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Jüdische Rundschau · 1903-09-01 · Heft 36 (1.9.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 36 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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* '״׳*.►*י .״ ־*״■“f ■י• v-g/1 p>.«-׳‘10ן־’־ןן*ף * •ן!; ,h*V J Seite 376. v JUdiselic ]R1111Ldsolm.1t No. 36. In der Luftlinie. Mit einer unnachahmlichen Handbewcguüg beglcitcte Hcrzl seinen klassisch schönen Ausspruch in seiner Rede zum Schluss des VI. Kongresses, dass die Luitlinic so lange nicht praktikabel sei, als cs keine lenkbaren Luftschiffe gäbe und man nicht in den Wolken wandeln könne. Dieser Ausspruch wandte sich an seine lieben ״Neinsager“, denen er eben erst das Kompliment gcmacht hatte, dass er sich auf sie stütze, eben weil sie ihm auch Widerstand leisten können. Diese Aucrkcnmmg einer Opposition, die für den Unkundigen eben noch den Anschein hatte erwecken können, dass eine Spaihing des Kongresses möglich wäre, ehrt den Präsidenten des Zionlsten-Kongresses nicht minder, als sie ein 1111* widersprochenes und unwiderlegliches Zeugnis von jener gewaltigen Summe eines positiven, glühenden- | Idealismus ist, der in den Herzen der ..Neinsager“! flammt. Das Missverständnis, indem nicht nur russische j Zionisten befangen waren, dass Hcrzl Zion sage mul ן Ostafrika meine, wurde durch seine Schlussicdc völlig aufgeklärt. Aber es war gut so. dass das Missverstand- « nis überhaupt aufkam. Denn nur durch dieses Miss- I Verständnis wurde die oppositionelle Minorität dahin ge- ' trieben, die ganze Fülle ihrer zionistischen Begeisterung zu offenbaren. Die Zähigkeit, mit der sic an dem! Baseler Programm festhält und jede Substitution eines j anderen Landes anstelle Palästinas bekämpfte, war der ־ bündige Beweis, dass diese Opposition die treibende Feder der Kongressmaschine sei. deren Meister und : Lenker Herzl ist. Die zionistische Widerstandskraft, die sich als Opposition zeitweilig offenbarte, entspricht der! Spannkraft, die den Zionismus treibt. Fs ehrt beide j Teile, dass der Präsident des Kongresses verstand, dass j diese in sich geschlossen disziplinierte Oppositions-! gruppe den Kern des Zionismus in den Ost ländern bildet. Sie Ist in Wahrheit die feste und unerschütterliche Basis des Hcrzl’sclten Zionismus. Und doch dieses Missverständnis! Und vielleicht grade darum! Sic suchten in der Luftlinie das Ziel auf J dem gradesten und kürzesten Wege, w o Herzl wegen \ widriger Strömungen lavieren zu müssen glaubte. Aber j nicht nach Ostafrika gellt der Kurs, sondern nach Paj lästina und direkt nach Zion. Dies ist und bleibt das j unverrückbare Ziel, dem wir uns ebenso sicher nähern. , wie wir in den Augen des Nichteingeweihicn von ihm j zu entfernen scheinen. Sollte Hcrzl, — was ausgej schlossen ist, — auch nur einen Augenblick daran ge- , dacht haben, Zion durch Kinyn oder Kenia zu ersetzen, j so müsste ihn die Stimmung selbst der ״Jasager“ 1 klar und deutlich belehrt haben, dass es unmöglich i ist,. der impulsiven Kraft des Zionismus eine! andere Richtung zu geben, als die nach Jerusalem. Das Missverständnis aber beruht darauf, dass unsere allergetreueste Opposition einen Augenblick nicht verstanden hat, dass Hcrzl's ausschliesslicher Lebensinhalt sich mit dem unverrückbaren Zionsgedanken deckt. Wenn Hcrzl seinen! Gefühle freien Lauf lassen « dürfte und nicht zugleich als diplomatischer Vertreter; seines Volkes Rücksicht auf alle Interessen seiner Nation; nehmen müsste, so hätte er w׳obl am liebsten selbst in : den Ruf mit eingestimnit: Zion, Zion und 1111 r Zion! Das konnte und durfte er nicht, denn er, der als Steuermann das Scliifflein unserer Nation lenkt und mit Wind und Wellen kämpft, steuert nach rechts, laviert nach links und behält doch stets nur das eine Ziel im Auge: Zion! Darum mögen sich die Gegner des Zionismus nur ja keinen unnötigen Sorgen hingeben, die sie so gern um die Zukunft unsrer Partei beschleichen. Wir, die wir auf dem Kongresse zeitweilig die Op- Position bildeten, und die wir das Ostafrikaprojekt in Wort und Abstimmung bekämpften, werden keinen Augenblick lang vergessen, dass unsere Meinung in dem Augenblicke hinfällig wurde, wo die Mehrheit gegen uns entschied. Der Majoritätsbeschluss ist für uns bindend. Aber es \<ird uns das leicht gemacht. Denn Hcrzl, der Bürge für das Baseler Programm, ist 1111s selbst־ der beste und sicherste Gewährsmann, dass 01111c Umweg über fremde Länder der direkte Weg nach Zion eiligeschlagen wird, nicht in der Luftlinie, aber auf dem festen Gründe positiver Arbeit im Sinne des Baseler Prograutms. J. L. An das ״Berliner Tageblatt.“ I >as ״B e r I i n e r T a g e b I a 11“ heisst im Volksmunde das Judenblatt. Man will damit nicht nur ansdrücken, dass die Zeitung lediglich von Juden gelesen wird, sondern dass ihr ganzes Tim und Gehaben jüdisch sei. Unsere Nation ist an Schmähungen und Bcleidigimgeti gewöhnt und wird sich auch die Kränkung ruhig einstccken. dass man den Figenscliaftei! des ״Berliner Tageblatts“ das Prädikat ״jüdisch" beileg:. In Wirkliclikeit ist uas Biatt von Geburt mosaisch, in seiner Fiuhildiuig protestantisch-germanisch, seinem Charakter nach aber das ״B e r 1 i 11 c r T a g e b 1 a 11.“ Mit einer pei:dich־en Gewissenhaftigkeit und Flirlichkeit registriert es alle Vorgänge des öffentlichen Lebens. Fs berichtet ausführlich über Keimerkongresse. ״her den Himibcrtschwinde!. i!Kr Pferde- und kk.drei;:.cm, übei die Weiber des Prinzen -\reuberg und über den mit Fruchteis hau* delndeii Neffen des Papstes. Auch der iiir seinen Leserkreis gewiss hochinteressante Katholikentag fand in dem Mosseschen Organ eine eingehende Würdigung. Dagegen haben die Macher dieses Blattes gegenüber allen Vorgängen in der ׳zionistischen Bewegung, bcsotiders auch gegenüber den Kongressen hochmütig die Augen geschlossen. So glaubten sie offenbar in naiver Uebersclüitztmg ihrer Bedeutung, die grossartigste Kundgebung menschlichen Woliens und nationaler Krait verachten und lotschwcigen zai können. Nun aber kamen die überraschenden Mitteilungen Hcrzls auf dem jüngsten Basler Kongress. Halt! dachte Herr Lcwisolm, wenn das meine Gläubigen in Heringsdarf oder in Karlsbad erfahren, so könnte es sie sehr beunruhigen. Schleunigst erzählte daher das ״Berliner Tageblatt“, wenn auch an versteckter Stelle und im kleinsten Druck, von dem Afrika-Projekt der englischen Regierung und von den Versprechungen des russischen Ministers und schloss daran die unwahre und absolut unverständliche Bemerkung, dass damit der Bankrott des politischen Zionismus erfolgt sei. Würde man nicht die Absicht erkennen, der eine solche Fälschung der Tat- Sachen entsprang, so müsste mau meinen, der Schreiber hätte sich in einem Zustande geistiger Finsternis befunden, als er jenen Gedanken ausbriitete. Fs handelt sielt hierbei um ein ruchloses Attentat auf die Majestät der Wahrheit. Aber die Tageblattlciitc fürchteten, dass dieser eine Hieb nicht genügen würde, tun den Zionismus tot zu 111adien, und darum holten sie zum zweiten Male aus. Finige Tage später nämlich druckte das Tageblatt den Brief ab, den der Minister v. Pleliwe an Dr. Herzl schrieb und worin ungefähr gesagt w׳ar: Die neuerdings über-!!und nehmende nationale Propaganda unter den Juden Russlands billigen wir nicht, dagegen w׳erde11 wir den Zionismus unterstützen, wenn er wieder w ie früher mehr an die Frriclitung einer Heimstätte in Palästina denkt; dann wollen wir uns sogar beim Sultan für ihn venven- 4 % % I I I %

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