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Jüdische Rundschau · 1903-08-25 · Heft 35 (25.8.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 35 (25.8.1903)
Date
1903-08-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 372. Jüdische Hundsclian No 35. gerade so viel, um im Kongressjalirc 2 Delegierte nach Basel schicken zu können. Wer solle deun in Breslau das Bureau bilden. Redner wüsste keinen einzigen. Mail will einer bestimmten Richtung wegen ein D.-B. gründen, nämlich um die Orientkolonisationsgesellschaft zu fördern. Man solle das doch sagen. Mit viel mehr Orund könnte Mainz Hessen als Distrikt verlangen. Hantke bittet aus praktische! Gründen, Jede Resolution auf Abänderung ahzulchncn. V'e:• leicht werden sich die Verhältnisse ändern; jedenfalls dürfen wir nicht zu sehr dezentralisieren. Breslau sei die Ortsgruppe, die sich in die Disziplin am wenigsten füge. Vorläufig sei cs ein organisatorischer Hehler, der einzigen Ortsgruppe, der •n Deutschland zur Opposition gehört, ein besonderes Ansehen zu verleihen. Tr i e ts c h: Dr. ßodenheitner hätte Friedcma.ui unterbrechen müssen, als er dem Redner bezw. der Breslauer Ortsgruppe eine Unehrlichkeit vorwarf. Die Tätigkeit der Orts* gruppe Breslau sei falsch beurteilt, da in allen Ortsgruppen das Gleiche der Hall gewesen sei. dass im Kongressjahr die Zahl der Schekelzahler besonders gross sei. Wir sollten al!.* froh sein, wenn der Zionismus aus seinem uniformierten Siand• punkt heraus käme. In Breslau seien sehr viele sehr tüchtige Leute, die das D.-B. gut IciUa und viel leisten werden. Alle Gruppen hätten als Ortsgruppen wenig, als D.-B. sehr viel ge* leistet. Kr kommt auf die Stellung der Mannheimer zur Orient kolonisationsgescllschaft zu sprechen, da von anderer oeite das angeschnitten sei. Die Mannheimer hätten eine scharfe Rüge bekommen, daher die scharfe Erklärung •10 Tage später in der ״Rundschau“. Kr habe noch einen Vorschlag auf Hin richtung eines bestimmten Distriktes zu machen, und hoffe, dass man Ihm da nicht persönliche Snnderbestrehungen unter cinchen werde. Groiteman n befindet sich im Gegensatz zu sf-nii* liehen iruhören Rednern und gibt zu, dass ebenso wie in vielen anderen Teilen Deutschlands In Schlesien ein D.-B. notwendig wäre. Die Distrikte sind heute viel zu gross. Die Befähigung des Breslauer sei gar nicht in Frage, denn cs handelt sich nicht um Leistung, sondern um ״Beamte“, die verwaltend tun sollen. Parteklisziplin und Ordnung sowie Disposition sei notwendig. Ich bin uniformierter Zionist, aber ohne dass einzelne Riehtungen zur Geltung kommen oder nicht. Distriktsbureaus seien doch keine Schiessschniire. Wir gebrauchen eine gesinnungs* tüchtige Opposition, aber hier handelt cs sich um Exekutive und Verwaltung. Wir wollen die Breslauer Opposition ihrer Aufgabe nicht entziehen, dabei aber den Wunsch nicht unter־ drücken, dass noch viele neue D.-B. entstehen mögen. Friedemann־Wiesbaden hat Übergang zur Tages- Ordnung beantragt. Hantke- Berlin beantragt, Antrag Bres* lau zurückzuweisen und jede Änderung der Distriktsbureaus ahzulchncn. Hin Antrag Si in ״ n - Mannheim lautet etwa folgcnderniassen: Der Delcgiertentag ist der Ansicht, dass die bisherige Distriktseinteilung bestehen bleibe, erwartet aber, dass inan jenen Gruppen, welche arbeiten wollen, auch keine Schwierigkeiten in den Weg lege, wenn ihre Art der Propaganda mit jener übereinstimmt, die das Bureau vertritt, ßcrnfcld stellt den Antrag auf Schluss der Debatte. Dr. Heinrich Loewe stellt, so lieb ihm ein Schluss der Debatte sei, fest, dass Dr. Bernfeld nicht Delegierter sei und seine Teilnähme auch als Antragsteller unzulässig sei. Daraufhin stellt Simon so 11 •Berlin diesen Schlussantrag. Es werden schliess lieh zwei Gcneralrcdncr gewählt: Trietsch pro und Gronemann contra. Trietsch: Die Kongresse beleben die Tätigkeit ausserordentlich. Es sei daher kein Wunder, dass im Kongress* Jahre die Schekelzahler ausserordentlich zugenommmen haben, auch In Berlin. Wolle man denn den Zionismus in Deutschland vollständig uniformieren und eine freiheitliche Regung garnicht aufkommen lassen? Was den Mangel an geeigneten Personen anbclange, so sei kein solcher vorhanden. So oppositionell Wie Breslau seien auch andere Gruppen, so Mannheim, das ja sogar eine Resolution zu gunsteu der Oorlcntkolonlsatiansgc* Seilschaft angenommen habe. Redner stellt noch den Antrag. es möge eine besondere Organisation geschaffen werden, die alle Studentengruppen aus Russland bilden sollte. G r o n c m a 11 n - Hannover: Es besteht tatsächlich :11 Schlesien ein Bedürfnis nach einem Distriktsbureau, die Drisiriktc seien tatsächlich so gross, aber neue Dristriktc könne man nur dann schaffen, warn geeignete Leute vorhanden sind, das Berliner Dristriktsburcau habe das aber negiert. Die Dis* triktsbiircaus sind ja nur Geschäftseinrichtungen und müssen daher uniform sein, jeder in einem solchen Bureau habe sich als Beamter zu führen. Ein uniformierter Zionismus sei insofern ganz gm, als alle Zionisten einig, sein müssen, wenn es ,sich um Parteisaehc handle. Der Antrag Trietsch auf Schaffung eines Distriktshurcaus für Schlesien mit dem Vorort Breslau wurde hiernach ahgelehrt. Damit schlicsst die Vormittagssitzmig. Im Aufstehvii werden noch die nötigen Dechargen erteilt tnui die Fortsetzung der Sitzung auf 3'i Uhr nachmittags angesetzt. Das Satyrspiel. Am Sonnabend (22. 8.) nachmittag tagte im Baseler Zunfthaus zum Safran eine Versammlung, in der Dr. Alfred Nossig über •JM e Bilanz des Zionismus" referieren wollte. Sein Name hatte eine unübersehbare Menge von Zuhörern angelockt, um so mehr als die Baseler Zeitungen den Vortrag als eine Art von ״Vorkonferenz des Kongresses" angekiiudigt hatten. So hatte es auch Nossig offenbar gemeint und geglaubt, dass seine Persönlichkeit allein imstande wäre, dem Kongress und dem Zionismus eine andere Richtung zu gehen. Er hatte aber die Rechnung offenbar ohne - Nossig gemacht, denn er hat einfach das Gegeilte;! dessen erreicht, was er erreichen wollte. Mit Nordaitsckcn groben Geschütz itthr er auf, brachte aber dessen gewaltige '.1'orte mit einer schwachen und schwächlichen Stimme und an ganz ungeeigneter Stelle zum Ausdruck. Die Kritik, die •er üben wollte, war eine zwar zum Teil berechtigte• — und wir wären die letzten, die einer berechtigten Kritik nicht das Wort reden wollten, — aber er schoss nicht nur in der Form weit über ck;> Ziel hinaus und trotz der immer vorausgeseliiekten Versicherung, dass er lierzl und N’ordau In ihrer persönlichen Ehrenhaftigkeit und Uneigen-!Hitzigkeit nicht antasten wollte, erreichte er doch nicht, dass man seine beleidigenden Ausdrücke mit Ruhe anhörte. So kam es. dass durch die wilden Lärmszenen, die besonders Dr Korn bä 11 sc r (Galizien) anzetteite. die Versammlung sich in ein wüstes Durcheinander ausartete. Dieser Herr hat dabei ein eigenartiges Talent bewiesen, zu stören, und mau wird das in gutem Andenken behalten. Aber die Hauptbedeutung der Versammlung war doch eine andere. Die Misrachisten. die heim Beginn der Versammlung Nossig wiederholt Beifall spendeten, haben durch sein Auftreten den grössten Vorsprung gewonnen, den sie wohl kaum erwartet haben. Ausserdem aber hat Nossig jede noch so gemässigte und überhaupt jede Opposition von vornherein absolut unmöglich gemacht, indem man jede Kritik unter dem Gesichtswinkel der Nossigsclicn Angriffe betrachten wird, und die vereinigte Linke wird sieh bei Nossig zu beklagen haben, wenn die Majorität des Kongresses ihre sehr berechtigten Wünsche vielleicht nicht mit den Sympathien aufnehmeu wird, die man ihren Be- Strebungen sonst unbedingt entgegengebracht hätte. Jedenfalls hatte Nossig int Interesse einer ehrlichen Kritik und einer freien Entwickelung des Zionismus besser getan, wem! er seine Bilanz des Zionismus uns nicht vorgelegt hätte — oder vielmehr nicht versucht hätte, uns vorzulegcn, sondern uns die Revision des Zionismus selbst überliesse. CUaraktc« ristisch für die Versammlung war auch, dass jener Redakteur von ״Ost und West“, der sich mit Recht oder Unrecht rühmt, den schändlichen Artikel gegen unsere Führer und unsere Be* wegung geschrieben zu haben, während Nossigs Rede den Ehrenplatz an seiner Seite cinitahm. und dass jener selbe Kaininka, der die famosen sattsam bekannten Artikel gegen die Jüdische Kolonialbank verbrochen hat. in der ersten Sitzreihe wohlgefällig strahlte. Das sind doch nicht die wiiu« sehenswerten Kameraden für den Verfasser der Sozialhygiene. Er hat durch sein Eintreten für die Revision des Zionismus, die demokratische Bewegung im Zionismus für diesen Kongress blamiert und lahm gelegt. 1 ... —- I ......... i ' .־

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