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Jüdische Rundschau · 1903-09-18 · Heft 38 (18.9.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 38 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 38. Seite 411. tliSdischo Httndscltntl. hole!) will, da wir bisher noch keine namentliche Abstimmung gehabt haben, so dass der Gebrauch nicht allen Delegierte! vertraut ist. so will ich noch eine kurze Frist iur die Säumen• den zulassen, und bitte die Ordner, die Delegierten, die noch nicht da sind, in den Saal zu rufen und sich bereit zu hatten, hei der namentlichen Abstimmung da zu sein und werde;1» fünf Minuten den Entwurf dem Kongress vorlegen. der Jetzt noch rcd'giert wird, und verlesen. Ich bitte, im Saale Ruhe zu halten und sich für die Abstimmung vorzubcrciten. Das grosse A. C. zieht sich auf diese fön* Minuten noch zurück, uni dch Kntwurf festzustellen. Wiederaufnahme der Sitzung: *I Uhr 15 Min. Präsident N e r z I. Die namentliche Abstimmung wird in der Weise vorgenommen, dass ein Buchstabe des Alphabets gezogen wird und danach die Abstimmung l>cgi1mt. und es wird immer beim Namenaiifruf mit ja und nein geantwortet, ob man für oder gegen den Antrag ist. de! ich gleich wriesen werde. Ich bitte die Herren Schriftführer, dies zu übersetzen. (Geschieht.) Zur Kontrolle werden hier die Stimm• Zettel in diese Korbe hincingcsvorfcn. Ich lese Ihnen nun den Antrag vor. der vorn grossen A. C. den! Kongresse vor gelegt wird, wozu ich bemerke, dass das A. C.. das grosse A. C., ais ei!» Gesamtkörper über diese Sache abgestimmt hat und die einzelnen Mitglieder des grossen A. C. heim Namensaufruf nicht mehr mitstimmen werden. (Lärm.) Id! werde Ih'.tcn jetzt den Antrag vorlesen,!:rauben Sie mir nur noch einige Schluss- Worte dazu zu sprechen. Ich halte es nämlich für eine Püiclit der Führer, einer Verantwortung nicht auszuweiclteii. sondern sich deutlich dazu zu stellen, und da ich ganz genau v.eiss, dass das weitere Fortarbeite׳! mit den grössten Schwierigkeiten ver• hunden wäre, Ja vielleicht unmöglich wäre, wenn d׳e ausserordentlich 111a.ssvollc Fassung dieses Komitecantrages nicht durchdringt, so lege ich Ihnen den ganzen Frust dieser Ab- Stimmung, bevor sic beginnt, nahe. Wir schulden Dan'־• für das prossartige Anerbieten, welches v ir bekommen ha!-׳.!!: d *s können Wir blos mit Worten oder Tüchersehwcnkco nie!!! ausdrücken. Unser Dank in einer ernsten Angelegenheit hat \or allem darin zu bi nd »t. dass wir sie ernst behandeln, und zum Frnst dieser ByhanuUmg ist cs unerlässlich, eine- Fvpcditio» zur PrfuV.tg ai:>z1;se!::ckcf1. t׳nvorgrc!n!c!1. wie es I!;:.e;1 Herr Dr. Nordau in vollkommen klarer Weise auscinaitdergc• setzt hat. un\orgreiil:cl! den Prinzipien unserer Bewegung und ohne die Beschlussfassung über die Besiedlung selbst dem Koag.csse vorweg: zu nehmen, und ich mache Sic auf den Schluss dieses Antrages ausdrücklich aufmerksam, bevor ich ihn verlesen lasse. Der Beschluss über die Besiedlung Ostafrikas wird einem eigens iiierzu einzuherutcndcir Kongress Vorbehalten. Ich bitte, das. was ich sage, auf russisch zu wiederholen. (Geschieht.) Ich lese Jetzt den Antrag vor. Der Antrag des grossen A. C. lautet: ,.Zur Prüfung der Frage der Ansiediung des von der englischen Regierung so hochherzig in Aussicht gestellten Gebietes beschlicsst der Kongress, eine Kommission einzusetzen. Diese Kommission hat aus neun Mitgliedern zu bestehe:!, und es ist ihre Aufgabe, dem engeren A. C. mit lediglich beratender Stimme zur Sehe zu stehen bei Entsendung einer Expedition nach den zu erforschenden Gebieten. Fs ist wohl verstunden, dass die Kosten der Kxpediiion weder von der jüdischen Ko• hmialbank, noch von der Anglo-Palcst'ne Company, noch vom jüdischen Nationalfond entnommen werden dürfen. L'eber die Beschaffung der Mittel hat sich der Finanz-Ausschuss mit den! enger!! A. C. ins Einvernehmen zu setzen. Der Beschluss über die Besiedlung Ostafrikas wird einem eigens hierzu einberufenen Kongress Vorbehalten.״ Das ist der Antrag des grossen A. C. Ich bitte, den jetzt zu übersetzen. (Der Antrag wird von den Geschäftsführer!! in die verschiedcncn Sprachen übersetzt.) Es wird sodann zum Namensaufruf gescnrittai. Nach Schluss der Abstimmung betraut der Präsident die Herren Bondi. Awinowitzki, Dr. Weitzmamt und Dr. WortsmanifTnit der Zählung der Stimmzettel. Dr. Wortsma 11!1 - Basel fragt den Präsidenten zur Gepchäftsordnuug. warum er dem Kongress nicht zur Kenntnis gebracht hat, dass nach § 335 kein Delegierter das Recht hat. sich der Abstimmung zu enthalten. P rä s i d c!11 H e r z I bestätigt, dass es keinem in der Sitzung anwesenden Delegierten gestattet ist, sich der Ab- Stimmung zu enthalten. Aber man könne den Herren nicht verbieten hinauszugchen. Man wünsche blos die Deimlistration nicht. — D r. N o s s i g fragt den Präsidenten unter steigender Erregung des Kongresses, warum er zur Abstimmung einen andern Antrag vorgelegt habe, als denjenigen, über welchen die ganze Debatte sich eigentlich ergangen hat Man habe während der Debatte nur darüber zu sprechen gehabt, oh eine Kommission zu wählen sei oder nicht. Der Antrag aber gehe dahin, dass diese Kommission dazu berufen wäre, dem A. C. als beratende Körperschaft zur Sehe zu stehen zum Zwecke der Veranstaltung einer Expedition. Er halte für eine Kommission stimmen wollen aus Höflichkeit gegen England, aber nicht für eine Expedition. Er glaube, dass viele der Anwesenden durch diesen zweiten Antrag in Verwirrung gebracht worden seien. (Grosse Unruhe.) Präsident H e r z I. Ich habe in der Einleitung dieser Abstimmung diesen Vorwurf abgelelmt. Der Gegenstand wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Mau kann also nicht sagen, dass es ein plötzlich in den Kongress hineingeworfeuer Antrag war; ganz abgesehen davon, dass wir jetzt schon längere Zeit hiiidiirclt immer über diesen Gegenstand gesprochen haben, und dass seit meiner Eröffnungsrede ununterbrochen auf diesen!,unkt hingewicsa» worden war. Dann ist es ein! starke Zunnnui'g. wenn Sie sage», dass in der Abstimmung •150 bis 5011 Dclegieitc die sowohl, die mit Ja, als die. die mit N’ei! gestimmt habe;! ־ nicht gewusst haben, vor fi I! e r sie abgest'mmt haben. Endlich mochte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieser Antrag, den Sie doch, das nehme ich an. wohl verstanden haben, einen Antrag auf Erforschung und nicht mehr darstelit. Ja. wenn Sie glauben (»der wenn Sie gewohnt sind. Gebiete aus ihrem Zimmer zu erforschen, dann unterscheiden sich unsere Ansichten wesentlich. Ich glaube, dass man etwas anders gründlich erforscht, als wenn mau zuerst darüber schreibt. (Beifall.) Ich betrachte diesen Zwischenfall ais erledigt und teile dem Kongresse mit, dass der Antrag angenommen worden ist. (Dröhnender, minutenlanger Beifall: Bravorufe, Hüudcklatscheu. Tüchern- und Hiiteschweiike״.) Die vorläufigen Ziffern Gnd: Ja 305. N'ei.1 177. (Erneuter latiganhahendcr Beifall.) Nach einer kurzen Pa irre fährt der Präsident fort: Ich tc'Ic Ihnen mit dass ich von einigen Mitgliedern des grossen A. C. folgende Erklärung bekommen halse: Die Unterzeichneten M;tgi:eder des grossen Aktionskomitees erklären hiermit, dass sie in •der Sitzung des Aktionskomitees gegen die Entsendung der Expedition gestimmt haben: Tschlenow, Temkin, Bernstcin-Kohan, B tikowski, Ja k ob s o 11 n , Br u c k. G o I d b e r g. In diesem Moment verlassen die Genannten unter dem Beifallssturm der Minorität die Tribüne und de:! Sa־;!. Mit ihnen echt die Majorität der Minorität, zun! grossen Teile ..Mitglieder des erst c 1! Kongresses־־. Als 'die Ruhe wieder Fergvsiellt ist. besteigt Sir F’rancis Moutefiorc unter lebhaftem Applaus das Rednerp!.'{ zur Vorlesung seiner Rede über ,.Organisation und Agitation״. Aber eine immer grössere Unruhe bemächtigt sich der Zuhörer und der Präsident ordnet (6.30) eine viertelstündige Unterbiechung an. Wiederaufnahme der Sitzung 7 Uhr. Präsident Herz! wird bei bei seinem Erscheinen mit jubelnden! Beifall begriisst und erteilt das Wort Sir Francis Moutefiorc. welcher sein: Rede vor wenig besetztem Hause hält. Die Rede wird 111:t anhaltendem Beiiall und Händerklatsehen aufgenomimui. Der P rä s i d e n t gibt zur Abstimmung »noch einen Nachtrag: Dr. Heinrich 1.0 ewe bittet mitzuthlen. dass er mit andern Delegierten wider seinen Willen während der Ab• Stimmung vom Saale ausgeschlossen war, und dass c*r mit Neil» s!hnn׳c. Das Resultat über die namentliche Abstimmung ist folgendes: Abgegeben wurden 473 Stimmen. Ja 295, Nein 178. Es ist also der Antrag des A. C. angenommen. (Erneuter, langandauernder Beifall.) Ich will aber hiuzutiig;!!: obwohl diese Abstimmung nun vorüber ist. will ich zur Erläuterung, zur Klärung von vielleicht lg die Versammlung liineingebrachtcn Missverständnissen (»der Irrtürnern uernerken, dass die Aunähme dieses Antrages nichts weiter bedeutet, als dass wir den Vorschlag, der uns gemacht worden ist, mit der gebührenden Achtung und den! gebührenden Ernste studieren werden. Pas Ergebnis dieses Studiums wird dem Kongress(! vor»elei־t werden, welcher zu diesem Zwecke emberuten werden wird, und das Krgel/tis dieses Studiums wird nicht erst auf dem Kongresse mitgeteilt werden, sondern schon rechtzeitig früher den Delegierten bekannt gegeben werden, so dass sie sich auf die Diskussion vorbereiten und die Stirnmutigen ihrer Wühler keimen lernen werden. Ich will das aber nicht in dem Sinne sagen, als ob ich glaubte, dass ein Delegierter sich vor den! Prinzip der Vertretung, das auch anderswo massgebend ist, dass man nicht mit einen! bestimmten imperativen Mandat in die Versammlung komme, entfernen wird, sondern da es sich hier um wirkliche praktische Not handelt, die Stimmung auch nach dieser Richtung schon rechtzeitig erforscht werden Jtaim. Denn das ist eine sehr ernste und vcrautwoi tuugsvolle Frage, vor der wir stehen, die wir hegte nicht gelöst haben, zu deren Lösung wir uns heute erst

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