Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1903-09-11 · Heft 37 (11.9.1903) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651289-2651326--00672-2657476
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 389. No. 37, «Ilidisclte Hundscliati. bei ihr bezüglich des Ideengehalts der zionistischen Bewegung vorherrschen. Einige Führer des Zionismus sollten z. B. eine Parole ausgegeben haben, die chic hermetische Abschlicssung der jüdischen Bürger eines Staates von dessen übriger Bevclkcrung fordern. Das ist natürlich niemals geschehen. Ei » Mittelweg zwischen der würdelosen Prostitution des konse- (!!!eilten Assiitiilatkmsjiideii und hermetischer Abschlicssung scheint das ״B. T." nicht zu kennen. Zu alledem tritt noch Widersinnigkeit aller den Zionismus betreffenden Bemerkungen, wenn man sich den Inhalt des von! 13״. T.“ so gerühmten Briefes des russischen Ministers v. Plehwc ansieht. Der letztere verspricht nämlich dem Zionismus moralische und materielle Unterstützung, wenn er sein Hauptziel, die Schaffung eines unabhängigen Staa’tcs In Palästina und die Organisation der Auswanderung, in! Auge behalte, verwirft dagegen die Propaganda der jüdisch-nationalen Zusammeniassurjg in Russland. Das ״B. T.“ stimmt dieser ,.Abfertigung“ freudig zu, die von den Zionisten die Beibehaltung ihres wesentlichsten Programmpunktes fordert, redet aber trotzdem von ״unheilvoller, verderblicher Bewegung.“ ״Unfug.‘״ ־sonderbaren Schwärmern,“ ״phantastischen Torheiten." Der darin liervortrclende Mangel an logischem Denken erscheint jedoch nebensächlich gegenüber der Tatsnclre, dass dieses wackere. Toleranz. Humanität und Aufklärung predigende liberale Blatt mit derartige{ 1 umjuaitiizierbaren Ausdrücken das Wollen und Schaffen ehrlicher Männer aburteilt und einer Bewegung in den Rücken fällt» von deren Gelingen Millionen elender Geschöpfe eine bessere Zukunft erhoffen. Mit seinem Latein war das ,.B. T.“ allerdings angesichts der Kischinewer Vorgänge zu Ende; mochten jene unglücklichen Opfer russlsehe: Willkür im eisernen Ofen vog Kischinew nur weiter eingesperrt bleiben, wenn nur die behagliche Kulte in den l-iixuspaUiStcn vn:1 Berlin W. keine Eiuhusse erlitt. Man haue ja jenen ein anständiges, durch die Zeitung beglaubigtes A1mosen hingeworfen; darin konnte nur die ..phantastische Torheit sonderbarer Sehwärmer“ eine 1:'!genügende Hilfe erblicken. Dass siel! diese russ;schen Juden gar in Erniangelung eines gesetzlichen Schutzes zu einer bewaffneten Abwehr der Betätigung russisch-christlicher Nächste!Hebe zusammenzuschlicssen trachteten, was Herr v. Plehwe eine jüdisch-nationale Zusammenfassung nennt, das musste am Verstände dieser Leute gänzlich verzetteln lassen. Darum Lob und Preis Drohung des Vertreters der russischen Knutenherrschatt, die Politik der Duldung gegen Massregcln vertauschen zu wollen. die vom nationalen Selbstschutz vorgeschriebe!! sind. Man könnte sich wundern, wie ein liberales Blatt die Ankündigung von Massregcln freudig begrüssen kann, von deren Natur man sich nach der ״Duldung*‘ von Kischinew ungefähr eine Vor- Stellung machen kann, wenn man nicht wüsste, dass den getauften Juden jede Betätigung jüdischen Lebens ein Greuel ist. Schade, dass die Machtbefugnis des Herrn v. Plehwc siel! »lieht über Deutschland erstreckt; das ״B. T.“ würde für seine loyale Versicherung, dass die deutschen Juden nichts mit diesen phantastischen Torheiten gemein 1 haben, einen rfjssischcn Orden erhalten. ״Discitc, m0i!iti!" wagt das ״B. T." uns zuzurufen! Wer lacht da? Nun, wir lernen, aber etwas anderes, als das Assimilationsblatt meint. Wir erkennen immermehr, dass wir unsere Feinde, die Feinde des Judentums, nicht blos in Kischinew und in den Reihen der Bruhn uMd Pückicr zu suchen 4 haben; der schlimmere Feind ist derjenige der unter der Maske des Freundes unsere Interessen schädigt und 1ms bei! dem schweren Werk der Volksbefrciung in den Rücken iaht. | Noch wissen viele ehrliche Juden nicht, dass das von ihnen j gelesene ״B. T.“ die Interessen des äussersten Assimüations- und j Taufju'Jcntums vertritt und deshalb eine das Judentum im höchsten Sinne fördernde Bewegung wie den Zionismus mit Spott und Holm begeifern‘ muss. Es wird unsere Aufgabe sei!!, hier belehrend zu wirken. Dann wird das gewarnte Judentum den schweren Kampf nach zwei Fronten aufzunehmer. haben, aber aus den eigenen Reihen wird die Verwirrung schwinden, die eine pseudo-jüdische Presse!!!!!eingetragen hat. Dr. Max Besser. Der orosse Uneer.£r:״־te. | v w Von Dr. J. J. R ü i f.*) Dieser Name ist nicht erst zun! Zwecke dieser Darstellung ersonnen — von dem Au;.:..blicke an, da man inne wurde. | dass jenes besondere Buch Jesajah Kap. •10—66 nicht von die- ן sein selbst her rühren könnte, sondern von einem sonst un- J bekannten und ungenannten Propheten, der mindestens ISO 1 I *) In dieser Woche ist der erste Jalirzcittag unseres ver- ' ehrtet! Altmeisters Dr. R it 1 f. Wir begehen einen Akt de׳' Pietät, wenn wir bei dieser Gelegenheit mit der Veröffentlichung der obigen von ihm zuriickgelassencn Arbeit beginnen. י (Die Red.) Jahrhunderte lang politisch, sozial und vor allem kulturell unterdrückten Stamme das.Gefühl wieder beizubriugen, dass es ihm irgendwo feilte und mangele. Trotz aller Hindernisse gelang es Dr. L. A. Frankl, die Lämelselmle in Jerusalem ins Leben zu rufen, welche noch heute besteht und später einmal ausführlich bcsprachen w erden soll. 1111 allercngstcn Zusammenhang mit jener Bewegung zu Gunsten der orientalischen Juden, welche i. J. 1840 ihren Anfang nahm und dem Attentate des Konsuls Ratti-Menton auf die Ehre der Judenheit ihren Ursprung verdankte, entstand zu Beginn der sechziger Jahre des laufenden Jahrhunderts die Alliance brachte Universelle, die sich zu dem grössten jüdischen Schnlverein auswuchs. Und es ist kein blosser Zufall, dass als erster Präsident eben jener Dr. Salomon Munk aus Glogati an ihrer Spitze stand, welcher zuerst den Weckruf an die orientalischen Juden hatte laut werden lassen und zuerst auf die unendliche Wichtigkeit und den unermesslichen Segen jüdischer Schulen in den weiten Ländergebicten des Sultans eindringlich hinge wiesen hatte. Aus kleinen und schwachen Anfängen hat sich nun inzwischen die Alliance IsratMitc zu einem grossen Bau entwickelt, der einen wichtigen Faktor im Lehen unserer Brüder ausmacht. Zur Zeit unterhält sie ausser zahlreichen Lehrliugswerken und zwei grossen Ackerbau-Instituten 59 organisierte Knabenschulen mit 12 050 Schülern, und 22 Mädchenschulen mit über 2000 Schülerinnen. Diese Untcrrichtsanstaltcn sind über den ganzen Orient von Marokko bis zum Euphrat, vom Nil bis zur Donau verstreut. Die erste Knabenschule wurde i. J. 1862 in langer (Marokko) errichtet, dann folgte 185-4 im gleichen Orte eine zweite; i. J. 1865 wurde in Bagdad die erste Allianccschule im Türkischen Reiche c rönnet. Zur Vorbildung der Lehrer und Lehrerinnen gibt cs in Auteml eine Ecolc normale israelitc orientale, welche ausschliesslich von orientalischen Juden besticht wird und zur Zeit 28 Schüler und 20 Schülerinnen, sämtlich aus der Türkei, Bulgarien, Ostrumelien, J unis und Marokko, zählt. Ferner sind an manchen Orten, unabhängig von diesen Alliaucesehulen, Lehranstalten entstanden, die gleichfalls einen Anspruch auf eine würdigende Betrachtung machen können, so vor allem das Böth-Seier in Jaffa, die Mädchenschule in Safed, eine Anzahl Rothschildscher Schulen sowie Waisenhäuser und ahnliehe Institute. Wir werden Gelegenheit haben, im allgemeinen und im einzelnen dieser Schulen zu gedenken, und w erden •uns dabei bemühen, Licht und Schatten nach Möglichkeit gerecht zu verteilen. Der Gedanke, von dem wir uns dabei leiten lassen, ist ledig-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.