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Jüdische Rundschau · 1903-09-18 · Heft 38 (18.9.1903) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 38 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 412, JUdisclte Htiudscliati. No. 38. v0j־zubcreiten beginnen haben. Das still wohlverstanden .sein und wenn cs vorhl verstanden ist. dann kanli ich nicht begreifen, dass ein Teil der Delegierten sich in solcher Weise aus diesem Saale entfernt hat. (Sehr richtig! Bravo! Rauschender Beifall.) Ich will jetzt in Abwesenheit der Herren, die ich bald zuriiekerwarte (Rufe: sie werden nicht kommen!), in dieser Sache weiterreddi lassen. Dr. Syrkin. Ich halte cs für‘meine Pflicht, eine faktische Erklärung zu geben: Es ist keine Obstruktion, die die, welche mit Nein gestimmt haben, hier eingerichtet haben. Es ist blos eine der Massregehu die bezwecken, verschiedenen Reibungen, die vielleicht etwas unangenehmen Charakter annehmen könnten, vorz.ubengen und sie zu vermeide! 1. Das möchte ich auch dem Präsidenten sagen. Dr. א o s s i g. Ich lege hiermit in meinem Namen und im Namen vieler meiner Gesinnungsgenossen, deren Liste später vorgelegt werden wird, Protest dagegen ein. dass über einen Antra״ abgestimmt worden ist, über den nicht debattiert worden ist. tfid ich bitte, dies ins Protokoll atifzuncliineii. (Oho! Oho!) P r äs i d c u t : Ich werde den! Wunsche des Herrn Dr. Nossig selbstverständlich entsprechen. (Es werden noch einige geschäftliche Mitteilungen gemacht.) Ich scliliesse die Sitzung. Wir werden morgen das Traktandum ״Zionismus und Wohltätigkeitsanstaltcn“ zu Ende liihreu und dann zu de! übrigen Punkten der Tagesordnung übergehen. Die Delegierten singen beim Verlassen des Kongresssaies das hebräische Lied .יא אנדה תקרת נ Y.>* Schluss der Sitzung 8 Uhr. Aus der Bewegung. Von der deutschen Landsmannschaft. Auf ein von der Versammlung deutscher Delegierter vom Zionistcn-Kongress ahgesaudtes Ergcbcnheitstclegranun, . I!» welchem diese ihrer Treue zu Kaiser und Reich Ausdruck gab. ist folgende Depesche cingelaufcn: Potsdam. Herrn Dr. Bodenheimer. Basel. Seine Majestät der Kaiser u|.1d König lassen dem VI. Zionlstcn-Kongress für den Huldigungsgruss danken. Auf Allerhöchsten Befehl Der Geheime Kabinctsrat v oii L 11 c a n u s. Berlin. Im Jüdischen T u r 11 v e r e i 11 ״B a r Koch ha“ wird am Sonnabend, dem 19. d. M., abends 9 Uhr, bei Richter (König von Portugal), Bnrgstr. 12, cand. ttied. Elias Auerbach über den sechsten Zionistenkongress sprechen. (Eiste sind herzlich willkommen. Berlin. Die ״Berliner Zionistische Vereinigung“ hielt im grossen Oberlichtsaale der Philharmonie ihre erste Vcrsammlung für die diesjährige Campagne ab. Der Saal war weit überfüllt. Die Versammlung nahm die Rede des Referenten Dr. Alfred Klee mit grossem Beifall entgegen. Dr. K 1 e e gab einen zusanimcnfassctidcn Kongressbericht, schilderte im einzclnen, welche Erfolge die Leitung der Bewegung in der verflossenen Periode nach innen und aussen erzielt habe und verweilte des längeren bei dem bekannten Anerbieten der englisclien Regierung, der jüdischen Kolonialbank •in Ostafrika ein Gebiet zur Verftigug zu stellen, auf dem eine öffentlich-rechtlieh gesicherte jüdische Grosskoloöisation stattiinden solle. Zum ersten Male halte hier eine grosse europäische Regierung das jüdische Volk als solches öffentlich anerkannt und mt seinen Vertretern 'über eine mit Hoheitsrechten ausgestattete, nationale Bewegung verhandelt. Auch die Anerkennung des Kongresses als massgebende Körperschaft des jüdischen Volkes sei ausgesr'ocbcn worden, wie aus dem Schreiben Sir Clement Hills heYvorgeht. Wie auch der Würfel fallen sollte, wen:! Tiber die Frage der Besiedelung Afrikas ein neuer Kongress entscheiden wird, vorausgesetzt, dass es überhaupt dahin kommt ~ die ausserordentliche politische Tragweite des englisclien Angebots liege nicht so sehr in dem ״was“, sondern in dem ״wie“. Aui das wunderbar« Schauspiel von Basel sei freilich bald das Satyrspiel gefolgt, die sogenannte ״Judenpresse“ Deutschlands habe wieder einmal, das ״Berliner Tageblatt“ an der Spitze, von einer Bänkcrott-Hrklürung des Zionismus gefaselt, gewisse Berliner Rabbjier missbrauchen die Kanzel gegen diese jüdischste Bewegung, die es seit Jahrhun* der teil im Judentum gäbe -- die Zionisten würden den ihnen aufgezwungeiicn Kampf aiifnclimen und durchführe)!. Der Redner schloss mit den Worten: ״Jüdisches Volk, nimm Dein Geschick selber in die Hand und werde frei“. An den Vortrag schloss sich eine sehr angeregte Diskussion an, in der besonders Dr. Heinrich Locwc in ausführlicher Rede und M. Baum den Dr. Jaffa widerlegten, der die alten Einwendungen wiederholt hatte. Der Erfolg des Abends drückte sich u. a. ib dem Gewinn von 23 neuen Mitgliedern der B. Z. V. aus. Zur gefälligen Beachtung. Des Neujahrsfestes wegen kommt die nächste Nun»־ 111er unserer Zeitung bereits am Montag, dem 21. Sept., ׳iclimittags zur Ausgabe. * ' י ' ' ’ ' ' ' 1 ■ I Rundschau. 1• : Ablösung von Neujahrsgratulationen. Alljährlich wird eine imgezfdilie Summe ansgegeben, um Ercnnde und Bekannte, Verwandte und Geschwister zum Neuen Jahr zu beglückwünschen. Diese Unsitte hat sich von aussen her in das Judentum hcrciagcst״hle;1 und sich bei uns um so heimischer gemacht, als der Familiensinn bei uns ausgeprägter als bei andern ist. Aber mau bedenke, welche Unsummen alljährlich für Gratulationen verausgabt werden, von denen nientand einen Vorteil bat. Was könnte alles mit diesem Oelde Gutes getan werden, wenn cs nicht auf Gratulationskartcn und Postwertzeichen ausgegebt*1 würde. Wir glauben daher unendlich vielen aus der Seele zu sprechen, wenn wir den Vorschlag machen, die Glückwünsche zum diesjährigen Rocli-haseh-sehaiiah-Eestc durch Gaben für den Nationalfond abzulösen. Wir werden die Spender für den Nationabond in der Eestuumnier in einer besonderen Rubrik mit der Uebcrscbrift: ״Die Unterzciclüicteii gratulieren allen Verwandten, Angehörigen, Freunden und Bekannten nur aui diesem Wege ztim Neuen Jahre und wünschen ihnen eine ׳בתיבה וההגה טובה aufzählen und über die Gaben in unserer Zeitung für den Nationaifoud quittieren. Auch werden wir auf Wunsch über den grossen Kreis unserer Abonnenten hibaus auf Wunsch die betreffenden Nummern an die uns aufgegebenen Adressen versenden. Wir wünschen im allgemeinen Jüdischen Interesse, dass von dieser Einrichtung recht aiisgiebig Gebrauch gemacht wird. Falsche Mordgerüclite haben wieder zu bösen Aussclireitungen gegen Juden geführt. Aus Lemberg wird darüber berichtet: In Zablotow verbreitete sich während des Jahrmarktes das Gerücht, dass in den! Hause eines Juden eine Frau aus Balinec, die den Kaufpreis für einen Ochsen erhalten hatte, ermordet sei. Obgleich die Ortsbehüidcn sich bemühten, die Grundlosigkeit des Gerüchtes nachzuweisen, griif eine Anzahl Bauern mehrere Juden an, von denen drei schwer und mehrere andere leicht verletzt wurden. Auch wurden in Häusern von Juden zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert.

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