Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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/fo. 37, JUdlsclie Hundscliait. Seite 391. Worten/ sein: Wie hat es doch kommen können, dass der schon Im Erlöschen begriffene Prophetengeist, nachdem wir ihn immer matter werden sahen, noch einmal so hell aufflammen konnte, wie zur Zeit, da das Prophetcntum seinen löhepunkt erreicht hatte? Diese Frage ist aus dem allgemeinen Wesen des Prophetentums heraus am leichtesten zu beantworten. Gewiss, der Prophet «st der Mann Gottes, bleibt aabei aber doch ein Mann, der seiner Zugehörigkeit zu seinem Volke, Ja zur ganzen Menschheit sich stets bewusst ist und vom Wohl und Wehe seines Volkes, ia der ganzen Menschheit gar mächtig sich ergriffen fühlt. In diesem Ergrifiensein zeigt sich nun, dass er nicht nur in Gott, sondern dass auch Gott in ihm lebt, und das Wort Gottes ertönt dann aus ihm heraus, strafend, mahnend, verkündigend, tröstend und verheissend, je nach der sich darbietenden Zeit und Gelegenheit. (Fortsetzung folgt.) Jf Bericht über die Kongressverhandlungen. Zweiter Tag.*) Montag-VorinittosssUzung. Beginn 10 Uhr. Präsident Dr. Herzl gedenkt, während $׳cl! die Ver* Sammlung von ihren Sitzen erhebt, der seit den) letzten Kongress verstorbenen hervorragenden Zionisten foigeiuier!.;"!!!der: Deutschland: Rabbiner Dr. R111 f. HernuUm Gabriel. Berlin; Russland': F r i e d b e i g . Dr. H ii 11 s t c r u , Red. Landau. Dir. Sachs; Paris: Frau L u b e 7. k y; Rumänien: Daniel!־'ein borg, Wc int raub, Jos. R o b i t s c 11 e k , S n 1 o ni o nowitsc 11. Vizepräsident Lev y. Bukarest. Anserika: Rev. Dr. Gustav G o 1111 e i 1. Rabb. Dr. S zold. Pro!. Dr. Friede n w a 1 d, Schriftsteller R c i c 11 e r s o h n. Oesterreich: Dr. M;•11 d e I k c r.n. Ing. B e 11 e i h c i in, Fricdr. F u x. Lehrer K ä s, Rubin Ascher Braudc s, J. Deine r, *) Durch Verwechslung der Manuskripte ist der Bericht her den 3. Kongrcssiag bereits in voriger Nummer gedruckt Schriftsteller S c g a I aus Odessa, S c h w a r z tti a 11 n, K r cmer, Frau Katharina Brüll, Dr. Goldbau tu, Prof. L Öwcnst a m m, S i e b e n s c 11 c i n, Rabb. Gf o 11 c 1 n, Jakob Herzl, von nichtjüdischen Freunden des Zionismus: Freilierr von Suttner und Fürst Trubezkoi. Dr. Max 0 א r d a 11 betritt die Rednertribüne, von rauseilendem Beifall umtost. Die Rede, die bereits in unserer No. 36 abgedruckt ist. wurde mit begeistertem Beifall aufgenommen. Dann ergreift Dr. Friedemann das Wort: Im Namen der Landsmannschaften Deutschlands, Hollands, Dänemarks lind Italiens, ausserdem der österreichischen LandsmaJinschaft. gebe ich bekannt, dass diese der Ansicht seien, . dass die Frage einer möglichen Besiedelung Osta'frikas ini Kongress nach ihren prinzipiellen Gesichtspunkten vorläufig nicht erörtert werden solle, bevor eine politische Koinmission, bestellend aus Mitgliedern der einzelnen Landsmannschatten, die in ihrem Votum nicht gebunden sind, sich m:t dieser Frage nicht beschäftigt und den Landsmannschaften Bericht erstattet habe. Die Landsmannschaften seien der UeberzeugtiMg. dass die zionistische Organisation erst n a c 11 eingehender Be richtcrstattung seitens des Aktionskomitees über diese Frage schlüssig werden könne. Zur nähern Begründung führt Redner aus, dass eine prinzipielle Stellungnahme des Kongresses nach Anschauung der Landsmannschaften honte schon aus dem Grunde uuniüglieh wäre, weil der Kongress in seiner mit Gästen gemischten Zusammensetzung niclif das geeignete Forum wäre, alle in Betracht kommenden Fragen, und darunter auch solche politischer Natur, öffentlich zu diskutieren. Rechtsanwalt Dr. Rosenbau in: Fs wurde schon gestern die Frage gestellt: Was hat eigentlich unser Aktionskomitee getan? Ich möchte aber diese Frage nicht in der allgemeinen Form gesteht haben, sondern Details verbringen׳. Erstens: Wie Ist das Verhältnis des Aktionskomitees zu den verschiedenen Kommissionen? Die gesamte zionistische Arbeit ist ein organisches Ganze, so dass die verschiedcnüi Teile organisch miteinander verbunden sein müsse:*.. Die Frage hat jetzt ganz resonderes Interesse, da einer Kommission, die von einen; Kongress gewühlt worü•:;! ist — der S*:’t־־t־:nrev!sionskommission •— das Aktionskomitee nicht einmal •ü:e Möglichkeit vordem v :rsehniit hat. ihre Anträge vor/.ubri an •1. nicht einmal! die, ihre Arbeit zu begiuneu. Die zweite Frage betrifft den Einfluss des Aktionskomitees auf das innere Leben der Vereine. Bereits an! dritten Kongress habe ich die Frage gestellt: Was hat das Aktionskomitee getan, um die Intelligenz he;anzuziehen? Es wurde geantwortet: Das ist nicht die Sache des Aktionskomitees: das ist Ihre Sache. Diesen Rat hat man lrefolgt: heutzutage haben wir eine grosse Arbeiterbewegung unter den Zionisten, die eine Zierde des Zionismus bildet (Bei* Arbeiter“ und F r i c d e in a 1111 der .,schneidige Regierungs- Vertreter“ beraten eifrig, wie sie die ganze Opposition wohl am schnellsten zerschmettern könnten. Der interessante Künstlerkopf B r a i 11 i!1 s gleicht einer lebenden Bronzebüste. Wer vermöchte den gewaltigen Eindruck schildern, den diese so bunt zusammengesetzte Körperschaft, die doch nach einem Ziele strebt, auf jeden fühlenden Juden machen muss. Fast jeder für sich, 01» alt ob jung, ist ein Charakterkopf. ־ ' * In der Basler Synagoge. Wie jedesmal während des Kongresses, ja noch weniger als sonst war die Synagoge^ in der Leimenstrassc von Basel imstande, die umibersehbare Zahl von Besuchern zu fassen, die hereinströmten. Den Zionisten hatte man seitens des Vor- Standes die vorderen Plätze eingeräumt, aber das reichte so wenig aus, dass trotz der Selbstbescliränkung der Gemeinde auf den allerengsten Raum sehr viele keinen Platz finden konn* ten. Herzl wurde, wie hei allen Kongressen, aufgerufen zur Torali. Diesmal aller stiegen plötzlich zwei kaukasische Bergjuden in voller tscherkcssischer Waiienriistung mit auf den Almemor und Hessen fiir Herzl einen Mischebcrach machen. In seiner ebenso würdevollen wie beredten Predigt bcgri’isstc Rabb. Dr. Cohn zuerst die Zionisten und den Zionismus in überaus herzlicher Weise und sprach namens der Gemeind: den Wunsch und die Hoffnung aus.׳dass der Zionismus uns und uiiscrn gehetzten Brüdern die Heimat bereiten möge, deren wir so sein־ bedürfen. Indem er sodann erklärte, dass er von uer Kanzel herab, auf der er zur religiösen Belehrung stehe, nicht Politik treiben wolle, hielt er eine Predigt, die von echtem religiös-nationalen Gefühle und Bewusstsein getragen, von Herzen kam imd zu Herzen ging. Solcher Predigten sollten sich die Berliner Rabbiner beflelssigen. — wenn sie deren fällig sind. Dann würden auch sie vielleicht dazu beitragen, die Herzen der Kinder zu den Vätern und der Väter zu den Kindern zu wenden. Die Synagoge könnte viele solche Rabbiner wie den Dr. Colin gebrauchen. M a a r a b i. Zum Zionistenkcngrsss. IV. Im Staub. . _ . Herr! Lange, lange rief ich Dich nicht mehr. Erkannte Dich nicht, wollte Dich nicht kennen, Sprach trotzig: meine Faust sei meine. Wehr! Liess lautlos trotzig meine Schwären brennen. Aus meinen Träumen hab ich Dich gejagt. Du weisst, 0 Herr! und'meine Stirn erhoben, Und frevlen Munds verlästert und verklagt Den grossen blauen reinen Himmel droben — — — Verzeih, mein Gott und Herr! Sieh, zitternd liegt All mein Gebein vor Dir dahingcgosscu. Der harte Nacken in den Staub geschmiegt, Die stolzen Lider rcuvoll /.»geschlossen. Hör mich, o Herr! Du zürnst und schlügst gerecht!. Wirf altes in die Winde, was ich bete! Wirf mich in Schmach und Spott! ich bin Dein Knecht, Und willst du •mich verderben. Herr, so töte! Nur eines, Herr, nur dieses gib. o Gott: (Vlösc meinem Volke seine Bande! O meinem Volke gib sein Morgenrot. Und seine Freiheit gib in seinem Lande! — ־־״ Israel Auerbach.