Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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* , jfMt» . 1 ™ <M •י®««• Suite 398. Rimdscliau. No. 37. ״Times“ aus British Osl.urika: ,Wir sind hier sehr gegen die fremden Juden. Hs bestellt hier eine Bahn von 260'(engl.» Meilen Länge, welche für die britische Kolonisation sehr geeignet ist. Das Auswärtige Amt soll 200 Meilen besten Landes unerwünschten Fremden geben;‘ ist die kostspielige Bahn zu diesem Zwecke gebaut worden? Eine Flut von den genann* ten Leuten würde sicher zu Unruhen mit den halbgczähmten. auf ihre Rechte eifersüchtigen Eingeborenen führen. Es würde ein eigener Stab dazu gehören, sie zu kontrollieren. Ist der britische Steuerträger, der Eigentümer von Ostafrika, danut zufrieden, dass dieses herrliche und kostbare Land Fremden übergeben werden soll? Würde das Land nach und nach ko- Ionisiert werden, so würde cs sicherlich von britischen Kolonialatisiedlern ungemein gern aufgesucht werden. Die hiesigen Engländer rufen die öffentliche Mcrnt'ng. insbesondere derj icnigcn, welche dieses Land kennen, gegenüber der Entschei- I diiug auf, welche die Zukunft dieses Landes in unendliche ' Schwierigkeiten stürzen würde.“ Die Mitteilung der ..Welt“; in dieser Form ist eine deutliche Zurückweisung jener hämischen * Vermutungen, als solle der Zionismus in ein jüdisches Afrika!!- dertum ausmiiiulcn. i Es verdient bemerkt zu werden, dass sich die Chinesische! Reiormpartel 1!! New York au der Agitation und den Sammln;!-, gen für die Jude:.! in Kischinew beteiligt hat. Ein Führer der Reformpartei hat sich von Japan nach New York begeben und dort im Chinesischen Theater eine Ansprache an seine Landsleutc gehalten, die eine scharfe Spitze gegen Russland enthält. Redner führte aus, dass seine Parteigenossen deswegen eine besondere Sympathie für die Juden in Kischinew empfinj dcu, weil letztere unter derselbe! russischen׳ Bedrückung zu leiden hätten, wie die Chinesen in der Mandschurei. Die Reformpartei der Chinesen in den Verdingten Staaten und Kanada wurde nach dem Staatsstreich der Ka!scrin-Regcntin von einem Kantonescn ins LebtAi gerufen. Sic bezweckt angeblich die ierundsehaitücheit Beziehungen Chinas zum Auslande zu fürdern und die fremden Kulturerrungensehaften für China zu verj werten. Man hofft auf die Chinesen in der alten Heimat einwirken zu können und in einigen Jahren eine neue Aera des Fortschritts für China berheizuführen, wozu vor allem das Regierungssystem reformiert werden müsste. Wir begreifen cs, dass Chinesen sieb 1'iir unterdrückte Juden erwärmen können; denn sie gehören zu den blinde} 1- Heiden und ermangeln der christlichen Liebe, die in Europa den Juden ohne Unterschied nach Massgabe der Landcsvcrbältnisse sich offenbart. Arnswalde. Nach sechs Jahren ist hier das Märchen von einem Riiuaftnord, da,s seiner Zeit im Kreise Arnswalde zu bedcnkliclicn Unruhen und Ausschreitungen führte, zerstört worden. Vor sechs Jahren verschwand spurlos aus dem Dorfe Mienken fm Kreise Arnswalde das dreijährige Sühnchcn des Besitzers Jcnske. Von gewisse.־ Seite war nun dieser geheim* nisvolle Fall benutzt worden, um in der Landbevölkerung wie״ der einmal das Märchen von einem Rituahnord zu verbreite.!. Es kam gegen die ini Amswatder Kreise wohnenden Juden zu Ausschreitungen, die erst durch die Massnahmd! der Behörden unterdrückt werden konnten. Jetzt nach sechs Jahren gestand der Förster Jankc auf seinem Sterbebette, dass er das im Walde nahe Mienken spielende Kind, für ein Wild gehalten und erschossen habe. Aus Angst vor Strafe habe er die Leiche im Walde vergraben; er gab auch die Steile an, wo die kleine Leiche ruhe. Die Behörde, der das Geständnis des Janke übergeben wurde, leitete sofort die nötigen Nachforschungen ein. SprechsaaT*" Oä PQr Mitteilungen an dieser Steile übernimmt die Rcdak- 1 tlcm des Blattes nur die prcssgesetzllchc Verantwortlickeit. ß U Der ״Vorwärts׳‘ und der Zionismus. Wäre der ״Vorwärts“ das. was er nur rein üusserlicli von sich behaupten darf, nämlich das ,.Zentralorgan der sozialdcmokratischcn Partei Deutschlands“, so wäre es für diese grösste Partei des Deutschen Reiches beschämend, was ihr Zentralorgan über eine Bewegung, die wie der Zionismus eine Volksbcwegtmg kat’ cxochcn ist, zu sagen weiss. So aber, wie die Verhältnisse liegen, täte man der deutschen Sozialdemokratie Unrecht, wollte man ihr eine so kindische Behandlung grosser Zeitfragen zur Last legen, wie sic den ״Vorwärts"-Ge\va!tigc;1 wieder ei'mial beliebt. Die Majorität der jüdischen Sozialdemokraten Deutschkutds piag dem Zionismus feindlich gegenüberstehen, aber sie müsste dagegen protestieren, dass ihr Parteiorgan für grosse jüdische Fragen nicht einmal den Raum hat. den cs für geiegentliehe kleine Antisemitclcicn sich abdarbt. Nun höre man die Kundmachtf.ig des ..Zentralurgans״, das in seiner No. 205 vom 33. Sc ptemher 19;»3 im .. B r i •c i k a s t e u der Redaktion" also sich vernehmen hisst: ״Wild 9. Die Sitzm igsberiv'hte des Zi׳»!!istcnkon.:rcsses haben wir deshalb nicht gebracht, weil wir dem Zionismus, wenigstens sow eit Deutschland in Betracht kommt, k.: c Bedentimg beimessen; zweitens, weil wir diese Bewegung. soweit sk die Heimatsbcrvchtigimg der Juden des Ostens heriihrt. hierfür nicht als förderlich erachte•*'.!; drittens, weil wir unseren Raum für andere Dinge nötiger haben, a's in!־ die Selbstbeweihräucherungen der Herren Herz!, Nordau etc.“ Den Herren scheint ausser der Logik auch der Sozialismus und die Demokratie bisweilen abhanden zu kommen. Der internationale Sozia'.istenkongress, der 1 </*.»-; in Atnsterdam zusannnentreten wird, wird (ickgenheit haben, zu zeigen, wie er sic'!! zu s״ weitblickender Behandlung der Ju:!c:::ragc stellt. Ein jüdisch-zionistischer Sozialdemokrat. Rawltsch. d. •1. Scpt. 02. Aus Anlass des VI. •Zionistenkongresses haben wir, drei zionistische Studenten, eine Samnihmg für den Nationalfond in der hiesigen Gemeinde wranstaitet. Die Summe ereie’nte e'ie Höise von etwa 150 “ark. die zum grössten Teil — in unsere: Stadt befinde:’, sie!־ nur fünf Zionisten — von Nichtzionisteu gespendet worden sind. Diese Bereitwilligkeit von seiten der Nichtzkm>:m ist wohl darauf zurückzufüliren, dass verschiedene Tagcw.ik.h.oi objektiv geschriebene Berichte über den Kongress brachten. Wir bitte!! Sie daher, möglichst sofort in llircr geschützten Zeitschrift einen Aufruf zu veröffentlichen, in welchem alle in ihrer Heimat wehenden zionistischen Studenten aufgefordert werden, in gleichem Sinne sich zu betätigen. Der Erfolg wird schein deshalb nicht ausbleiben, da der Kongress bei allen in frischer Erinnerung ist. Mit Ziciisgruss Auerbach. Sternberg. Röscl. Kleine Chronik. Die ״Neue Badische Landeszeituiig“ in Mannheim schreibt: K 0!1 s t a!1 z, 31. Atig. Der G r o s s 1! e r z o g empfing heute auf der Mainau den Präsidenten des gestern in Bas■•! geschlossenen / i o n i s t e n - K o n g r e s s e s, Herrn Dr. T h e o d 0 r H c r z I. in längerer Audienz. Dass die Juden in ihren Ritualien rechtlos sind, geht ans folgender Mitteilung der .,Deutschen “Tageszeitung" hervor. Berlin, 3. September. Das Seliächtverbot besteht nunmehr für den Seliiachthof von Angermünde endgültig zu Recht, nachdem das Ober - Verw׳altungsgericht als letzte .entscheidende Instanz das Urteil des Bezirksausschusses bestätigt bat. in dem die Rechtsgiiltigkeit der Betriebsordnung des Sehlachthofs ausgesprochen war. Die Betriebsordnung bestimmt, dass das Schlachten der Rinder, Pferde, Schweine und des Kleinviehs nur mit einem Apparate geschehen daif. der die vorherige Betäubung gewährleistet. Nachdem sonach das Recht der Städte, derartige Schlachthofurdnungca zu erlassen, in letzter Instanz bestätigt worden ist, wird man hoffentlich