Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651326--00678-2657482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 37. JUdische Hundsclian Seite 395. ts sind heute Vorinlltag allerhand mystische Andeutungen gemacht worden von einem kommenden Momente, in dem das A. C. aufhören Wird, nur das Politische und Wirtschaftliche וזז den Vordergrund zu stellen. Indem neue kulturelle, künstle- [Ische, womöglich gar religiöse Fragen obenanstchcn werden. Wir hoffen, dass dieser Moment niemals kommen wird. Der Tag, wo das geschähe, würde ein dies ater für den Ziottismus werden, und wir Warnen Sic, wir, die wir auch eine Macht im Zionismus bilden. Demi das ist die Grösse und Stärke des Zionismus ־— darum konnten wir Rabbiucn, die wir hier ersclieinen, das grosse Opfer bringen — dass das nationale Mo- »nent. das politische, das wirtschaftliche, und dieses allein, •11 der Gegenwart das bildet,-was das ganze jüdische Volk einigt. (Grosser Beifall und Zischen.) Welz mann (Dem. Fraktidi): Ich sch’.iesse mich vollständig der Ansicht des Herrn Syrkin an. Fs gibt Fragen, die. wenn man über sie spricht, gewisse Teile unserer Partei verletzen. Mit Rücksicht auf die Integrität der Partei müssen solche Fragen verschwiegen werden. Ich möchte noch die Frage stellen: Hält das A. C. die Fl-Arisch-Sachc für vollständig verfehlt oder glaubt cs. dass mau sic wieder aufnehmen kanli? Fs würde einen unangenehmen Findruek nach aussen machen, wenn wir bei KarUinalpimkten. wie es die Kolonisationsfrage ist. nicht alle Mittel erschöpfen, um ein gutes Fade herbeizuführen. Fin weiteres: Au anderer Stelle als am Ktiigress bat Herr Dr. Herzl eine Rede gehalten, die verschieden ansgeiegt wurde. Das Gros fasste sie so auf. dass der Zionismus infolge gewisser Umstände, gewisser Hindernisse, in ein Stadium eingetretem sei. dass er sieh von nun ab nur mit sozusagen ansseru Fragen •־• ich meine mit Schekel- und Aktieusanmilung — befassen wird, während alle andern Fragen, die bis jetzt einen integrierend.'!! Bestandteil des Zionismus bildeten, z. B. d e Kulturirage, climiliiert wurden. Von irgend einem Zionisten vertreten, kann eine solche Rede gleichgültig sein. Aber vu:n Präsidenten de* Aktionskomitees gesprochen, wird die R« de zu einem Dekret und eine persönliche Anschauung wird da ■du ich zum Ausdruck des Gesamtzionismus gemacht. (Rufe: Fel:r richtig!) Die Rede ist ebensowenig privat wie Herr Dr. Herzl. eine Privatperson ist. Nun, ich möchte an dieser Stelle!•;•: dass cs doch eine unrichtige Politik ist. wenn eine Gefahr im Anzug ist. ihr gleich solche Konze'sioncn zu machen, dass vielleicht die ganze Bewegung ihres inneren Interesses berankt wird. Dr. Her/.! versprach uns s. Z., dass er vorsichtig sein will: icii!miss *agen. dass er dieses Versprechen nicht ganz iimegehnlten hat. Wir körnten wahrlich nicht nachher mit derselben Stärke iür unsere Sache emstehen, wenn wir so vor der jüdischen öifentlichkcit desavouiert werden. Dr. A \v i n o w i t z k y: Auch im A. C. sind mir Menschen. Man kann irren. Ich bin gekommen, um zu kritisieren. Obschon Defekte vorhanden sind, muss mau nach der Rede Herzls doch sagen, dass die Frrtingcr.schaiten der letzte! Zeit so gross sind, dass wir jetzt nicht zu kritisieren halten. (Beifall.) Der Sieger wird nicht verurteilt. Ich muss nur eine Anfrage stellen. In! Berichte des A. C. findet sich keine Angabe von Parteien. So sind z. B. die Misrachi garnicht angegeben, die sich nach dem 5. Kongresse gebildet halten. Jedenfalls ist es ein Irrtum. Obrige'.is muss ich ja sagen, dass die übrigen Defektc nicht dem engeren A. C. zur Schuld fallen. soiiJern dem russischen grossen A. C. (Widerspruch.) Ich komme auf eine andere Sache. Zum ersten Mal spüren wir Land unter den F'iissen. Wir steilen auf einem Wendepunkte unserer ganzen Geschichte. Jetzt verletzen Leute m!t ihren persönlichen Anfe:l1dungcn die Fhrc des Kongresses. (Zur Sache! Zischen.) Dagegen protestiere ich. (Redner wird wiederholt tuniultarisch unterbrochen.) Die Leute hatten »11 privaten Versandungen und in der Presse Zeit und Gelegenheit genug dazu. — Da der Redner wieder die Angelegenheit Trietsch berührt, wird er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Dr. Menzel: Nach d,er Fröffm/ngsreJe des Herrn Präsidenteu hatten wir alle die Hiupfiiiduiig. dass wir nicht nur vor einem Wendepunkte der Kongresse, sondern auch vor einem Wendepunkte unserer ganzen Bewegung steilen. Fin Wendemmkt unserer Versammlungen war es, dass wir zum ersten Male ganz klar und deutlich ausgesprochen hörten, wo wir in unseren Bestrebungen stehen: eine Wendung in der Geschichte unserer Bewegung war cs auch, dass wir nun endlich einmal frei vor der ganzen Welt erklärten, dass wir. dass unser bevollmachtigtcs Organ nur dasjenige tut. was zur Frlaugung der Heimstätte dient. Auf den *vorigen Kongressen wurde über alles andere mehr gesprochen als über den Kardiiialpmikt imserer Bewegung. Wir haben uns mit allem möglichen beschäftlgt. sind aber immer dem Wesen unserer Sache wie auf du stilles Zeichen ausgewicho!. Nun ist die Wendung da und mau hätte erwarten dürfen, dass sich aus Rücksicht auf den grossen Moment ein grosses Geschlecht finden würde. Das (st nicht geschehen, leb führe das nur aui dc!\ Umstand zurück, dass wir ja doch nur ein Gelegcnheitsparlament sind und dass der heurige Kongress clnigermassen an Hypertrophie zu leiden hat. Was unsere Stellung zum Rechenschaftsbericht betrifft, so bin ich überrascht von der Fülle des Geschehenen, wenn auch die Resultate nicht die erwarteten sind. Ich schliesse damit, dass wir, die österreichische Landsmannschaft oder doch der überwiegende Teil, mit dem Rechenschaftsbericht ein verstanden sind. S c h c i n k i n stellt die Anfrage, wie sich das A. C. zu Palästina vcrlialte. Mau hat uns gesagt, wie sich der Sultan zu Palästina verhält, aber nicht, wie das A. C. sich zu Palüstiua verhält. Dr. Herzl sagt, dass Palästina das Fndzie! unserer Bestrebungen sein werde, auch wenn wir nicht in Palästina sind. Palästina so!! aber nicht das ״Land unserer Väter“, sondern unser I*and sein. (Beifall.) Der Redner fragt dann noch au. warum in d:r während des Kongresses tag-!ich erscheinenden ..Welt“ der Wahlspruch des Zionismus 'der erste Punkt des Basler Programms, nicht wie gewöhnlich aufgedruckt sei. Sei das Absicht, weil dort Palästina stünde? Redner beantragt, ein Telegramm nach Palästina zu schicken um die in Jerusalem gleichzeitig tagende hebräische Zionistenkonfereiiz, unter Ussischkiiis Vojsitz zu begriissen. (Stimmscher Beifall.) Rahb. W. Reich: Der Kongress scheint ermüdet. Wir entspreche•׳.! der Würde des Kongresses besonders, wem! wir uns genau an die Tagesordnung halten. Vom Präsidium ist hetont worden, dass die ostafrikanische!*rage jetzt Gicht zu behänd1111 sei und persönliche Dinge wegbleiben sollen. Ich bin ein neu eingetretener Zionist und bin jüdischer Seelsorger und gehöre der orthodoxe•! Richtung tu! (zur Sache!ו. Ist dieser Figcnschait habe ich Ihnen zum < ׳egvnstande der Be¬ Berk :hterstattern gehört, dass u! sere nä chstc Auf; gäbe die Gew km u mg der jiid Ischen Gemeind e.i ist. Nurdau betonte. wir n׳;iss?cu bei der Gewinnung jede r Genie »nde einen L’i’tersc hied mac!!tu zwischen West- und Os teurop.!. Fr g’-iu lue. dass die west europäischen Gemeinden fü r 2 eh Zionismus , schwer zu erriu gen seien. Dieser Ansicht bin ich nicht. Um dL• Gtneinden zu gewinnen, müssen wir vor allem auch die Sec•!- sorger gewinnen. Fs ist nötig, dass wir einer grossen Fraktion im Judentum freundlich eutgcgenkonunei!: Der Orthodoxie. ־ Herz!: Ich möchte im Namen des A. C. auf die Bemerkuugen antworten, die von de״ Delegierten in dieser Diskussion über den Rechenschaftsbericht vorgebracht worden sind. Ich will nur am die Punkte eingehen. welche ge wisse!'ragen an das A. C. richten. Betreuend die Frage des Rechtsanwalts Rosenbaum, warn:!!• die verschiedenen Gruppierungen des Zionismus nicht erwähnt worden sind: Im Bericht des Aktionskomitees waren wir auf die Berichte unserer Laudeskomitees angewiesen und nach der Massgabc der Mitteilmigen, die sich in den Be richte n_ der I.asideskmiiitces gefiiikicn haben, wurde das. was Sie erfahren habeh. herausgearbeitet. Sollte dieser Wunsch berechtigt sein, so wird er in Zukunft gewürdigt werden müssen. Mit der Gruppierung der Parteien haben wir eigentlich nichts zu tun. t Fs ist nicht unsere Aufgabe zu verfolgen, in wetcl1er Weise sieb die Parteien vermehre 11 oder wenigstens nicht darüber Bericht zu geben. Rose!!bau tu fragt, warum sich die. Bankkoumiission nicht als Aufsichtsrat geäussert habe: Das ist ein Fehler des Kon grosses denn diese Kommission ist seit 3 Jahren nicht mehr gewählt worden, exiliert also nicht. Was die Beziehungen des A. C. zu den Kommissionen betrifft, so ist zu antworten, dass wir nicht ermangelten, die Kommissionen zur Arbeit anzuhalten. Fine Disziplinargewalt buben wir nicht. Wir können nicht weiter gehen, als den Kongress zu bitten, überflüssige Koniitiissioncn eben zu beseitigen. Als Anfsichtsrat Italien wir die Aufsicht geführt. Wir haben uns in die Geschäftsführung nicht eingemischt, aber 1ms über den Gang der Geschäfte fortlaufend unterrichtet. Die Berichte haben wir geprüft und sin! sehr damit zufrieden. Wir haben unsere Aufsicht über die Bank so ernst genommen, dass wir Prüfungen aller Art in unerwarteten Zwischenräumen vorgeuonimen haben. Wir haben 11ns besonders um das Portefeuille gekümmert: dasselbe ist ein ganz vorzügliches. Bctreffend die von Dr. Pasmamk gestellte Frage, wie cs mit den 108 (KM־. Franken Reise- und Agitatiouskostcu stehe, ist zu bcmerken, dass in diesem Posten inbegriffen sind diejenigen Beträge, welche von den einzelnen Ländern zurückbehalten werden. welche also garnicht in die Kasse des Zcitralkomifces gelaugen. Darin skid inbegriffen auch die Ausgaben für Palästina. Von Russland sind von diesem Posten SO 001) Fr. zurückbehalteil worden, so dass nur 2$ 000 Fr. auf die andern LHuA-r u:;d die sonstigen Ausgaben fallen, wovon noch in den einzelnen Ländern 25 pCt. zuriickbchaltcn werden. Fs bleiben noch die vhh Pasmauik beanstandeten 530 Fr. für Palästina;