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Jüdische Rundschau · 1903-09-11 · Heft 37 (11.9.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I No. 37, «Jiidisclie Rundschau. Seite 393 I 1 Bewässerung erhalten könnte. Ich komme nun auf das eigent• liehe positive Programm des politischen Zionismus zu sprechen, als das, was in der Kolonisationsfrage geschehen sollte. Von allen Möglichkeiten, deren der Herr Präsident, in seiner Rede F.rwähnung getan hat, hat mich gerade diejenige am meisten angesprochen, die er auf Qnmd seiner persönlichen Autorität in den Unterhandlungen mit der Türkei im Jahre 1902 verworfe'.t hat. Als Dr. Herzl mit der Türkei in bezug auf Palästina unterhandelte, sah er sich veranlasst, diese Unterhandlung abzubrechen; mit Rücksicht, auf das Basler Programm, welches positiv die öffentlich rechtliche Sicherung Palästinas verlangt. Als er dann aber mit der englischen Regierung über das Ostafrikaprojekt unterhandelte, kam ihm wieder das Basler Programm in die Quere, welches eine Ansiedelung ausserhalb Palüstinas verpönt. Diesmal aber bat er sich darüber weggesetzt. Daraus folgt, däss von den zwei Dingen: Ansiedelung in Palästina oder Charter, dem Herr!» Präsidenten der Charter als das Wichtigere erscheint. Ich gehöre zu denjenigen, denen die Ansicdiung in Palästina auch ohne Charter ais viel wichtiger erscheint. Ich gehe nicht in Details ein und bin der Ansicht, die Herr Dr. Herzl mid die Landsmaifnschaftvertreter geüusscrt haben, dass dies eine Sache ist, zu deren Beratung wir nicht vorbereitet sind. Aber das ist schon vollständig klar, dass es für uns nur ein einziges Ziel gibt: Palästina und die umgebenden!.ander. Sie werden sagen: Ohne Charter können wir nur Kleinkolnnisation treiben, und das ist eit» überwundener Klei׳»- bourgeoisstandpimkt. wie uns gestern jemand vorgeworfen hat. Es gibt aber eine Klcinkobmisation. welche politisch ist. Das hängt vom System ab. Ich möchte das Beispiel Englands vor Augen führen. Fs treibt Kleinkolnnisation in Afrika, die unbemerkt vor sich geht. Heute erringt es ein Gebiet ohne Blut auf Grund eines Vertrages mit einem Ncgerhäuptling: morgen kauft cs Minen in Transvaal; übermorgen lässt es durch Lord Kitchener oder Lord Roberts Derwische im Nordostel! iiicdcrmctzcln (Rufe: Dürfen die Juden nicht! und setzt sich dort fest. (Heiterkeit). Lines Tages erfahren wir plötzlieh, dass England zwei sehr entlegene Ansiedelungen durch eine Liseithahn verbunden hat. und eines Tages wieder ganz Afrika rund herum mit einer Lisenbahn verbindet und den ga 1־ zeit Erdteil besitzt. (Gelächter.) Wir sind keine Grossmacht und keine Eroberer; aber ich glaube, wir würden gut tun. unser kleines altes Vaterland auf demselben Wege zu gewinnen. Wir sollten unser Augenmerk darauf richten, von selber Majestät dem Sultan zunächst die Aufhebung des Einwanderungsverbotes zu erlangen, und diese Errungenschaft ausnutzen dadurch, dass wir Kolonien anlegen und Terrain in Palästina aukaufsn. Die Frage des Charters und der Autonomie sollte man nicht als conditio shc qua non auffassen. Für die Rettungsaktion wären die Nebenländer zu benutzen. (Zischen und andere Missfallensäusscningen. Geringer Beifall.) Präsident Dr. Nordau verliest einen Geschäftsordnung«• antrag Sulzberger: Es wird beschlossen, dass alle Redner auf 15 Min. Redezeit beschränkt werden sollen. Dr. N. S v r k i n: Es ist zweifellos ein Unterschied in je׳b\ politischen Bewegung zwischen Opposition und Opposition. Ich gehöre auch zu den .Oppositionelle 11. nicht nur auf dem Kongrosse, solidem in meiner zionistischen Arbeit. Aber die Opnosition, deren Repräsentanten hier die Herren Trietsfh und Dr. Nossig sind, diese Opposition teile ich niclit im geringste־! (Bravo.) Ich will nicht die Frage untersuchen, inwiefern die Opnosition dieser beiden Herren durch' persönliche Momente bedingt ist, aber sachlich ist diese Opposition eine derartige, dass man diesen Herren wohl dch Rat geben muss sich noch etwas weiter im zionistischen Denken zu entwickeln. (Sehr richtig, Bravo) um erst die Höhe des politischen Zionismus zu erlangen, damit ich die Herren überhaupt erst ernst nehme. (Bravo. Widerspruch.) Wenn diese Herren als oppositionelle Zionisten uns mit der Idee der Kleinkolnnisation kommen, so sagen wir Ihnen, sie gehören zu den rückständigen Oppositiopellen. Ich persönlich habe cs nicht nötig, die andere oppositionelle Strömung im Zionismus, die sich immer rüehr durchdringt, vor dem Kongresse auseinander zu setzen, obwohl ein grösseres Recht dazu vorhanden wäre, weil in Wirklichkeit grosse Strömungen sich bereits rege machen, die andere Ideen irn Zionismus vertreten. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, um vor dem Kongress als geschlossene Partei aufzutreten und die ganze zionistische Bewegung in unsere Bahnen zu lenken. Ich muss noch einiges sagch in bezug aut die Reden Dr. Hcrzls und Dr. Nordaus und da sagt mir mein politischer Takt, dass Fragen, über welche der Natur der Sache nach eine Diskussion nicht zulässig ist. nach Möglichkeit in irgendwelchen Reden immer vermieden werden, und dagegen hat die Rede des Herrn Dr. Herzl verstossen. Es gibt Fragen, die besser sind zu verschweigen, ais öffentlich zu besprechen. Ich habe hier einen bestimmten Passus imAugc von dem meine Freunde wissen, und von dem es besser gewesen wäre, er wäre gestrichen; es ist der Passus, über welchen die Diskussion hier 11 i c 111 g u t tu ö g 1 i c 11 i s t. Diejenigen, die an der Spitze des Zionismus stehen, müssen immer im Auge behalten, dass sie nicht die einzigen Repräscntauten des Zionismus sind, dass neben ihnen andere soziale Klassen, andere Ideologen, andere Menschen mit andern Auffassungcn der Dinge und Welt im Zionismus slid. Es muss alles vermieden werden, was die freie Entwickelung der andern Tendenz hemmen׳ würde. Dagegen begriiss? ich mit Freuden die Idee der Kolonisation Ostafrikas aut dem Boden einer jiidisehen Autonomie. Wenn Sie die Tragweite dieser Idee ermessen werden, kann dieser Kongress ein Wendepunkt in der jüdischen Geschichte werden. (Bravo und Zischelt.) Es ist unscro Aufgabe, dieser Sache uns mit grossem Emst zuzuwenden und die meisten im Saale werden mir zustimmen. Die Debatte soll nicht abgeschlossen werden und ich bin überzeugt, dass alle fortschrittlichen Elemente im Zionismus diese Idee mit Begeisterung begriissen. (Beifall.) Dr. Klee: Ich meine, wir haben allen Grund, Herr1! Dr. Syrkin von ganzem Herzen dankbar zu sein, dass er uns de;1 Unterschied ad octilus demonstriert hat zwischen Opposition und Opposition, ich hin bei dem praktischen Programm des Dr. Kossig, und das begann mit einem Vergleich unseres Zionisteukongresses mit einem europäischen Parlament. Durch unsere Führer shid wir etwas geworden in der Politik, aber der Zionistenkongress steht heute noch nicht in einer Linie mit einem massgebender! Parlament einer europäischen Macht; und ein Wiciss-Buch. das in einem europäischen Parlament selbstverständlich wäre, könnte an mancher politb nassge• e.idui?teile ais grobe Taktlosigkeit empfunden werden. So meine ich, müssen wir uns in der Beurteilung der auswärtigen Politik Reserve attferlcgen. Es darf auch in unseren Gruppen das Laiendement nicht ausschlaggebend seht, so.\!:־. :tun «dl allein am' Fachleute hören. Dann hat Dr. N’oss'g eine Art Klein- Kolonisation vorgeschlagen, von der ihm bereits Herr Syrkin genügend deutlich gesagt luit: das ist rückständig. 1'ür diese Art von Kolonisation hätten wir unsern Apparat nicht nötig gehabt, dazu hätten wir nicht das jüdische Volk auiznrufen brauchen in der Wcli. Der Vergleich mit England scheint mir naiv. England hat im Hintergründe seine Kanonen, und wein t-3 eine Kolonie >!111 die andere vorschiebt und systematisch verbindet, so hat es seine Weltmacht im Hintergrund. England kann, solche Polit'k sich leisten. Dr. Syrkin hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass in dem Afrika-Vorschlagc etwas ungeheuer Bedeutsames hegt. Hier ist die Anerkennung des jüdischen Volkes als nationaler politischer Faktor und die Bereitwilligkeit, diesem als national-politischen Faktor anerkannten jüdischen Volke eine nationale Konstruktion zu geben. Ich würde es .nicht für richtig taktisch'halten, wenn wir uns hier über die Einzelheiten dieser Frage aussprechen würden. Wir werden gut tun, eine Koni- Mission zu wählen' aus allen Landsmannschaften und ihr das vorlegen zu lassen, was für ehe Beurteilung der Sache nötig ist. Aber das muss in dieser Stunde doch ganz schurr betont werden, dass diese Konzession Englands der bedeutendste Fortschritt ist, den wir haben machen können, tausendmal hervorragender, wie wen״ wir eitle Reihe vni kleinen, zerstreuten Kolonien im Orient irgendwo schüfen. (Lebhafter Beifall). Der Präsident Dr. Herzl macht einige geschäftliche Mittciluugen und schlicsst die Sitzung um!,•-־ Uhr. Montag-Nachitiittagssitzung. Beginn Uhr. Präsident Dr. N o r d a u macht zunächst einige geschäftliche Mitteilungen. Dr. Victor Jako bso litt verlangt für Rosenbaum so gut wie für Dr. Klee und Dr. Syrkin das Recht, ihre Rede zu Ende führen zu dürfen. Angenommen. Grone mann'stellt zur Geschäftsordnung namens der deutschen Landsmannschaft folgenden Antrag: Die deutsche Landsmannschaft beantragt, die Debatte über den Rechenschaftsbericht des A.-C. unter Ausschluss des Versprechens resp. Angebotes uer britischen Regierung fortzusetzen״ und zunächst die Berichte der einzelne!» Landsmannschaften entgegen zu nehmen. Der Antrag wird angenommen. Pineies. (Galatz) (Berichterstatter der Rumänischen Landsmannschaft): W'ir haben die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass seit dem V׳. Kongresse die •zionistische Bewegung in Rumänien wesentliche Fortschritte auf allen Gebieten machte und im Mai 1902 auf dem Delegierteutage in Foscaui eine vollständige Eini-

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