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Jüdische Rundschau · 1903-09-01 · Heft 36 (1.9.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 36 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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יי6יייזיחל ״"^4***וי*#...** *י dh• < * >•***»«״ *«»*,*״# Seite 382. Jüdische Huudscliiut. No. 36. denn, dass noch Jemals irgend eine Regierung der Welt einen Finger aufheben würde, ein Volk zu retten, das sich nicht selbst retten will, das die Türe zuschlägt, (He man ihm öffnet? . (Grosser Beifall). Dr. Wortsmann: Wir müssen unserm Führer, Herrn Dr. Herzl, dankbar sein, für das, was er seit dem letzten Kongress getan hat. Er hat mehr getan, als wir von thm verlangen können. Das bedingt aber noch nicht die Annahme des Ost- Afrika-Projektes. Ich will, dass in dieser Frage Klarheit gcschaffen wird. Dr. Nordau hat uns gestern gesagt, dass wir weiter arbeiten müssen für Palästina, wir sollen die Kräitc nicht zersplittern und hat damit geendet, dass wir für Ost- Afrika sein müssen. Das ist ein gewaltiger Widerspruch. Das Iticsse vormittags Geld sammeln für den Nationalfond, Aktien verkaufen für die Jüdische Kolonialbank und nachmittags für die ostafrikanische Bank. Wer das Jüdische!.eben kennt, muss sagen: Eine jüdische Autonomie mit einer jüdischen Lokalregierung in Ost-Afrika ist ein Glück für das jüdische Volk. Aber wenn wir, wie Dr Nordau gesagt hat, e:11 ״Nachtasyl ‘ gründen wollen, so müssen wir suchen, dieses Nachtasyl so gut als möglich auszustatten. Es ist charakteristisch, und ich möchte sagen traurig, innerhalb 24 Stunden Palästina in Ost- Afrika zu verwandeln. Man sagt uns. wir müssen der englischeu Regierung dankbar sein, jawohl, von Herzen. Aber vergessen wir nicht, dass, wem! wir Millionen Juden nach Ost- Afrika schicken und dort einen Kulturstaat gründen, auch di.* englische Regierung uns zu danken haben wird, lei! bitte, mich so aufzufassen, als spräche ich hier gegen Ost-Airika. An dem Zionistenkongress werden Sie mich nicht iiir Ost-Airika sehen, das wäre Verrat au dem Schckclzahler. an dem Zionisten. Ich mache den Vorschlag, dass man eine Kommission zu dieser Frage wähle, namentliche Abstimmung vornehme, damit da* jüdische Volk weiss, wer für Ost-Afrika und wer für Palästina ist. (Lebhafter Beifall.) Lewin (Jargon) wendet sich gegen die Wahl einer K״mmiss!«!!, er betrachtet das als ersten Schritt für die Aunahm: des Ost-Afrika-Projektes. Wir wollen Palästina, nicht ein Nachtasyl. Wir wollen Dr. Herzl in Palästina haben und Nordau auch. Wir haben die Zusicherung in dem ältesten Buche der Welt, dass wir unser Land bekommen werden, w!r wollen es nicht, und sei es auch nur auf 10 Jahre, aufgebe״. Wir wollen Dr. Herzl. der uns teuer ist. keine einzige Stunde geben für eine andere Bewegung. Wir sind eifersüchtig au! ihn. Er soll unser Präsident sein, so lauge es nur einen zionistiseheu Kongress gibt und sollte es auch viele gehen, die sich anderen Bewegungen zuwenden, so wollen wir uns treu bleiben als reine Zionisten. Dr. Pasmatiik. Ich glaube, dass d:es der tragiscliste Moment des sechsten Kongresses und nicht blos des sechsten, sondern aller bisherigen Kongresse ist. Man muss diesen intiern Kampf sehen, beobachten, der in jedem einzelnen von uns vor sich geht. Wie schwer cs jedem fällt, in dieser Frage eine Entscheidung zu fällen. , Als wir zun! Kongress gewählt wurden, wussten wir vo1־ der Ostafrikafrage nichts. Wir wissen jetzt aticb nicht, was unsere Wähler dazu denken. Haben wir das Recht, ohne die Wähler befragt zu haben, die Frage zu entscheiden? Wo sind die Demokraten, und die, die sich Demokraten nennen, die dieses Prinzip nicht verteidigen wollen? Ich will au meine Wähler appellieren. Ich stehe aut dem Standpunkt eines cchten Demokraten. Ein zweiter Punkt ist die ungeheure politische Bedeutung dieses "Angebotes. Wir sind zum ersten Male ats politischer Faktor behandelt worden. ' •Nutzen wir diesen Moment aus. Brechen wir nicht den Stab über das Angebot. Die einzig richtige Entscheidung wird sein: Wir wählen eine Kommission,' die sich mit der Frage so weit als ntuglic.1 genau vertraut macht, die aber nicht das Rocht hat zu entscheiden. Dann soll die Frage von der ganzen zionistischen ־* '"“*'lg4׳■*»-«־ ♦®!,*/״*־י.- »W Welt diskutiert werden. Und wenn cs notwendig ist, haben י wir einen Kongress in 6 Monaten, in 3 Monaten. Wir haben ja schon lange gewartet,*wir körnten noch etwas länger warten. Ich glaube, wenn wir dann entscheiden, in welchem Sinne es auch sei, wird cs eine Volksentscheidung sein. (Grosser Beifall.) Tcm k i n spricht russisch: Er danke England herzlich für das Anerbieten, aber er müsse konstatieren, dass vom VI. Kongress an bei unsern Führern mehr Anhänglichkeit zum judenstaatlichen Ideal als zu Zion sichtbar geworden ist. Und doch seien ihm lieber als Länder voll Milch und Honig die nackten Felsen Palästinas. Wenn wir Afrika annchmeit. so müssen wir der moralischen Unterstützung Europas für unsere Ideale Adieu sagen. Niemand wird später mit unseren Gefühlen rechnen. Ferner sind folgende praktische Rücksichten zu nehmen: 1. Wir haben wenig Leute. Und cs wird sicher eine Spa!־ tung stattfinden ,in eine Partei des ״reinen“ und eine des ״problematischen“ Zion. 2. Wir haben wenig Geld. Und das Geld, wofür bis jetzt für Palästina geschafft worden ist, würde anderweitig gebraucht. Auf lange Zeiten würden wir auf die Spenden des Nationalfonds für Palästina verzichten müssen. Er schlage vor, diesen Antrag (Ostafrika) nicht jetzt und niemals später as.zimehmen. und unsere Tätigkeit in der Richtung der Augen des jüdischen Volkes, nach Zion, zu richten. (Beifall.) Dr. Fr Jede mahn : Ich habe heute sehr viele Worte gehört. Sie bewegten sich alle in der Richtung, dass w׳r im Begriffe sind, das Basler Programm zu verraten. Die Deutsehen, Oesterreiclier, Italiener, Engländer und Amerikaner, die Ihnen durch meinen Muni vor 2 Tagen verkündet habe׳!, dass sie für Einsetzung einer Kommission sind, sind so gut Z1 *nisten und wissen so gut mit dem Basler Programm Bescheid wie die andern. (Beifall. Widerspruch). In den Reden war sehr viel Sentiment. Aber man nicht in Europa ,Politik nicht r.iit dem Herzen, sondern mit dun Kopf. Die Politik Temkins ist Politik d?_s Sentiments, nicht des Kopfes. Es ist nicht richtig, dass das Afrikaprojekt dem Basier Programm widerspreche. Diejenigen, die schon etwas langer in der Bewegung sind, wissen, dass die allerersten Zionisten sehr im Zweitel waren, ob man Palästina überhaupt ins Progi.״mm nehmen solle. (Unruhe). Wir wollen nicht, dass hier l>esch!ossen wird, dass wir nach Ostafrika ubersiedel!!, sondern dass man vermmftgemäss einen veriiiinftgemässen Vorschlag überlegt, che man ihn ableimt. Es ist gesagt worden, wenn wir in Ostafrika etwas unternehmen, schädigen wir die Volksidee. Aber wir behalten ja unter allen Umständen Palästina als Endziel. Warum sind Sic dagegen, dass man ein grossherziges Anerbieten in höflicher Form — prüft? Es ist auch gesagt worden, die Ica möge helfen. Gut! Wenn sic cs aber nicht tut, so kann es gehen wie dem Mann, dem gesagt wirJt Ich gehe dir kein Brot; du hast reiche Verwandte. Als ihm die auc)1 keines gaben, ist er verhungert. Millionen russischer, rumänischer, gali/.ischer Juden schmachten in Verzweiflung und Sie wollen ein grosses Projekt so abtun? (Schiussrufe. — Grosser Beifall.) Wir wünschet! lediglich eine Kommission. Diese wird auf einem nächsten Kongress oder auf einem kleinen Kongress einen sacligemüsseii Bericht erstatten, und Sie selbst werden nichts verloren haben, als eine unüberlegte Handlung, wenn Sie heute plötzlich und ohne Prüfung ein Anerbieten ablehnen, da,s man Ihnen grosstniitig gemacht hat und das vielleicht docii die Keime in sich scliliesst, aus denen Gutes für das jüdische Volk erwachsen'kann. (Beifall). Prof. B e 1 k o w s k i erinnert an den ersten Kongress und fragt, was sich denn seit dieser Zeit ereignet hat, um eine Aenderung des Standpunktes zu rechtfertigen. Wir hörten von den resultatlosen Verhandlungen mit der Türkei. Ist die Bchauptung berechtigt, dass dieses Faktum die Hoffnung und Aussicht auf ein schliessliches Abkommen mit der Thrkci aus- י

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