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Jüdische Rundschau · 1903-09-11 · Heft 37 (11.9.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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* r*t ־* * ,״,־'«י■״*,.'S• ־ »s? ».#*״«» i Seite 392. Jüdische Hundscliau• No. 37. fall). Anderseits aber darf diese Bewegung nicht ohne Einfluss vom Aktionskomitee aus bleiben. Und doch haben wir im Rechenschaftsbericht kein Wort über diese Arbeiter gehört. Ahnliches gilt für die Studentenorganisationen. Eine dritte Erscheinung im Zionismus ist die verschiedene Gruppierung. Bei einer Wahl fragt man nicht mehr: Ist der zu Wählende fähig, diese Sache zu verstehen, sic zu verteidigen, sondern gehört er zum Misraehi oder zur Fraktion oder zu einer andern Gruppe (Rufe: Sehr richtig). Das ist krankhaft. Wetss das Aktionskomitee ein Mittel dagegen? Oder hat cs nicht gar gesagt: Wir stehen über den Parteien; wir lassen sie tun. was sie wollen. Misraehi existiert nicht für uns, die Fraktion nicht, weil man sie nicht legalisiert hat. Ich gehe zu einem andern Teil über: Ostafrika. Wir waren bis jetzt Zionisten; auf einmal sagt mau uns: nein. Afrikanistcn. Freilich, die Herren, die das sagen, sind weise genug, um die bittere Pille in eine׳ angenehme Hülle zu legen. Unsere Arbe:t ist aber eine praktische, und ich muss sagen: Es ist ein so gefährlicher Moment, die Notwendigkeit der Hilfe wird so sehr empfunden, dass anderseits niemand den Mut hat. zu sagen: Es ist Hilfe zu leisten; wir wollen aber aus prinzipiellen Gründen nicht. Ich habe Stimmen gehört: Als Zionisten wollen wir das und das tun, als ob cs einen Unterschied gäbe zwischen Zionisten und Juden. Wir sind doch Zionisten, weil wir glauben,' wir als Juden können nur dasjenige wollen, was die Zionisten wollen. (Beifall). Ausser dem Prinzip Palästinas hat der Zionismus noch ein Prinzip aufgestellt: nationale Arbeit im Gegensatz zu Wohltätigkeitsarbeit. Jetzt geben wir einem Juden, der nicht weiss wohin, den Rat: dahin, wo cs Vorarbeiter, fertige Eabriken, Geschäfte. Handel und Gewerbe gibt. Dana brauchen wir ihm wenig Mittel, nur die Reisekosten, zu geben. Weuji wir aber einen solchem Juden in ein wüstes Land schickem, wo erst d:e ganze Kultur geschaffen werden muss, dazu muss man Millionen und Milliarden haben. Also ist es klar, dass in Palästina nicht in Ostafrika — eine derartige Kolonisation mir auf Grund von Wohltätigkeit möglich ist. Ich möchte noch die zweite Frage berücksichtigen: Wdi man in Ostafrika etwas Nationales schaffen, oder eine Bettelkolonic veranstalten? (Schiussrufe.) Präsident Hcrzl: Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass sämtliche Landsmannsehaften stell bereits mit der Frage der Einsetzung einer Kommission beschäftigt haben, dass über diese Sache noch nicht abgestimmt worden ist. weil xvir es für verfrüht halten, eine Abstimmung zu forcieren. Ich möchte Sie doch bitten, von der bekannten Tatsache einigernnssen Notiz zu nehmen und jetzt diese Debatte nicht zu cröifnen. deren Nichteröffuung sämtliche Landsmannschaften wünschen. Rosen bäum erklärt daraufhin zu sehliesstm. Dr. Nossig: Ursprünglich war es meine Absicht, hier eine zusatnmenfassende Kritik der jetzigen zionistischen Bewegung auszusprechen. Es ist mir aber von Freunden itiitgcteilt worden, dass hier nicht die Stimmung herrscht, welche kritische Ansichten begünstigt. (Rufe des Missfallens). Ich habe darum meine prinzipiellen Auseinandersetzungen in einem Vortrag in einem andern Saal gegeben. Man hat mich auch an diesem neutralen Orte mit meinen Ausführungen nicht zu Ende kommen lassen. (Zurufe). Dr. Werner hat hier gestern mir und Herrn Trietseh den Vorwurf gemacht, dass wir eine gesunde Opposition unmöglich machen. (Dr. Friedemann: Ich habe es gesagt.) In einer politischen Diskussion ist die Kritik der Führer absolut notwendig, und keine Sache der Welt ist so von den Eigenschaften der Führer abhängig als die Politik. F.s gibt keine noch so grossen Staatsmänner, die sich nicht eine oft scharte Kritik gefallen lassen müssen, eine sachliche Kritik selbstverständlich. Ich war hemüht, bei meiner Kritik mich in diesen Grenzen zu halten. Es tat mir wirklich ausserordentlich leid, speziell in bezug auf Dr. Nordau, verschiedene Dinge sagen zu müssen, die ihm sicher weh taten. Man hat mir und Herrn Trietseh das Recht zur persön* liehen Bekämpfung der Führer abgesprochen. In welcher Weise aber haben die Herren seihst, speziell Dr. Hcrzl. die Angriffe gegen die Gegner seiner Politik geleitet? Herr Dr. Hcrzl hat hier gestern nachmittag eine ich möchte sagen geschmacklose, alicr das wurde vielleicht unparlumcutarisch sein also geschmackvolle Theaterszene Inszeniert.1-- Präsident Dr. Nordau: Ich bitte den Herrn sieb streng parlamentarischer Ausdrücke zu hefleissigett. Es täte mir leid. Wenn ich die Redefreiheit beschränken müsste, weil ich Freiheiten und besonders Redefreiheit nicht gern beschränke, besonders nicht diWeines Redners, der sielt als Gegner einführt. (Beifall). - N'.ossig fährt fort: Es ist die bekannte Szene, wo der Darsteller der Heldcnrolle einen Bösewicht entlarvt. Der Böse wicht sucht . noch eine zeitlang den anständigen Mann ztt spielen. Aber da zieht der Held ein Dokument heraus und beweist der ganzen Welt die Schuld. Und Im Hintergrund hebt sich der Vorhang. Was sicht man? Die arme Witwe, das Opfer des Intriganten. Es hätte noch gefehlt, dass Herr Trietseh da gesagt hätte: Ich bin durchschaut. Ich ersteche mich. (Beifall, Zischen.) Wenn ich die Opfer des Herrn Dr. Hcrzl liicrhcrbriugcu sollte, so müsste ich alle die Massen herbringen, die er fortwührenu durch seine diplomatischen Aussichten in Aufregung bringt und denen er seit 7 Jahren nichts Positives gegeben hat. (Tumult). Wir haben vernommen, dass Seine Majestät der Sultan uns nicht nur Palästina, sondern die ganze Türkei zu eröffnen in Aussicht gestellt hat. (Rufe: Was?) Natürlich nur zur Kleinkolonisation. Dass die: englische Regierung bereit war, uns nicht nur in EI-Arisch, sondern in Ostafrika Gebiet zu eröffnen. Ich muss sagen, dass die Aussichten etwas bedeuten tt'td mau darüber beraten muss. Aber ich muss die formelle Bemerkung machen, dass das Aktionskomitee bis jetzt der Ansicht gewesen ist, die wichtigsten Ergebnisse seiner Arbeit seien dem Kongress und sogar den Aktionskomitecmitglicdcrn erst auf dem Kongress selbst oder unmittelbar vorher mitzuteilen. Das ist eine Frage parlamentarischer Usancen. Pu andern Parlamenten ist es Sitte, dass man die wichtigsten Materien den Mitgliedern etwas früher zustellt. Sogar in grösseren jüdischen Gesellschäften, wie in der Ica. ist cs Sitte, dass jedes Mitglied H Tage vor der Sitzung einen grossen Dossier bekommt. Wir haben bis zum letzten Moment nicht gewusst, ob hier über El- Arisch gesprochen werden wird oder nicht. Das Ostafrik:»- Projekt war uns etwas w ildfremdes. Wir wissen nicht ■mir nicht, worüber wir zu beraten haben werden, sondern auch nicht, was geschehen ist. Ich erinnere hier wiederum an die Sitte in andern Parlamente״, wenn gewisse Verhandlungen ־ oh sic Erfolg haben oder nicht -- abgeschlossen oder in einem gewissen Relfestadimn sind, detaillierte Berichte an die Parlamentsmitglieder zu verteilen. Ich bemerke allerdings mit Zufriedenheit, dass Herr Dr. Herz! diesem Kongress gegenüber viel freimütiger vorgegangen ist als sonst:* Wir Italien auf diesem Kongress mehr erfuhren, als auf alkit andern zusammen. Ich würde also dem Kongress empfehlen, das Aktionskomitee zu ersuchen, dass l;Fu;fti,:11::1 Berichte über die abgeschlossenen Verhandlungen, wenigstens in allgemeiner Form, den Delegierten vorgelegt werden. Ich will ja mit Ihnen die Erwartungen teilen, dass i» der meisten Angelegenheiten das Aktiouskoniitec tatsächlich die Verhandlungen in entsprechender Form geführt hat. Aber ein Beispiel, dass es Fälle gibt, in welchen vielleicht vom Standpunkt des Kongresses aus etwas anderes richtiger gewesen wäre, ist die El-Arisch-Sache. Es hat mich aufs peinlichste berührt, wie man den Initiator dieser Idee behandelt hat. (Widerspruch). Es wäre schöner und vornehmer gewesen, statt Herrn Trietseh liier auf der Tribüne alle Kompetenz abzusprechen, ganz ruhig zu erwähnen, dass er sich mit dieser Idee befasst. (Rufe: Schluss). Wem! der Kongress nicht will, dass ich hierüber weiter rede, so gehe ich z.u einer andern Frage über. (Schiussrufe). Der Herr Präsident hat mitccteilt. dass das A. C. die El- Arisch-Sachc in sehr ernster Weise in die Hand genommen hätte, indem es eine Erforsclnmgskommission dahin entsandt hatte. Ein Passus aus Dr. Herzls Rede lässt mir diese Ent- Sendung in andern! Lichte erscheinen. Er erwähnte freimütig, dass es die englische Regierung gewesth wäre, welche den Vertretern des A.-C. es anheim gesteht hätte, die Erforschung*־ kommission zu entsenden. Als aber die Vertreter des A.-C. nach England kamen, um über El-Arisch /u unterhandeln, hatten sie keine gründliche Kenntnis von!:[-Arisch. Ihre ganze Kenntnis beschränkte sich damals doch nur auf die Artikel des Herrn Trietseh. Er hat sich Mühe gceebcM, zweimal dorthin zu reisen, das A.-C. hat sich nur Mül!״ gegeben, seine Arbeiten durchzulesen. (Beitall. Rufe: Schluss!) Für mich und meine Freunde ist dieses Projekt etwas ganz Bedeutendes und es würde uns leid tun, wenn auch wir das Proiekt als ein gescheitertes betrachten miissteu. wie der Herr Präsident cs gesagt hat. Ich teile diese Ansicht nicht und habe meine Gründe: denn ich habe von Personen, die die Sache keimen, Mitteilung erhalten, dass die Sache vielleicht u übertriebener Form ׳nFgefasst wurde, dass, wenn man sie bescheidener angreift in gewissem Sinn, man durchdringen kann. Ich empfehle Ihnen, sich nicht mit dem Bericht des A.-C. zu beeui'men. sondern noch einmal'chic Kommission einzusct'zen, um die Sache durchzustudieren ’ (Bravo! Ruhe!) Ich habe gehört, dass das ursorfmgliche Fl-Arisch-Projekt vom A. C. in vollständig u״b־•- ^reiflicher Weise erweitert wurde, indem man daran dachte, an den Landstrich von El-Arisch auch die nHusiniselo* Ehen: lierauzuzichen. Es hat sich dann lierausgestellt. dass d׳c neinsinischd Ebene nicht zu besiedeln wäre, weil man Nüwasser abkiten müsste, worauf thV ügvot׳sehe kVeknmg n:cht ei;:- geben könne. Geben Sie die iHlusiniseb■; Ebene auf und b ־- gnügc'it Sic sich mit El-Arisch. für welches man genügende י 4. י ’ yip1* ,W■־*****!* יי׳ן»ןו5«?:זיזו:ךי

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