit der vibrierenden Stimme und dem scharfen Auge, das aus dem bärtigen Antlitz des kleinen Mannes blitzt, faszinierend wirken » muss. Kann dieses lebhafteste Gestikulieren, das ich je gesehen, kann das einen ästhetischen Feinschmecker beleidigen? , : Bei allen Rednern im Jüdisch-Deutschen war dieses Gestikulieren als eine Nuance auf die Gesamt-Persönlichkcit des Redners abgestimmt, — und was sich von Einzelheiten in den Rahmen eines grossen einheitlichen Bildes harmonisch einfügen lässt, ist schön; was aber halb ist uud zerrissen, und widerspruchsvoll und ein Zwitterding, ist hässlich.

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