Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiidisclie Seite 394. N6. 37. ghiig staltgefuhden hat, sodass allo Missverständnisse bei uns zu Lande ausgeglichen siiui; Leider tut uns die fortwährende Auswanderung Abbruch in den Hinnahmen, aber für unsere Sache im allgemeinen ist jene kein Verlust, da alle Emigranten, einmal installiert, sofort ihren Verpflichtungen als Gesinnungsgenossen nachkommcn, indem sic ihre Schekel an die bereits dort bestehenden Zions- Vereine eiitzahleu, wo sie in grösserer Zahl sind, was ich he- Fells heim friiherii Kongresse erwähnte, und tvas den besten Beweis gibt, wie tief die Zionsidce in deu Herzen der Juden in Rumänien eingewurzelt ist. Im April dieses Jahres hatten wir den Delegiertentag in Jassy, als uns unser hochverehrter Dr. Lippe die traurige Nachrieht von der Katastrophe In Kiseliiitew brachte. Das Federatioilskomitec crliess einen Aufruf an unsere ücsinuungsgchossen, von denen bekanntlich die grosse Majorität Handwerker hiid unbemittelte Leute si'.id — aber dennoch konnten wir an 10 00U Fr. unserti unglücklichen Brüdern zur Verfügung stellen, davon die Hälfte für die Waisenkinder. Für den jüdischen Nationalfoiul liefen ein an Marken, Spenden und das goldene Buch zirka 25<>>!י Franken. Schekel haben wir diesmal nur über SChXI Fr. cinkassicrt. Auf dem letzten Delegiertem;!«: in Jassy haben wir auch für die Kulturarbeit Vorsorge getroffen und die Kommission ist bemüht, systematisch den Unterricht der hebräischen Sprache ii! den Schulen cinziifiihr*•/!. Die Federation uer Zionisten in Rumänien hat 113 regelmassig funktionierende Vereine (darunter 13 Damuivercinc). wovon *M ins Goldene Buch des Natiomtlf(׳;;ds eingetragen sind. Was die Lage der Juden in Rumänien im allgemeinen aubetrifft, geht, wie eingangs erwähnt, die Auswanderung un- Unterbrochen iori. besonders die der |!a:!dwerkerkl;t$se, d׳; kein Vertrauen in das. wem! auch reformierte, neue Gesetz haben. Bis auf einzelne Fälle finden alle überall, besonders in deu V. S. Nordamerikas lohnenden Erwerb und Beschäftigung und tragen Sorge, den zurückgebliebenen Fatnilien-Mitgliederi: die Mittel zu verschaffen, ihnen in die neue Heimat zu folgen. Dr. Pas in a n i k: Ich muss auch damit beginnen, den Unterschied zwischen Kritik und Kritik fest/ustelle;!. Der.!: wenn man uns sagt: Was zu der unangenehmen Szene von gestern geführt hat. war der Umstand, dass Leute, die erst durch die von andern geschaffene Bc\veg!׳”g zu etwas gelingt sind, jetzt den Mut haben, zu sagen: Eure Führer sind schlecht. Setzt mich au ilue Stelle ich mache es dann besser. (Beifall). Herr N'ossig, sowie Herr Triebeli konnten sehr nützlich an der ׳ganzen Arbeit mitwirken. ohne eine solche Kritik zu üben. Es scheint mir aber, dass man sogar auch vor radikalen Spaltu 1g unserer Bewegung!licht zuriickschreckeu würde . unter der Bedingung, dass die l>ctreifenden Personen dann an der Spitze der abgespaltenen Partei stehen. Die Einheit unserer Partei muss aber unser höchstes Ziel sein: die dagegen agieren, sind unsere Feinde. (Beifall.) Ich möchte zu einer sachlieh-objc-ktiven Kritik übergehen und vor •allem auf 2 Zittern aufmerksam machen. Erstens: im Reise- und Agitationskonto stellen 108 586,7*1 Fr., bei Palüstinaforselmngen 536.38 Fr. Das ist traurig; denn die Palästinatorsclumgcn Sollten nicht 530 Fr. kosten, sondern das fünfzig-, das hundertfache. Wir keimen tatsächlich von Palästina nichts (Hinwürfe). Dr. Kokesci! sagt mir, es sei gar nichts ausgegeben: also es ist noch schlimme Ich fürchte auch, dass die neue Idee der Osiairikakolonisatio׳! unsere Aufmerksamkeit ganz in Anspruch •nehmen wird, dass wir darob Palästina vergessen werden. Ostafrika wird, wem! man auch das gelbe Fieber zu kurieren wissen wird, doch nur ein ״Nachtasyl‘*, während Palästina uns Heimat sein soll. Ich möchte deu Kongress eiiiladeu. dem Aktionskomitee ein impe־ ratives Mandat erteilen zu wollen, dass cs nun einmal nicht bloss mir in den Protokollen Palästinakonmiissionen ver/.cichneu soll, sondern eine lebendige Kommission schaue, die uns die Palästinakclihtnis wirklich־ bringen wird. Zweitens: Das kleine A.-C. scheint in manchen Angelegenheiten doch nicht ganz streng stututengeniäss vorgegatigen zu sein, insofern als es das grosse Aktionskomitee nicht zum Ratgeber in wichtigen Fragen 11e.ra1!gezoge!1 hat. Ist es wahr, dass von den Ostairikaplünen die Mitglieder des grossen Aktionskomitees erst ganz kurz •vor dem Kongress benuchrichtigt wurden? Diese Praxis mu.ss ein für alle Mal aufhüren. Ein dritter Punkt ist folgender: Der Petersburger Rede Herrn Dr. Hcrzls war die Stelle zu entnehmen: Jetzt brauchen wir noch keine Parteien. Icti möchte, dass unser Aktions* komitee auf diesem Standpunkt bleibt, dass wir nur ein Ziel, das elementare Ziel haben, wozu keine Parteien notwendig sind, die Erreichung einer gesicherten Heimstätte. Dazu brauchen \yir ein einheitliches starkes jüdisches Volk. (Grosse־׳ Beifall.) . Präsident Dr. Bode n 11 e ijji e r übernimm( den Vorsitz. Dr. Frankel- Kojumlyifcin verzichtet auf das Wort. weil er aüs politischen Rücksichten das nicht sagen könne, watf er auf dem Herzen hätte. Dr« Schlaposch ui ko w (russisch) rügt, dass man von einem Kolonlsationsprojekt zum andern überging, bevor man mit einem fertig war. Man schlage vor, eine Kommission für Afrika 711 bilden. Er schlage aber vor. auch über EDArisch nicht zu Tcden, bis man sicher ist, ob cs wirklich unmöglich sei, in Palästina etwas zii tun. Dr. Fink-Wien will im Namen der Fraktion ״Misradii‘ (ßeifajl und Zischen) einen Antrag zur Ostafrikasache stellen, verzichtet aber aUt des Präsidenten Dr. Böden heimers Ersuchen einstweilen darauf. E. M. Lilie 11. Ich muss in ciffcr aufgeregten Stunde sprechen. W.ir alle, die hier versammelt sind, sind weder Freunde noch Feinde, sondern Diener einer grossen Idee und Diener unseres Volkes. Wir alle sind vom Volke gewählt und haben die Pflicht, unsere Meinung ungeschminkt zu sagen. Id und meine Freunde gestehen, dass wir mit dem A. C. nicht sein zufrieden säid. Ich gehe zu. dass unsere Bewegung Fortschritte gemacht hat. aber das ist ein Beweis für unsere grosse Idee. Das A. C. (ich meine nicht das ganze, aber ich muss das ganze zur Verantwortung ziehen) hat wiederholt über die Schnur gehauen. Nehmen wir an, das heiligste, grösste, schönste, ewigste, was wir am ersten Kongress geschaffen haben: das Programm. Ich und meine Freunde verlange/! Änderung des Programms, und mm heisst es. ich seihst akzeptiere das Programm. wie cs hier ist und sehe die Notwendigkeit einer Ände• rimg nicht ein: aber das Programm ist geändert worden. Unser Programm ist klar und deutlich. Hs lautet: ״Der Zionismus erstrebt fiir das Indische Volk d׳e Schaffung einer öHcmlicii-rccIitlich gesicherten Heimstätte in I’aiästi־.;.׳:.“ Trotz.- dem war es eine lange Zeit in der ..Weif und man hat dagegen t!ic!1t protestiert: Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlichen gesicherten Heimstätte i!1 Palästr5:1. nicht fiir das jüdische Volk, sondern liir diejenigen, die sich an!!!rem jetzigen Wohnsitz 1:ickt assimilieren können «•der wollen. Das ist auch eine Ansicht, aber nicht unser Programm. In der ״Welt“ von!898 ist zu lesen: ״Der ZiiZösmus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heims*;•;:e ihr diejenigen Juden, die siel; in ihren jetzigen Voh-usmuen 1 ' assimilieren können oder wollen.“ beachten Sie Word. 1.*r jenigen, die nicht können m:J wollen, und Pa!üs!h;a Dt ans ge lassen worden. Auch das aber ist cT.c Stellung und das könnt *c1׳i Ü I v “! 11 de:1 1!!:J rr unser Programm sein, es konnte akzeptiert י Dr. Nordau hat sich den ungarischen!,׳den gegenüber in einen! andern Sinne geüiissert, in weichem er ciese Ar ז von Pal! 'mis-!!ins vereinigt findet mit den! Zionismus. Außerdem ist in einem Berichte unseres offiziellen Org. ns einmal mitßelcil: vorden über dicVerhar.dlungen über - ו. 11 i 1Ü . Klcinasieiis. und auf einmal ist kl unser Programm -,alüstina und' anderer! hineingezogen worden: ..andere Länder Kleinasiens“. Heute haben wir sogar ein Afrikaprojekt auf diesem Kongress. auf diesem Programm, das ich früher zitiert Italic und das ganz anders lautet. Ich bin persönlich dafür, dass man dieses Programm ändern soll, aber so lange man nicht geändert hat. hat das A. C. kein Recht, über andere Länder zu unterhandeln. R a h i 11 o w i t s c h (Warschau), ln meinem und meiner Freunde Namen betone ich. dass wir mit allen Unternehmungen des grossen und des kleine!! A. C. zufrieden sein können, aber trotzdem haben wir die Pflicht, eirüge Punkte, die Erläuterungen erfordern, zu berühren. Erstens, was uns am meisten befremdet ist. dass über El-Arisch eine grosse Aktion in dieser Art eröffnet worden ist vor 9 Monaten und cs ist nie darüber eine Mitteilung geschehen. Aber, was fiir die zionistische Bewegung noch wichtiger ist, wir sind gewohnt, das, was das A. C. unternimmt, als Dogma zu betrachten. Nun. El-Arisch bat grosse Energie gefordert und das Resultat, das die Expedition gebracht hat. ist 411 jedem Konversationslexikon zu finden. Ic’1 appelliere an das juridische Gewissen unseres A. C., dass nur über Z i 11 ״ verhandelt werden soll. Rabb. Dr. N o b c l - Leipzig: Es ist wahr, dass jedem Komitee Opposition nötig ist; aber es ist ebenso wahr, dass ihm nötiger ist Dank, Anerkennung und Vertrauen. Aufmunterung zu neuen Wirken und besseren Taten. Es ist gesagt worden, dass wir die ernsten Angelegenheiten des Kongresses nicht der Rauschstimmmig preisgebe;! sollen; aber noch viel weniger wollen wir sie der Katzenjammcrstinimung preisgebe;!, die die Reden der meisten Oppositionellen beherrscht hat. Im Aufträge der grossen misrachistisehen Gruppe und als stclivertretender Vorsitzender erkläre ich. dass wir das vollste Zutrauen z.um Präsidenten des A. C. haben und dass wir in der Ostafrikasacuc nicht einen Durchbrucli des Basler Programms sehen, da der Präsident des A. C. Ja eben erst den Kongress befragt hat und in keiner Weise der Vorwurf gestaltet ist, dass das A. C. ohne den Kongress zu befragen, selber ein Programm durchbrochen liabe.