Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 38. Seite .410. Jlidisclie Rundschau. politischen Instinkt heraus bcinatic zu schön scheint. Einer solchen Höflichkeit gegenüber wollen Sic nicht einmal eine kleine Gcgenhöflichk-eit fiben? Sic wollen einen Antrag dieser Art afnvcisdt. ohne ihn auch mir einer Prüfung zu würdigen? Mein letzter Vorredner hat gesagt: ״Unser guter Herzl wird die Sache schon in die Reihe bringen.“ Schön. Beginnen wir also zunächst damit, das Porzellan in Stücke zu zerschlagen. Unser guter Herzl wird schon wieder einen ganzen Topf daraus machen! Ich sohliesse. Erwflgd.1 Sic, w׳as Sie tun. wenn Sie dem Führer, dem Sie angeblich vertrauen, das Mittel verweigern, ein ihm gewordenes günstiges Anerbieten der cngüschcn Regierung auch nur mit platter Höflichkeit zu beantworten. Erwägen Sie, welche Verantwortung Sic auf sich nehmen, wem Sie erklären: cs darf auch keile Erzichungsstättc für das Jüdische Volk geschaffen wcrdo.1. Sic haben alle den Brief gelesen, der gestern in der ״Welt“ erschienen ist. P rä s i d c n t bittet den Redner, diesen Punkt nicht zu berühren. Syrkin wird zur Ordnung gerufen. Nordau: Out. lassen wir das. Wir habe;! auch ־»;! einer andern Stelle als in Russland sicher die ernste Uebcrzeugung erweckt, dass mit der einfachen Erklärung: ..Wir lassen uns mit Euch wegen Palästina auf nichts ein.“ die Sache nicht getah ist. Die zweitägige Diskussion hat wahrschcinüch an der richtigen Stelle die Ueberzcuguug bestärkt oder geschaffen, dass nichts uns an unserin Endziel irre machen kann. Das ist erreicht. Jetzt können Sie getrost die Ko;nmission ernennen lind sagen: ״Was immer die Kommission bcschlicsst, was immer ein späterer Kongress bcschüesst. alles was wir ausserhalb Palästinas schaiicn werden, wird vo,; uns immer nur als Vorbereitung für Palästina gemeint ui:־! verstanden sein.“ (Frenetischer Beifall. Tiieherseh\v;:!ken, auch vereinzeltes Zischen. Beim Betreten der Bühne durch den Redner erneuter stürmischer Beifall.) Präsident: Ich habe es für wünschenswert gehalten, dem Kongress etwas näheres mitzutcilen, als ich bisher glaubte mittcilcn zu dürfen. Ich konnte das ab־׳r sclhstvcrstündlich nicht tun, ohne an der zuständigen Steile mir die Erlaubnis erbeten zu haben, und darum bin ich erst jetzt in der Lage, Ihnen eine Mitteilung, etwas Ergänzendes mitzutcilei. vielleicht das Wichtigste, was an Tatsächlichem bisher m dieser Debatte vorgekommen ist. Bei dieser Gelegenheit antworte ich auch auf einzelne Vorwürfe, nämüclu dass mau dem Kt hg resse früher keine Mit* teiluni: gemacht habe und dass mau infolgedessen von Ostafrika und dem Gebiete, das in Frage käme, nichts wisse. Wenn sogar Dr. Nordau auf der Tribüne erklären musste, dass er über das Gebiet nicht genügend unterrichtet ist! W.r konnten Ihnen früher keine Mitteilungen machen, weil wir noch nichts bestimmtes in Händen hatten. Wir können nicht Nachrichten geben wie ein gut unterrichtetes Blatt, das schon am Tage vorher zu melden wusste, dass jemand gestorben ist. Aus dem Datum eines Dokuments werden wir ersehen, dass es nicht möglich war, diese Mitteilungen vor dar! I-J. August anzuki'mdigcu. Der Präsident erteilt das Wort Mr. Groenbcrg. dessen Erscheinen aut der Rednerbühne mit Beifall begriisst wird. Greenberg spricht eng* lisch (siehe unten Dr. Nordau). Präsident: Sie wollen etwas bemerken über den Gang der Verhandlungen. Das können Sie zuerst tun und dann das Dokument verlesen. Herzl: Um weitern WiÜ!sehen, die laut geworden sind zu entsprechen, und um dem Kongress Gelegenheit zu gehen, von der geographischen Lage des Gebietes, welches wir bloss untersuchen wollen, bevor wir einen Kongress zur Beschlussfassung einberufeu, habe ich nach Massgabe der in dieser kurzeu Zeit zur Verfügung stehenden Mittel eine ganz flüchtige Skizze von der Hand eines Delegierten, der glücklicherweise auch Künstler ist, anfertigen lassen, die ich hier an der Wand anbringen lasse. Ich bitte nunmehr Dr. Nordau zuerst die W'orte der Mr. Greenberg zu übersetzen und daun die Uebcrset/mig des Dokumentes vorzulescn, das ich dem Kongress verlegen darf. N.ordau: Mr. L. J. Greenberg sagte: Da ich persönlich von Herrn Dr. Herzl beauftragt war, mit der britischen־ Regierung über die Ostafrika-Frage zu verhandeln, würde cs mir nicht recht scheinen, cltc Parteiniehunig vor dem Kongress über die Frage auszudrücken, aber es scheint notwendig. Ihnen zu sagen, dass, insofern die bisher stattgetundenen Verhandlungen in Betracht kouuucn, wir uns nicht im geringsten Masse gebunden haben, das Anerbieten der britischen Regierung anztinehmen, ein Anerbieten, das, wie ich zu sagen wage, lediglich ganz und gar aus dem Wunsche hervorging, die allgemeine Verfassung des Judentums gebessert zu sehen, und das hervorging aus duer weisen und weitblickenden Schätzung der Fälligkeiten des jüdischen Volkes, seiier Energie und seiner Gabe zur Selbstregicrung. Diese Schätzung unseres Volkes von Seite einer grossen und machtvollen Nation ist etwas so neues, ist der Art, in der wir gewohnlich betrachtet werden, so entgegengesetzt, dass ich sicher bin, cs wird Sie interessieren, dass dies die Gcistesverfassung der britischen Regierung uns gegenüber ist. (Bravorufe. Die Bestellung eines Ausschusses bindet uns in keiner Weise. Wir sind überhaupt nicht gebunden, so lange wir nicht gründlich alle Bedingungen und Umstände des Anerbietens, das uns gemacht worden ist. geprüft habet!. Und diese Prüfung ist nicht inogl'ch, wenn wir nicht den beantragten Ausschuss einsetzen. Ich denke, icl! sollte Ihnen ebenfalls sagen, dass dieses Anerbieten Dr. herzl zuerst von Mr. Chamhcrtain gemacht wurde. Aber so lange Dr. Herzl fühlte, dass noch die leiseste Aussicht war, mit Nutzen die Verhandlungen wegen El-Arisch lortzusetzen, erklärte er Mr. Chamhcrhin achtungsvoll, dass er rs Vorzüge, sich auf die Ostafrikafrage picht •-*inzulusseu. Aber als die Verhandlungen wegen El-Ariscit gescheitert waren, war Mr. Chamhcrlaki so freundlich, wieder durch mich Dr. Herzl mitteiton zu lassen, was er von Ostafrika dachte. Er sagte zu mir: als er in Afrika war, hätte er Gelegenheit gehabt, das von ihm erwählte Land zu sehen. u״d fügte hinzu: drs ist ein Land, das Herrn Dr. Herzl passen dürfte. Es ist bis jetzt kein genaues •Territorium bestimmt worden. Der genaue Ort muss noch bestimmt werden, nachdem Sachverständige unsererseits dort gewesen sein werden. Aber die Gegend, von der Clip.tnberlain sagte, dass er den Eindruck habe. s;e würde uns passen, wenn sonst die Umstünde ge- .־:eigt wären, liegt zwischen N a i r a u b i und I: s c a r p m e n t. Sie'wird beschrieben als ein Hochland und scheint dem siidheilsten Teile Englands ähnlich zu sein. Ich erfahre von der Regierung, dass, wenn das gewählte Gebiet uns annehmbar scheint und der High Commissionar der Schutzherrschatt die Gewährung empfiehlt, die Regierung bereit sein werde, uns ein bedeutendes Landgebiet zu überlassen, etwa 2 -30«.׳ englische Meilen lang ubd ebenso bre:t, also zwischen •b» und 90 000 englischt- Geviertmeilen. Die Gegend zwischen Nairaubi und Nai! Esearpment liegt an der Eise!!!;ahn. die von Mombassa kommt. Was die gesctzliche Lage der vorgesehlageutn Ansiedelung betrifft, so handelt es sich um die örtliche Autonom’(: unter der Oberherrsch:׳!‘! Seiner Britischen Majestät Regierung. Ich will noch eine persönliche Bemerkung beifügen: Mir ist es so darum zu tun. unser Volk in unserem eigenen Lande versammelt zu sehen, dass, wenn ich nicht all die Zeit überzeugt gewesen wäre, dass die Verhandlungen mit der britischen Regierung ein weiterer Schritt zum Ziele unserer nationalen Bestrebungen mit Palästina als Ende wäre, ich mit achtimgsvoller Ergebenheit unser» Führer gebeten hätte, mich des Auftrags, mit dem er mich beehrt hatte, zu entheben. Icl! erinnere Sie noch einer Sache. Der Weg nach Palästina ist nicht ■notwendigerweise mir ein geographischer Weg, der polUiselie Weg darf auch nicht aus dem Auge verlöre:.! werden. Nordau: Die Urkunde, die Ihnen vorgdegt wird, ist ein Brief von Mr. Hill, ständigem Untersekretär für die Ko- Imiien. an Mr. Greenberg. Dieser Brief ist bereits in No. d der ..Welt“ publiziert und wurde vom Kongress mit langandauerndem Beifall atifgeuommcn. Unter dem Eindruck des amtlichen Dokuments, das ich eben verlesen habe, hat einer unserer Kotlcgch im Kongress, der Rabbiner Fischel Pi!!es. erklärt, dass er die Englische Regierung mi’t der erforderlichen Spende in das ..Goldene' Buch“ des Nationalfunds eintragen lässt. (Bravorufe־.) Ich hoffe lind wünsche, dass das Jüdische Volk eines Tages in der Lage sein wird, seine Dankbarkeit einzelnen. Regierungen und Völkern gegenüber auch noch anders auszudrücken! (Lebhafter Beifall.) Inzwischen aber war es die rührende Bewegung des jüdischen Herzens, die sich in dieser Weise üussertc. (Beifall.) Präs. Herzl: Ich werde, bevor ich die Abstimmung vornehme, eine Panse cintretcn lassen. Ich bitte aber, nicht mit der gewohnten Unpünktlichkeit wieder zu erschienen, sondern genau in einer Stunde, das wäre um ״H Uhr. weil dann die von vielen gewünschte -■ von ungefähr 120 Delegierten ־ ־ iwrentliche Abstimmung sogleich beginnen wird, und wer nicht hier ist. nicht die Gelegenheit haben wird, sieh zu diesem Punkte auszusprechen. Schluss der Sitzung 3 Uhr. Mlttwoch-Nachmlttagsitzuiig. (Beginn 4 Uhr 10 Min.) Vorsitzender Herzl. Wir werden jetzt die na- »»entliehe Abstimmung über die Frage vornehmen, eine Kornmission filier die Ostafrika-Frage eiuzusetzch. Da ich aber nicht fiir die zu spät Kommenden die Namensaufrufe wieder-