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Jüdische Rundschau · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 39. Jüdische Rundschau Seite 419. nen, in die einzelnen Kolonien vorsichtig einige handwerksmassige Elemente cinzuführcn, die dort vai ihrer Tätigkeit für die Kolonisten genögend leben können; man wird ihnen Haus und Werkstatt bauen und ein Stück Tilgung des Baukapitais und den Selbstkostenpreis des Bodens an die Zentralfecnossenschaft leisten, der Zutritt zu sämtlichen Untergenossanschaften wird ihnen völlig offenstehen. Diese auf billigem Grund und Boden Angcsiedelten, auf einen kaufkräftigen Markt angewiesenen, mit einem genügenden Kapital ausgestatteten Ansiedler werden selbstverständlich selbständige Elemente sein und werden das Gedeihen der Kolonie, der sie angchören, auf vielfache Weise fördern. Sie bilden einen Kahemarkt für viele Produkte der Landwirtschaft, der Dünger ihrer Haushai־ tungen und ihrer Stallungen kommt dem Lande der Kolonie zu gute; sie stellen in der Erntezeit eine Schar billiger, weil nur kurze Zeit zu bezahlender Hilfskräfte, und sie gestatte: vor allem, und das ist das Wichtigste, nach den! bekannten Gesetz Johann’s v. Th im cm, wonach die Intensivitüt mit der Dichtigkeit des Marktes wächst, eine fortwährend steigende Intensivitüt der Wirtschaft oder mit anderen Worten: sie ge* statten das Land immer dichter mit landwirtschaftlichen A‘1- Siedlern zu besetzen, ein Ergebnis, das; wie wir wissen, für die Zwecke unserer Kolonien von geradezu einschneidender Bedeutung ist: denn wir haben sehr viele Menschen unterzubringen. Mittlerweile sind die neuen Kolonien der 2. Stufe ganz wie die ersten eingerichtet und in Betrieb gesetzt. Mögen sie mit etwas geringerem Boden angesiedelt sein; sie profiticren von den Erfahrungen der Kolonisten 1. Stufe, sie profitieren von der schon erfolgten Ausbildung der Grosshandelsgcnosseuschait, der Absatzwege u. s. w. und sie profitieren schliesslich von dem Impanderabüe der Eriolgszuversiclu und des bereits entfalteten genossenschaftlichen Geiste». Man wird, um diese Stimmung zu starke•*.!. d:c besten Elemente der Ansiedelungen 1. Stufe durch das Anerbieten von entsprechend höheren Tantiemen am Reingewinn zu bestimmen versuchen, in die neue Kolonie überzulrcten, sozusagen als Unterofiiziere der Rekruten und wird so In jede Kolonie einen S*:!n!r genosscnscliaitiich vorzüglich geschulter Vorarbeiter hinein- Setzei» können. Die so entstandenen Lücken wird mail unter vorsichtiger Auswahl hier und da schon füllen könnei durch ' die Einberufung von gewerblichen Ansiedlern, deren bisherige ' Beschäftigung eine gewisse Gewähr dafür bietet, dass sie den ‘ Strapazen der Landarbeit gewachsen sein werden, / B. Last- : träger oder Bergarbeiter, aber auch ausgesuchte andere jün-; gere Familienväter von rüstiger Kraft. Diese atc werden, : in Reih und Glied gestellt mit geübten Landarbeitern, in vielen; Fälle*» die Ausdauer und technische Gcwandhcit zurückge vin- ■ nen, die ihnen nötig ist. Auch »11 diesen Kolonie״ werden ’ städtische Elemente in grösserer Zahl als Handwerker u. s. \v. 1 Unterkommen finden können. | Das, meine Freunde, sind die Stricke, die die zionistische . Kolonisation spannen soll, um daran ihr Netz zu wirken. Bis | zu dem Augenblick werden die heute verfügbaren Mittel ,.erimitlich aufgebraucht sein: dann aber wird cs nicht m׳;::.* nötig : sei», zur Wciteriiihriing des grossen Werkes an das Jüdische 1 Herz und den jüdischen Geldbeutel zu appellieren, sondern ns j wird sich dann auch für den Voreingenommensten lierausgc- | stellt haben, dass liier Organismen von erstaunlicher Lebens- | kratt geschahen sind, Gemeinden von einer Steuerkraft wie sic bisher keine Gemeinde besessen hat, da der Grund und Bode!; ihr Figo':» tim» ist, und alle Bürger bis zum letzten Pfennig ihres Privatvernibgens für sic eintreten müssen. soll ihre Existenzgnu.diag.• nicht in Stücke gehen. Und diese Gemeinj den sind gleichzeitig Wirtscbaftsorganismen von höchster! Kraft, deren Feder gebildet wird durch das ungehemmte wirtschaftliciie Selbstinteresse, das ohne Zukunftssorge des für sich und die Seinen schaffenden Mannes, unbeslcuert durch j Grundrente. Kapitalzins und Zwischenhandel-Gewinn -— diese j halb gemeindlichen, halb Wirtschaft.ichcn Organisationen bic- ‘ ten eine Kreditbasis von unvergleichlich höherer Tragkraft als! selbst die reichsten Gemeinden Westeuropas, ul.d so wird ihnen mich der befruchtende Goldstrom des Kredits immer in so reichem Masse zuflicssen. als sie seiner bedürfen. Dann ist die Zeit gehet׳.men, um mit diesen ungeheuren Mitteln die wirtschaftliche Erschliessung des Landes voll dtirclizuiöhren, das heisst, die Maschen des Netzes zt! schlingen. Dann wird V 4 V 5 ׳? V..J3 w -rg-3.: *5ןי X3 V. J ״x-r;saaaaDsr;:".; £1ז3-*:צ X. \ : | (. f ׳ ' /f | Gestikulierende Juden. Von Dr. Sandler- Breslau. Es war eine der glänzendsten Wendungen, mit denen uns Zangwill in seiner diesjährigen Kongressrede erfreute: ״Gerade so wie Schmutz nichts ist als ein Stoff an Unrechter Steile, gerade so werden gewisse jüdische Laster in einem jüdischen Milieu zu jüdischen lugenden.“ Z11 den Gewohnheiten des jüdischen Stammes, die bei der täglichen Beobachtung in sehr augenfälliger Weise hervortreten, umso stärker hcrvortretcu, als das westeuropäische Kuluirmilieu nach seiner ästhetischen Anschaumig ein durchaus entgegengesetztes Verhalten als erstrebenswert hinstellt, gehört das leblinite Gestikulieren der Juden. ״Stoff an Unrechter Stelle.“ In einem jiidischcn Kulturmilieu würde sich diese Gewohnheit als die ästhetische Norm darstellcn, und sein Gegenteil, das Ideal der westeuropäischen körperlichen Erziehung, die gemessene Bewegung und vornehme Ruhe, als von dieser Norm abweichend ästhetisch minderwertig crscheinen als steifleinenes hochmütiges Wesen, als der Ausdruck mangelnder geistiger Regsamkeit. Dem Westeuropäer muss dieses Gestikulieren nicht j nur als im Gegensatz zu der von ihm anerkannten ästhetisclien Norm stellend unsympathisch berühren, sondem hauptsächlich deshalb, weil er mit dem Begriff des lebhaften Gestikulicrens die Vorstellung des unzivilisierten östlichen Juden verbindet. Das ist ja auch zweitellos der Grund, warum ihm das Jüdischdeutsche als minderwertiges Idiom erscheint. Trcitschke ist es eine «absclienlich verhunzte Sprache“; ״und die hochherzige Rede eines für Turnplatz und Vaterland begeisterten Tertianers, sagt Heinrich Heine, hätte nicht so zerreissend meine Ohren martern können, als der polnische Judenfargon.“ Das Niederländische aber gilt als eine Kulturspräche, der man die Achtung nicht versagt, und die keines Menschen Ohr zerreisst. Diese verschiedene Beurteiluug rechtfertigt sich nicht vom philosophischen Standpunkt aus, und noch weniger vom ästhetischen, wenn man den lautlichen Vollklang beider Idiome vergleicht. Mit dem Niederländischen ist eben die Vor- Steilung eines der sympathischen Kulturvölker verknüpft, mit dem ״Juden-Jargon“ die einer Masse armer, zertretener Geschöpfe ohne Selbst würde und ohne Vaterland. Das ist es. Mit dem Träger dieser Sprache wird auch die

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