Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651327--00697-2657502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 38. Seite 405. JTUdisclie Rundschau. wcgung schon Ist und noch werden kann. Viele von uns. zu dem/1 ich mich zähle, verdanken ihm den festen Kern ihrer Anschauungen über die Fragen der Bodenreform, Besiedlung und Produktivgenossenschaftcn. namentlich der landwirtschaftliehen Genossenschaften. Ich betrachte cs als besondere Aus- Zeichnung, dass es mir vergönnt war, diesen Vortrag sehe•! vorher lesen zu dürfen, und ich bitte Sic, Ihre ganze Aufmerksamkeit diesen Ausführungen zuzuwenden, die jedenfalls etwas Frieden in unsere Bewegung hineingetragen werden. Dr. Oppenheimer (von lebhaftem Beifall begrüsst) hält seine auf Seite 406“ 408 veröffentlichte Rede. Die Rede Dr. Oppenheimers wird mit nicht enden ־wollendem Beifall aufgeitommcn. Präsident: Wir führen die allgemeine Erörterung über die Frage der Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der ostafrikanischen Frage zu Ende. Der erste Geiveralredner hat das Wort.' (Mr. Herbert BcntwicTi spricht englisch). Der Präsident gibt den Qcdaak e 11 der Rede deutsch wieder: Mr. Bcntwich ist der Ernennung eines Aus- Schusses entschieden abgeneigt. Er freut sieb, dass diese Frage aus dem allgemeinen Bericht des A. C. ausgeschieden wurde, so dass mit der Annahme oder Verwerfung dieses besondern Antrages ein Vertrauens- oder Miss»rauensvotum für das A.-C. und seine Führer nicht verbunden ist. Man kann also den Antrag ablehnen, «4mc dass eine derartige Entscheidung ihre Spitze gegen die Führung der Partei zu richten sclieint. (Sehr richtig!) Das Anerbieten einer Landbesiedeiung ist sicherlich sehr dankenswert. Es mag geschickt scheinen, die grundsätzliehe Annahme in die Annahme eines Vorschlages zur Wahl c'nes grosse 1 ,Ausschusses cinzukleidcu. Das sei gefährlich und Mr. IN nt wich warnt uns davor. Er ist überzeugt, dass dies eine Abweichung von: Baseler Programm bedeuten ■würde. Wir können, n.c'n: er. einen Ausschuss auch nicht zur Prüfu׳־g der Einzelheiten des Antrages eiusetzen. ohne schon du: eil diesen Entschluss den weiteren Beschlüssen - vorzugrGfen. Unser Programm muss unveränderlich bleiben (Beifall). V ein wir umn in d:r ostafrikanischen Frage entscheiden' würden, wäre dies weder ein S:.c *Tu unser religiöses,!:och für unser politisches Lea!. Wir müsse» daran fcstii; Uen, dass das einzige Land, dessen Besitz unser altes Ideal Verwirklichen wurde. Palästina ist und bleibt. (Lebhafter Beifall). Man verlangt von uns. da,-.s wir von diesem festen .!::•Isen abwcicheit sollen. Er s:eht in dein Antrag nichts anderes als eine Rückkehr des Dr. Herz! zu seiner alten judenstaatlicheil Anschauung, von der er abgewichen war. Mr. ßentwich ist auch gegen die vom ersten Vizepräsidenten erwähnte Idee eines ..Nachtasyls". Er beantragt, den Antrag au! Einsetzung eines Ausschusses abzulehnen, jedoch umsomehr der britischen Regierung für ihr freundliches Entgegenkommen den Dank des Kongresses auszusprechen. Dr. Leopold Kahn (mit Beifall begrüsst): Ich habe viel* leicht nie im Leben die Tribüne mit solcher Angst betreten wie heute und gerade dieses Moment der Angst, weiches sich in mir so gewaltig geltend macht, gibt mir mehr Mut, nämlich den Mut der Pilicht, zu Ihnen zu sprechen. Ich möchte Sie in allererster Linie bitten, dass man, wenn man zum Gegenstände der Tagesordnung spricht, nicht sofort »len Prüfstein anlegt: Zionismus oder Antizionistnus. Der/.! ich lii.xhte. dass man sich schon dieser Art der Beurteilung zugewendet hat. Alle, die wir hier im Saale sind, sind anerkannte und ver* pflichtete nicht nur, sondern auch ZW.üstcn aus dom eigenen Herzen und dem eigenen Gefühle heraus. (Lebhafter Hrf.VD. Aber ich warne Sic davor, dass Sie. eine grosse Sache von einem kleinen Standpunkte aus beurteile!.!. Verfallen wir nicht in den Fehler jener geeichten und offiziellen jüdischen Vortreter in den ccnzcliten Kuhesgetueinden, wiss w׳r sagen: Was gehen uns fremde Juden an? Wen! Sie diesen kleinlichen Standpunkt cinnchmcii, dann sagen Sie sich vom Zionismus los. Wir sind immer mit dem Gedanken und der Verpflichtung und der Verantwortung aufgetreten, dass wir chs ganze Jüdische Volk vertreten, selbst diejenigen, welche nicht Zionisten sind. (Lebhafter Beifall.) Und 411 dem Momente, wo Sic sagen: ich kann nur das beurteilen, was ich mir aus kleinem Kreise zusammengezimmert habe, stellen Sie sich auf einen Parteistand־ punkt. (Bravo!) Ls darf nicht sein, weil wir uns selbst unser Gebiet nicht so eng gezimmert haben, weil •las ganze Volk au uns jetzt schon hcrantritt. und cs in allen Notlager an uns sich wendet, uns beiragt und .von uns Hilfe erwartet. Di: Beiürchtnugcn. die zum Ausdrucke gekommen sind, sind zweifacher Natur. In erster Linie die Frage nach dom Rechte. Ich gebe cs Ihnen zu. und versichere Urnen heilig, dass dieselbe Frage nach der Berechtigung bei jedem von uns ebenfalls aufgetreten ist. Wir sind gewählt als Zionisten. Wir haben zu beraten, um zionistisch1: Angelegenheiten zu ferje׳ . .Mit welchem Rechte wolle1: wir eine andere Frage aufs Tapet bringen? Wir haben kein Recht, es abziilelmen? (Lebhafter Beifall mul Händeklatschen.) P;•s jöJe.Jie Volk hat uns dazu nicht ermächtigt. Aber hat das iiidbju• Volk etwas davon gewusst? Haben wir cs schon betragt? Nein! Nun kommt man v»•!11 mit einen! grossen WeishcitsschUisse und sag;: Ja. in. das jüdische Volk muss behandelt werden wie ein Kranker, und wenn der Kranke vielleicht zu einer Unz.it Bro; e>1.n oder Wein trinken will, weil er hierzu ein 1;..•gehe«res Ik'hirinis 111 sich zu fühlen glaubt, so werden wir gleichwohl?..$ Aerzte sagen müssen: Du darfst nicht Brot cs:.cu c:.d Wen 1r!:־:ken, cLr:a du setzest dich einer Gefahr aus. Richtig. Auer wir hoben die Juden noch nicht gefragt und mich noch nicht gehör!, 11״ der Kranke sagt: Ich will das essen und trinken. _ Ein zweiter Gesichtspunkt ist wohl nicht nlstische, sondern ein ganz anderer. Ein Re; gestern hat Ihnen erklärt: ״Lh bin gegen Ostaf: ich dagegen bin. stimme ich für die Kmiiniis :e he Ich der re ln /io- .:־,er pr<* von ika: aber vei! Ich wäre reden könnte, bin mir in der Lage Urnen zu erklären: Ich bin weder für noch gegen• Ich will erst die Sache prüfen. Ich will erst dem Volke am Pulse fühlen und hören, ob cs nicht noch viele Elemente gibt, dt: auch das als ein Glück anseheil. (Stürmische: Beifall.) Und ohne für Ostafrika zu sein, stelle ich Ihnen folgende Erwägung anheim: Ich stelle mir vor, wenn wir schon tatsächlich in die glücklich, wem! ich mich in derselben Lr ltuic.1 zu erklären: Ich bin gegen Ostafrika sich persönlich den Gefahren und Unbilden einer orientalischen Reise unterziehen wollte. Sie fand ihn in der Person des Arztes Dr. Ludwig August Frankl, der sich schon damals einen bedeutenden Namen in der deutschen Litteratur erworben hatte. Durch Vermittlung der Kaiserlichen Statthaltcrci von Oesterreich 11. d. Enns notifiziert die Kaiserliche Internuntiatur zu Konstantinopel schon unter dem 31. Januar 1856 die ins Leben zu rufende Anstalt dem Jerusalemer Konsulat, und bereits am 11. März 1856 konnte L. A. Frankl seine Reise nach dem Heiligen Lande antreten, die in seinem bekannten Buche ״Nach Jerusalem“ dargestellt ist. Dieses Buch (gedruckt 1856) enthält zugleich die Gründlings- und Jugendgesehiehtc der Lümclschule. (Fortsetzung folgt.) Dr. Aron Sandler, Anthropologie und Zionismus. Brünn. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. 1904. 51 S. Gr. 8°. 0,85 M. (Durch die ״Jiid. Rundschau zu beziehen.) Wer nur ein wenig jemals in die Probleme hiueingeblickt hat, die Sandler zum Gegenstände seines Vortrages und der vorliegenden Schrift gewühlt hat, der weiss, dass hier eines der schwierigsten und verwickcltstcn Gebiete vorliegt, das noch grade hart an die Grenze der Wissenschalt streift. Keine Tatsache ist unbestritten, und die FiiUc der Theorien verdeckt nur notdüritig den Mangel einer sicheren Grundlage. Um so bewundermigswerter ist die Gewandtheit, mit der Sandler in diesem Labyrinth den Faden zieht, der hindiirchieitet. Es kommt ihm darauf an, zu zeigen, dass alles, was an gesicherten Ergebnissen sicli aus den Studien über Rassenbildung und Rasseiimischung herausschälen lässt, den zionistischen fueeukreis sehr wohl in sich fassen kann, vor allein, dass es verfehlt ist, aus dem Rüstzeug der Anthropologie Waffen gegen den Zionis-