Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651326--00682-2657486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 37. Seite 399. •Tiicli&elie Rundschau. allerorten dem Beispiele der Stadt Angemnindc und anderer Städte, die ähnliche Schlachtordnungen erlassen haben, folgen. Dem Bureau des Dcutscl1-!sraclitischc11 Gemcindebundes geht soeben eine gemeinsame Verfügung der Minister der Justiz, der Bilanzen und des Innern an den Vorstand des Vereins ״Jüdische Arbclterkolonle und Asyl In Weisscnsec bei Berlin“ vom 26. August d. J. zu, wonach der die Rechtsffihigkeit bereits besitzende Verein als ״milde Stiftung“ anerkannt wird. Dem Verein steht hiernach im gesetzlichen Umfange Befreiung von der preussischen Stempelsteuer, der Erbschaftssteuer und den Gerichtsgebühren zu. Die Aufgaben der Arbeiterkolonie s&id über den von den Leitern selbst gezogenen Rahmen weit hinausgegangen. Statt der für das Jahr 1903 veranschlagten Besetzung mit durchschnittlich 50 Mann, ist eine stäche von 70 Kolonisten zu verzeichnen: so gross ist der Zudrang der Arbeitswilligen gewesen. Hierzu kamen noch durch mehrere Wochen 10 Flüchtlinge aus Kischfciew. Man wird einselicn. dass die Vcrcinslcitung in gesteigertem Masse auf das Wohlwollen weiter Kreise angewiesen ist. Für den Verein bcstimmte Geldsendungen und Zuschriften beliebe man an das Bureau de-s Deutsch-Israelitischen Gemcindebundes. Berlin W.. Steglitzcrstras.se 85. zu adressieren. Beabsichtigte Naturalienspenden, insbesondere die sehr erwünschte Zusendung von gebrauchten Kleidungsstücken, direkt melden, der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weisscnsec, Wörtlistr. JO, Telephon: Amt W'cissensee No. 192. Mit der Einführung von Jüdischem Religionsunterricht an der Hohenzollernschule in Schöneberg bat sich, au? e;'!eu Antrag der jüdischen Gemeinde in Berlin bin. die städtische Deputation für das höhere Schulwesen c:nver>ta:1deu erklärt. Die Kosten des Unterrichts, der mit Beginn des Winterhalbjahres aufgenommeit w ird und zu dem die Stadt •die Klasscnrüiime!!ergibt, trägt die jüdische Gemeinde. Iu eile Fuldacr Synagoge stiegen in der Nacht vom 17. zutu 18. Äugtest Diebe vom Hofe aus durch ein Fenster, erbrachen einen Opferstock und raubten seiner Inhalt. Da die anderen Sparbüchsen den Sprenguiigsversucaen widerstanden, so ist den Räubern nicht viel Geld in die Hände geiallen. S<!> kon am Vierwaldstättersee. 6. 9. 03. Soeben lese ich im ״I. uze me r Tageblatt“ folgende NoNliz: Die Schweiz und der Zionismus. In Bezug auf die Stellung der schweizerische Juden zun! Zionismus gibt ein Herr Maurice B e 1׳ n h e im-Basel. in der .,Nationalzeitung“ eine orientierende Erklärung ab. der wir folgenden Passus entnehmen: ״Wem! wir die Berechtigung des Zionismus für unsere Glaubensgenossen i!n Osten vollständig anerkennen, so sind wir, schweizerische und westeuropäische Juden dagegen nlclit im geringsten geneigt, uns selbst unter die zionistische Flagge zu stellen. Für uns ist das Judentum eine Religion und nicht eine Nationalität. Wir fühlen uns eins mit unseren Mitbürgern anderer Bekenntnisse: unsere Heimat ist die Schweiz. Indem ich diese Erklärung abgebe, bin ich überzeugt, im Sinne der Allgemeinheit der schweizerischen Isra'cliten zu sprechen.“ Das Elaborat des Herrn Bernheim liefert den Beweis, wie wenig sich selbst die Wortführer der schweizerischen Juden über die elementarsten Voraussetzungen des Zionismus klar sind. Den Zionismus ־- also nicht eine philantropische Massregel, sondern unsere nationale Bewegung — für die Judcli des Ostens für notwendig zu halten, andererseits aber für die westeuropäischen Juden die Nationalität zu leugnen, das spricht den einfachsten Gesetzen der Logik Hohn. Des Pudels Kern ist natürlich wieder die Furcht einer Gefährdung des Patriotismus durch den Zionismus. Herr Beruhen!! sollte denn doch mit etwas mehr Gründlichkeit unsere Bewegung kennet! lernen, ehe er sich das Recht nimmt, für Tausende von Juden ohne diesbezügliche Autorisierung Erklärungen abzu* geben. Für diese Art von Vertretung werden die, für die Herr Bernheim gesprochen hat, dtun kaum dankbar sein. Unsere Gesinnungsbrüder üi der Schweiz habe» nach alledem noch ein schönes Stück Arbeit für die Klärung der Begriffe zu leisten. Dr. Littmann. Unmittelbar nach Schluss des Kongresses wurde der Tod eines Mitbegründers der Zlonistcnkongressc bekannt. Bcruard Lazare, dessen Tod gemeldet wurde, erwarb sich seinen publizistischen Ruf als Gegner des Antisemitismus und als erster Vorkämpfer in der Revision des Prozesses Drcyfus. Nach Beendigung seiner Vorstudien am Gymnasium in Nimes, wo er 1865 geboren wurde, lag er in Paris an der Ecole des Hautes Etudes zmiächst historischen Studien ob, gelangte aber bald i!1 enge Beziehung zu der jungen Diohterschule, die dama!s unter der״Führung von Pierre Guillard, Henri de Rcgnier, Mordas. Vielle-Gritfin, Paul Adam im lateinischen Viertel ihre Heimstätte uafgeschlagen hatte. Seiue Arbeiten ״Miroir des # Ldgcndes“, dann ״Les Portairs de Torchcs“ verrieten noch dichtorisches Talent; doch fühlte Lazare bald, dass seine Stärke in polemischer Publizistik lag. Er führte die literarischen Fehden der jungen Dichtcrschulc in den Entretiens poiitiques et Mtöraires, die eine Zeit lang hcrausgab, dann auch in verschicdenen Zeitschriften und Tagesblätteiti. Eine Reifte seiner im ..Figaro“ veröffentlichten Artikel gab -er 1893 unter den! Titel ״Figures Conternporaincs“ heraus. Mit diesen scharfen und unnachsichtigen Porträtskizzen erwarb sich Lazare einen weitereit Ruf, den er durch die glänzende Polemik, die er gegen den damals auftretenden französischen Antisemitismus führte, befestigte. Sein Buch ״L’Antiscmitisnie“ (189-1) wurde sogar von Edouard Drumont ge obt, was allerdings nicht verhinderte, dass zwei Jahre darauf das Duell zwisclicb den beiden Gegnern stattfand. Im Herbste 1896 licss Lazare seine Broschüre ״La vörite sur l’affaire Drcyfus“ erscheinen, die den Anstoss zu der öffentlichen und in den Zeitungen geführten Kampagne gab, an der siel! Lazare selbst in erster Linie beteiligte. Er veröffentliclite dam! noch .,Cummeiit o!1 condamnc uti inuocent“ ferner ״Une Erreur judiciaire“ und ״L’Aiiaire Drcyfus“. Nacn dem Abjaui der Bewegung widmete er sich einer umfassende־.! Enquete über die Lage der rutnänfsclien Juden, die er 2.1 den Cahiers de la Quin/aincs publizierte. Das war seine letzte grössere Arbeit. Nach dem zweiten Baseler Kongresse wandelte er itn Zionismus, dessen erste Organisierung er mit hatte sehaifen!;elfen, eigene Wege, ohne dem grossen Ideale untreu zu werde::. Ein schwieriges Problem. Die russische Presse beschünigt sich mit der originellen und etwas sonderbar klingenden l'rage, oh Rotschild ein — Jude ist. Bei der kürzlich in Baku staugehabten Versteigerung der ärariseheii Petroleum- Terrains von Bibi-Eibat trat auch das Pariser Haus!Rothschild als Käufer auf und erwarb einige dieser Terrains. Die ..Nowoie Wremja“ und zahlreiche andere russische Journale :ordern nun, dass dieser Kau! ungiitig erklärt werde, da den Juden in! Kaukasus der Grundbesitzerwerb!!ich', gestattet ist und daher Rothschild als Jude die erwähnten Parole;!!.ucnaiiiN nicht kaufen durfte. Den! gegenüber vertierten die ״Nowosti" und -noch andere russische Blätter die Ansicht dass den Kauf nicht Rothschild, sondern das Bank intus Rothsciiild ahgeschlossen hat und letzteres durchaus nicht als ״Jude" angesehen werden kann. Wie sich die rusoischc Regierung in dieser!־'rage entscheiden wird, ist nicht bekannt. Die armen Juden hängt sie. Für unssre׳ Ui1c:M!c!:!i0h3n in Kischinev/. Im Pensionat Archenliold.10.70 Mk. (L.) Für die Kischiaewer Waisen nach Vorschlag des Ingenieurs Ussischkin von M. Haskcl- Hamburg durch Dr. L c v y .IS,— ״ Gesamtsumme 28,70 Mk. ■t.* 1—1■ —f ■»!*■»rim ויו יי,———— Nationalfond. O. S. B. . . . ... . 3,— Mk. (L.) Von Moritz Locwc in Sangcrliauscn . . . 7,— ,. Frau H. A r c 11 e n hold und Frl. Schlesinger statt Depesche zur Hochzeit Sally Struck und Gertrud Jeremias.—,50 ״ (L.) Von Frau Söll-Sand in Basel als nicht ahgenommene .Bezahlung eines Kongressquartiers 1,50 Franks =.1,20 ״ (L.) W c i 1 b u r g s Primaner dem Nationalfond zun! 6. Kongress.3,— ״ (L.) J. L. Sannnlung beim Turnspielen im ״Bar-Klochba“ . . . . *.4,15 ״ (L.) Auf einer Hoclizeit gesammelt von Dr. Max Levy in Hamburg . ‘.. 19,05 ״ (L.) Durcl! Dr. Jeremias in Posen: S. S c 11 e r e k 5 Mk., M. Lu bi 11s ki 1 Mk., M. Hirschberg 2 M., S. Struck 3 M., R. G. 0,50 AL, H. W oll heim 0,50 Mk., Dr. Schlossb e r g 2 Mk. Aus O b e r s i t z k b. gelegentlieh des Vortrages gesammelt 13,50 Mk. liebersehuss der Rc i s e k 0 s t e n e n t s c h ä d i - g u n g 5,50 Mk. in Summa . ..33,— ״