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Jüdische Rundschau · 1903-09-18 · Heft 38 (18.9.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 38 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 406. Jüdische Hundscliau, No. 38, Lage gekommen sind, dass alle unsere Wünsche erfüllt sind. Gesetzt, wir haben schon Palästina, wir haben cs bereits hesiedelt, ja, glauben Sic, dass wir uns dann darauf beschränken werden und sagen, wenn wir auch zu viel Produkte haben, die einen Absatz brauchen, wenn wir auch viele Menschen haben werden, die wir abgeben müssen. — dass wir uns dann darauf beschränke.» werden und sagen: Wir müssen da in diesem kleinen Kreise verharren. Nehmen Sic die Gesichtspunkte grosser Nationen ,wie Deutschland, England, Frankreich an. Alles sucht weite, fernere Absatzgebiete. Wo man den Ucber־ schuss von Maischen und Produkten absetzen kann! — und auch wir würden dasselbe tun müssen. Aber man wird sage!: Das Ist schön und gut, wenn man sein eigenes Land bereits hat. Wenn man cs noch nicht hat, wie kommen wir dazu, schon weitere Absatzgebiete zu suchen? Das kann sich wohl erklären infolge der UntiatCirliclikcit unserer Verhältnisse im allgemeinen. Wir sind Ja leider Gottes ganz anders geartet. Alle unsere Wege sind nicht die kürzesten, kleinste»!, sondern wir müssen sehr oft herumgehen und Umwege machen, um zum Ziele zu kommen. Seit nahezu 21 >00 Jahren befindet! wir uns auf der Wanderung nach Hause, nach Zida. Wir w andern dorthin durch Amerika, Brasilien, Australien, durch die Stcppun Russlands, durch alle Himmelsstriche. Warum solle!! wir nicht auch, wenn cs sc»» müsste, durch Ostairika nach Zion wander!»??! (Tosender Boifall.) Die Frage ist auch eine taktische. Glaubt» 1 Sic nicht, dass, wenn cs uns im Momente nicht möglich wäre, uns••! letzt.•s Ziel zu erreichen, dass es besser wäre, von einen» Punkte atis. wo wir gesammelt sind, nicht die aumiisierteii. zerstreuteר׳ Teile des. Volkes von da und dort und mit einem tihgeheuerai ökonomischen und moralischen Aufwand zusammen zu fassen, als wenn wir irgendwo ein geeintes Cent! um hatten, wo wir die Leute dazu erziehen, wo wir unsere Kräfte sammeln k11:׳- 1׳e!>. wenn wir irgendwo einen kleinen Konzentrationsptiuk: hätten? (Rufe; nein!) Das sage ich Ihnen nur. ohne für Ost* afrika zu sein, ich weiss nielit ob ich dafür bin. Aber vergossen Sie nicht, was uns ein guter Zionist. Dr. KatrcueHei!-. Sohn vorgehalten hat: dass man in IJban spricht: Fs werde•• 250 Juden und 3• >0 Picrde in einem Schiiie hinübergeschickt. Also auf diese Tiefe sind wir gesunken! Fs sf.td keine 7iohistischcn Juden, aber Juden sind cs. die man mit den Pferden gleich stellt. Aber ihr Schicksal ist ärger als das der Pfade. Die Pferde werden hinüber geführt, damit man ihnen Arbeit ' gebe und sic füttere; das wird der» Juden nicht zu teil: Die gehen ins Ungewisse. Fs gibt Ticrschutzverciiie, für die armen Juden aber gibt cs keinen Schutz!! (Tosender Beifall.) Und da wollen Sic die Verantwortung auf sieh laden, dass mau d.e Juden nicht irgendwohin führt, \vci! Sie fürchten, der Jude könnte sein Zionsideal aufgeben? Glauben Sie. dass man es •aufgeben kann? (Ruf: Ja, in Ostairika!) Nein! Man hat uns nach Argentinien geführt und dort haben sieh die besten Zionisten erwiesen! (Tosender Beifall. Hündck latsche.! und nnis schmieden zu wollen. Wohl hat man anfangs das verwirrende Gefühl, dass man unsicher hin und her tappt, aber bald deckt ein Argument geschickt das andere, aus jeder verworfenen Theorie bleibt ein Stückchen Positives zurück, und nach.der glänzenden dialektischen Auseinandersetzung’auf S. 13 und ff. kommt man ins Reich der Geschichte und ihrer schärferen Kontrolle. Dass für den Zweck seiner Schrift der Verfasser sieh mit der Entwicklung der allgemeinen Gesichtspunkte bcgniigen muss, ist klar; die Belege zu geben und das 1mgeheure Material heranzufiiliren, liegt nicht im Rahmen dieser Arbeit. Es genügt, zu zeigen, dass kein Recht hesteht, den Juden das Rassenhat te, das man allen andern Rassen zugesteht, abzusprechen. Freilich, eines gibt Sandler nicht — und kann es nach dem heutigen Stande Unseres Wissens nicht geben: Irgend ein positives Rassenmerkmal, das den Streit der Meinungen beendet; denn ״physischer und psychischer Rasseneharakter" sind tu»- sichere Begriffe. Andererseits hat er cs glücklich vermieden,, in seinen Deduktionen von Einzelheiten, wie etwa der Schädelform auszugehen. Uns will grade scheineu, dass eben durch die Betonung solcher naturgemüss einseitiger Merkmale ein grosser Teil der Unklarheit in die Rassenfrage gekommen ist. . Wer Gelegenheit hat, mit ,.wissenschaftlichen Gegnern“ oder ״dogmenscheucn Skeptikern‘1 bei der zionistischen Arbeit zu tun zu haben, dem kann Sandlers Tüchcrschwcnkcn). Wenn uns der Druck ein bischen gcnc.mn»cn wird, dam» sind wir erst Zionisten. Nicht Zionisten aus Not, aus Angst, sondern aus Liebe und Treue! (Rauschender Beifall). Gestatten Sic noch einen Gesichtspunkt Ihnen vorztilcgeu. Unsere rumäCiischcn Auswanderer, welche seiner Zeit durch Wien gezogen sind, lrugcn das Magen David. Manche von den Herren Antizionisten, die berufen sind. dc»n jüdische!» Volke auf seiner Wanderung zu helfen, haben sich darüber lustig gemacht. Da hat mau geiragt: Ja. wohin ziehen Sic eigentlich, dass Sie da als zionistische Korporation auftreten? Da wurde 1ili-icn geantwortet: Herr, ich ziehe nirgends wo anders hin als nach Zion. Ich kann im Momente nicht dorthin knmnKM». Darum gehe ich über Kanada, über Ncw-York usw. nach Zion. (Grosser Beifall.) Präsident: Die Redefrist ist seit einer Minute abgclaufen. Kahn: Man sagt, dass wir unsere Arbeitskräfte zerstreuen werden. Fs stellt erstens einmal hoch nicht fest, eh wir das tun werden. Ich sage nein! Politische Arbeit haben wir nicht zu leisten, weil hier schon a priori d:.* Autonomie gewährt erscheint. Das wird als״ der politischen Bemühung um Palästina nicht Abbruch tun können. Man sagt, dass wir Träumer seien. Zeigen w ir. dass w ir auch einer 1* a. t fällig sind. D:cw Tat besteht darin, dass uns Ostairika Zion retten und erlangen helfe!1 wird. (Nicht enden wollender Beifall.) Brutzkus spiichi russisch gegui die Hinsetzme; der Kommission. Fr weis: darauf hin. dass den Gegnern des Ost* amkapkmcs da Vorwurf mehrmals gemacht worden ist. dass s;c an das Gefühl appellieren, statt dass sie von Vcrimnf: reden. Wir können nicht beweisa!, dass, von der praktischen Seite, das Ostairika-Projekt den Wohlstand der Judcu heben kann, denn es k.v.in sich hier nicht um c!!e grosse Kolonisation haudein, sondern es v,erden in! Kst.n Falle vielleicht lausend•:• emigrieren. Wir haben aber jedes Jahr -1!» OMJtn) Juden, die emigrieren. Sodann weist er darauf hin, dass man!ucli Ostafrika gehen w :ü. che man etwas Genaues von Palästi•».! weiss. Ferner findet er, dass man doch irgend du•;־ liöpichc Form iinda! muss mul wird, um der Fngbscha! Regierung, der wir ja linend.iehcn Park schuldig sind, im Sinne des Verrückt.-• zu seit reib a». Wir können uns schon auf unser!! Führer Perl verlassen: * er wird schm! eine'!! Modus iinden. ln! h;st.־n Falle gehört d e Ostafrikafrage in das G e g e u w a r t s p r o ־ g r a m in, aber nieht in das Faseler Programm und das Gegutuartsprogiamm ist noch nicht zur Debatte• gekommen. * Dr. F a r n s t e i n -Zürich: Ich glaube, der ganzen Debatte über die Finsetzting einer Kommission liegt ein Missverstand* nis zu Grunde. Ein grosser Teil derjenigen, die gegen die Koniniissfon spreche!!, sind sich vielleicht •gar nicht dessen bewusst, was inan im parlamentarischen Leben von einer Kommission denkt. Wenn mir privatim jemand einen Vorschlag macht, so kann Schritt hochwillkommen sein. Er gebe sie ihnen einfach in die Hand oder eigne sich ihren Inhalt durch häufigeres Nachlesen an. Sie ist nicht mir eine glänzende Agitationsschrift. sondern wird auch jedem reiche Anregung geben. ea. Dr. Max Nordaiis berühmte Broschüre ״Der Zionismus־* ist. trotzdem sie erst vor Jahren in einer Aufläge von 10 0t 10 Exemplaren erschienen ist. fast vergritfeil. Die Expedition der ״Jüdischen Rundschau" gibt den vorhandenen ganz geringen Res! zum Preise von 25 Pi. e.xkl. Porto pro Exemplar ab. Dr. Leo Pinskers ״Autoemanzipation“. Die erste Auflage dieser für den Zionismus grundlegenden Broschüre ist seit Jahren im Buchhandel vergriffen. Einzelne Exemplare sind mit 4 M. bezahlt worden. Die Expedition der ״Jüdischen Rundschau“ hat jetzt durch einen Zufall 'den Rest der Auflage erworben. Sie gibt das wohlerhaltene Exemplar zum Preise von 2 M. ab. hu Jüdischen Verlage. Berlin, örossbeerehstrassc 75 erschien soeben: Jüdische Künstler, herausgegeben von Martin Buhe r; Die Juden als Rasse von Dr. J. M. Judt; D i e F!ו t s t c I» u 1» g d e s .111 d c n t u m s von S. I. uh I i n s k i. Besonders das Buch ״Jüdische Künstler" eignet sich ganz bcsonders zu Oescheukszweckai. ebenso wie die früher im gleichen Verlage erschienenen ״Junge Harfen", eine jung-jiidisehe Gedichtsammlung (Dcklamatorium) und ״Jüdischer AImanacli". Von letzterem ist noch eine ganz gering»? Anzahl zu haben.

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