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Jüdische Rundschau · 1903-09-01 · Heft 36 (1.9.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 36 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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•*•**■# %':x k! I k , | t ׳1' i* r* |:;t >A\ I ' |fv I f f V ■*׳/ No. 36. Jüdische Rundncliaii• Seite 379. 1 Palästina verschliessen, dann mussten wir eben, unter feierlicher Aufrechterhaltung unserer tmverjährbarcn ge- Schichthöhen Ansprüche auf das Land unserer Väter, mit beiden Füssen unerschütterlich auf dem Boden des Basler Programms verharrend, uns in Geduld fassen und warten. Wir können warten. Verstehen Sie mich recht, wir können nicht warten, wenn wir uns selbst aufgeben, wenn wir an unserer Zukunft verzweifeln, wenn wir die Flinte ins Korn werfen; dann jagen wir mit furchtbarer Schnelligkeit dem erbärmlichstcn Untergang entgegen (Beifall). Weil 11 wir aber wieder Selbstvertrauen fassen, wenn wir entschlossen sind, a I s' V o 1 k weiter zu leben, ein- ־deutliches Ziel, einen klaren, testen P l a n J1 a b e n , dann sind wir wieder das ״ewige Volk‘‘, ״am Olam“, und nichts und niemand vermag das geringste gegen uns (tosender Beifall). Dann warten wir eben geduldig, bis günstigere Verhältnisse sieh darbieten, und wiederholen dann immer wieder ganz gelassen, mit unerschütterlicher Zähigkeit, der unsre Feinde nach ihrem Belieben einen andern, schimpflichen Namen geben mögen, unsere Forderung, bis in der Weltpolitik eine Lage eint ritt, die cs den Machteil wünschenswert mach«, *ms zu hören. Inzwischen werden wir keinen Augenblick aufhören dürfen, die Jrdentrage vor der Web und vor den Regienmgen als eine stehende Aktualität lebendig zu erhalten, und daneben werden wir an unsere innere Orgauisation arbeiten müssen. Möglichste Stärkung und Vermehrung der Machtmittel des Zionismus bleibt unsere erste und vornehmste Amgab •. (Beifall). Darunter sind zu verliehen: die Vervollständigung des Aktienkapitals der jüdischen Kolonialbank, die Yergrüsserung des Nationalfonds, lind vor allem: die Frohe rung der (j cm c i n d c n und der meist von ihnen abhängenden bestehenden indischen Einrichtungen. Ich wciss. man sagt uns: Das ist zu schwer, das ist unmöglich. Schwer ist es, zu schwer nicht. Zu schwer darf cs nicht sein. Fs ist eine erste Kraftprobe. Wenn wir nicht einmal imstande sind, rein inner-jüdische, mit dem Stimmzettel in der Hand zu lösende Fragen zu bcwältigen, wie sollen wir uns Zutrauen, ein politisches, wirtschaftliches soziales Werk zu unternehmen, bei dem - wir cs mit der ganzen nichtjüdisehen Welt zu tun haben und dessen Schwierigkeiten nicht mit einer blossen Promenade zu einer Wahlurne zu überwinden sind! Ich denke, wenn ich von der Eroberung der jüdisehen Gemeinden spreche, in erster Reihe an die Länder, in denen die grosse Masse des jüdischen Volkes siedelt und die Kraft unserer Bewegung wurzelt. Dort können wir siegen, und weil wir cs können, müssen wir es! In den Ländern der Assimilation liegen die Dinge anders. Da wird sich vielleicht die Eroberung der Gemeinden in absehbarer Zeit als unmöglich erweisen. In diesem Falle werden wir bloss testzustcllen haben,‘ dass die grosse Mehrheit des jüdischen Volkes mul seiner Staatlieh anerkannten Einrichtungen die zionistische Kokarde angesteckt hat. und dass die kleine Mehrheit von Widersaehern, die den Zionismus als System jüdischer Volks- Politik nicht nur für sich, sondern auch für *die der Erlösttng bedürftige grosse Mehrheit des jüdischen Volkes cndgiltig ablchnt, sich selbst als Fremdkörper־ im lebenden jüdischen Organismus bekennt. * Geehrte Versammlung! (edestnal, wenn zwischen den einzelnen Kongressen eine längere Frist verstreicht, bemächtigt sich unserer Gesinnungsgenossen eine sichtbare Ruhe. I״ den Reihen unserer Streiter tritt ein eigentümliche» Schwanken ein. In immer kürzeren Ahständen, immer' hastiger und erregter hören wir die ängstliche Frage wiederholen: Was geschieht? Woran sind wir? Was sollen wir der Menge antworten, wenn sie in ihrer Ungeduld nach praktischem Ergebnis fragt? Und wenn dann noch eines jener unglücklichen Ereignisse eintritt, wie sic in der letzten Zelt leider immer häufiger geworden sind, wenn dem jüdischen Volke eine Schmach zugefügt wird, die jeder einzelne von uns an seiner Stirn als Brandmahl empfindet, so lange sie nicht afcgewaschen ist, dann geht ein Beben vom Scheitel bis zur Sohle durch das jüdische Volk, und die auch sonst leider bei uns schon so verbreitete Nervosität steigert sich in einer Weise, dass sie zusammenhängende Bewegungen auslöst, die nur als Panikbewegungen bezeichnet werden können. Der Ruf geht dann durch die Lande: ״Es muss sofort etwas geschehen, auch wenn cs etwas unnützes, auch wenn cs etwas schädliches ist, gefährliche Neigung, das ist ein sehr gefährlicher Seelenzustand, wir müssen ihm entgegentreten und ihn bekämpfen. Er ist erklärlich. Er erklärt sich daraus, dass bisher noch niemals ein System jüdischer Volkspolitik auigcstellt worden ist. das jedem einzelnen denkenden Juden vollkommen klar vor Augen steht. (Beifall.) Ich habe vorhin gesagt, dass dieser Kongress der bevollmächtigte, rechtmässige Vertreter des jüdischen Volkes ist. Ihm liegt es ob. jüdische Volkspolitik zu machen. Dieser Kongress wird in den grossen Zügen die jüdische Volkspolitik iiir jetzt und eine Zeit festzulegen und zu verkünden haben, so dass auch in der langen, manchmal schrecklichen, kongresslosen Zeit jeder einzelne Jude auf dem Posten, auf dem er stellt, weiss. was er zu tun hat, woran er zu arbeiten hat und sich von Zuiällen. so schmerzlich sie auch sein mögen, nicht verwirren, nicht aus Reih und Glied bringen lässt. Denn sehen Sie, eine jiklL;i!e Volksnah!:!: hat es bisher nie-!!!als gegeben. .Mit •den krampfhaften, unztisamnienhängenden, automatischen Reflexbewegungen der Abwehr, die einzelne Juden oder kleine Teile des jüdischen Volkskörpers der Gefahr und dem Angriff entgegensetzen können, ist dem jüdischen Volke in seiner Gesamtheit nicht geholfen. Es bedarf wohlkoordinierter Verteidigungsarteil des ganzen jüdischen Yoiksorgaiiismus. Von unserer Verteidigung war bisher jeder strategische Gedanke, jeder Gesamtplan, jede einheitliche Führung abwesend. Sie bestand lediglich in einer Reihe Einzelscharmützcl der St. Georgs-Kavallerie. Sic wissen ohne Zweitel, welche Armee-Abteilung man in England mit diesem Ausdruck bezeichnet. Es ist die tapfere Truppe der goldenen Sovereigns, deren Prägung das Bild des heil. Georgs zeigt. Das Geld heraus! Das war die jüdische Volkspolitik. Als es neulich galt, die Antwort des Judentums auf eine schwere Beleidigung zu geben, da sahen wir, dass in allen Ländern, wo Juden wohnen, Geld gesammelt wurde. Binnen wenigen Wochen sind auch an 3 Mil- Honen Franks zusammengekommen, und dieser Betrag beweist, dass unsere jüdischen Reichen diesmal tief in die Taschen gegriffen haben. Damit w ar aber auch ihre Anstrengung erschöpft. Das Geld wurde an den Ort der Heimsuchung geschickt und dazu gesagt: ״Hier i s t G e Id , nun bleibt wo Ihr seid und v c r - haltet Euch r u 11 i g.“ (Beifall.) Unsere Reichen haben sieh zu unseren Todfeinden in Watten gewendet und ihnen gesagt: ״Ah, Ihr mordet, Ihr schändet, Ihr zerstört? Hier ist Geld zur Versorgung der Witwen und Waisen, zur Heilung der Verstümmelten und Siechen, zutn Ersatz des vernichteten Hausrats und der geraubten Güter. Ihr werdet nach einiger Zeit die neuen Möbel, die neuen Waren w ieder vernichten, neue Leichen, neue Krüppel, neue ihrer Ernährer beraubte Familien machen? Wir werden neues Geld schicken. Wir wollen d 0 c 11 sehen, wer früher 111 ii d c wird, ihr z u morden oder wir zu schenken.“ (Beifall.) Geehrte Versammlung! Es ist nicht meine Schuld, dass selbst die furchtbarste Tragik sofort in eine Posse t

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