Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Rundschau. No. 37. Seite 388. Diese ungeheure Stimme von Energie bei einem einzigen Menschen ist eine weitere Bürgschaft dafür,'dass er uns zu dem Ziele führt, das wir erkämpfen. Wie ein gewaltiges Drama spieite sich der Kongress ab, und der Kunstkritiker musste seine Freude haben an dem künstlerischen und kunstgerechten Aufbau. Und grade in dem Augenblick, wo dem unkritischen Auge der Bruch, die Katastrophe unvermeidlich erscheinen musste, da offenbarte sich die Einheit der Handlung und die unzerstörbare Einigkeit des Zionisir.us in gressartiger Weise. Aber selbst in diesen! gev.altigstcn aller gefühlserregcuden Momente hatte noch das zitternde Herz und das tränende Auge doch den reinsten Kunstgenuss. Und es war ein Arbeitskongress. Von dem ersten Zusammentreten der Zionisten in 13asei im August 1897, wo der erste laute Sammelnd erscholl, bis heute hat sich die Arbeitslast und Arbeitsleistung von Jahr zu Jahr gesteigert. Was in früheren Jahren langsani vorbereitet war, kam auf diesem Kongress zur Reife, und was in künftigen Jahren reifen soll, wurde auf diesem Kongresse vorbereitet. Die Eröffnungsrede des Präsidenten und der Bcrieht des Aktionskomitees waren die Grundlagen, auf denen sich die Diskussion aufbaute. Sie selbst ergab aus den Einwürfen der Gegner und ihrer Widerlegung allmählich ein Gesamtbild des Zionismus, d. h. des gegenwärtigen Standes des jüdischen Stammes , en marche“. Die Sinaihalbinsel und British-Ostafrika standen nach einander im Vordergründe der Debatte. Von Palästina wurde atu wenigsten gesprochen. Und doch war, wie wir später eingehend zeigen werden, Zion der Grundakkord des ganzen Kongresses, und doch habet Herzl und alle Zionisten mit ihm!1 u r Zion und ausschliesslich Zion als Ziel vor Augen. Und!lieht mir als Endziel, sondern auch als erstes und einziges Ziel. Das sollen sich die gesagt sein lassen, die sich einbilden, dass der Zionismus sich gemausert habe, weil die Britische Weltmacht mit dem Jüdischen Volke in der Oestall des Zionistenkongresses und seines Vertreters Herzl völkerrechtlich verhandelt. Wir werden uns keineu Augenblick irren, und verstehen sehr wohl, dass der diplomatische und politische Weg nach Palästina, niemals aber der geographische, über Ostafrika führt. Der Kongress, der die Kolonialbauk zum ersten Male in Aktion sah und der dem Nationalfond die feste, 1111* abändcrlielte Form in sachlicher Arbeit gegeben bat, hat zum Ucberfluss noch einmal ausdrücklich festgelcgt. dass von Kolonialbank, Nationalfond und Schekel nicht ein Meller und keine Peru ♦Ah für ein anderes Land gegeben werden können, als nur für das Land Israel. Die Zionisten lassen sich nicht taufen, und werden ajjdi keine Afrikander. Sie gehen auf geradem Wege. Ebensowenig haben auch die Fraktionen zu Spaltungen geführt und nur die untrennbare Einheit des Gesamtjudentums im Zionismus noch fester gefügt. Als eine einige und einheitliche Nation gehen wir in i t unser m Fü 11 r c r H e r z I an der Spitze, auf d cin nächsten Wege auf unser Ziel los, das 11 nvcrändert ist und bleibt die S c 11 a ו t u 11 g einer ö f f c 1111 i c 11 ־ r e c 1111 i c 11 gesicherten Heim- Stätte f ii r das J ti d i s c 11 e V o I k i 11 Palästina! Heinrich L 0 c w e. Das ״Berliner Tageblatt“ um! d!er V*l VI Das ״Berliner Tageblatt“, das Organ der getauften Jude־’, das in irübereil Jahren zur Zeit der zionistische;! Kongresse die Politik d;־s Totschweigens verfolgt hat, sieht sich ln diesem Jahre gezwungen, seine Taktik zu ändern. Die Tat* Sache, dass die offiziellen Vertreter der bedeutendsten Mächte den Zionismus als einen ernsten politischen Faktor behandeln, gibt ihm Veranlassung, seinen! Aerger über diese Bewegung in einigen hoknisdien. konfusen Bemerkungen Luit zu machen, i Miau könnte über die Animosität dieser Vertreterin eines ver-! flachten Liberalismus, der sich einem baldigen Untergang geweiht sieht und in der jungen, machtvoll aufstrebenden zionistischen Bewegung einen gefährlichen Gegner erblicken muss, einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn nicht viele Judcf.1 ihre Kenntnis über den Zionismus ausschliesslich dem ».Berliner Tageblatt“ entnähmen. Deshalb ist eine scharfe Abwehr am Platze. Wenn man die bona fides dieser Zeitung nicht anzwcifcln will, so muss mau über die naiven Anschauungen statinen, die f ,, \ \ % I -י \ % ׳ k. '־ %\ץ■ y «<״•־'t 1ZL ד».* *w •׳•יי. L X W3 #סי Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient. VH. Jüdische Schulen 2m Orient IL Wem! man alle Umstände gemigci d in Betracht zieht, so begreift mtm, dass von dem Augenblick an, wo die europäischen Juden ihren Blick daraui lenkten, den orientalischen Brüdern aus dem Sumpfe zu helfen, in den sic ohne ihre Schuld geraten sind, an die Errichtung guter Schulen und Unterrielitsinstitute gedacht werden musste. War cs doch eine unumgängliche Vorbedingung für die Gleichberechtigung auf bürgerlichem Gebiete, dass die Juden aus ihrer Indolenz, aus ihrer Unkultur, ihrer Untätigkeit und ihrem Schlummer gehoben und erweckt werden mussten. Als daher Adolphe Creinieux und Moses Montefiore wegen der Damascener Blutaffäre im Jahre 1840/41 in! Orient weilten, erliesscn ihre gelehrten Begleiter Dr. Salomo» Munk und Dr. Ludwig Locwc in hebräischer und arabischer Sprache einen eindringlichen Aufruf an die Juden in den Ländergebieten des Chedive Muhammad ’Ali ,sich auzuraffen, Schulen zu gründen und ihnen ihre Kinder zur Erziehung zu überweisen. Ganz von demselben Geiste, der sie diesen ihren Aufruf verfassen und veröffentlichen liess, waren die beiden Gelehrten geleitet, als sie bald darauf die erste provisorische Schule in Alexandrien ins Leben riefen, die freilich keines langen Bestandes sich zu erfreuen hatte. Erst im Jahre 1855 etwa, als die Sturm- und Drangperiode einer heftigen Emanzipations - Bewegung ihre allzu hohen Wellen geebnet hatte, konnte man an eine Wiederaufnahme dieser Tätigkeit denken, musste aber dabei mit Bedauern wahrnehmen, dass die Erfolge der früheren Arbeit infolge der Untätigkeit während beinahe eines Jahrzehntes wieder verloren waren. Als man nun von neuem an die Arbeit ging, als in diesem Sinne Ludwig August Frankl und Albert Colm selber nach dem Heiligen Lande reisten, da sah man erst die ganze Schwierigkeit in ihrer vollen Grosse, einem י׳^| *יזיז-*- tw**"*1־****־‘ *