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Jüdische Rundschau · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 39. Seite 417. .T'iidiiwflie HiifidHcliati. * die seine Art im . Laufe vea Jahr-Millionen überwand; so hat , auch ein Volksindividuum anzufangen, wie alle Völker der Weltgeschichte begonnen haben: mit bäuerlichen Siedelungen. Wollten wir cs wagen, das Haus vom Dach an zu bauen, es würde uns Zusammenstürzen, und stellten wir es auch am goldene Strebepfeiler. Wir können unmöglich eine riesenhafte Bevölkerung von Handwerkern, Krämern und Hausierern von einem Orte der Erdoberfläche zum andern verschicken, um sie als Handwerker, Krämer und Hausierer weiter leben zu lassen. Wir müssten sic als Hausindustriclle und Heimarbeiter im Dienste von Grosskapitalisten für die Weltmarkt-Industrie arbeiten lassen, und alle Schrecken des Ostendes von London mit seinen Schwitzhöllen, und alle schmutzige Not der galizlscheu Landstädtchen und der russischen Riesendörfer voll Schmutz und Rohheit, die sich Städte schimpfen, würden wir mitbringen in das Land des Herrn. Unsere Aufgal)•: ist es in! Gegenteil, in dem Lande unserer Wahl mit möglichster Schnelle einen möglichst ausgedehnten Markt von möglichst grosser Kaufkraft für Handwerksproduktc hcrzustellen, d. h. wir haben so viel wie mögiieh Bauern anzusiedeln und zu möglichst hohen! Wohlstand zu führen. Dann schaffen wir gleichzeitig in jedem Dorfe Raum und behagliche Existenz für grosse .Ver,- gen voi Handwerkern, die von dem Uebersclmss unsere:־ Bauern leben, während sie ihnen mit ihrer Handfertigkeit die* . nen; dann schaffen wir gleichzeitig zahlreiche Städte, in denen j auch wieder städtische Elemente Matz und Lcbcnsluft finde•!: ׳ dern das ist das tiefste Geheimnis, das meine wirtschaftswissenschaftlichen Studien erkannt haben: dass Bauern schuf* feil muss, wer Städte schaffen will. Der dritte Huiiptgesichts• Punkt unserer Kolonisation ist der, dass das Land durchaus und für alle Zeit im Eigentum der Gesamtheit stehet! und bbiben ] muss. ״Mein ist das Land“, spricht der Herr, ״und mir sollt ihr cs verwalten'•. Wir müssen im modernen Gewände die uralten Agrargesetze Israels wieder hcrsteilcn, die du־׳. Land für ewige Zeit dem Geschlecht oder der Dorfgcnosscnseha t zuweisen, die cs ihrerseits auch nur als Lehen des Gesamt* Volkes bcsassen. Die antike Welt kannte kein anderes Mittel Jene Gleichheit des Grundbesitzes zu erhalten, die sie mit voller Klarheit als die einzig mögliche Grundlage eines gesunden Volkstums erkannte, als die Zurückgabe jedes ver* kauften oder verpfändeten Bodcnstiickcs an die Erben nach einer bestimmten Zeit: das Halljahr oder Jobcljahr. Daran, dass sich die Rückgabe nicht durchführen Hess, weil die Macht der Grossgrundbesitzer stark genug wurde, um die Durch* fiihruug des Gesetzes zu verhindern, daran allein ist Israel z!1 Grunde gegangen wie Sparta und Rom; das ist die letzte Ur* sachc aller der Leiden Ahasvers. Dieses Unheil haben wir zu verhüte'.!, und eine zweitausendjährige Geschichte hat uns das Mittel dazu, ein besseres Mittel als das Jobeljähr an die Hand gegeben. Die einzelnen Kolonien besitzen ihr Land zur ge* samten Hand unter dem Obcrcigcntum des Volksganzcn; und jeder einzelne Kolonist ist nur Erbpächter seiner Genosse!:־ Schaft gegen einen festen Canon, der nicht gesteigert werden . darf; der ist unkündbar, so lange er seinen staatlichen Ver- Pachtungen gegen seine Gemeinde nachkommt. Diese Form des Besitzes, unvollkommen verwirklicht in ( allen alten Volksrechten, gewährt alle Vorteile des eigenen; Bodeneigentums und ist frei von seinen schweren Fehlern. j Sie gibt die volle Sicherheit des Besitzes, sie gibt das volle Heimatsgefühl und jene unlösbare Verwurzelung mit Bodefi und Acker, die den Bauer sein Feld pflegen und lieben lässt mit allen Kräften; aber sie schliesst aus die Verschuldung des Bodens, die in allen Ländern des römischen Rechts dem Bauern die Früchte seines Fleisses nimmt, um sie der Grundrente in den Schoss zu werfen, sic schliesst ferner aus die Zcrsplitterimg des Feldlandes hier und dei Anhäufung dort, die die Dorfgemeinde feindlich spaltet In eine Aristokratie und in ein Proletariat und damit jene Interessengemeinschaft vernichtet. dki allein nach den? Zeugnis der WeltgtWhiehie unverwundbar machen kann. Sie schliesst ferner aus jene Proietirisicrung des armen Landvolkes, das massenhaft in die Städte drängt, sb zu moralisch und physisch ungcs’inden Riesenmassen auf* bläst und mit seinem Hungcrangehot für Lohnarbeit alle Gräuel des Kapitalismus in die Welt ruft. Der genossenschaftliche Besitz des Grund und Bodens gewährleistet für alle Zeit Freiheit und Brüderlichkeit des Bauernstandes, der von Epoche zu Epoche in höherem Wohlstand sieh grösster Bildung und Gesittung erfreut. Sie gewährleistet ferner für alle Zeit ein gesundes Gleichgewicht zwischen städtischer und bäuerlicher Bevölkerung, gleichmässlUc Entwickelung aller Stänclq die Abwesenheit riesiger Metropolen und eine vernünftige, sitt* lieh und politisch gleich heilsame wirtschaftliche Gleichheit auch der städtischen Berufe und dadurch auch hier Freilich und brüderliches Zusammenhalten. Ein anderes System kann nach meiner Ueberzcugung der Zionismus gar nicht wählen. Wollten wir das von uni erworbene Gebiet an reiche Kapi* talisten austun, so wäre cs erstens viel zu eng für die Massen, die der Erlösung harren; dem das Gross-Grundeigentum ver* ödet die Welt; es hat nicht den hundertsten Teil der Fassungskraft für Menschen wie die kl.iubäucrh'chc Kolonisation mit ihrer reichen städtischen Entwickelung, und wir würden zweitens nichts anderes tun. als Stndtproietarier ::!! noch jämmer* liebere Ackcrbauproletar'.cr verwandeln, und wollten wir das Land i: Baucrnstellen zu freien! römischen Recht austun. 5' würden wir nicht nur alles Elend mit importieren, dass das Eigentunisrecht dieses Rauhstaates über die Knlttirwelt ge* bracht hat. wir würden nicht nur auch hier die Fassungskraft des Gebietes für Menschen ungeheuer verringern. sondern wir würden vor allem das Wichtigste verschleudern, d:? gewaltige Krcditbas's, die eine genossenschaftliche Kolonisation schafft, denn unter ihr wächst «ler ודי Ouadrat der Bevölkcnmgsdich* tigkeit steigende Bodenwert der Gesamtheit zu und kann von ihr nutzbar gemacht werdet!, um d;c gigantischen Kapitalmengen zu werben, die für die Vollendung des Werkes un* entbehrlich sind, Kapitalmengen, die der westeuropäische Jude uns nie gesclienkwclsc zur Verfügung stellen wird. Geben wir aber das Land zu Privateigentum aus, so wachsen die gigantischen Bodenwerte, die Schöpfung der Gesamtheit, ein* zelncn Privatpersonen zu und werden natürlich nicht der Zwecken der Gesamtheit, sondern Privatzwecken nutzbar gemacht und dann kommen wir über den Anfang nimmer büntis. Unser Anfang muss demnach sein; genossenschaftliche Bauerndörfer: das wird uns vorgeschrieben durch die Oe• schichte, durch die Wirtschaftswissenschaft, und durch unsere heilige Ucbcrlicferung. Aber wie soll das gesell eben? Nun meine Freunde, wir sollen ein Netz von Bauern- Kolonien über das LaJid spannen, das wir erwerben woPcn. Wenn man ein Netz spannen will, so schlägt man er«{ an den Stellen die Haken ein, zwischen denen das Netz entstellen soll. Dann spannt man zwischen diesen Haken starke Stocke daun knüpft man zwischen den Stricken stärkere Fäden und stellt derart ein grobes Maschenwerk her, das man dann nach Bedarf durch das Dazwischcuwirken feinerer Fäden zu tmiuet feineren Maschen ausgestaltet. Genau so haben wir. hum!; ich, vorzugelien. Wir haben soweit wie der dafür verfügbare Teil unserer Mittel reicht, in allen Teilen des verfügbare« Landes grosse LatuitläeUcu ־/.u erwerben und ־/.war womöglich nur solche, deren Bodenbesehafieuheit und Wasserverluütniss•: von vornherein eine gewisse Ergiebigkeit der Ackcrkuitur gewahrieisten. Von diesen erworbenen Flächen sind die besten Teile in solcher Grösse als landwirtschaftliche Grossbetriebc auszugestalten, wie sic einem ausgezeichnete!! Fachmann über* selibar sind. Die Werbung solcher Fachleute in genügender Zahl, womöglich jüdischer, im Notfälle unbedenklich Christ* Heller, muss der erste Akt der Vorberciiung zionistischer Tätigkeit sein. Sie Haben auf dem ihnen bestimmten Gute den

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