Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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! i I 4 I I «* ■fe» *A.» No. 36. schliesst? Er glaube das nicht. Denn die Lösung dieser!,rage sei nicht1 von einzelnen Staaten, sondern von unserem Volke abhiingig. Das sei nicht Gefühlssache, sondern die Acusserung_ einer historischen Notwendigkeit, die in der nationalen Lösung ihr Ende finden müsse. Dies zu verkünden, sei kein Plat>:' besser als diese Tribüne. Das hochherzige Anerbieten Englands sd nicht zu unterschätzen, aber man dürfe nicht zutti Nachteil des historischen Momentes die Zeit über diesem Projekte ver• lieren. Schon das Anerbieten selbst beweise, dass alle Mächte an der Frage Interesse nehmen, und wenn dieses Anerbieten,- das unsere nationalen Sympathien nicht hat, abgclchnt werd;. so wird uns England andere Mittel zur nationalen Lösung der Frage gewiss nicht versagen! Er plädiere fiir die KonzciitrLrung aller Kräfte au! das ursprüngliche Programm! Dr. K a t z c n e 11 e 11 s o h n. Wir haben von unserem verehrten Vorsitzenden vieles zu lernen. Ich nehme ein Wort aus seiner.Rede heraus, wo er sagte: dass er nicht nur als Partcimami, sondern auch als Jude dort war. Meine Herren, so müssen wir in dieser Frage nicht nur als Partcimäimer. sondern auch als Juden urteilen. Es ist hier davon gesprochen worden, eine Kommission einzusetzen und diese Frage zu behandeln, ohne die Schekelzahler vorher gefragt zu haben. Die Delegierten sollen erst hingehen und die Meinung der Schekelzahler ״׳־•riorsc'heu und inzwischen die Frage ernsthaft untersuchen und prüfen. Wenn ich etwas neues zur Frage sagen kann, ist es, weil ich in einer Stadt wohne, wo der Hauptpunkt der Emigration liegt, in Libau. Ich will nicht hier im Kongresse eine traurige Stimmung hervorniie», und die Lage dieser unglücklichen Emigranten schildern. Das wäre zu traurig. Ich will nur ganz kurz einige Sachen hervorheben. Von Zeit zu Zeit liest inan in der Libauer Zeitung, dass der Dampfer so und so mit 200 Juden 3:0 Pferden nach Arnerika abgegangen sei. Ich muss diese traurige Tatsache hervorheben, damit man daraus ersehe, wie die Leute behandelt werden. Vor drei Jahreti sind in Libau bei einem solchen Transporte sechs Personen erstickt. Das ist die Lage dieser Leute, die nach einem Nachtasyl suchen! Sie gehen planlos umher. Ein Teil davon kommt über- 113 upt nicht nach dein Ziele, denn er wird zurückgeschickt und von dem Teil, der dorthin kommt hat man gesagt, dass manche Juden ihn willkommen heissen, manche Juden auch nicht. Nun, Sic w’erden wahrscheinlich fragen, wie gross ist die Zahl der Leute, die sich nach einem Nachtasyl Umsicht. Ich habe genaue Daten gesammelt. Sic war zirka ■10 000 vor zwei Jahren und über IGO000 in der ersten Hälfte dieses Jahres. Die Zahl der Leute, die sich nach einem Asyl Umsehen, wäclist mit federn Tag. Im Jahre 1S99 sind durch Libau passiert 2000 Juden, im Jahre 1903 in der ersten Hälfte bereits 5767. Nun, wenn wir bereits 100 000 Leute haben, die hinausgehen und nicht wissen, wohin, wenn wir diese Zahl sehen, müssen wir uns fragen, was soll aus diesen Leuten w׳erden? Die grösste Frage des jüdischen Volkes ist ausgedrückt in wenigen Worten: Es ist ein Volk, zerstreut und zersplittert unter den verschiedensten Völkern. Sollen wir an diesem Werke der Zerstreuung weiterar־ beiten? Sollen wir es zulassen, wenn auf der andern Seite die Möglichkeit vorliegt, eine bessere Existenz, eine Heimat zu schaffen? Sollen wir diese Frage einfach weglegen, ohne sic zu prüfen? Was würde man naclt 30 bis 40 Jahren von uns sagen, wenn es hiesse, dass der Kongress das Angebot einer Regierung, die uns ein Land anbieten wollte, nicht prüfen wollte? Das können wir nicht verantworten. Nun befürchten sie, dass das der zionistischen Bew׳egung schaden wird. Da möchte ich Sie beruhigen, das wird uns sogar sehr nützen. Seite 383. Ich kann Ihnen nur aus vollen» Herzen zurulen, bei der Abstimmung dieser hunderttausetul Mensel^11 zu gedenken, die jetzt plan- und ziellos in •die Welt hinausgehen. Schafft diesen, wenn nicht eine Heimat, so doch eine Stelle, w0׳ sie miteinander leben können und vor allem überleget und prüfet nochmals. Die Delegierten müssen sieh zuerst ans Volk wenden und der nächste Kongress soll die Antwort geben. Jedenfalls mögen Beschlüsse gefasst w erden zum Heile des Judenttims und zum Haie Zions! Dr. Tschlcnow Ich muss sagen, dass in meiner Seele sich ein sehr ernstes Drama abspielt. Ich fühle, dass etwas im tiefsten Herzen ist. was heilig, unantastbar scheint, das in diesem Kongress angetastet iwd verletzt wird. Ist denn wirklich eine Gefahr für das da. was wir für heilig halten? Heren wir was unsere geliebten Führer gesagt haben. Denken Sie denn einen Augenblick Zinn zu vergessen oder wollen Sie uns etwas geben an Stelle Zions? Nein, Sie bclumpten, unsere Bestrebungen und unsere Arbeiten für Zion werden eine Stärkung finden. Sie behaupten, sie werden uns eine Stätte schaffen, wo wir unsere Kräfte sammeln und für Zion Vorarbeiten. Icii glaube nicht, dass es jemandem gelingen wird, statt Zion ein anderes Land in unser Programm einzustellcn. W as au! unserer Fahne steht• bleibt immer unser Heiligtum und unsere Devise. (Beifall). . Wir waren uns b?i der Aufstellung unseres Programme wob! bewusst, dass die Erreichung unseres Zieles mit grasen Schwierigkeiten verbunden ist. Zion ist das Land, das \v:r lieben. Zion steht vor allen Ländern unserer Wald. Es sind aber noch viele wichtige Momente da. Wir haben uns gesagt, wir müssen ein Zentrum habe::, das mr unser Volk immer ei,! Attraktion«leid bleiben muss. Wir müssen eine Stelle haben, die unser Volk immer an sich ziehen wird. Wir haben uns ferner gesagt: wir denken nicht, dass das ganze Volk nach Zion gehen wird; wir werden nur für einen Teil des Volkes eine Heimstätte ,schaffen, diese Heimstätte wird aber die Autorität über das ganze Volk haben. Es gibt nur ein Land, das diese Autorität für unser Volk hat und das Ist Zion, kein anderes Land der Welt! (Lebhafter BeifalD. Darum haben wir keinen Augenblick Furcht, dass man Zion mit etwas anderem vertauschen kann. In dem, was uns vurgeschlageu wird, ist eine neue Illusion für das Volk geschaffen. Warum haben wir verhältnismässig noch wenig Zionisten? Unser Gedanke ist so klar und fesselnd, aber viele Kräfte arbeiten eben nicht mit, weil sie Illusionen haben. Die Notlage ist kolossal und unser Volk kennt keine Ruhe mehr, seit evs die Heimat verlassen hat. Darum haben wir einen Kernpunkt, den ersten Satz unseres Programmes geschaffen, worin steht, dass wir bestrebt ,sind, eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu *schaffen. Das ist dasjenige, was den Zionismus kennzeichnet. Unser Pro• gramm und unsere Wege sind klar und wir können nicht da\on abweichen. Aber wir wissen, dass Hindernisse da sind, dass der Weg schwer ist und da wende ich mich an Sie und insbe* sondere an unsere verehrten Führer. Wir w׳erdcn warten und lange warten, bis derjenige Moment kommt, der In unseren. Programm und hier auf unserer Fahne steht. Wir hoffen, dass, da das grossherzige britische Volk erklärt hat, uns zu helfen, es auch unsere Heimatsliebe verstehen wird. Wir bitten unsere Führer; ״Gehen Sie vor dieses Volk und sagen Sic, dass Jtfon unsere Heimat ist und bitten Sic׳ dass diese Nation uns zu diesem Zwecke Beihilfe geben soll.‘‘ Dr. Fink (Wien): Die vielen Argumente gegen Ost־' afrika seien an ihm vollkommen abgcprallt. Auf der einen Seite wird das russische Massenelend bejammert, au! der anderen Seite befürchte man eine Gefährdung des Idealismus. , Was sei leichter zu ertragen? Dec Ruin von Millionen Men• י •l iidisclie )Et1111<18<!lKa1•. - ä■* -י! ־־־- ׳״ r f?״e.. «v*-״«,